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Stadtgeschichte > Aufsätze zur Geschichte Ibbenbürens > Kittken Bumm - Kittchen in Ibbenbüren


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Stadtmuseum Ibbenbüren


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Gerichtsbarkeit bis zum Beginn des achtzehnten Jahrhunderts

Für die Obergrafschaft Lingen wurde in Ibbenbüren ein besonderes Gericht angeordnet, wovon das Gefängnis = "Prangele" und die steinernen Gerichtsbänke noch bis zum Jahr 1739 vorhanden waren. Der Pranger lag an der Stelle, wo sich früher am Oberen Markt vor Hofschulte die Waage befand. Der Galgen für die Obergrafschaft stand an der Bockradener Straße, an der Stelle, wo die neue Bockradener Straße von der alten abzweigt.

(Der Pranger, Schandpfahl oder Kaak war ein Strafwerkzeug in Form einer Säule, eines Holzpfostens oder einer Plattform, an denen ein Bestrafter gefesselt und öffentlich vorgeführt wurde).

 

  Quelle: Ibbenbüren - Einst und Jetzt - Von Anton Rosen - Ibbenbürener Vereinsdruckerei, 1952
Umfang: 535 S. : Ill., Kt. Seite 161
 



spacer Kittken Bumm - Kittchen (Gefängnis) in Ibbenbüren - Von Werner Suer
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  • Kittken Bumm A = "Janning", Brunnenstraße
• Kittken Bumm B = "Hotel Matzner", Große Straße
(Synonyme zu Kittchen > Gefängnis, Haftanstalt, JVA) Siehe auch Links zum Thema


 

Ein alter emaillierter Napf aus dem Fundus des Stadtmuseums gibt Anlass für einen kleinen Rundgang durch unsere Stadt: Dieser Eßnapf ist ein Original, er diente als Geschirr für die Versorgung der Gefangenen im so genannten "Kittken Bumm". B

 


  Erstes Kittchen in der Brunnenstraße


  Aus Hunsche-Holwitt " Alt-Ibbenbüren"

 

Lausen Martin - geboren 15. 1. 1866, gestorben 26. 3. 1942

Bei seiner Taufe muß ein Schalk Pate gestanden haben: er war ein stadtbekanntes Unikum. Der tüchtige Metzgermeister hatte einen charaktervollen Humor, trocken, hintergründig. An Schlagfertigkeit und Mutterwitz war er kaum zu übertreffen. Bevor er das jetzige Haus Löbbers am Oberen Markt erwarb, hatte er sein Geschäft in einem etwas zurückliegenden Haus (Armenhaus) zwischen Marktstraße und Brunnenstraße. Es war nur durch einen schmalen Zugang zwischen den jetzigen Häusern Braunschweig und Scholten zu erreichen. Seine Metzgerei, im ehemaligen Städtischen Armenhaus eingerichtet, grenzte Wand an Wand (vgl. Foto) an die bewachten Strafzellen, die von ihm "Janning", von anderen "Kittken Bumm" genannt wurden. Als Martin Lause hier wohnte, stellte er sich auf seine Weise vor: "Martin Lause, von hinten gesetzlich geschützt."

 

spacer Quelle: Aus "Alt-Ibbenbüren" - Bilder Berichte Geschichten - von Friedrich E Hunsche (Autor), Bernhard Holwitt (Autor) 2. überarbeitete und erweiterte Auflage: Dezember 1980 - Ibbenbürener Vereinsdruckerei GmbH 1980  






 
 
 
.. Brunnenstraße und Kirchplatz - Rechts Kittken Bumm (A) eingerahmt. Dahinter lag das Armenhaus.
Rechts vom Kittchen war das Lagerhaus von Braunschweig.
 
  :: Foto: Historischer Verein Ibbenbüren e. V.  


