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Blick auf Ibbenbüren mit Nike und Textilfabrik Többen - 1922
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Stadtmuseum Ibbenbüren
    


Frühgeschichte und Stadtentwicklung - Inhaltsangabe  

  1. 10 000 Jahre Ibbenbüren - Ein Ausflug in die Vor- und Frühgeschichte - Von Albert Recknagel  
  2. Über die Entstehung der Stadt Ibbenbüren .1922 - Teil 1 - Von Vicar Dorfmüller  
  3. Über die Entstehung der Stadt Ibbenbüren .1922 - Teil 2 - Von Vicar Dorfmüller  
  4. Illustrierter Führer für Ibbenbüren und Umgegend - 1902 - Verschönerungs-Verein  
  5. Illustrierter Führer und Heimatbuch für Ibbenbüren und Umgegend - 1912 - Verschönerungs-Verein  



1. 10.000 Jahre Ibbenbüren - Ein Ausflug in die Vor- und Frühgeschichte - Teil 1 - Von Albert Recknagel


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(Einleitung) Ibbenbüren hatte schon lange vor der ersten schriftlichen Erwähnung Bewohner. Die Existenz von Frühmenschen wie dem Homo Erectus und dem Neandertaler ist in Ibbenbüren und Umgebung (bislang) nicht belegt. Da aber sowohl weiter nordöstlich als auch südlich Werkzeuge und Knochenreste gefunden wurden und in unserer näheren Umgebung markante, weithin sichtbare und Schutz gebende Felsformationen vorkommen, kann man davon ausgehen, dass beide Frühmenschen auch unseren Raum durchstreiften.

Als vor etwa 17.000 Jahren die letzte Eiszeit zu Ende ging, lag die durchschnittliche Jahrestemperatur in Ibbenbüren noch unter 0° C, so wie heute in Sibirien. In den nachfolgenden Jahrtausenden erwärmte sich das Klima jedoch beständig, auch wenn es zwischendurch immer wieder zu Kälteperioden kam.



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In und um Ibbenbüren kann anhand von fünf bedeutenden Fundplätzen und den dort gefundenen Artefakten die menschliche Besiedlung und kulturelle Entwicklung belegt und nachgezeichnet werden:

1. Die Zelt- und Jagdplätze der Federmesser-Kultur (11.800 - 10.700 v. Chr.) an der Düsterdiecker Niederung/Westerkappeln.

2. Die Herkensteine bei Tecklenburg, ein "Hochsitz" der Rentierjäger der Ahrensburger Kultur (10.700 -9.600 v. Chr.) und nachfolgender Jäger und Sammler der mittleren Steinzeit (9.600 - 5.000 v. Chr.).

3. Die Großen Sloopsteene bei Westerkappeln - das größte Megalithgrab Westfalens - und das "Hünengrab" in Wechte als Zeugnisse der Trichterbecher-Kultur (3.500 - 2.000 v. Chr.), der ersten Ackerbauern in unserer Region.

4. Im heutigen Gewerbegebiet "Auf dem Trüssel" wurden bei Ausgrabungen zahlreiche Funde aus der Zeit der endneolithischen Becherkulturen (2.400 - 1.700 v. Chr.) und Bronzezeit (1.700 - 600 v. Chr.) gemacht. Die weiter südlich, am Schnittpunkt mit dem Hermannsweg liegenden, ausgeschilderten Hügelgräber gehören ebenfalls in diese Zeit.

5. Die Wallburg auf dem Schweinskopf, oberhalb des Bocketals bei Brochterbeck, ist die bislang einzige bronzezeitliche Befestigung Westfalens (17. Jh. v. Chr.).

Im Stadtmuseum befinden sich (ab 2009) ausgestellte Fundstücke und weitergehende Beschreibungen aus diesen vorgeschichtlichen Kulturen.




Die naturräumliche Lage
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Um die Bewegungen und Standorte der steinzeitlichen Jäger- und Bauernkulturen zu verstehen, ist ein Blick auf die Geographie Ibbenbürens hilfreich.

Im Gebiet der Stadt Ibbenbüren stoßen mit dem nordwestdeutschen Tiefland und dem nordwestdeutschen Mittelgebirge zwei naturräumliche Großlandschaften aneinander. Ibbenbüren wird geprägt durch den steilen Kamm des Teutoburger Waldes (Dörenther Osning) und die Schafbergplatte, die bei Osterledde die Höhe von 174 m erreicht. Im nördlichsten Ortsteil Nieder-Bockraden senkt es sich bis 35 - 40 m und erreicht die Ausläufer der Feucht- und Moorgebiete des nordwestdeutschen Tieflands. Zwischen Schafbergplatte und dem Teutoburger Wald liegt die 3 - 5 km breite Ibbenbürener Senke, in der die Ibbenbürener Aa verläuft. Das Aa-Tal ist naturräumlich betrachtet ein Mittelgebirgstal, welches nach Nordwesten in die Norddeutsche Tiefebene mit ihren großen unwegsamen Moorgebieten hineinragte.


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Die Ibbenbürener Senke öffnet sich nach Westen zur Ems hin. Der Teutoburger Wald wird vom Bocketal und bei Dörenthe von zwei Quertälern (Pässen) durchbrochen. Im Süden (Dörenthe) reicht das Gemeindegebiet in die Ausläufer der flachen Parklandschaft des Münsterlands hinein. In der herausgehobenen ca. 70 km² großen Ibbenbürener Karbonscholle (Schafbergplatte mit Dickenberg) stehen die Steinkohlenflöze oberflächennah an.

Mit Eisenerz, Sandstein und Schieferton kommen im Bereich der Schafbergplatte weitere Bodenschätze vor. Überwiegend ertragsreiche Braunerden bedecken die Schafbergplatte; an den nördlichen und südlichen Hangfüßen kommen z. T. großflächige Plaggeneschböden vor.

Tab 1: Naturräume auf dem Gemeindegebiet Ibbenbürens.
(Entwurf: G. BERKEMEIER ; Datengrundlage Abb. 92: MEISEL 1961)

Tab 1: Naturräume auf dem Gemeindegebiet Ibbenbürens.  (Entwurf: G. BERKEMEIER ; Datengrundlage Abb. 92: MEISEL 1961)


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Bis etwa 1860 gab es noch einen wasserreichen Nebenfluss, die Plane, die vom Schafberg kommend östlich parallel der Osnabrücker Straße (B 219) verlief und nahe dem ehemaligen Gut Langewiese in die Ibbenbürener Aa mündete.

Die abwechslungsreiche geologische Gliederung erlaubte unterschiedliche Mikroklimata, die dank ausreichender Wasservorkommen zu einer Vielfalt an pflanzlicher und tierischer Natur führten und unsere Region für Jäger und Sammler attraktiv machte.




Die Altsteinzeit - vom Neandertaler zum Homo sapiens
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Die frühe Anwesenheit von Jägern und Sammlern im Raum Ibbenbüren ist von daher sehr wahrscheinlich. Sowohl der nordwestliche Fuß der Schafbergplatte als auch das südliche Vorland des Teutoburger Waldes könnten bevorzugte Aufenthaltsorte von Großtierjägern gewesen sein: Im Norden breiteten sich große Moorgebiete aus, im Süden lag eine feuchte Niederung der westfälischen Bucht. Insbesondere feuchte, versumpfte Bereiche stellten eine nahezu unüberwindbare Barriere dar. Die angrenzenden trockenen Bereiche der Gebirgsfüße wurden wahrscheinlich zu Hauptwanderwegen von Menschen und Tieren. Im Münsterländer Teil des flachen Gebirgsrückens des Osning finden sich zahlreiche alt- und mittelsteinzeitliche Fundplätze. Sandsteinklippen bilden z.T. Felsdächer (sog. Abris), die zu allen Zeiten der Urgeschichte als Rastplätze besucht worden sind.

Die ältesten bisher bekannten Funde aus der Westfälischen Tieflandsbucht - Steingeräte und Reste der Jagdbeute des Neandertalers - reichen mindestens bis zum Beginn der letzten Kaltzeit (Weichsel-Eiszeit) vor 115.000 Jahren zurück. Der älteste direkte Beleg urgeschichtlicher Menschen in Westfalen ist das Schädelfragment eines Neandertalers aus Warendorf. Dieser erste (bekannte) Westfale lebte vor rund 80.000 Jahren. Seine Lebensgrundlage in den baumarmen Tundren- und Steppenlandschaften dieser Zeit war Großwild, vorwiegend Mammut, Wollnashorn, Ren und Pferd. Ergänzt wurde die Ernährung durch das Sammeln von Beeren, Nüssen und Wurzeln. Konkurrenz bekam er jüngst durch den Fund fossiler Knochenreste und Steingeräte in einer Sandgrube in Coesfeld-Stevede. Sie wurden auf 119.700 +/- 8600 Jahre datiert, also etwa zu Ende der Eem-Warmzeit bzw. Beginn der Weichsel-Kaltzeit.

Erst gegen Ende der letzten Eiszeit, dem Weichselglazial, traten in Nordwestdeutschland wieder Jägerkulturen auf. Dank der Klimabesserung, die in mehreren lang dauernden Schwankungen von Warm- und Kaltphasen um 15.000 v. Chr. einsetzte, begann im Spätpaläolithikum die neuerliche Durchstreifung Westfalens und des norddeutschen Tieflands. Diesmal durch unsere direkten Vorfahren Homo sapiens. Sein bisher ältester Nachweis in Westfalen, das Schädeloberteil eines etwa 35-jährigen Mannes, stammt aus der Blatterhöhle bei Hagen und ist 10.700 Jahre alt.


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Der anatomisch moderne Mensch tritt in Mitteleuropa erstmals vor etwa 35.000 Jahren auf. Er scheint sehr innovativ gewesen zu sein, denn er verbesserte die Zweckmäßigkeit der Waffen und Geräte erheblich. Höhlenmalereien und Figuren aus Elfenbein und Stein sind erste Zeugnisse menschlicher Kunst. Berühmt sind die südfranzösischen und nordspanischen Bildhöhlen (z.B. Lascaux, Chauvet, Altamira) und die Elfenbeinfiguren aus den Höhlen der schwäbischen Alb (z.B. Hohlefels- und Vogelherd-Höhle). Vergleichbare Kunstwerke fehlen in Westfalen. Lediglich ein Tonschiefergeröll aus der Balver Höhle (Märkischer Kreis) trägt (vermutlich) die Gravierung eines Pferdekopfes. In der Mittelrheingegend um Gönnersdorf und Andernach sind dagegen zahlreiche Kleinkunstwerke gefunden worden.

Durch den grundlegenden Klimawandel zu Ende der letzten Eiszeit stand der Mensch einer drastisch veränderten Umwelt gegenüber. Während der wärmeren Allerödzeit (ca. 11.800 - 10.700 v. Chr. in Westfalen) zogen erstmals nachweisbar Jäger der sog. Federmesser-Gruppe durch die hiesige, baum- und wildreiche Landschaft mit Birken- und Kiefernwäldern. In der Düsterdieker Niederung (Westerkappeln) trennt ein lang gestreckter Dünenzug zwei ausgedehnte Moorgebiete. Auf dieser flachen und trockenen Anhöhe sind zahlreiche steinzeitliche Fundstellen bekannt, darunter eine Reihe von gut erhaltenen Rast- und Wohnplätzen. An einer Stelle gelang es, die Standspuren von kleinen ovalen Hütten zu erfassen. Die Jäger der Federmesser-Kultur jagten Rothirsch, Wildschwein, Elch und Biber. Neben Speer und Speerschleuder benutzten die Waldjäger jetzt auch Pfeil und Bogen. Die Pfeile hatten fein bearbeitete Steinspitzen in Form einer Feder.



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Federmesser - aus dem Buch "Rentierjäger  der Späteiszeit" von Gernot Trommnau

Neben der Jagd auf Standwild gewannen Fischfang und das Sammeln von pflanzlicher Nahrung an Bedeutung. Die Wälder boten ein großes Angebot an essbaren Pflanzen und Pilzen. Besonders die Haselnuss stellte eine wichtige Nahrungsquelle dar.
Einzelne Personen müssen weit herumgekommen sein, wie von weither mitgebrachte Gesteinsrohmaterialien zeigen. .

 
Federmesser - aus dem Buch "Rentierjäger
der Späteiszeit" von Gernot Tromnau
 

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Als im Frühsommer 10.966 v. Chr. der Laacher-See-Vulkan in der Eifel ausbrach, wurde alles Leben im Umkreis von mehreren Hundert Kilometern vernichtet. Ob es in unserem Gebiet Überlebende gab, lässt sich aus Mangel an datierten Inventaren und Überresten nicht sagen. Kaum 300 Jahre nach dem großen Vulkanausbruch ereignet sich eine neue Naturkatastrophe: das schnelle Abschmelzen des nordamerikanischen Inlandeises führte dem Atlantischen Ozean große Mengen Süßwasser zu, senkte die Wassertemperatur und führte zu einer 1000-jährigen Abkühlung auf der nördlichen Halbkugel. Die Nadelwaldzone verschwindet und die Rentiere, die in unseren Breiten längst ausgestorben waren, wanderten aus ihren Rückzugsgebieten im Norden und Osten Europas wieder zurück bis an den Rand der nördlichen Mittelgebirgszone. Nordrhein-Westfalen gehörte nun wieder in die Zone der kaltzeitlichen Tundren- und Steppenlandschaft, während Süddeutschland weiter bewaldet blieb.

Während dieser sog. Jüngeren Tundrenzeit (10.700 - 9.600 v. Chr.) lebten im nord- und mitteleuropäischen Flachland vorwiegend spezialisierte Rentierjäger der Stielspitzengruppe, nach einem Fundort bei Hamburg auch als Ahrensburger Kultur bezeichnet. Ihre Standorte wechselten innerhalb eines großen Schweifgebietes im jahreszeitlichen Rhythmus, dem Zug der Rentiere angepasst. Als Behausungen dienten Rundzelte. Stielspitzen, Kratzer, Stichel und retuschierte Klingen sind charakteristische Steinartefakte dieser letzten altsteinzeitlichen Kultur. Aus Rengeweih wurden Hacken und Harpunen gefertigt.