 

In seinen Aufzeichnungen berichtet Anton Rosen von einem alten Polizeigewahrsam an der Brunnenstraße, an der Rückseite des ehemaligen Verlagsgebäudes Scholten gelegen. Dieses Gebäude bezeichnete der Volksmund mit "Janning" oder auch "Kittchen". Saß jemand also im "Janning" ein, dann hatte er etwas auf dem Kerbholz. Das Gefangenenhaus (4 mal 4 Meter) lag gegenüber dem Fachwerkhaus Hövel an der Brunnenstraße 11. Auf einer Flurkarte von 1823 ist das Gebäude verzeichnet. Hinter dem Kittchen, im Garten von Scholten lag das Armenhaus der Stadt, darin wohnte später das Ibbenbürener Original Martin Lause. Er betrieb hier eine kleine Metzgerei.

 


 
Bebauungsplan der Stadt Ibbenbüren von 1908 - Kittchen in der Brunnenstraße
 
 
Kittken Bumm (A) in der Brunnenstraße (im roten Kreis)
 
  © Bebauungsplan der Stadt Ibbenbüren von 1908  


 
Bebauungsplan der Stadt Ibbenbüren von 1908 - Kittchen in der Brunnenstraße
 
 
- Kittken Bumm (A) in der Brunnenstraße (rotes Quadrat). Die Nummer 814 war das Armenhaus.
 
  © Bebauungsplan der Stadt Ibbenbüren von 1908 (Ausschnitt)  


 
Rechts vom Lagerhaus Braunschweig lag das Armenhaus, dahinter das "eingerahmte" Kittken Bumm. (A)
 
 
. Rechts vom Lagerhaus Braunschweig lag das Armenhaus, dahinter das "eingerahmte" Kittken Bumm. (A)
 
  .AK - Luftbild Ibbenbüren - Oberer Markt um 1930  



  "Kittken Bumm"-A- in der Brunnenstraße

 

Werner Suer

Das Kittchen -A-, der Janning, lag in der Brunnenstraße, dahinter im Garten lag das Armenhaus (siehe Karte). Im Armenhaus wohnte "Lausen Martin", er hatte dort auch einen kleinen Metzgerladen.

 

 

In seinen Aufzeichnungen berichtet Anton Rosen von einem "Alten Polizeigewahrsam" an der Brunnenstraße - an der Rückseite des ehemaligen Verlagsgebäudes Scholten gelegen, heute Parfümerie Pieper. Dieses Gebäude bezeichnete der Volksmund mit "Janning". Saß jemand also im "Janning" ein - hatte er etwas auf dem Kerbholz.

An der Brunnenstraße lag gegenüber dem Fachwerkhaus Hövel das Gefangenenhaus an der Straße, es war etwa 4 mal 4 Meter groß. Auf einer Flurkarte von 1823 ist das Gebäude verzeichnet. Hinten im Garten von Scholten lag das große Armenhaus der Stadt, hier wohnte später das Original Martin Lause und hier betrieb er eine kleine Metzgerei. Das Gefangenenhaus wurde im Volksmund "Janning" genannt.

 


 

Es gab in Alt-Ibbenbüren kein Haus, das sich solcher Volkstümlichkeit erfreute wie das ehemalige Armenhaus der Stadt mit den bewachten Strafzellen. "Kittken Bumm" oder auch "Janning" nannten die Ibbenbürener diese Räume. Die meisten schmunzelten, wenn sie davon sprachen; sie lasen auch gern darüber, denn bei allem Ernst hatte "Kittken Bumm" doch manche heitere Seiten.

 

 

Hier einige Berichte aus der Zeit um etwa 1900 aus dem Buch
"Alt-Ibbenbüren" - Bilder Berichte Geschichten - von Friedrich E Hunsche (Autor), Bernhard Holwitt (Autor)

"In der Staatskarosse nach dem Hotel Janning wurde in einer der letzten Nächte ein Mann gefahren, der in stark spiritueller Verfassung den Aufenthalt im Freien der trockenen Zimmerluft vorgezogen hatte. Um sein leibliches Wohl liebevoll besorgt, lud ihn einer unserer Nachtwächter ein, sich den Gefahren des Biwaks zu entziehen, und als dieses fruchtlos war, wurde das bekannte einrädrige Beförderungsvehikel Schubkarre requiriert. Damit wurde dann der Transport nach dem Stadthotel in der Brunnenstraße bewerkstelligt und dem Transportierten Zeit zum Ausschlafen gegeben, was allerdings erst am nächsten Tage, am hellen Mittag, der Fall war."