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Herkensteine

Aufgrund einzelner Funde von Stielspitzen an den Herkensteinen und auf der benachbarten Margarethenegge bei Tecklenburg-Ledde, können hier Jagd- und Rastplätze dieser Rentierjäger angenommen werden.

Über Jahrtausende nutzten Jägergruppen die Herkensteine als markante Wegmarke, Lagerplatz und "Hochsitz". Die Felsvorsprünge erlauben einen weit reichenden Blick über die nördlich anschließende, flachere Landschaft und das frühe Erkennen der Rentierherden am Horizont.

 
Herkensteine
 


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Regelmäßig im Frühjahr und Herbst fanden sich die Rentiere zu großen Herden zusammen, um dann weiträumige Wanderungen zwischen ihren angestammten Winter- und Sommereinständen zu unternehmen. Dies machten sich die Jäger der Ahrensburger Kultur zu Nutze, indem sie zu genau diesen Zeiten an bestimmten Engpässen oder auch Flussübergängen die Herden erwarteten und Rentiere in großer Zahl erlegten.

Zeichnung Rentierjagd - aus dem Buch "Steinzeit  selbst erleben" von Friedrich Seeberger

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Zeichnung Rentierjagd - aus dem Buch "Steinzeit
selbst erleben" von Friedrich Seeberger

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Das Fleisch wurde zur Bevorratung getrocknet und teilweise in Gruben im Dauerfrostboden aufbewahrt. Die Felle der erlegten Tiere wurden zu Kleidung und zu Zeltwänden verarbeitet. Magen und Blase ergaben nützliche Beutel und Behälter. Aus den Sehnen und Därmen stellte man Fäden und Schnüre her. Besonders haltbar mussten die Sehnen der Jagdbogen und die Fangleinen der Harpunen sein. Aus den Geweihstangen und Knochen wurden vielfältige Geräte hergestellt. Die Jagderfolge der Männer bildeten die Lebensgrundlage. Frauen sammelten Beeren, Früchte, Vogeleier, Kleintiere. Die Spezialisierung auf die Rentierjagd bedingte ihre Lebensweise als Jägernomaden.

Einzelfunde in der heutigen Weststadt (Kratzer aus Flintstein gefunden beim Kindergarten am Niedersachsenring, IVZ v. 24.7.96) und im Steinbruch Frehe in Bockraden deuten daraufhin, dass auch hier Rentierjäger durchzogen. Man geht davon aus, dass sich ihre Winterlager am Mittelgebirgssaum befanden.




Die Mittelsteinzeit - die Zeit der Jäger, Sammler und Schamanen
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Die mittlere Steinzeit (Mesolithikum) reicht in unserem Raum vom endgültigen Ende des Eiszeitalters und der altsteinzeitlichen Jägerkulturen um 8.000 v.Chr. bis zum Beginn der jungsteinzeitlichen Bauernkulturen um 3.500 v.Chr.


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Ab 9.600 v. Chr. erwärmt sich das Klima beständig. Die Jahresdurchschnittstemperaturen steigen von ursprünglich nur 2 °C (im Präboreal/Boreal (9.600 - 7.300 v. Chr.) auf 8 °C im Atlantikum (7.300 - 3.800 v. Chr.). Es entsteht die heutige Landschaft und Vegetation mit Haselnuss, Laub- und Kieferwäldern. Im Bereich des Teutoburger Waldes lebt nun eine Bevölkerung, die von der Jagd auf große Waldtiere - Elch, Auerochse, Rothirsch, Wildschwein - auf Wasservögel, vom Fischfang und - zunehmend - vom Sammeln wildwachsender Pflanzen, Nüsse und Früchten lebt.

Man erkennt die regional unterschiedlichen Kulturgruppen der Waldjäger an den kleinen, geometrisch geformten Steingeräten, den sog. Mikrolithen, die v.a. als Pfeilspitzen, Widerhaken bei Harpunen und als Schneideeinsätze hölzerner Speere benutzt wurden.

Zeichnerische Rekonstruktionen von Pfeilen und einer Harpune mit eingesetzten 'Mikrolithen' (Aus M. M. Rind, Kanalarchäologie S. 25, Abb. 8)

spacerZeichnerische Rekonstruktionen von Pfeilen und einer Harpune mit eingesetzten 'Mikrolithen' (Aus M. M. Rind, Kanalarchäologie S. 25, Abb. 8)


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Über die Siedlungsweise des Mesolithikums in Nordrhein-Westfalen ist nur wenig bekannt. Die sicherlich zahlreichen Lagerplätze und Jagdstationen der mesolithischen Jäger dieser Jahrtausende haben nur wenige Spuren hinterlassen. Da es sich zumeist um Oberflächenfundplätze ohne tief reichende Befunde handelte, fielen sie der späteren landwirtschaftlichen Nutzung zum Opfer. Man geht davon aus, dass die Jäger in Gemeinschaften von 20-25 Personen lebten, die ein großes Jagd- und Sammelgebiet beanspruchten und auch benötigten. Für den gesamten nordwestdeutschen Raum ist daher mit einer Bevölkerung von nur wenigen Hundert Menschen zu rechnen.

spacerBildunterschrift: Speerspitze aus Feuerstein (Sammlung Stadtmuseum Ibbenbüren)
Speerspitze aus Feuerstein


spacerÄhnlich wie die Schamanen der sibirischen Tungusen im 18. Jahrhundert tanzten um 8000 v. Chr. Zauberer im Erfttal in Nordrhein-Westfalen


Bei der mobilen Lebensweise der mesolithischen Wildbeuter kann von einer Sesshaftigkeit nicht gesprochen werden, doch gab es für längere Zeit und immer wieder genutzte Wohnplätze, die als Basislager dienten. Lediglich einer dieser Siedlungsplätze brachte über Steinartefakte hinaus Erkenntnisse zur Lebensweise der mittelsteinzeitlichen Jägergruppen. Berühmt wurde dieser Fundplatz im Erfttal bei Bedburg durch die beiden Hirschgeweihmasken, dem Kopfschmuck prähistorischer Schamanen.


spacerÄhnlich wie die Schamanen der sibirischen Tungusen im 18. Jahrhundert könnten um 8000 v. Chr. Zauberer im Aatal getanzt haben.

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Die Masken stammen aus der Mittelsteinzeit um 8000 v. Chr. Es sind zwei Rothirschgeweihe mit teilweise anhaftendem Schädeldach. Letzteres weist in beiden Fällen zwei Löcher auf, durch die ein Lederband oder eine Schnur gezogen werden konnten. Derartiger Kopfschmuck mit vielleicht noch anhängendem Fell wurde von Schamanen bei ekstatischen Tänzen getragen, wenn sie Krankheiten vertreiben oder um reiche Jagdbeute bitten wollten.

In der Zeit zwischen 8000 und 4000 v.Chr. haben mittelsteinzeitliche Jägergruppen immer wieder Plätze "Auf'm Trüssel", in Schierloh und in Bockraden aufgesucht und Steinabschläge, Pfeilspitzen und Kratzer hinterlassen.
Ein fortgeschrittenes Stadium des Mesolithikums scheint auf den Berglandfundplätzen in Tecklenburg-Ledde (Herkensteine) vertreten zu sein, deren Inventar sich durch einen großen Anteil an kleinen Scheibenbeilen auszeichnet. Sie dienten, in Hirschhorn oder Holz geschäftet, zur Holzbearbeitung.



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"Ein seltenes Fundstück der Sammlung des Stadtmuseums ist die kugelige, 560 g schwere Geröllkeule. Der durchbohrte Keulenkopf war vermutlich auf einen Holzstab aufgesetzt. Eine Datierung der gut erhaltenen Keule ist schwierig, da Fundort und Fundzeit nicht bekannt sind und es sich bei den Geröllkeulen um eine Form handelt, die seit dem Mesolithikum bekannt ist. Die Funktion der Keule ist nicht eindeutig zu klären. Allgemein werden Keulen als Waffen, Schlaggeräte, Grabstockbeschwerer, Rotiermasse bei Bohrgeräten, Würdezeichen oder Ritualobjekt angesprochen. Allerdings ist die Schaftbohrung so eng, dass eine Nutzung als Schlaggegenstand ausgeschlossen werden kann.

Geröllkeule
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Vielleicht war sie -- in der Nachfolge der altsteinzeitlichen Kommandostäbe -- der Zepter eines steinzeitlichen Schamanen oder Häuptlings?"
Geröllkeule
Sammlung Stadtmuseum Ibbenbüren


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In der späten Mittelsteinzeit (Atlantikum, 5.000 - 3.000 v.Chr.) ist das Klima warm-feucht und ozeanisch geprägt. Durch den weiteren Anstieg des Meeresspiegels wird England zur Insel. Die Ostsee, zuvor ein Binnensee, bekommt Weltmeerzugang.

Im Flussgebiet von Lippe und Ems lassen sich jetzt zwei Regionalgruppen mit unterschiedlichen Mikrolithenformen ausmachen, die anscheinend beginnen, ihre Territorien untereinander und gegen die vordringenden Bauerngruppen zu verteidigen. Während des 4. Jahrtausends v. Chr. bildete die Lippe eine wichtige Kulturgrenze. Sie trennte die spätmesolithischen, auf den Sandböden des norddeutschen Tieflands und den Berghängen des Teutoburger Waldes lebenden Jäger und Sammler von frühen Ackerbauern der Bandkeramischen und Rössner Kultur, welche die fruchtbaren Lössböden am Südrand der Westfälischen Bucht in Besitz nahmen. Zwischen diesen beiden, sehr verschiedenen Kulturen scheint es zunächst nur wenige Kontakte gegeben zu haben. Das Verhältnis der ersten Bauern zu den jägerischen Ureinwohnern und der Beginn der "Neolithisierung" des Tecklenburger Landes ist Kern eines aktuellen Forschungsprojekts der LWL-Archäologie für Westfalen und der Universität Münster.




Die Jungsteinzeit - die Einführung von Ackerbau und Viehzucht
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Die erste Ackerbaukultur bezeichnete man nach der Art der Verzierung ihrer Keramik als Bandkeramiker (5.500 - 4.500 v. Chr.). Sie kamen aus Südosteuropa, zogen entlang der großen Flussläufe von Donau, Elbe und Rhein und besiedelten die flachen, fruchtbaren Lössbodengebiete, wie z.B. die Soester und Warburger Börde. Sie lassen sich in unserer Region nicht nachweisen.

Die Einführung von Ackerbau und Viehzucht in das nordwesteuropäische Tiefland erfolgte etwas später durch jungsteinzeitliche Bauern der Rössner (4.700 - 4.400 v. Chr.) und Michelsberger-Kultur (4.400 - 3.800 v. Chr.). Die bislang ältesten Belege für ihre Siedlungen im Münsterland finden sich bei Nottuln (Kreis Coesfeld).

Im 4. Jahrtausend setzte auch in unserer Region diese umwälzende Entwicklung von der aneignenden zur produzierenden Wirtschaft ein, also von dem die natürlichen Nahrungsvorkommen nutzenden Wildbeutertum zur bäuerlichen Wirtschaft mit der gezielten Produktion von Nahrungspflanzen und Nutztieren ("Neolithische Revolution").


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Trichterbecher
Trichterbecher

Etwa ab 3.500 v.Chr. lässt sich ein Sesshaftwerden einwandernder Ackerbauern und Hirten der Trichterbecherkultur in Ibbenbüren und Umland nachweisen. Sie sind die Erbauer der Großsteingräber. Es sind die ältesten erhaltenen Denkmäler im Tecklenburger Land. Die Trichterbecherleute waren in Sippen und Stämmen organisiert. Sie säten Weizen und Gerste, hielten Hund, Rind, Ziege, Schaf und Schwein.
Sie besetzten die ertragreicheren Hänge des Osning (Lehen, Schierloh) und Schafberg (Alstedder Loh). Der Ackerbau war im Entstehen begriffen und hatte ein noch sehr geringes Niveau. Brandrodungen kamen selten in Frage, denn man bevorzugte waldfreie, steppenartige Flächen. Die Jagd spielte neben dem Ackerbau noch eine beträchtliche Rolle. Die bisher in unserem Gebiet wohnende Jägerbevölkerung wurde langsam, im Verlauf vieler Generationen assimiliert oder nach Norden abgedrängt.


spacerDie für die Kultur Namen gebenden Trichterbecher haben ein leicht bauchiges Unterteil und über der Gefäßschulter ein Oberteil, das wie ein Trichter geformt ist.

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Heute noch im Gelände erfahrbare Zeugnisse der Trichterbecher-Kultur stellen einige wenige erhaltene Großsteingräber dar, so z.B. die Großen Sloopsteene bei Westerkappeln (etwa 3.000 v. Chr.). Der Innenraum der gut erhaltenen Ost-West gerichteten Grabkammer misst 18,5 m x 1,8 m. Mit einer Ausnahme an der Nordseite sind die großen Tragsteine der Seitenwände - zehn im Norden und dreizehn im Süden - alle noch vorhanden. Ebenso die elf Decksteine, die sich allerdings nicht mehr in ihrer ursprünglichen Lage befinden. Auf den ehemaligen Zugang deuten zwei kleinere Tragsteine in der südlichen Längsseite. Vom Trockenmauerwerk und vom deckenden Erdhügel ist nichts mehr vorhanden. Funde sind aus dem bereits in alter Zeit durchwühlten Grab nicht bekannt.



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Der Bau der Großsteingräber, der in früheren Zeiten als das Werk von Riesen ("Hünengräber") betrachtet wurde, ist technisch nicht unbedingt kompliziert gewesen, bedeutete allerdings eine große, gemeinschaftliche Arbeitsleistung. In der näheren Umgebung liegende, nach Größe und Form geeignete Findlinge wurden über Holzrollen, vermutlich im Winter bei gefrorenem Boden, herangeschafft, mit Hebelkraft in vorbereiteten Fundamentgruben nebeneinander aufgerichtet, so dass die Kammerwände zuerst entstanden. Anschließend wurden die Decksteine über angeschüttete Erdrampen hochgezogen und auf den Seitenwänden in die richtige Position gebracht.

Die Großen Sloopsteene

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Die "Sloopsteene" auf dem Gabelin, an der Grenze von Westerkappeln und Wersen, sind das größte Megalithgrab Westfalens.


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Die Reste des Steingrabes mitten in der Bauerschaft Wechte bei Tecklenburg. Die Deckplatten sind im Laufe der Zeit weggeräumt worden

Danach wurden die Lücken zwischen den Findlingen durch Trockenmauerwerk abgedichtet, ein Eingang angelegt und das Steingrab mit Erde überhügelt. So entstanden religiöse Monumente die mehr als fünf Jahrtausende überdauerten und damit älter sind als die großen ägyptischen Pyramiden. Beim eindrucksvollen Großgrab in Wechte/Tecklenburg handelt es sich nach Sprockhoff um eine "Westfälische Steinkiste", die nicht zu den Megalithgräbern gezählt werden könne. Das 1927 freigelegte Grab enthielt etwa 200 Bestattungen mit ca. 800 Beigefäßen, darunter Tongefäße, Beile aus Feuerstein und Kieselschiefer, Pfeilspitzen, Knochengeräte und Schmuck.


spacerDie Reste des Steingrabes mitten in der Bauerschaft Wechte bei Tecklenburg. Die Deckplatten sind im Laufe der Zeit weggeräumt worden. 


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Die Beigaben liefern Anhaltspunkte dafür, dass die Trichterbecherleute an ein Weiterleben im Jenseits glaubten. Mit der Grablegung waren rituelle, religiöse Handlungen verbunden, von denen u.a. Feuerstellen zeugen, die vielleicht als Opfer- und Reinigungsfeuer dienten. In diesem Kontext diskutiert man auch über die Verwendung der Großsteingräber als Kultstätten im Rahmen eines Ahnenkults. Die Angehörigen der Megalithkultur kannten die Vorstellung von einer jenseitigen Welt, die hinsichtlich Vielfalt und Differenziertheit derjenigen der alten Ägypter in nichts nachstand. Den Toten wurden aus festem Stein "ewige Wohnungen" errichtet, sie wurden mit Speisen, Werkzeug und Gerät versehen.

Flachbeil
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Flachbeil - Sammlung Stadtmuseum Ibbenbüren
Flachbeil

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Ihr Schicksal in der jenseitigen Welt war mit dem Lauf der Sonne verknüpft. Die differenzierten Beziehungen zwischen Totenwelt, Leben im Jenseits, Verhältnis zu den Lebenden, Hoffnung auf Auferstehung oder Wiedergeburt entsprechen dem Auf- und Untergang der Sonnen sowie dem jahreszeitlichen Vegetations- und Lebenszyklus. Alljährlich - wahrscheinlich an bestimmten Tagen - fanden Gedenkfeiern statt, an denen zu Ehren der Ahnen mitgebrachte Speisen und Getränke verzehrt und geopfert wurden.

Ein zweites, heute nicht mehr erhaltenes Grab, befand sich südwestlich auf dem Hofe Arlemann. Die Rekonstruktion eines Hügelgrabes befindet sich etwa 500 m westlich von dort.
Aufzeichnungen belegen weitere Megalithgräber in Laggenbeck. 1986 fanden Archäologen des LWL auf dem Gelände der Gärtnerei Blom am östlichen Rand von Laggenbeck ein einzelnes Erdgrab. Die etwa 1 x 2 m große und 2 m tiefe Grube hatte Pfosten in den Ecken und eine Verschalung. Der Boden wurde wahrscheinlich mit einem Tierfell ausgelegt und darauf der Tote auf die linke Seite gelegt. Nach einiger Zeit wurde dann das Grab mit Erde bedeckt und mit Holzkohle beschichtet. Wahrscheinlich wurden auch kleinere Findlinge als "Grabsteine" benutzt.
Ein dem Toten beigegebenes Steinbeil und ein Keramikbecher mit dem typisch weiten Rand und bandartiger Verzierung belegten seine Zugehörigkeit zur Trichterbecherkultur. Nicht schlüssig erklären können die Archäologen bisher, warum zeitgleich Großsteingräber und Einzel-Erdgräber benutzt wurden. Die soziale Stellung der Toten spielte dabei keine Rolle. Die Trichterbecherkultur hatte als eine der neolithischen Großkulturen eine Verbreitung von den Niederlanden bis Osteuropa und von Südskandinavien bis Westfalen.


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Ursprünglich war die Zahl der Hünengräber in Nordwest-Deutschland wesentlich größer. Der Entwicklung der Sprengtechnik, mangelndem Sinn für die Bewahrung des Überkommenen, ungenügendem staatlichem Schutz und den Intensivierungsbestrebungen der Landwirtschaft fielen in den letzten 150 Jahren etwa 90% der Großsteingräber zum Opfer. Sie wurden zu Baumaterial zersprengt oder auch umgelegt und vergraben, um die Feldbewirtschaftung zu erleichtern. Heute sind Bodenkmale gesetzlich geschützt und werden staatlich überwacht.



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Hmmeraxt

Das Ende der Trichterbecher-Kultur wurde in unserer Gegend vermutlich durch einwandernde Gruppen der Schnurkeramik-Kultur (auch als Streitaxt-Kultur bezeichnet) in der Mitte des 3. vorchristlichen Jahrtausends verursacht. Die Grabfunde weisen auf eine kriegerische Bevölkerung hin, die ihre Heimat, so wie es derzeit aussieht, in Osteuropa hatte. "Den Männern wurden Waffen und Werkzeuge, den Frauen Schmuck mit ins Grab gelegt. Die Menschen der Einzelgrabkultur waren Viehzüchter und Bauern. Der Anbau von Emmer und Gerste ist belegt. An Haustieren wurden Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen

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Hammeraxt
Sammlung Stadtmuseum Ibbenbüren
gehalten. Vermutlich war auch das Pferd bereits domestiziert worden. Auch das Rad war bekannt."

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Sie werden für die Träger der indoeuropäischen Sprache gehalten. Eine soziale Differenzierung ist bei ihnen deutlich zu erkennen. Sie sind die letzten Vertreter jungsteinzeitlicher Becherkulturen (2.400 - 1.700 v. Chr.).
In den Jahren 1991 bis 1993 wurden in dem heutigen Gewerbegebiet "Ibbenbüren Süd" (Auf'm Trüssel) mehrere Grabungskampagnen durchgeführt. Sie galten einem seit 1928 bekannten Gräberfeld. Als älteste Gräber fanden sich zwei W-O ausgerichtete Gruben von etwa 2,5 x 1,4 bzw. 2,5 x 1,3 m, die zwei stark zerdrückte Keramikbecher der späten Jungsteinzeit enthielten. Sie waren mit unterschiedlichen Mustern verziert. Beide Gräber zeigten keine Grabeinhegung, dürften aber ursprünglich überhügelt gewesen sein.



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Ebenfalls aus der Zeit der endneolithischen Becherkulturen stammt ein Grab am "Alstedder Loh" mit einem Durchmesser von rund 15 m. Überreste von polierten Werkzeugen und fein bearbeiteter Flint (Feuerstein) in der Grabumgebung gehören in die gleiche Zeit. Auf dem Schafberg wurden um 1932 im Bereich einer Quelle 5 Steinbeile aus Kieselschiefer und die Spitze eines Feuersteindolches ausgepflügt. Einzelne Hammer- und Streitäxte, Schaftrillen-, Rund- und Rechteck-Beile der ausgehenden Jungsteinzeit wurden auch in den Ortsteilen Bockraden, Laggenbeck, Lehen, Osterledde und Schierloh gefunden.



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Die zahlreichen und weit verteilten Funde belegen eine relativ dichte Besiedlung durch Einzelhöfe und Sippenverbände im heutigen Stadtgebiet. Es kann davon ausgegangen werden, dass Ibbenbüren zum Ende der Steinzeit vor etwa 4.000 Jahren räumlich und wirtschaftlich sichtbar und dauerhaft erschlossen war.



Die Bronzezeit - die Bevölkerung und Siedlungsdichte nehmen zu
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Der Übergang von der späten Jungsteinzeit zur älteren Bronzezeit (ca. 1.700 - 1.200 v. Chr.) verläuft im Raum Ibbenbüren fließend und ohne merklichen Bruch. Allem Anschein nach kann mit einem längeren Fortleben der jüngsten Becherkulturen bis weit in die Bronzezeit ausgegangen werden. Unsere Region verfügt weder über Kupferlagerstätten noch andere bedeutsame und tauschbare Bodenschätze. Damit sind die Voraussetzungen zu einer spürbaren und deutlichen Änderung der Wirtschafts- und Sozialstruktur nicht gegeben. Es ist deshalb auch nicht verwunderlich, dass Stein - wie auch in anderen metallarmen Gegenden - noch lange der vorherrschende Werkstoff für jede Art von Geräten bleibt, während in anderen Gebieten längst Kupfer und bald darauf die Legierung Bronze (90% Kupfer, 10% Zinn) Verwendung finden.


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Die schon zum Ende der Jungsteinzeit einsetzende Zunahme der Siedlungs- und Nutzungsfläche setzt sich in der älteren Bronzezeit fort. Die Hauptquellen für die Bronzezeit Westfalens sind aber nicht die Siedlungen, sondern die Grabfunde.

In der frühen Bronzezeit wurden offenbar nur die Angehörigen einer Oberschicht individuell unter großen Grabhügeln aus Steinen, Lehm und Sand bestattet. Grabbeigaben waren Äxte und Dolche aus Stein, die häufig den Formen von Bronzegeräten nachempfunden waren.

Steinbeil
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Steinbeil - Sammlung Stadtmuseum Ibbenbüren
Steinbeil

spacerDas im Stadtmuseum ausgestellte Steinbeil zeigt, wie die Steinmetze der damaligen Zeit die für unsere Bauern unerschwinglichen, in Bronze gegossenen Vorbilder in nahezu vollendeter Form nachahmten.


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In die ältere Bronzezeit gehört eine kreisrunde, doppelreihige Pfostensetzung des Gräberfelds "Auf'm Trüssel" von etwa 12 m im Durchmesser. Im Innenraum ließ sich noch eine rechteckige, W-O ausgerichtete Grabgrube erkennen, Funde waren jedoch nicht enthalten.
Eine Besonderheit ist die Wallburg auf dem Schweinskopf oberhalb von Brochterbeck. Im 17. Jh. v. Chr. errichtet man hier eine Befestigung auf einem Bergsporn, vermutlich um den Passübergang des Teutoburger Waldes zu kontrollieren. Grabungen haben erkennen lassen, dass die Erdwälle dieser Anlage am Südhang des Bergkegels ursprünglich von hohen Palisadenpfosten gestützt wurden. Am nördlichen Hang, abgeschirmt durch das vormals sumpfige Bocketal, sind zwei mit aufgeschichteten Steinmauern umgebene Vierecke zu erkennen, die wahrscheinlich auch als Schutzplätze für die Viehherden dienten.


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Mit der mittleren Bronzezeit beginnen sich die Bestattungssitten zu ändern. In Westfalen tauchen neben den Körpergräbern erste Brandbestattungen auf. Holzsärge oder eigens aus Eichenbohlen gezimmerte "Totenhütten" wurden verbrannt und unter einem Grabhügel beerdigt. Mit der jüngeren Bronzezeit finden sich größere Gräberfelder, auf denen die Toten dann grundsätzlich verbrannt bestattet wurden. So auch auf den jungbronzezeitlichen Urnenfriedhöfen im Stadtgebiet. Der Verstorbene wurde verbrannt, der Leichenbrand anschließend vom Scheiterhaufen abgelesen und in eine Urne gefüllt, die häufig mit einer Schale bedeckt wurde. Anfangs bedeckten das Grab noch flache kleine Grabhügel, später sind Flachgräber die Regel. Tierknochen oder organische Rückstände z.B. von Fladenbrot und breiartigen Speisen in den Beigefäßen zeigen, dass den Toten Speisen mit auf den Weg gegeben wurden.
Die großen Urnenfriedhöfe aus der jüngeren Bronzezeit und der älteren Vorrömischen Eisenzeit liegen im Naturraum der Ibbenbürener Senke, jeweils an den trockenen Rändern der Aa-Aue auf beiden Seiten des Baches. Die Bäche, Flüsse und Seen lieferten Fisch. Die Aue konnte als Grünland genutzt werden. An den Hochwasser geschützten Unterhängen des Osnings und der Schafbergplatte kam es durch die Verwitterung des anstehenden Gesteins und durch die Überwehung mit Löß zur Bildung von tiefgründigen Braunerden und Parabraunerden. Diese konnten nach der Rodung des Waldes ackerbaulich genutzt werden. Dort siedelten sich die Menschen an und begruben ihre Toten.


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Vasenkopfnadel, Pinzette und Rasiermesser  aus dem Urnengrab F 472

Etwa 90 Brandgräber, die "Auf'm Trüssel" erfasst wurden, fallen in die jüngere Bronze-/ältere Vorrömische Eisenzeit.
Kreisrunde Einhegungsgräben mit einem Durchmesser bis zu 7 m, elf schlüssellochförmige Anlagen bis zu 18 m lang und 8,5 m breit sowie sechs Langbetten, von denen das größte eine Länge von 32 m und eine Breite von 7 m aufwies. Die Gräber wurden äußerlich durch Hügel, umgeben von Kreis- oder Schlüssellochgräbern kenntlich gemacht. Letztere sind gerade für Westfalen und das südwestliche Niedersachsen (Ems-Gruppe) charakteristisch.