 

 

"Am Sonntagabend mußte der Janning wieder seine Pforten öffnen, um einen Jüngling aufzunehmen, der die Geister, die er rief, nicht wieder loswerden konnte und infolgedessen wegen zu geringer Rücksichtnahme auf die Nachtruhe seiner Mitmenschen aus den schwedischen Gardinen des genannten Wohlfahrtshauses Kucki machen durfte (hinausblicken durfte). Die Hotelrechnung wird dem betreffenden Täter später überreicht und dürfte durch ihre Höhe nicht weniger überraschen als die anderer Häuser."

 

 

"Auch im Janning, der sonst schon so oft seine Macht bei aufgeregten Gemütern als Beruhigungsmittel geltend gemacht hat, konnten an einem Karnevalstage einige internierte Gäste die Geister, die sie gerufen hatten, nicht wieder loswerden. Nach dem nötigen Radau richteten sie ihre Aufmerksamkeit auf die Ofenpipe, die den vereinten Anstrengungen natürlich nicht standhielt und, aus der Wand genommen, dazu benutzt wurde, tiefe Geistertöne hervorzubringen. Als jedoch die Kälte sich bemerkbar machte, da der Ofen ohne Pipe nicht mehr heizbar war, erfolgte eitel Heulen und Zähneklappern, und auch in diesem Falle folgte der Sünde die Strafe auf dem Fuße."

 

 

"Das ,Hotel' Janning war in der Nacht von Samstag zum Sonntag wieder mal mit Einquartierung belegt, d. h. mit unfreiwilliger. Zwei junge Leute, wahrscheinlich durch die Einquartierung in eine kriegerische Stimmung versetzt, kamen mit unseren pflichtgetreuen Hütern der Nacht in Konflikt und wurden schließlich, nach mehrmaligen Fluchtversuchen wieder eingefangen und hinter schwedische Gardinen transportiert, wo ihnen die Stimmung wohl bald vergangen sein wird. Der nächtliche Fall dürfte übrigens für die Beteiligten wohl ein unangenehmes Nachspiel haben."

 

 

"Ibbenbürens vornehmstes Etablissement in der Brunnenstraße erhielt vorgestern unangemeldeten Besuch durch einen Mann, der sich durchaus nicht vornehm benahm. Im Gegenteil: er tobte und schlug wie ein Wilder um sich. Die Wärterin schlug die Hände über dem Kopf zusammen, als der ,Gast' anfing, alles Bewegliche kurz und klein zu schlagen. Auch die ihm von den Polizisten danach angelegten Handschellen zerschlug er. Die ihm dann angelegte Zwangsjacke zerriß er wie ein Stück Papier. Ob der wilde Mann wohl weiß, daß er bald vor Gericht stehen wird und Prison (Gefängnis) bekommen kann?"
"Ausschreitungen und Schlägereien sind fast allerorten Begleiterscheinungen des Musterungsgeschäftes, und solche sind auch während der soeben beendeten Musterung in Ibbenbüren nicht ausgeblieben. So bot sich gestern hier das Schauspiel, daß eine Mutter ihren Sohn auf einem Karren nach Hause schaffte, weil dieser derart betrunken war, daß er nicht mehr stehen und gehen konnte. Außer diesem widerlichen Schauspiel wird uns noch mitgeteilt, daß das ,Hotel Janning' in diesen Tagen recht lebhaften Verkehr gehabt haben soll. Ferner wird uns berichtet, daß zwischen jungen Leuten aus Brochterbeck die heitere Stimmung, in der sie sich befanden, in eine anständige Schlägerei und Keilerei ausartete. Feste Hiebe soll es dabei gesetzt haben, und einer der Beteiligten soll den Verlust eines halben Ohres zu beklagen haben. Hoffnungsvolle Vaterlandsverteidiger!"