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Vasenkopfnadel, Pinzette und Rasiermesser
aus dem Urnengrab F 472
Quelle: 850 Jahre Ibbenbüren, Jürgen Gaffrey, Der Brandgräberfriedhof "Auf'm Trüssel" in Ibbenbüren, Seite 360, Abb. 11,

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Bronzebeigaben sind, wie auf anderen Urnenfriedhöfen Westfalens, selten. Immerhin liegen aber einige interessante Einzelstücke vor: zwei Vasenkopfnadeln mit gekrümmtem Schaft, eine schlanke unverzierte Pinzette, zwei nordische Rasiermesser und -äußerst selten - ein Angelhaken. Auch konnten in einigen Bestattungen Brotreste nachgewiesen werden.
Unmittelbar südöstlich des Gräberfelds konnte eine Siedlung belegt werden. Neben Gruben mit Eisenschlacken, die aus der Verhüttung von Raseneisenstein stammen, konnten die Grundrisse mehrerer Speicher mit 4 oder 6 Pfosten erfasst werden.

Nicht weit hiervon entfernt in der Umgebung des Hofes Mutert (Ibb.-Lehen) war bereits 1974, beim Bau der Autobahn A 30, ein großes Gräberfeld mit Urnen gefunden worden.


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Das Gebiet der jetzigen Siedlung "Alstedder Loh" ist seit langem als urgeschichtlicher Friedhof bekannt, der an einem alten O-W Handelsweg (der jetzigen Ledder Straße) lag. Erste vermerkte Urnenfunde wurden um 1830 gemacht. In den Jahren 1998/99 führte das Westfälische Museum für Archäologie in Münster großflächige Ausgrabungen durch. Auf einer Fläche von 6300 qm wurden über 60 Brandgräber aus der Zeit 750 - 500 v. Chr. gefunden. Der Leichenbrand (ca. 1,6 - 2,0 kg bei einem Erwachsenen) wurde sorgsam aus der Asche ausgelesen, gewaschen und in einem Tongefäß als Urne (Urnengrab) oder einem Tuch (sog. Leichenbrandnest) beigesetzt.


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Zusätzlich wurden die Urnen häufig mit einem Stein oder einer umgedrehten Schale abgedeckt und mit Grabbeigaben - Speisebeigaben, bronzene Pinzetten oder Rasiermesser - ausgestattet. Die anschließend überhügelten, bis zu 9 m langen Grabstellen hatten die Form eines Schlüssellochs.


spacerGrabhügel am Windmühlenweg

Wortgeschichtlich betrachtet leitet sich Alstedde von Alahstat bzw. Elstedi her. Beides bedeutet "geheiligter Ort" und deutet auf einen Friedhof mit Kultplatz hin. Unter Loh wird ein Gehölz oder Gebüsch verstanden. Der nahe gelegene Ibbenbürener Hauptfriedhof setzt diese Tradition fort. Ein weiteres, relativ dicht besiedeltes Gebiet lag auf dem Dickenberg. In den 1920er/30er Jahren konnten vom Heimatforscher R. Dolle noch einige hundert Grabhügel kartiert werden. Als Anfang 1987 eine aktuelle Bestandsaufnahme durchgeführt wurde ergab sich ein Restbestand von 78 obertägig erhaltenen Hügelgräbern.

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Grabhügel am Windmühlenweg
 

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Soweit erkennbar haben alle Grabhügel einen Kern aus aufgeschichteten Steinen, der mit Erde überdeckt wurde. Nach formalen Kriterien dürften die kleineren Hügel der jüngeren Bronze-/älteren Vorrömischen Eisenzeit, einige größere Anlagen der späten Jungsteinzeit / frühen Bronzezeit zuzurechnen sein.

Aufgrund der dichten Fundlage können die etwa 1.700 Jahre von den endneolithischen Becherkulturen bis zum Ende der Bronzezeit als eine erste Blütezeit Ibbenbürens betrachtet werden.

Danach werden archäologische Zeugnisse rar. In den etwa 1.200 Jahren von der vorrömischen Eisenzeit (ab 700 v. Chr.), der römischen Kaiserzeit (0 - 350 n. Chr.) und der Zeit der Völkerwanderung (350 - 500 n. Chr.) erfolgt ein erheblicher Bevölkerungsrückgang in unserem Gebiet. Ob die Urbevölkerung ganz oder teilweise, z.B. aufgrund klimatischer Verschlechterungen, abwanderte und die ab 250 n.Chr. von Nordosten einwandernden Sachsen einen Leerraum in Besitz nahmen oder zwischen einer ansässigen Bevölkerung siedelten und sich nach und nach mit dieser vermischten, bleibt vorerst ungeklärt.



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Ende des 1. Teils - Albert Recknagel - Ibbenbüren im August 2008
E-Mail: albertrecknagel@stadtmuseum-ibbenbueren.de

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10.000 Jahre Ibbenbüren >>>
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spacerFotos: Albert Recknagel, Brigitte Striehn




Literatur:

 J. Gaffrey, Der Brandgräberfriedhof "Auf´m Trüssel" in Ibbenbüren. In: J. Bröker (Red.), 850 Jahre Ibbenbüren. Porträt einer Stadt in Text und Bild. Ibbenbürener Stud. 3 (Ibbenbüren 1996) 339-352.

Horn, Heinz Günter (Hrsg.): Neandertaler + Co. Eiszeitjägern auf der Spur - Streifzüge durch die Urgeschichte Nordrhein-Westfalens, Mainz 2006

Kastner, Hugo: Geografische Namen und ihre Herkunft, 2007

Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL): Ausgrabungen und Funde in Westfalen-Lippe,
Jg.7 (1992) und Jg. 10 (2007)

Niederhöfer, Kai: Urgeschichte Westfalens, (www.lwl.org/westfaelische-geschichte/..)

Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz (Hrsg.): Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern, Band 45 (Münster, Westliches Münsterland, Tecklenburg), Teil 1: Einführende Aufsätze, Mainz 1980

Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz (Hrsg.): Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern, Band 46 (Münster, Westliches Münsterland, Tecklenburg), Teil 2: Exkursionen, Mainz 1981

Steinmetz, Wolf-Dieter: Archäologie des niedersächsischen Bergvorlandes, in: Archäologie-Land-Niedersachsen, Begleitschrift zur Ausstellung, Oldenburg 2005

Staatliches Museum für Naturkunde und Vorgeschichte Oldenburg: Wohin die Toten gehen. Kult und Religion in der Steinzeit, Oldenburg 2000

Westfälisches Museum für Archäologie: Neujahrsgruss, Ausgaben 2000 - 2007, (das ist der Jahresbericht der Münsteraner Archäologen)


Links zum Thema:

spacerLandesmuseen - http://www.lwl.org/LWL/Kultur/Kulturabteilung/Landesmuseen
Westfälisches Museum für Archäologie in Herne - http://www.lwl.org/LWL/Kultur/WMfA_Herne
Römisch-Germanisches Zentralmuseum, Mainz - http://web.rgzm.de/
Landesmuseum für Natur und Mensch in Oldenburg - http://www.naturundmensch.de/
Die Großen Sloopsteine - http://westerkappelnnet.de/sights/sloopsteine.html
Steinzeit in Westfalen - http://www.skulptur-projekte.de/LWL/Kultur/Westfalen_Regional/Siedlung/Steinzeit/
Bronzezeit/Eisenzeit in Westfalen - http://drug05.org/LWL/Kultur/Westfalen_Regional/Siedlung/Bronzezeit/
Urgeschichte Westfalens - http://www.lwl.org/westfaelische-geschichte/portal/Internet
Lippisches Landesmuseum Detmold - http://www.lippisches-landesmuseum.de/pages_neu/start.php
LWL-Museum für Archäologie - Herne - http://www.lwl.org/LWL/Kultur/WMfA_Herne/
Archäologisches Freilichtmuseum Oerlinghausen - http://www.afm-oerlinghausen.de/
Museum für Ur- und Frühgeschichte - Wasserschloss Werdringen - http://www.historisches-centrum.de/



 
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2. Über die Entstehung der Stadt Ibbenbüren - Von Vicar Dorfmüller - Teil 1

 

 
Grafik Heimat und Leben
 

 
Beilage zur IVZ :: Heimat und Leben

IVZ Nr. 210 vom Montag, den 11. September 1922
Ueber die Entstehung der Stadt Ibbenbüren - Teil 1
http://archiv.ivz-aktuell.de/index4.php


Beilage zur IVZ :: Heimat und Leben
IVZ Nr. 222 vom Montag, den 25. September 1922
Ueber die Entstehung der Stadt Ibbenbüren - Teil 2
http://archiv.ivz-aktuell.de/index4.php
IVZ Nr. 210 vom Montag, den 11. September 1922
IVZ Nr. 222 vom Montag, den 25. September 1922
 
   
11.09.1922 - Teil 1
25.09.1922 - Teil 2
 

  Beilage zur IVZ :: Heimat und Leben - IVZ Nr. 210 vom Montag, den 11. September 1922
Ueber die Entstehung der Stadt Ibbenbüren - Teil 1
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Ubbo und sein Anbau (seine Ansiedlung, Einwanderung) in der Bauernschaft Hallebeck ( Feldmarkrund um die Stadt Ibbenbüren), Es kann hier zuvörderst die Frage nicht stattfinden :
Welcher von den deutschen Stämmen früher die Grafschaft Lingen und somit auch das Kirchspiel Ibbenbüren bewohnt habe? - denn schwerlich ließe sich dieselbe wohl mit Gewissheit beantworten.
Genug, dass die früheren heidnischen Eingesessenen einem deutschen Stamme angehörten und auch ihre Zeit des Heiles hatten, wo sie zum Christentume bekehrt wurden.
Mit diesem Zeitpunkte muss die Geschichte Ibbenbürens beginnen, insofern es sich über die Entstehung des Dorfes und der Gemeinde Ibbenbürens handelt; in einer früheren Zeit wird man dieselbe nicht zu suchen haben, da es feststeht, dass damals keine Dörfer und erst recht keine Städte sich in den westfälischen Ländern vorfanden. Der Römer Tacitus, der im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung schrieb, sagt von unserem Lande:

 

 

(Germania C. 16)
"Dass die deutschen Völker keine Städte bewohnten, ist bekannt, nicht einmal verbundene Wohnplätze dulden sie unter sich. Sie bauen sich an, abgesondert und zerstreut, sobald ein Quell oder ein Feld oder ein Wald sie anlockt. Ihre Dörfer bauen sie nicht, wie es bei uns Sitte ist, mit verbundenen und aneinandergrenzenden Gebäuden, ein Jeder umgibt sein Haus mit einem Hofraum, entweder als Mittel gegen Brandgefahr oder aus Unkenntnis im Bauen."

 

 

Was der Römer hier sagt, empfanden 600-700 Jahre später die Franken ebenso. Auch jetzt noch hat unser Land dieselbe Gestalt behalten, rechnet man die Städte und Dörfer ab, denn es ist mit einzeln liegenden Höfen, die zu Bauernschaften vereinigt sind, bedeckt. Eben diese Wohnart wird auch damals wie noch jetzt in den Bauernschaften, die das jetzige Kirchspiel Ibbenbüren bilden, geherrscht haben. Als aber Carl der Große sein Schwert und mit den Schwerte das Christentum in unser Land brachte, als nach dreißigjährigen Kampfe das ganze Sachsenland (Westfalen, Enger, Ostfalen) im Jahre 803 zu Salz oder Salza beim Kaiser zu gehorchen und das Christentum anzunehmen versprach, und nun endlich Ruhe im Lande auf immer wurde, da blühte das Christentum kräftig auf. Kirchen wurden gebaut, bei den Kirchen erhoben sich anfangs Dörfer, diese wuchsen, und es wurden Städte aus ihnen. Jenseits dieses Zeitpunktes haben wir die Entstehung Ibbenbürens nicht zu suchen, aber auch nicht weit diesseits. Versetzten wir uns in jene Zeit, so würden wir die Gemeinde Ibbenbüren (noch ohne Stadt und Kirche) in den Bauernschaften Dörenthe, Lehen, Laggenbeck, Osterledde, Altstedde (ehemals Vißbeck), Schafberg, Püsselbüren, Uffeln, Bockraden, Schirlo und Hallebeck (jetzt Feldmark Ibbenbüren), die in der Mitte der übrigen Bauernschaften lag, finden, zum größten Teile eine waldige Gegend und bewohnt von heidnischen *) Deutschen auf einzeln liegenden Höfen.

 

 

*) Dass die Eingesessenen dieser Bauernschaften Heiden waren, ginge, wenn auch sonst keine Beweise vorlägen, hinreichend daraus hervor, dass man in fast allen Bauernschaften heidnische Toten-Urnen vorfand.

 

 

Jene Zeit nun, wo die Bekehrung der Westfalen zum Christentum begann, muss die Geburtszeit des Dorfes - der Stadt - Ibbenbüren gewesen sein. Eine alte Sage meldet uns, dass im 8., im 9. oder 10. Jahrhundert ein friesischer Graf oder Edler, namens Ubbo, Uibbo oder Ibbo seine friesischen Besitzungen verlassen habe und in das schöne Tal von Ibbenbüren gekommen sein und er sich in der Bauernschaft Hallebeck einen Wohnsitz ausersehen habe. In jenen drangvollen, wilden Tagen, wo auch jeder Wehrfester auf seine eigenen Faust sich und seine Freiheit gegen Unterdrücker zu verteidigen den Mut besaß, und die Edlinge des Volkes schon begannen,

 

   
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ihre Wohnungen zu befestigen, musste dem Ubbo daran gelegen sein, - kam er in friedlicher oder in feindlicher Absicht, - eine Stelle zu finden, wo er gegen feindliche Überfälle gesichert war und zugleich auch bequem das nah gelegene Land zu seinem Bedarf urbar machen und bebauen konnte. So wählte er den, inmitten der Sümpfe (jetzt Wiesen und Teiche) südlich von der jetzigen Stadt Ibbenbürens gelegenen Fleck Land, auf dem noch jetzt ein ungefähr 18 Fuß hoher Überrest eines alten Turmes an die Vergänglichkeit alles Irdischen und an das Erlöschen eines angesehen Geschlechts erinnert.