"Ein dem Dilirium tremens vollständig verfallener Mensch, der am vergangenen Sonntag von einem unserer Polizeioffizianten beim Betteln abgefaßt wurde, bewohnt zur Zeit den sogenannten Janning. In sich von Zeit zu Zeit einstellenden Wutausbrüchen zerriß und zerschlug er alles, was ihm vor die Augen kam, bedrohte die Wärterin(!), schrie und tobte unaufhörlich, so daß ihm schließlich Handschellen und als auch diese von dem Tobsüchtigen gesprengt wurden, die Zwangsjacke angelegt werden mußte. Aber auch diese hielt der furchtbaren Kraft des Wütenden nicht stand, sondern wurde von demselben wie ein Stück Papier zerrissen. Endlich ließ die Kraft nach, der Tobende verfiel in einen Schlaf, und man holte einen Arzt herbei, welcher Beruhigungsmittel verschrieb und die möglichst schleunige Überführung in das Krankenhaus anordnete."

'" In jenen Tagen war "Kittken Bumm" verlegt worden: von der Brunnenstraße in einen Anbau an der früheren Amtssparkasse, in dessen Nähe auch die Polizeiwache lag.

 

spacer Quelle:
Aus dem Buch von Hunsche-Holwitt - "Alt-Ibbenbüren"
- Bilder Berichte Geschichten
von Friedrich E Hunsche (Autor), Bernhard Holwitt (Autor)
2. überarbeitete und erweiterte Auflage: Dezember 1980 - Ibbenbürener Vereinsdruckerei GmbH 1980



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  Zweites Kittchen hinter der Feuerwehr (Neumarkt)

  • Kittken Bumm A = "Janning", Brunnenstraße
• Kittken Bumm B = "Hotel Matzner", Große Straße


 

Werner Suer

Wer heute von der Großen Straße kommend zwischen den von H & M und Rossmann genutzten Gebäuden zum Neumarkt geht, beachtet kaum das Straßenschild "Alte Wache". Dieses Schild nimmt Bezug auf das noch in den fünfziger und sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts hier bestehende Dienstgebäude der Polizeiwache und das gegenüber liegende Gefängnis hinter der Feuerwache. Zwischen dem Feuerwehrhaus und der Großen Straße war seit 1905 ein Gefängnis, das im Volksmund "Kittken-Bumm" -B- oder auch "Hotel Matzner" genannt wurde.

 


 
Luftaufnahme Oberstadt mit Großer Straße und Kittken Bumm am Viehmarkt. (Neumarkt)
 
 
AK Luftaufnahme Oberstadt mit Großer Straße und Kittken Bumm (B) am Viehmarkt. (Neumarkt)
 
  AK - Ansichtskarte - Sammlung Suer  

 

Dieses Gefängnis an der Großen Straße 24 a bestand aus einem Verwaltungs- bzw. Versorgungsraum und einem Gang, an dem sich drei vergitterte Zellen anschlossen. In diesem vorgelagerten Raum stand ein Schrank mit dem Geschirr für die Gefangenen. Der besagte emaillierte Napf gehörte zur Bestückung dieses Schrankes. Zwischen dem Feuerwehrhaus und der Großen Straße bestand seit 1905 dieses Gefängnis, das im Volksmund "Kittken-Bumm" oder auch "Hotel Matzner" genannt wurde.

Im Kittken waren meist Obdachlose Sie bekamen dort Nachtquartier. Kleine Ganoven blieben meist 1 Tag, manchmal bis 3 Tage, dann kamen sie oft ins Gefängnis am Amtsgericht, in schweren Fällen in das Gefängnis von Tecklenburg am Burgtor.

In den Zellen waren Holzpritschen u. Decken. Es gab keinen Ofen. Die Insassen mußten die Zellen fegen.. Ein schräger Blechkasten vor den Fenstern der Zellen (vgl.Foto) erlaubte nur den Blick in den Himmel.

 


 
Ansichtskarte - Ibbenbüren Oberstadt
 
 
: Ansichtskarte - Ibbenbüren Oberstadt - Rechts im Bild das Kittken Bumm (B) am Viehmarkt (Neumarkt),
mit den beiden Türen und den 4 Gitterkörben vor den Giebelfenstern im EG. Um 1907. Das kleine Haus
im Vordergrund war die alte Polizeiwache.
 
  . AK - Ansichtskarte - Sammlung Schröder/Suer  

 

Oben auf dem Gefängnis wohnte der Polizei-Obermeister Matzner mit seiner Familie. Die Familie Matzner versorgte die Einsitzenden mit Nahrungsmitteln. Aus dem Jahr 1925 wird berichtet, wie die Mahlzeiten der Gefangenen bestückt waren: Mittags gab es Nudelsuppe ohne Einlage, abends dann Wasser und trockenes Brot, manchmal mit Butter. Das Gefängnis und die Polizeiwache waren noch bis 1945 in Betrieb. Unter englischer Verwaltung wurden die Dienst- und Gewahrsamsräume der Polizei in die Feuerwache verlegt.

 






 

Ibbenbürener Volkszeitung

Anzeiger für den Kreis Tecklenburg
(Ibbenbürener Volksblatt)



Grafik - Lokales


Grafik - IVZ vom 10.11.1907 - Sie konnten zusammen nicht kommen
 



IVZ vom 10.11.1907
- Sie konnten zusammen nicht kommen

Die vorbestraften Arbeiter August und Heinrich K. waren zur Verbüßung einer mehr als einjährigen Gefängnisstrafe im hiesigen Gefängnis inhaftiert. Sie wollten aber ihr junges Leben nicht hinter Gefängnismauern vertrauern und beschlossen deshalb, auszubrechen. In der Nacht zum 12. Oktober 1907 verständigten sie sich –sie lagen in benachbarten Zellen- und da bekanntlich vereinte Kräfte am ehesten zum Ziele führen, sollte August K. ein Loch in die Verbindungsmauer brechen und dann zu seinem Bruder hinüberkommen, der die Flucht in die Öffentlichkeit vorbereitete. Mit Hülfe einer Eisenstange, die zum Öffnen des Zellenfensters benutzt wurde, gelang es dem Heinrich K., die Außenwand seiner Zelle nach dem Gefängnishofe zu, zu durchbrechen. August K., der nur mit einem Nagel arbeitete, wurde jedoch nicht fertig und so mussten sie sich auf die folgende Nacht vertrösten. Dem Aufseher entging aber am folgenden Morgen bei der Zellenrevision die Nachtarbeit der beiden nicht, trotzdem sie die bereits gelockerten Steine kunstgerecht wieder eingesetzt hatten. Der Staatsanwalt ging davon aus, dass das Gefängnis eine höchst nützliche Einrichtung sei und die Angeklagten sich deshalb der schweren Art der Sachbeschädigung schuldig gemacht hätten, indem sie Gegenstände, die zum öffentlichen Nutzen dienen, zerstörten. Das Gericht war dagegen der Ansicht, dass nur einfache Sachbeschädigung vorliege und erkannte gegen jeden der beiden Freiheitsliebenden auf 2 Wochen Gefängnis.

 

  Quelle: IVZ Archiv - IVZ vom 10.11.1907  






 
Blick vom alten Haus Driemeier über den Neumarkt (Viehmarkt) zur Oberstadt
 
 
Blick vom Haus Driemeier über den Viehmarkt (Neumarkt) zur Oberstadt mit Kittken Bumm (B). Um 1915
 
  Foto: Sammlung Karl Schröder  

 

Werner Suer

Das Gefängnis bestand aus einem Verwaltungs- bzw. Versorgungsraum und einem Gang, an dem sich drei vergitterte Zellen anschlossen. In diesem vorgelagerten Raum stand ein Schrank mit dem Geschirr für die Gefangenen. Ein emaillierter brauner Napf gehörte zur Bestückung dieses Schrankes. Oben im Gefängnisgebäude wohnte der Polizei-Obermeister Julius Matzner mit seiner Familie. Die Familie Matzner versorgte die Delinquenten mit Nahrungsmitteln.