 

 

Die Wahl war mit Umsicht getroffen worden, von Wiesen oder Sümpfen umgeben gewährte ein einfacher Erdwall (fossalum), Sicherheit gegen feindliche Überfälle bei damals unvollkommener Belagerungskunst.
Zum Ackerbau eignete sich der nah gelegene Raen- und Hall-Esch ganz besonders, doch waren gewiss diese Esche damals noch größtenteils mit Wald bedeckt. Ohne Zweifel war Ubbos ersts Geschäft eine Wohnung zu errichten; und so erhob sich denn an der bezeichneten Stelle in Mitte der Sümpfe ein Erdwall und innerhalb desselben der alter Turm, dessen Rest uns noch erhalten wurde, - nebenbei erhob sich etwa ein Wohnhaus und ein anderes Haus für das Vieh und die Pferde; doch müssen dies keine bedeutenden Gebäude gewesen sein, da sie gewiss in dem engen Raume keinen Platz gefunden hätten. Der Turm selbst war wohl das eigentliche Wohnhaus, da derselbe von nicht unbedeutendem innern Raume ist, fast in der Mitte des Burgplatzes steht, und deswegen nicht als Befestigungsturm gedient haben kann; denn in diesem Falle würde er eine Ecke des Burgplatzes eingenommen haben. Sollte man etwa den Turm der rohen Bauart wegen für auch damals unbewohnbar halten wollen, so ist dagegen zu bemerken, dass unsere Alten, als sie diesen Turm bauten, mit den Bequemlichkeiten jetziger Zeit ganz unbekannt waren und die Baukunst noch auf der niedrigsten Stufe stand; sind doch sogar die Burgen der Kaiser jener Zeit ohne alle Geräumigkeit, nur eng und roh, aber fest.

 

 

Eben diese Beschränktheit des Burgplatzes, die ungemeine Rohheit der Bauart des Turmes, die Festigkeit des Mörtels, durch den die Steine verbunden sind, selbst die Beschaffenheit der Steine, die mehr Feld- als Bruchsteine zu sein scheinen, ferner die 8 bis 9 Zoll starke Dicke der Mauer bei einem verhältnismäßig engen Raume im Innern machen es wahrscheinlich, dass der Turm in einer Zeit gebaut wurde, wo man erst anfing mit Steinen zu bauen, wo man das Feste liebte und noch nicht die Bequemlichkeiten der späteren Jahrhunderte des Mittelalters kannte und es noch nicht verstand, gefällige Form mit Festigkeit zu verbinden. Dieses kann eine Zeit gewesen sein im 9., 10. oder 11. Jahrhundert, da später in Folge besserer Baukunde im 12. Jahrhundert gefällige, wenngleich feste Gebäude aufgeführt wurden. Da das Geschlecht der Herren des Turmes im 12. Jahrhundert erlosch, der Turm also nach dieser Zeit gewiss nicht gebaut worden ist, so habe ich keine Bedenken den Friesen Ubbo als den Erbauer desselben anzunehmen; wurden doch selbst die Wohnungen der Bischöfe des 9. Jahrhundert schon mit Befestigungswerken umgeben. Auch der Mangel an irgendeiner Sage über den Turm scheint für ein äußerst hohes Alter zu sprechen. Genug - sei er 800 oder 900 Jahre alt, - er steht da als ein Mahner an die Vergänglichkeit aller Werte von Menschenhänden, zur Erinnerung an die, wenngleich rohe, doch kräftige, längst entschwundene Art unserer Alten, für die Stadt Ibbenbüren als ein Überrest von ihrer Wiege.

 

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Dem Grafen, aber wenn man lieber will, dem Edlen Ubbo, musste daran gelegen sein, für sich und sein Haus den nötigen Lebensbedarf zu erzielen; er musste daher darauf bedacht sein, durch Ackerbau sich selbst zu verschaffen, was er für Geld nicht verlangen konnte, weil in damaligen Zeiten die umliegenden Höfe nicht mehr anbauten, als was zum eigenen dringendsten Lebensbedarf nötig war. Es blieb ihm daher nichts anderes übrig, als Wildgrund urbar zu machen. Und so entstanden aus dem Walde wahrscheinlich zuerst der Raen-, dann der Upmeyers Esch.
Er selbst trieb den Ackerbau wohl nicht mit eigener Hand, wie dieses ja den freien Wehrfestern, geschweige den Edlingen zu lästig war, sondern er setzte über seine Ländereien einen oder mehrere Verwalter ein, die ihn mit den Nötigen versehen mussten. Einen solchen Verwalter nannte man in alten Zeiten bald Schulte, (Villicus) bald Meyer oder Megger. Dies ist wahrscheinlich die Zeit der Entstehung des Hofes Uppmeyer (Ubbos - Meyer), der an der Stadt Ibbenbüren liegt. - Von der Burg aus konnte die Bestellung der Ländereien nicht betrieben werden, da, wie oben bemerkt, außer für Turm und Wohngebäude nichts mehr übrig blieb. Ubbo gebrauchte also seine Leute (Lidones) zur Bestellung seiner Äcker.
Die Stadt oder das Dorf Ibbenbüren ward früher auch wohl Colonia Ubonis d. h. Anbau des Ubbo genannt; in der Landesprache wird man seine Anlage aber Ubbos-Burie, oder falls mehrere Höfe angelegt wurden, Ubbo - Buren genannt haben. Das ist die Entstehung des Namens Ibbenbüren. In den ältesten Urkunden findet man nie den Namen Ibbenbüren, sondern Ibbenburn, Ibenburen, auch Ippenburen geschrieben.
Als im 10. und 11. Jahrhundert der hohe Adel anfing, zu dem sonst einfachen Namen noch einen Titel hinzuzusetzen, nahmen Ubbos Nachfolger den Namen von ihrer Anlage als ihrer Hauptbesitzung und nannten sich nach dem bereits entstandenen Namen "Ibbenbürener" Herren in oder von Ibbenbüren. So kommen dieselben in Urkunden des 12. Jahrhunderts vor, wie wir bald sehen werden. Das Ansehen Ubbos oder seiner Nachfolger gewann unter dem Einfluß unbekannter Umstände gewiss bald eine Art von Macht über die umliegenden Höfe, wodurch sie an allen Marken des Kirchspiels Ibbenbüren berechtigt waren und auch die freie Jagd in den vier Kirchspielen der später entstandenen Obergrafschaft Lingen erhielten.

 

 

Fest steht, dass er und seine Dynastie zum hohen und angesehenen Adel gehörten. Obgleich im 10. und in den folgenden Jahrhunderten die Grafen von Tecklenburg sich immer mächtiger erhoben und das Land weit und umher beherrschten und die Edlen in ihrer Nähe sich ihnen als Dienstmannen (ministeriales) ergaben, um besser beschützt zu sein und aus anderen Gründen, behauptete Ubbos Stamm seine alte Unabhängigkeit und Freiheit. Er führte den Titel Nobilis (adelig) und er erscheint in den Urkunden neben den Herren von Steinfurt-Rheda u.s.w. Wenn ich das bisher Gesagte nur durch eine Sage und durch Vermutungen zu ergründen suchte, so steigert sich die Wahrscheinlichkeit dieser Vermutung zur Gewissheit, weil man mit Sicherheit weiß, dass die Herren von Ibbenbüren noch im 12. Jahrhundert in Friesland ein Grundeigentum mit sechs eingehörigen Stätten nebst zwei Teilen des ganzen Landes Sulburg oder Saleburg besaßen, wie wir später sehen werden, dieses bewog mich, die Sage von der Abstammung Ubbos als geschichtliche Wahrheit anzunehmen.

 

 
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Ibbo oder auch Ubbo, der Herr von Ibbenbüren besaß außer den friesischen Besitzungen im südöstlichen Teile der Bauernschaft Hallebeck den ganzen Raum vom Berge, an dessen Fuße Ibbenbüren liegt, am Hallesche und der ?Roelhiege? und hinab bis zum Leher Felde unter dem Dörenther Berge; aber wie sich später ergeben wird, auch den Raen- und Upmeiers-Esch und den Roggenkamp, die Fläche, welche die Stadt einnimmt, nebst dem Grundeigentum des Hauses Grone, des Hofes Werthmöller und vielleicht auch des Hofes Trüßelmeyer: ein artiges Besitztum, auf dem sich recht gut der große Herr spielen ließe und auf dem jetzt mehr als 2.500 Seelen leben mögen. Es muss hierbei einem jeden klar sein, dass der südöstliche Teil der Bauernschaft Halleck, worin Ubbo und seine Bauern wohnten, einem ganz anderen Anblick bot als jetzt. Damals herrschte statt des jetzigen regen Stadtlebens und des ewigen Gerolles der Kohlenwagen gewiss nur eine öde Stille über den dichten Walde, den elenden Bauernhütten und dem finstern Schlosse des Ubbo, die selten durch den Jagdruf der Herren, durch das Gebell ihrer Hunde und durch das nächtliche Geheul der Wölfe unterbrochen wurde. An ein Dorf war damals noch nicht denken, doch konnte die erste Anlage nicht mehr fern sein. Kehren wir zur Geschichte und zur Entstehung des Dorfes Ibbenbüren zurück, zugleich wird sich dann die Zeit der Ankunft Ubbos näher bestimmen lassen.

 

 

2. Gründung der Kirche von Ibbenbüren

Nach fast dreißig Jahre lang dauernden fortgesetzten Kämpfen der Sachsen gegen das Christentum und die Oberherrschaft der Franken - mit einigen Unterbrechungen- schlossen beide Krieg führenden Völker, im Jahr 803, wie schon bemerkt, zu Selz (Bayern) den bekannten Vertrag. In diesem Vertrag gelobten die Sachsen, das Christentum anzunehmen und dem Kaiser zu gehorchen, nachdem die Sachsen manchen christlichen Missionar in ihrem Lande erschlagen oder aus dem Land hinausgejagt hatten. Selbst ihr Herzog Wittekind war Christ geworden und Kaiser Karl der Große hatte ihnen die Erhaltung ihrer Freiheit und ihrer Gebräuche versprochen. Jetzt ward die Ruhe im Sachsenlande andauernder, da die Sachsen ihre teure angeerbte Freiheit gesichert sahen. Leicht wurde es den Missionaren, die schlichten und geraden Herzen der Heiden, die das Christentum bisher nur als ein Hindernis ihrer Freiheit angesehen und es gehasst hatten, für die heilige Wahrheit empfänglich zu machen. Die Bekehrungs-Bemühungen nahmen einen seltenen Gang; denn Karl stiftete Bistümer im Lande, mit erleuchteten Männern wurden dieselben besetzt.
Die Bischöfe, damals die Ersten unter den Missionaren, zogen eine kleine Schar Priester um sich sammelnd, durch Wald und Feld, von Hof zu Hof die heilige Lehre verkündend. Nach Marken, Bauernschaften oder Gauen, die so alt waren, wie das Volk selbst, vereinigten sie die Belehrten zu einer Gemeinde und bauten in ihrer Mitte eine Kirche, die oft nur, wie jetzt noch in den Staaten von Amerika, aus Blockstämmen gebaut wurde; es entstanden wohl anfangs keine Pfarrkirchen, sondern man musste sich mit einer kleinen Kapelle begnügen. Wenn dann die Belehrung einen solchen Fortgang nahm, so konnte die Gründung der Menge von Pfarrgemeinden, die wir jetzt im Lande haben, nicht so rasch vonstatten gehen, zum Teile, weil es an Priestern mangelte, anderen Teils, weil die Höfe zu spärlich lagen und alles noch neu geschaffen werden musste.
Es ist daher ganz natürlich, dass demnach die Gemeinden von bedeutendem Umfange sein mussten, weil auch bald die Kapellen zu wirklichen Pfarrkirchen erhoben wurden. Später, als die Volkszahl wuchs und die Kirchen aus Stein gebaut wurden, wohnte viele der Eingesessenen zu entfernt von der Kirche, um dieselbe oft besuchen zu können.
Es wurden an der Grenze Städte aus dem alten Pfarrbezirke herausgeschnitten oder es wurde eine neue Kirche gebaut oder die vorhandene Kapelle wurde zur Pfarrkirche erhoben. So entstanden neue Kirchspiele, wie es ebenfalls noch in neuerer Zeit mit den Kapellen in Halverde und Hörstel geschah.

(Fortsetzung folgt)

 




3. Über die Entstehung der Stadt Ibbenbüren - Von Vicar Dorfmüller - Teil 2 - Fortsetzung und Schluss
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  Beilage zur IVZ :: Heimat und Leben - IVZ Nr. 222 vom Montag, den 25. September 1922
Ueber die Entstehung der Stadt Ibbenbüren - Teil 2 und Schluss
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Deswegen darf man auch annehmen, dass die größten Pfarreien auch die ältesten sind. Zu den größten Pfarreien des nördlich Westfalen gehören auch jetzt noch Oster- und Westerkappeln, Ibbenbüren, Lengerich und Lingen und Rheine im Lingenschen. Ibbenbüren behauptet unter diesen Pfarreien fast den ersten Rang. Man muss daher schon auf ein sehr hohes Alter schließen, wenn nicht schon im Jahre 1160 Ibbenbüren urkundlich als wirkliche Pfarrei vorkäme.
Doch hören wir etwas über die wahrscheinliche Zeit ihrer Gründung. Aus der älteren Geschichte der Friesen und Sachsen, also der Westfalen, ist bekannt, dass beide Völker selten im freundschaftlichen Verkehre miteinander standen, wenigstens nicht in jener Zeit, die den fränkisch-sächsischen Kriegen vorherging. Es ist daher gar nicht denkbar, dass die Sachsen in ihren Marken einen friesischen Fremdling geduldet haben sollten, da aus der deutschen Geschichte bekannt ist, wie eifersüchtig diese Völker auf ihre Freiheit und den unbeschränkten Besitz ihres angestammten Landes waren, es kann daher Ubbos Einwanderung vor dem 9. Jahrhundert nicht stattgefunden haben -

 

 

Als aber nach langem Kampfe endlich Friede wurde, als das Land des Glaubens, die Friesen, (diese waren schon viel früher Christen geworden) mit den Sachsen zu einer großen Familie unter Karls Oberherrschaft vereinigte, als sogar die Friesen gemäß der Heerfolge-Pflicht die Frankenzüge mitgemacht hatten als Karl der Große seine verdienten Krieger oft mit Besitzungen im Lande belohnte, um seiner Herrschaft und dem aufblühenden Christentum hin und wieder feste Stützen im Lande zu geben, als Karl anfing, die sächsischen Gaue durch Gaugrafen zu regieren, die freilich anfangs nur Sendgrafen waren, später aber feste Sitze im Lande bebauten, und die ersten Glaubensboten meistens Friesen waren, da musste die alte Spannung nachlassen und den Sachsen das Einwandern der Fremdlinge willkommen werden, wenigstens konnten sie nicht dagegen wirken, da Karls Politik die Fremdlinge begünstigen musste.