 

 

Aus dem Jahr ca. 1925 wird berichtet, wie die Mahlzeiten der Gefangenen bestückt waren. Mittags gab es Nudelsuppe ohne Einlage, abends dann Wasser und trockenes Brot, manchmal mit Butter. Das Gefängnis und die Polizeiwache waren noch bis 1945 in Betrieb. Unter englischer Verwaltung wurden die Dienst- und Gewahrsamsräume der Polizei in die Feuerwache verlegt. Das Gebäude des ehemaligen Gefängnisses wurde von Malermeister Franz Falke gekauft. Frau Wesselmann war 1923 Kindermädchen im Haushalt von Julius Matzner. Sie kam immer zum Mittag und musste im Haushalt spülen und wischen.

 

 

Sie kümmerte sich um die Kinder, den 3jährigen Helmut, um Erika u. um Günter Matzner. Im Kittken waren meist Obdachlose und Trunkenbolde. Sie bekamen dort Nachtquartier. Kleine Ganoven blieben meist 1 Tag, manchmal bis 3 Tage, danach kamen sie auf freien Fuß oder kamen ins Gefängnis am Amtsgericht, in schweren Fällen kamen sie in das Gefängnis von Tecklenburg am Burgtor. Frau Wesselmann brachte den Insassen des Kittchens öfter das Essen. Mittags gab es meist Nudelsuppe ohne Einlage, abends trockenes Brot, manchmal mit etwas Butter, dazu Wasser. In den Zellentüren waren kleine Öffnungen mit Klappen, die nach außen gingen. Auf die Klappen wurde das Essen gestellt u. von den Insassen entgegengenommen. In den Zellen waren Holzpritschen u. Decken, es gab keinen Ofen. Die Insassen mussten die Zellen selber fegen. Ein schräger vergitterter Blechkasten vor den Fenstern der Zellen erlaubte nur den Blick in den Himmel.

 



 
Gebäude des ehemaligen Gefängnisses (Kittken Bumm im EG), in der Gasse vom Neumarkt zur Großen Straße
 
 

Gebäude des ehemaligen Gefängnisses Kittken Bumm -B- (im EG mit den 2 Türen). Links im Bild die Rückseite der "Sparkasse des Amtes Ibbenbüren" (1904 bis 1943) an der Großen Straße. Das Gebäude des ehemaligen Gefängnisses wurde von Malermeister Franz Falke gekauft und umgebaut. Der Blick geht nach Norden.

 
  Foto: IVZ Archiv  


 
Die Baugrube für den Bitter-Neubau wird ausgehoben
 
Die Baugrube für den  Bitter-Neubau wird betoniert
 
 

Noch steht Kittken Bumm. (links). Die Baugrube für den Bitter-Neubau wird ausgehoben. Im Hintergrund die Rückseite des Feuerwehrhauses am Neumarkt.

 

Kittken Bumm ist abgerissen. Die Baugrube für den Bitter-Neubau wird betoniert. Im Hintergrund die Rückseite des Feuerwehrhauses am Neumarkt.

 
  Foto: Sammlung Suer - 1958 - Blick nach Osten   Foto: Sammlung Suer - 1958 - Blick nach Osten  


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Grafik - Zur Alten Wache
 

 

Polizei in Ibbenbüren

Wenn man in alten Akten nach Beweisen für die Arbeit der Polizei in früheren Zeiten sucht, findet man wenig darüber. Es gab zwar in jedem Ort einen Polizeidiener, der auch Führer genannt wurde und dem in besonderen Fällen die Schützen unterstanden; aber weltweite "Polizeiaktionen" wie in unserer Zeit kamen nicht vor. Offenbar waren die Leute damals friedlicher und ehrlicher, und an der Überlieferung, daß man einmal als Hauswächter nur den Besen vor die Haustür zu stellen brauchte, um sein Eigentum zu sichern, scheint etwas wahr zu sein, obgleich es auch damals "Spitzbuben" und lichtscheues Gesindel gab.

 

 

Quelle: Auszug aus - Ibbenbüren - Vom ländlichen Kirchspiel zur modernen Stadt - Von Friedrich Ernst Hunsche - Verlag Bernhard Scholten, 453 Ibbenbüren, Ibbenbüren 1974

 

  Siehe auch unsere Seite - Polizeigeschichte(n) in Ibbenbüren - Von Werner Suer - Webseite Stadtmuseum >>>  



 
© Stadtplan Amtsverwaltung Ibbenbüren (Ausschnitt) - Ausgabe 1954
 
 
Standort 1 - Kittken Bumm (B) - Standort 2 - Alte Wache
 
  . © Stadtplan Amtsverwaltung Ibbenbüren (Ausschnitt) - Ausgabe 1954 - Maßstab 1:7500  



  Blick von Neumarkt zur Großen Straße - Rossmann am Neumarkt 39 ist auf dieser Fläche gebaut worden.  

 
Standort der alten Polizeiwache
 
Standort der alten Polizeiwache
 
Gasse "Zur Alten Wache" - 1999
 
 
Standort der alten Polizeiwache
 
Standort der alten Polizeiwache
 
Gasse "Zur Alten Wache" - 1999
 
 

Blick vom Neumarkt auf die Rückseite der Glückauf--Apotheke (rechts)

 

Blick vom Neumarkt auf die Rückseite der Glückauf--Apotheke

 

Gasse "Zur Alten Wache" zwischen Glückauf-Apotheke und Bitter.

 
  Foto: Archiv IVZ - 28.1.1999 / Suer   Foto: Niemann / Bucken - 1999   Foto: Niemann / Bucken - 1999  


 
Gasse "Zur Alten Wache" 2015
 

Polizeigeschichte(n) in Ibbenbüren - Von Werner Suer
Webseite Stadtmuseum >>>

Von 1905 bis 1939 ist die Polizeiwache, die sogenannte "Alte Wache" in der Großen Straße 24 a, (heutige Gasse "Zur Alten Wache").
1939 bis 1946 war die Polizeiwache im Feuerwehrhaus auf dem Neumarkt.
1946 bis 1960 waren Schutpolizei und die Kriminalpolizei im "Alten Amtshaus" Breite Straße 12.
1966 ist die Polizei u. Kripo bei Riedel eingezogen, Große Straße 100 (1959 bis 1965 war hier die Gastwirtschaft "Haus Riedel")

 
 
Durchgang zwischen Großer Straße und
Neumarkt - Die Gasse "Zur Alten Wache" - 2015
 
Grafik - Zur Alten Wache
 
  Foto: Werner Suer      



  Blick von der Großen Straße zum Neumarkt  

 
Sparkasse des Amtes Ibbenbüren
 
Textilhaus Bitter - Große Straße 22
 
H&M - Große Straße 22
 
 
Sparkasse des Amtes Ibbenbüren
 
Textilhaus Bitter - Große Straße 22
 
H&M - Große Straße 22
 
 
1920er Jahre (1904 bis 1943)
 
1960er Jahre
 
Mai 2015
 
  Grafik: Ludw. Herbrand / Suer   Foto. Börgel / Suer   Foto: M. Franke  



 
Sparkasse des Amtes Ibbenbüren - Große Straße 22 - Bildmitte. (1904 bis 1943) Dann Arbeitsamt.
 
 
Sparkasse des Amtes Ibbenbüren - Große Straße 14 (Bildmitte)
Links Kittken Bumm - Rechts die Glück-Auf-Apotheke (Restaurant Rosso)
 

  Quelle: Altes Amtshaus, Gemälde, Original bei Ludw. Herbrand, 1966 von R. Hölzel nach einer Vorlage gemalt:
Die Amtssparkasse 1904 bis 1943, ab 1943 Kreissparkasse.(Bildmitte) IVZ vom 02.07.1905: Die Amtssparkasse wird eröffnet.
 