 

 

Noch besser stellten sich für die Friesen die Verhältnisse in unserem Lande, als die Bischofssitze mit Friesen besetzt wurden. So war z.B. der erste Bischof von Osnabrück, Wiho, der nach 30jähriger Amtsführung 809 starb, ein Friese. Ebenfalls kamen auf Friesland der erste Bischof von Münster, Ludgerus (gest. 809) der zweite, Gerfried (gest. 839) und der dritte Bischof, Altfried (gest. 849). Mag sich Ubbo als ein einfacher Einwanderer oder als Sendgraf in der Bauernschaft Hallebeck niedergelassen haben, oder mag er für seine Verdienste im Kriege die hiesigen Besitzungen bekommen haben, so bleibt doch wahrscheinlich, dass zur Zeit der ersten Bischöfe von Osnabrück, zu deren Sprengel damals die Grafschaft Tecklenburg gehörte und der Bischof von Münster den Ubbo aus Friesland hier ankommen und sich ansiedeln sahen.

 

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Es musste bei den Bischöfen in ihrer Lage höchst willkommen sein, da noch alles neu geschaffen werden musste, und da noch so wenig feste Anhaltspunkte im Bekehrungsgeschäft des Landes vorhanden waren, Männer ihres Stammes und ihres Glaubens, die Ansehen besaßen, in ihrer Nähe und ihrem Sprengel zu sehen, da diese Männer ohne Zweifel günstig auf das Volk wirken konnten. Der Bischof Wiho wird daher auf alle mögliche Weise Ubbo und sein Unternehmen begünstigt haben.
Ubbo, begeistert von dem Glaubenseifer seines apostolischen Bischofs und Stammesgenossen, wird kein Opfer gescheut haben, um zur Ausbreitung des Christentums beizutragen. Auch lag dieses, falls Ubbo, wie zu vermuten ist, einer der Sendgrafen oder Beamten des Kaisers war, in den Pflichten seines Amtes. So wird man durch das Gesagte dringend veranlasst, die Ankunft Ubbos in Hallebeck in den Anfang des 9. Jahrhunderts zu setzen, und ihn auch für den Gründer der Kirche von Ibbenbüren anzunehmen. Ubbo legte den ersten Grund zur Kirche von Ibbenbüren. Auf seinen eigenen Besitzungen baute er für die umliegenden Bauernschaften wahrscheinlich anfangs nur eine hölzerne Kapelle. Weil es damals wegen Mangels an Priestern aber noch wenige vollständige Pfarreien geben konnte, hatte Ibbenbüren gewiss noch keinen festen Pfarrer, sondern es kam stattdessen bisweilen ein Missionar vom nahe gelegenen Osnabrück zu der Kapelle in Hallebeck, um den heiligen Dienst zu verrichten. Lange konnte es nicht währen, bis ein fester Pfarrer für die vielen umliegenden Bauernschaften angestellt wurde und bis eine eigene Pfarrei entstand, die nach ihrem Gründer oder dessen Nachkommen als die Kirche von Ibbenbüren genannt wurde. Ubbo und seine Nachkommen als Gründer der Kirche hatten sicher eine Art Patronat über die Kirche. Sie hatten die erste Stimme bei der Verwaltung des Kirchenwesens.

 

 

Das heißt, Ubbo und seine Nachfolger wurden Kirchenrat auf immer, oder wie es in einer Urkunde heißt, "ewiger Kerchratt". Zugleich gaben ihm die Kirchspiel-Bauernschaften das Recht der freien Mitbenutzung alle Marken, "soweit die Ibbenbürenschen Glocken läuten" , das heißt, innerhalb der Pfarrgrenze, um ihnen die gebrachten Opfer zum Teile zu vergüten. So heißt es in einer Urkunde im Besitze des Hofes Wertmöller von seiten des Eigentümers, Konrads Grafen von Tecklenburg, über den Verkauf des Hauses Wert am 22.Mai 1422 an den Ankäufer Heinrich ter Mollen, "dass die Herren von Wert an allen Marken des Kirchspiels berechtigt sind "weil die Herren von Upna, der spätere Stamm Ubbos ewiger Kerchratt geseytt." (...ewiger Kirchrat wurden). Ebenfalls sagt eine andere Urkunde von 1661, die auch im Besitze des Wertmöllerschen Hofes ist, dass man, um Streitigkeiten zwischen dem Hause Werthmöller beizulegen, in den alten Tecklenburger Archiven nachgeschlagen habe. Dort habe man herausgefunden, dass die Herren von Ubena auf dem Hause Wert das oben genannte Recht an den Marken besäßen, "so weit die Glocken von Ibbenbüren läuten", "weil die Herren von Ubena das Recht hätten, ewiger Kirchrath von Ibbenbüren zu sein, da die Kirche von ihnen den Namen habe." Zu bedauern ist, dass das Tecklenburger Archiv nicht zur Einsicht offen steht.

 

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Woher kam dieses Recht der Herren von Ubena, dieser Nachfolger des Ubbo, wenn sie nicht die Stifter der Kirche waren? (Ubena klingt nach Ibbenburen) Warum hat nicht das Dorf, die Gemeinde, von ihnen den Namen bekommen, warum nur die Kirche, wenn die Herren von Ubena nicht die Kirche selbst gegründet hätten?
Deutlichere Beweise für die Wahrheit der oben aufgestellten Behauptung sind nicht nötig. Ohne Zweifel würde die Kirche den Namen von der Bauernschaft Hallebeck bekommen haben, in der sie lag, hätten nicht Ubbo oder seine Nachfolger die Kirche auf ihrem eigenen Boden erbaut.
Ein anderer Grund ist folgender:
Wie oben gesagt, umfasst das Besitztum der Herren von Ibbenbüren den ganzen Raum zwischen den beiden Bergen, dem Hallesche und Roelmanns Stätte (Rählmann?). Fast in der Mitte diese Raumes liegt die Kirche mit ihrem Kirchhofe. Von Südost bis zum Norden reicht der Besitz der Stätte unseres Ubbo in Ibbenbüren, zum Teile liegen noch Häuser der Stadt auf seinem Boden. Im Westen bildet der Esch der Bauernschaft Hallebeck (Hallesch) die Grenze, der südliche Teil der Stadt liegt auf den Gründen des Hauses Grone, an das auch jetzt noch ein Kanon bezahlt werden muss. Das Haus Grone gehörte aber früher zum Schlosse Ibbenbüren. So ist die Stadt Ibbenbüren rings umgeben von den Besitzungen des Ubbo und seiner Nachkommen.
Nur an der Westseite bildet der Hallesch die Grenze, der wohl weit älter ist als Ubbos Geschlecht,. Dieses ist Beweis genug, dass Ubbo auf seinem eigenen Boden die Kirche baute und er folglich auch der Gründer der Kirche war. *)

 

 

*) Man sollte hier nicht als Gegenbeweis den Umstand anführen, dass manche der Ländereien, die um Ibbenbüren liegen, in den Händen der Bürger sind. Dergleichen Wechsel geschah in den folgenden Jahrhunderten, besonders in neuerer Zeit durch Tausch, Kauf u. s. w. Einzelnes veränderte sich, das Ganze aber ist geblieben.

 

 

Zur Unterstützung meiner Behauptung, dass das Haus Grone früher ein Teil des Eigentums der Herren von Ibbenbüren gewesen ist, wie auch, dass die Stätte Wertmöller zum Eigentume genannter Herren gehört habe, füge ich Folgendes ein:

3. Die Häuser Ibbenbüren, Wert und Grone.
Vorbemerkung: Ich bitte den Umstand festzuhalten, dass viele der adlige Häuser, die selbst in späteren Jahren landtagsfähig waren, auf einem Raum von nur 10 Minuten im Durchmesser liegen. Dieser Umstand deutet an, dass entweder das eine Haus aus dem andern oder das eine nach dem andern entstanden ist, und sich erhob, als das andere bereits wieder verfallen war. Wie hätten drei adlige Häuser auf so engen Raume zu gleicher Zeit entstehen und bestehen können. Über Ubbo hat man nur, so viel ich weiß, seine urkundlichen Nachrichten. Ebenso schweigen die Nachrichten über seine nächsten Nachkommen, wenigstens findet man sie nicht in den bekannten Urkunden. Dessen ungeachtet können sie, weil sie den Titel von ihrem Hause noch nicht angenommen hatten, mit ihrem Taufnamen vorgekommen sein, dieses lässt uns aber in Ungewissen. Erst dort, wo sie unter dem Namen der Herren von Ibbenbüren auftreten, werden wir mit ihnen bekannt.

 

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Der erste Ibbenbürener, der genannt wird, ist ein Werner, der im Jahre 1146 (Sandhoff. Res gesta. Ant. Osnab. dipl. XXIV) mit Bischof Phillip von Osnabrück auf der Hofsprache (am Hofe) die Einkünfte des Klosters Gertrudenberg bei Osnabrück mitbestimmt, und zwar als Genosse, weil dem Kloster die "Zehnten von den Hütten, die in Ibbenbüren lagen" zuerkannt werden.
(itaque decimae de Anguris, que sunt in Hipenburen) Dieser Werner scheint der Vater oder Bruder des Gottschalk (Sandhoff dipl. XXVI) von Ibbenbüren gewesen zu sein, der ebenfalls auf einer Osnabrücker Hofsprache als Mitgenosse mit seinem Sohne Albert im Jahre 1160 erschien und zwar deswegen, weil zu den Einkünften des oben genannten Klosters "der Zehnte von der Mühle bei Ibbenbüren und ein Groschen von dem Schlosse hinzu gesetzt wurde, es heißt dort:
"Apud Ibbenburen decimae de molendino, jbidem enarius de domo."

Ein Bruder Gottschalks, vielleicht der schon genannte Werner (Rieferts Münstersche Urkundensammlung 2. Band Nr. LII) lebte noch 1172, war aber 1188 bereits gestorben. Gottschalk,

(Ries. Münst. Urkundensamml. 2. Band Nr. LII u. LXLV.) (zu Sandhoff siehe vorher gegangene Notiz)

hatte fünf Kinder, drei Söhne, Albert oder Adebert, Konrad und Bernard und zwei Töchter, Gerberge und Hildeburge. Konrad war schon vor 1172 gestorben, auch scheint Albert um dieses Jahr gestorben gewesen zu sein; die Eltern lebten aber in diesem Jahre noch. Hildeburge, die mit einem Herren von Thedem verheiratet gewesen war und deren Todesjahr wenigstens vor dem Jahre 1188 liegen muss, hinterließ zwei Söhne, den Winemar und Arnold von Theden.

Gerberge starb, wahrscheinlich unverheiratet, am Ende des Jahres 1188. Bernard aber überlebte seine ganze Familie, und mit ihm erlöscht das Geschlecht der Herren von Ibbenbüren in der männlichen Linie; und es erlöscht auf glänzende Weise. Er hat sich dem geistlichen Stande gewidmet, wurde Domherr zu Münster, und stiftete im Jahre 1172 als Domherr eine Memorie (jährliche Gedenkmesse) für seinen verstorbenen Bruder Konrad an die Kirche von Überwasser in Münster, die nach seinem eigenen Tode für ihn gehalten werden sollte; zur Stiftung gab er Ländereien her, die er zu Nottuln besaß. Um das Jahr 1178 wurde er Domdechant, und im Jahre 1188 zum Bischofe von Paderborn erwählt. Da bereits um diese Zeit auch die Schwester Gerberge starb und die beiden Vetter noch lebten, so fielen alle Familiengüter an ihn. Bernard war ein kräftiger Mann, und er hat sich viele Verdienste um das Stift Paderborn erworben.

 

 

Zum Vorteile seines Stiftes, dessen Wohl im sehr am Herzen lag, gab er, sobald er im Besitze der Erbgüter war, aus denselben Benefizien (Beneficium = Wohltat, Vergünstigung; Lehen ; Pfründe , Kirchenamt) (Rieferts Urkundensammlung 2. Band, Nr. LXIV) an Widefind von Walbeck, Widefind von Burmont, Florin von Spenge und Rabodo von Störmede; ferner an Herrmann von Vehte, Ludolf von Lutuhufen, Godfried von Bernewide und an den Sohn des Bertold von Ruthern. Er gewann dadurch diese Dynasten für das Stift, indem die Beneficiaten, so lange sie das Benefecium, (dass gewöhnlich eine Stätte etc. war), besaßen und zu gewissen Diensten dem Verleiher desselben verpflichtet waren. Dann aber schenkte er am Anfange seiner Regierung alle seine Güter samt der Beneficien dem Stifte von Paderborn als freies, eignes Gut.

 

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Zu den übrigen Gütern gehörten noch seine Ibbenbürener Besitzungen, d. h. die Mühle (die noch bestehende Wassermühle an der Aa bei der Stadt), dass feste Schloss mit Wall und Sümpfen (Rief. Urkundensammlung 2. Band Nr. LXIV) "die dasselbe umgeben und fest machen," ferner seine Besitzung in Frieslan d, bestehend aus sechs eigenhörigen Stätten und zwei Teilen, dem ganzen Land Saleburg, von welchem Lande der Graf Simon von Tecklenburg (Thikenebure) den dritten Teil besaß.
Außer jenen mächtigen Beneficiaten gewann er, weise und klug, den Grafen von Tecklenburg als Lehnsmann seines Stiftes in dem er das Schloss von Ibbenbüren mit der ganzen Hovesaat, mit der Mühle, wie auch die Beneficien, welche die vier zuletzt genannten Beneficiaten besaßen, und seine Besitzungen in Friesland dem Grafen Simon als Lehen übertrug. Dieser gab aber seinen eigenen Anteil an dem Lande Saleburg in Friesland als Eigentum an das Stift von Paderborn und erhielt es dann als Lehen wieder zurück.