 

Polizei in Ibbenbüren

1959
- Die "Alte Wache" wurde 1959 abgebrochen, als der Neubau von Textilhaus Bitter gebaut wurde, bis dahin wohnte Frau B. Wesling in der "Alten Wache"..

1960 bis 31. 7. 1966 war Polizei u. Kripo in der alten Villa Bispinck an der Neustraße 4. (Am 16.11. Abriß der Villa Bispinck, dem ehem. HJ-Gebäude, Neustraße, neben dem Rathaus)

1966 am 2.8. 1966 ist die Polizei u. Kripo bei Riedel eingezogen, Große Straße 100 (1959 bis 1965 war hier die Gastwirtschaft "Haus Riedel")

1972 am 16.11. Abriß der Villa Bispinck, dem ehem. HJ-Gebäude, Neustr. , neben dem Rathaus

1973 am 1.12. Umzug in den Seitentrakt des Rathauses. Polizeidienststelle war unten, die Kripo war oben.

1989 Die Kripo ist jetzt im Haus Taschner, Münsterstr. 18, der Verbindungsbau zur Polizei fehlt noch.(10.10.89 )

1991 Renovierung von Hs. Taschner, der Glas-Verbindungsbau ist gebaut u. die Räume der Polizei im Rathaus sind nach dem Umbau fertig. (Die Polizei nutzt auch den Verbindungsbau (ab 1.4. 1991)

 

  Siehe auch unsere Seite - Polizeigeschichte(n) in Ibbenbüren - Von Werner Suer - Webseite Stadtmuseum >>>  



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  Bücher zum Thema ::

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Ibbenbüren - Einst und Jetzt
- Von Anton Rosen

Ibbenbürener Vereinsdruckerei, 1952
Umfang: 535 S. : Ill., Kt.
Stadtmuseum Ibbenbüren - Im Bestand
Ibbenbüren - Einst und Jetzt - Von Anton Rosen


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"Alt-Ibbenbüren"
- Bilder Berichte Geschichten

von Friedrich E Hunsche (Autor), Bernhard Holwitt (Autor)
2. überarbeitete und erweiterte Auflage: Dezember 1980
Ibbenbürener Vereinsdruckerei GmbH 1980
Stadtmuseum Ibbenbüren - Im Bestand

Alt-Ibbenbüren


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Das alte Ibbenbüren aus der Luft


Hrsg. Historischer Verein Ibbenbüren 2001
von Josef Bröker, Brigitte Rieping-Seibold, Werner Suer
Ausgabe 1. Aufl. Wartberg-Verlag 2001 - 64 S. : überw. Ill. Bildband
ISBN 3-8313-1042-4

Stadtmuseum Ibbenbüren - Im Bestand

Das alte Ibbenbüren aus der Luft



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Links zum Thema ::

   
  • Kittchen – Wiktionary - http://de.wiktionary.org/wiki/Kittchen
  • Kittchen - OpenThesaurus - https://www.openthesaurus.de/synonyme/Kittchen
  • Niedere Gerichtsbarkeit - Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Niedere_Gerichtsbarkeit
  • Der Kriminalfall "Maria Wientjes" von 1902 in Ibbenbüren - Von Werner Suer - Webseite Stadtmuseum >>>
  • Polizeigeschichte(n) in Ibbenbüren - Von Werner Suer - Webseite Stadtmuseum >>>
  • Polizeiwache Ibbenbüren - http://www.polizei.nrw.de/steinfurt/artikel__4338.html






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Foto Seite oben - Luftaufnahme (Ausschnitt) Brunnenstraße 1950er Jahre
© Das alte Ibbenbüren aus der Luft - Historischer Verein Ibbenbüren 2001



© Förderverein Stadtmuseum Ibbenbüren e. V.
Breite Straße 9 - 49477 Ibbenbüren
Stadtmuseum Ibbenbüren
Aktualisiert/Update 04.01.2017
www.stadtmuseum-ibbenbueren.de
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