Da aber die Vettern des Bischofs nicht leer ausgehen durften, so ward Bedingung, dass Simon die Mühle und das Schloss in Ibbenbüren dem Winemar und Arnold von Thedem hin wiederum als Lehen übertrüge; was dann auch im Jahre 1189 geschah.

Man sieht also, dass die Güter der Herren von Ibbenbüren bedeutend waren. Nur ist zu bedauern, dass die Beneficien nicht namentlich aufgezeichnet sind.

So stirbt dass ansehnliche, freiherrliche Geschlecht der Herren von Ibbenbüren gerade da, wo es eben angefangen ht, urkundlich in der Geschichte aufzutreten, wieder aus; die Güter werden zersplittert; das Stamm-Schloss sinkt zu einem Lehnsgut des Tecklenburger Grafen herab, der aber die weibliche Linie der alten Dynastie, die Linie Thedem, mit dem alten Schlosse belehnt. Dies neue Geschlecht nahm freilich den alten Namen Ibbenbüren wieder an, verschwindet aber unter dem Lehns-Adel gänzlich. Nur im Jahre 1245 (Sandhoff, Dipl. LXV),
tritt noch ein Bernard von Ibbenbüren als Zeuge in einer Urkunde auf. Dann verschwindet das Geschlecht gänzlich, bis es sich am Ende des 14. oder eigentlich im Anfange des 15. Jahrhunderts unter dem Namen der Herren von Ubena auf dem Hause Wert wiederfindet, aber nur im Grabe. So vergeht alle Herrlichkeit der Welt.

 

 

Steigender Luxus und das mit der Zeit gefühlte Bedürfnis nach größeren Bequemlichkeiten möchten die Bewohner des alten Schlosses bewegt haben, dasselbe unbewohnbar zu finden, um dann ihren Wohnsitz nach dem vielleicht damals erbauten Hause Wert, das etwa zwei Büchsenschuss weiter südwestlich vom alten Schlosse an der Aa lag und das bereits längst wieder verschwunden ist, zu verlegen. Auch auf dem Hause Wert blieb Ubbos Geschlecht im Besitz der Mühle und des alten Schlosses. Haus Wert blieb bis zum Verkauf des Hauses ein männliches Lehn der Grafen von Tecklenburg. Als im Jahre 1422 die Familie der Ubena-Linie bereits ausgestorben war und das Haus Wert an dem Grafen Kort (Konrad) von Tecklenburg zurückgegeben war, verkaufte dieser das Haus selbst, nebst der Mühle und der Jagdgerechtigkeit in den vier Kirchspielen der späteren Obergrafschaft Lingen, Auch verkaufte er die Mitbenutzung aller Marken des Kirchspiels Ibbenbüren, die Schaftrift auf den Schirloher und Leher Felde und das Recht, den Landtag zu Lingen mitbesuchen zu können, an Heinrich Thermollen für die damals sehr bedeutende Summe von 7218 Rthlr. als freies Eigentum. Das Haus Wert verschwand, aus der Zusammensetzung der Namen Wert und Mollen bildete sich der Name Wertmöller, und das alte Haus war eine Stätte, in deren Besitz auch jetzt noch der alte Turm sich befindet.

 

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Beim Verkauf des Hauses Wert bestand das ebenfalls ganz nahe, doch näher nach Ibbenbüren gelegene Haus Grone schon als eigenes, selbständiges adeliges Gut. Wie eine Urkunde, im Besitze des Hofes Wertmöller, meldet, war diese Haus früher als eine Leibzucht von Wert getrennt worden, und hat sich zur freien Selbständigkeit erhoben. Wir sehen, dass die Besitzungen des Hauses Grone den nördlichen Teil der Besitzungen des Hauses Wert ausmachten, und dieses bei der Trennung den südlichen Teil behielt. Wir sehen ferner, dass beide Güter früher zur Hovesaat des Schlosses Ibbenbüren gehörten. Folglich ist anzunehmen, dass die Hovesaat des Schlosses Ibbenbüren die Stadt an den drei Seiten umgab, Upmeiers Stätte mit gerechnet, und daß die Westseite vom alten Hallesche gebildet wurde. Wenn man alles Gesagte zusammenfasst, gibt es genug Beweise, dass Ubbo oder seine ersten Nachfolger die Kirche von Ibbenbüren gegründet haben, und zwar auf ihrem eigenen Grund und Boden, wie auch mit ihren eigenen Besitzungen die Kirche und die Pfarre etc. dotiert haben. *)

 

 

*) Hier möge die Bemerkung Platz finden, dass die Geschichte der beiden Edelmannhöfe (adliger Güter), Grone und Langewiese, wie folgt war : Das Gut Grone (Grone hieß früher Kronenborch oder Kronenburg) gehörte vorher der Familie Von Grothaus und Lüning. Erst Anfang des 19. Jahrhunderts gehörte es der Familie Von der Horst zu Cappeln.
Das Gut Langewisch gehörte vor Alters her der Familie Von Gogreve, danach den Von Schmitzbergen; im Anfange dieses Jahrhundert der Familie Von Bentink, darauf der Familie Von Elmendorf. Dann war dieses Gut im Besitze des Kaufmanns Joel Meyer. In neuerer Zeit sind beide Güter durch Kauf in Crespels Hände gekommen, sie haben aber ganz das altertümliche Aussehen verloren.

 

 

4. Entstehung des Dorfes (der Stadt) Ibbenbüren

Wenn man alles Gesagte nochmals überlegt, so wird man sein Bedenken haben, die Erbauung der ersten Kirche von Ibbenbüren in den Anfang oder in das Ende des 9. Jahrhunderts zu setzen, wenngleich auch keine urkundlichen Nachrichten vorliegen, die von einer Kirche in Ibbenbüren sprechen. Wenn auch diese Kirche anfangs nur eine Missions-Kapelle war, so konnte es doch kein Jahrhundert währen, bis die Kapelle sich zu einer wirklichen Pfarrkirche erhob. Urkundlich steht fest, (Mösers Geschichte von Osnabrück, 2. Band, Urk. LXXXX) dass die Pfarrei Ibbenbüren im Jahre 1160 schon bestand und auch schon die Bauernschaften Püsselbüren, Alstedde und Laggenbeck umfasste, denn es heißt in der Note der angegebenen Urkunde:

 

 

"In dem Pfarrkirchspiel Ibbenbüren (Abgaben) auf dem Schulzenhofe Warendorf (Schulte-Varendorff bei Laggenbeck)
von gewissen Äckern
, die von der Stätte der Probstei (von Osnabrück) verpachtet (sind)
Ein Malter Roggen
Im Pfarrkirchspiel Ibbenbüren, in Visbeck (jetzt Alstedde) : Lohes (Deteringshof oder Hof Bohle am Alstedder Loh?) 15 Sch. Roggen, 15 Groschen, 2 Schafe,
ebendort Roze (Kümper), 10 Sch. Roggen, 10 Groschen, 1 Schaf,
ebendort Rother (Prinzleve?) ebensoviel.
In Püsselbüren (der verschwundene Haupthof der Bauernschaft) 2 Malter Roggen, 1 Schilling, 2 Schafe.Es unterliegt keinen Zweifel, dass die Pfarrei schon früher bestanden hat, mithin auch eine Kirche vorhanden gewesen sein muss.

 

 

Wie schon vorhin bemerkt, waren die Kirchen Grund zum Entstehen der Dörfer, so auch hier. Bei der Kirche erhob sich die Wohnung des Pfarrers, des Küsters u.s.w. Die Hoffnung auf Gewinn von der großen Masse der Eingesessenen, die die Kirche besuchten, lockte Schenkwirte und Krämer an, sich in der Nähe der Kirche ansässig zu machen.
Mit dem Christentum waren unsere Völker zugleich in näherer Bekanntschaft mit den schon mehr zivilisierten Franken gekommen und hatten Bedürfnisse gelernt, deren Befriedigung ihnen nur der Handel zutragen konnte.
Die Lebensweise früherer Zeit, wo sie mit eigenen Händen sich das Nötige selbst fertigen konnten, verlor an Einfachheit und machte Krämer und Handelsleute nötig. Es ist ja selbst dem Tacitus (Geschichtsschreiber) bekannt, dass die Deutschen stets an einem guten Durste laborirten, zumal wenn sie schon eine Strecke des Weges gegangen waren, die ganze Woche hatten arbeiten müssen, und nun vor dem Beginne des Gottesdienstes sich einander trafen sich und allerlei zu erzählen hatten. Dann waren Schenkwirte willkommen, zumal man bei ihnen ein freundliches Dach finden konnte. So entstanden die ersten Wohnungen, die anfangs nur elende Hütten waren, aber doch schon den Titel Dorf verdienten.

Die erste urkundliche Erwähnung Ibbenbürens als die eines Dorfes scheint mir in den oben angeführten Worten vom Jahre 1146 zu liegen, wo es heißt:
"Die Zehnten von den Hütten, welche in Hipenburen liegen. (Sandhoff. Dip. XXIV)
Wären hier nicht Häuser des Dorfes Ibbenbüren, sondern Stätten des Kirchspiels gemeint, so würde man nicht Auguriis, sondern eurtibus, praediis, villis, domibus oder manisiis gesagt haben. Die zweite, ähnliche Andeutung ist vom Jahre 1160 (Sandhoff dipl. XXV)
wo es heißt: "der Zehnte von der Mühle bei Ibbenbüren, ebendort 1 Groschen von dem Schlosse. Dieses "bei Ibbenbüren" zeigt deutlich das Vorhandensein eines Dorfes.

Ohne Zweifel bauten die ersten Dorfbewohner in der Nähe des Kirchhofes, der südöstlich und westlich von den beiden Bächen, die im Süden der Kirche sich vereinigen und dort die Süd-West-Grenze bildeten, eingeschlossen war. Die Nord-Ost-Grenze bildete eine dicke Mauer, die sich im Jahre 1837 in ihren Fundamenten noch unter dem hinteren Teile des alten Hauses Bergeschneider (Oberer Markt-Marktstraße) und an der südlichen Seite des Hauses Dr. Schrakamp am Markt unter der Erde zum Bache hinab zog. An der Seite der beiden Bäche wurden die ersten Häuser gebaut, die dortigen Straßen sind daher auch die ältesten Häuser. Später entstanden die Häuser am Markte. Als mit der Zeit die Seelenzahl wuchs, wurde der Kirchhof verkleinert. Innerhalb seines alten Bereiches, doch nur auf den Ufern der Bäche, wurden neuerdings Häuser gebaut. In neuerer Zeit wurde der Kirchhof abermals verkleinert, indem der große Obere Markt entstand und die zur Unterstadt führende Marktstraße auf dem südöstlichen Teile angelegt wurde.

 

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Das Wachstum des Dorfes kann in dem ersten Jahrhunderte nur langsam voran gegangen sein. Auch können die Häuser nur elende, ohne Plan gebaute Strohhütten gewesen sein, bis der Betrieb des Bergbaus und die dadurch eröffneten Erwerbsquellen ein neues, reges Leben weckten und neue Siedler herbeizogen. In Folge dessen wurde die neue, nicht unbedeutende Straße vom Marktplatze bis zur katholischen Kirche und darüber hinaus ausgebaut, also die ganze sogenannte Oberstadt gebildet. In der ganzen Stadt sind die alten Häuser verschwunden, neue schönere wuchsen empor. Dazu haben auch die Elemente beigetragen, denn wiederholt ist Ibbenbüren auch von Feuer und Brand heimgesucht, wodurch ein großer Teil der Häuser in Asche gelegt wurde. Selbst die jetzige, im Jahre 1523 erbaute evangelische Kirche hatte einmal durch Sturm und einmal durch Feuer sehr zu leiden. Diese aus Quadersteinen aufgebaute Kirche hatte früher einen Turm mit einer Spitze von 160 Werkschuh (Fuss). Als die Spitze im Jahre 1703 am 2. Adventsabend durch einen gewaltigen Sturm herunter geworfen wurde, wurde sie hernach im Jahre 1710 nur bis zur Hälft wieder aufgebaut. Im Jahre 1846, im Monat September wurden der Turm und das Dach der Kirche vom Feuer zerstört.

 

 

Im Jahre 1584, am Tage Philippi und Jacobi (den 1. Mai) geriet die westliche Straße, (Poststraße) welche nach dem Hallesche geführt, in Brand. Um das Jahre 1625 wurde die südliche Stadt oder das Niederdorf ein Raub der Flammen. Im Jahre 1659, am Tage Petri und Pauli (den 19. Juni) entstand am Markte ein sehr schädliche Feuersbrunst, wodurch die nordöstliche Seite des Marktes ab dem Kirchhofe gänzlich abgebrannt ist.
Wiederum brannten 1744 am 4. April zur Nacht auf der Mühlenstraße sechs Häuser. Der Brand von 1846 (Bericht ist nach 1846 verfaßt) im Monate September von des Mittags 4 Uhr, bis andern morgens 6 Uhr ist gewiss noch vielen in Erinnerung
Auch durch Brennen und Rauben hatte Ibbenbüren zu leiden. Dieses ergibt sich aus einer Urkunde, welche Nicolaus II Graf von Tecklenburg (er regierte von 1388 - 1426) am 22. September 1417 ausfertigte :

Er vermacht der Kirche zu Ibbenbüren einige Wiesen bei Stallford auf dem Bruch in der Saerbecker Mark für seine und seiner Nachkommen Seelenheil, zur Entschädigung des durch Brennens und Raubens angerichteten Schadens, woran er und die Seinigen Schuld waren, Damit kann die genannte Kirche mit Zierrath, Glocken und sonstigem Notwendigen versehen werden.

Das Städtchen Ibbenbüren hat jetzt ein ziemlich hübsches Aussehen und gewinnt durch prächtige Bauten von Tag zu Tage, so dass es sich mit manchem Landstädtchen messen darf. So wurde aus Ubbos erster rohen, unbedeutenden Anlage zu Beginn ein elendes, dann ein ansehnliches Dorf und endlich ein hübsches Städtchen.

Ubbos Geschlecht ist erloschen und er lebt nur noch auf dem Papiere. Was Ubbo aber im Keime gepflegt hat, ist herrlich erwachsen, und scheint an Ansehen zu gewinnen, obgleich Ubbo dieses wohl nie ahnte. Die Menschen und ihre Geschlechter vergehen, aber ihre Werke wachsen oft still und unbemerkbar fort bis ins späte Jahrhundert.

Möge hoch der alte Turm bei der Werthmühle, dieser Greis, diese letzten Trümmer von der Wiege Ibbenbürens im öffentlichen Schutz genommen werden, so weit es noch möglich ist, damit er nicht der gänzlichen Vernichtung übergeben werde, bevor die Zeit mit Sturm und Wetter das Ihrige an ihm tun wird.

 


 

Angeblich ist der Bericht von Vicar Dorfmüller * 1839, verfaßt worden. Die erste Veröffentlichung des Berichts stand im "Westphälischen Nationalkalender von 1806 - Seite 61", Herausgeber P. F. Weddigen 1837 und 1880 erscheint der Bericht im "Wochenblatt für den Kreis Tecklenburg" Nach Meinung von Siegfr. Rauer ist der Autor der ersten Fassung der Amtmann Ohm gewesen, er war von 1834 bis 1871 Bürgermeister.

 

 

Über die Entstehung der Stadt Ibbenbüren -Von Vicar Dorfmüller
(Bericht ist nach 1846 verfaßt) Zitat : "Der Brand von 1846 ist noch vielen in Erinnerung"

 


 

Quelle: Beilage zur IVZ :: Heimat und Leben - IVZ Nr. 210 vom Montag, den 11. September 1922 - 24. Jahrg.

 
  Quelle: Beilage zur IVZ :: Heimat und Leben - IVZ Nr. 222 vom Montag, den 25. September 1922 - 24. Jahrg.  



 
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spacer 4. Illustrierter Führer für Ibbenbüren und Umgegend - Ausgabe von 1902

Hrsg. Verschönerungs-Verein zu Ibbenbüren - 1902
Druck, Bernhard Scholten, Ibbenbüren,
Ibbenbüren in Westf.1902
64 Seiten
Online bei: Digitale Sammlungen - ulb Münster
http://sammlungen.ulb.uni-muenster.de/hd/content/titleinfo/3188397
 
Illustrierter Führer für Ibbenbüren und Umgegend
Ausgabe 1902
 


Deko


 
Wanderlust.

Auf, frohe Wandersleut',
Zieht nun durch Tal und Flur!
Seht, wie so manche Freud'
Euch bietet die Natur!

Der über'm Weltall thront!
Er segnet ja so gern,
Was diese Welt bewohnt.
Den ersten Blick zum Herrn,

Im kühlen Morgenwind
Eilt hin mit frohem Sinn;
Es fliehen zu geschwind
Die Stunden uns dahin.

In treuer Freunde Kreis
Geht's leicht und ohne Klag',
Von Sorgen man nichts weiß,
Gern lauscht man alter Sag'.

Im deutschen Wald erklingt
Ein schönes altes Lied,
Wenn dann die munt're Schar
Hin zu der Heimat zieht.
 

Deko

 

1. Geschichtliches.
Über Entstehung der Stadt " Ibbenbüren" und über den Namen geben die Geschichtswerke keinen genügenden Aufschluss. Wahrscheinlich ist, dass Ibbenbüren früher "Colonia Ubbonis" von dem Grafen Ubbo genannt wurde und dass hieraus der Name abzuleiten ist. Die Grafschaft "Oberlingen" mit den Kirchdörfern Recke, Mettingen, Brochterbeck und Ibbenbüren gehörte bis 1547 zur Grafschaft Tecklenburg, wurde aber nach der Schlacht bei Mühlberg an den Kaiser abgetreten. Es kam dies Ländchen sogar in den Besitz der Spanier. Im 30jährigen Kriege hatte die Grafschaft viel zu leiden. Um 1650 kam Oberlingen an Friedrich Heinrich von Oranien. Daher fiel dies Land 1702 durch Erbschaft an Preussen. Am 25. März 1902 sind 200 Jahre verflossen, dass die Bewohner Oberlingens sich unter der Herrschaft des glorreichen und edlen Geschlechts der "Hohenzollern" wohl fühlen.

2. Stadt und Bewohner.
Ibbenbüren ist gut bevölkert. Nach der letzten Zählung am 1. Dezember 1900 hatte die Stadtgemeinde eine Bevölkerung von 5066 und die Landgemeinde von 5941 Seelen; mithin betrug die Einwohnerzahl der Gesamtgemeinde 11.007 Personen (532 mehr als vor 5 Jahren). Die Bewohner beschäftigen sich im Bergwerk, in den Steinbrüchen, Glashütten und Fabriken verschiedenster Art. Viele Leute haben ein kleines Eigentum, welches sie nebenbei bewirtschaften. Wer arbeiten will, kann hier sein Brot wohl verdienen.
In der Oberstadt ist die im Jahre 1832 erbaute katholische Kirche, dieselbe ist geräumig und schön; seit Jahren hat sie ein neues, gutes Geläute. In der Unterstadt steht die evangelische Kirche. Dieselbe ist teils sehr alt. Gewölbe und Säulen sind sehr schön. Die im Jahre 1868 erbaute Orgel hat sich vorzüglich gehalten. Die Turmspitze wurde, wie geschichtlich feststeht, am 18. Dezember 1703 durch einen furchtbaren Sturm abgeschlagen und erst im Jahre 1710 erneuert. Bei dem großen Brande am 24. September 1846 wurden Turm und Kirchendach stark beschädigt. Auf dem freien Platz vor dieser Kirche, dem so genannten Kirchhofe, befindet sich das im Jahre 1873 erbaute Kriegerdenkmal, Eigentum des hiesigen Krieger-Vereins. An diesem freien Platz liegt die z. Z. fünfklassige evangelische Stadt-Schule. Die katholische Stadt-Schule befindet sich an der Roggenkampstrasse, dieselbe hat 7 Klassen. Daneben ist die Rektoratschule, welche die Schüler bis Unter-Sekunda vorbereitet. In Ibbenbüren sind auch eine evangelische und eine katholische Töchterschule. Der Friedhof wurde am 15. Mai 1838 eingeweiht und im Jahre 1896 bedeutend erweitert. Das an der Roggen-kampstraße gelegene kath. Krankenhaus hat einen bedeutenden Umfang; den großen Segen, den dasselbe bringt, kennt man in der ganzen Gemeinde und darüber hinaus. An derselben Straße ist Gelegenheit, Spargelder zinsbar anzulegen, dort befindet sich nämlich die Kreis-Tecklenburger Sparkasse. An der Breiten Straße ist das Amts-Gebäude und in der Nähe des Bahnhofs die Post. In der Unterstadt an der Münsterstrasse bemerken wir das Gebäude der Königl. Berginspektion und nicht weit davon an der Chaussee nach Süden das Amtsgericht. Die kath. Gemeinde besitzt in dem Josefstift ein schönes Gebäude für verschiedene Zwecke und in der Unterstadt an der Poststr. das Gesellenhaus (Kolpinghaus). Die ev. Gemeinde hat das frühere Armenhaus umgebaut und zum Gemeindehaus einrichten lassen. Darin wohnen 2 Schwestern, von denen eine die Kleinkinderschule leitet. Auch dies Gebäude dient verschiedenen Vereinen als Versammlungsort.

 

 

Das Vereinsleben ist hier ziemlich lebendig. Die ältesten Vereinigungen sind die Gesellschaft "Verein" (Club) und der "Männer-Gesang-Verein". Ein "Musik-Verein" wurde Mitte der achtziger Jahre gegründet, er besteht aus einem "Orchester-Verein" und "gemischten Chor". Außerdem ist noch eine Musik-Kapelle vorhanden. Ein Verein der "Handwerksmeister" unterhält zugleich eine Sterbekasse. Der größte Verein ist der "Krieger-Verein", welchem über 400 Kameraden angehören. Dieser Verein begleitet - wie der Meisterverein - verstorbene Mitglieder zum Grabe; beide gewähren eine Unterstützung, welche sich nach der Mitgliedszeit steigert. Der "Verschönerungsverein" sorgt für Herstellung und Instandhaltung von Spazierwegen, Aussichtspunkten und Ruheplätzchen, sowie für Verschönerung geeigneter Plätze. Eine "freiwillige Feuerwehr" ist vorhanden. Auch für die körperliche Übung und Stärkung kann gesorgt werden im "Turn-Verein" und in den verschiedenen "Kegelgesellschaften". Die deutsche Einheitsstenographie findet in dem in neuerer Zeit gegründeten Stenographen-Verein "Babelsberger" rege Pflege.

Seit dreißig und mehr Jahren haben wir hier einige bedeutende Fabriken. Zunächst erwähnen wir die Weberei von Sweering & Comp., welche auch Färberei betreibt und von bedeutendem Umfange ist. In der Nähe des Staatsbahnhofs liegt die Többen'sche Weberei. Die Wolff'sche Dampfmühle ist bekannt. Nördlich von Ibbenbüren - an der Chaussee nach Rheine - ist die Köster'sche Glashütte, welche ausschließlich in Weissglas arbeitet. Eine bemerkenswert schöne Lage hat am Berge bei Köling (Leugermann) die Welp'sche Maschinen-Fabrik. In der Nordmark(Alstedder Grenze 35) befindet sich die Fabrik des Mühlenbauers Schröder. Im Süden von Ibbenbüren, an der so genannten Werthmühle, sind verschiedene städtische Anstalten. Dort ist die "Badeanstalt" und die "Bleiche". Das "Schlachthaus" ist eine zweckmäßige Einrichtung. Seit 1899 ist hier auch die "Gas-Anstalt", welche Ibbenbüren mit einer herrlichen Beleuchtung durch "Wassergas" versorgt. In der Nähe sind die Überreste einer alten Veste, im Volksmund "Heidenturm" genannt. Rechts von der "Werthmühle" gelangt man zu den Gütern Grone und Langewiese, welche beide zur Zeit dem Herzog von Arenberg gehören. Ein Teil des Guts Grone ist Eigentum der Firma Crespel & Deiters geblieben, welche hier eine Stärkefabrik besitzt.

 


 

3. Lage und Umgebung.
Ibbenbüren ist der wichtigste Ort im Kreise Tecklenburg. Dies Städtchen liegt in einem schönen Thale zwischen den Dörenther Bergen und den Schaf bergen, Ausläufern des Teutoburger Waldes und des Wesergebirges. Das Tal wird südlich der Stadt von der Aa (und Umflut) durchflossen. Was bei berühmten Badeorten mit ungeheuren Kosten hergestellt ist, ist hier größtenteils von der Natur geschaffen. Reizend und zugleich bequem sind die Spaziergänge in den Schafbergen. Selbst alte und schwache Leute werden diese Wege nicht beschwerlich finden und für Ruheplätzchen ist seitens des Verschönerungs-Vereins genügend gesorgt. Staunend schaut das Auge von der "schönen Aussicht" (Biekötter) oberhalb Ibbenbürens, rechts vom so genannten Trepkesberg, auf die Stadt und ihre Umgebung herab. Geradezu überrascht ist man aber von der Fernsicht, welche man am "Rochus" genießt! Ein Blick in die Runde, rechts nach Hörstel und Rheine, links auf Laggenbeck, Tecklenburg und sogar bis zum Döhrenberge bei Iburg! Vor sich hat man den früheren Tagebau der Eisensteinwerke, amhitheatralisch aufgebaut. In den Schafbergen finden sich unermessliche Reichtümer! Hier wird Bergbau auf Steinkohlen betrieben, die bedeutendsten Zechen sind "Theodor-" und "Oeynhausen-Schacht". Sieben- bis achthundert Knappen sind beschäftigt, den Reichtum zu Tage zu fördern. Welch' reges Leben am Bahnhofe, wo die Kohlen für den Außenbetrieb verladen werden und in der Nähe des Bahnhofes, wo die Fuhrwerke und Schiebkarren zu betrachten sind! Am Bahnhof befindet sich auch eine zum Königl. Bergwerk gehörende Brikettfabrik. Seit den letzten 20 Jahren wird am Schafberg viel "Kohlensandstein" gewonnen, dessen Wetterfestigkeit weit und breit anerkannt ist. Hiervon zeugen die Buhnen auf Borkum, wie die bedeutendsten Kirchenbauten in der Nähe und Ferne. Man findet hier auch Eisenstein und auf Perm gar etwas Blei.
Kommst du, lieber Wanderer, einmal zu Ostern nach Ibbenbüren, so siehst du in der Ferne und Nähe Osterfeuer. Eile einmal zum Osterberge und siehe, wie der Holzstoß abgebrannt wird! Zwischen den Tannen in der Heide erblickst du Bänke aufgestellt - dort eine Anzahl Bierfässer; Wagen stehen in der Nähe und die Pferde, welche den Gerstenstoff mühsam den Berg hinaufbeförderten, sind an die Tannen gebunden. Trink ein Gläschen mit Verstand und gehe auf den Holzstoß zu. Dort kommst du an Kuchenbuden vorbei; den lieben Kleinen wirst du etwas zum Schlickern kaufen müssen. - Erwachsene und Kinder sind zu Hunderten anwesend. Hier drücken sich Bekannte die Hand. Dort ist ein Vaterlandsverteidiger, der auf Urlaub kam; er wird von Freunden umringt und begrüßt. Die fröhliche Jugend ergeht sich im Freien; etliche üben das echt deutsche Schlagballspiel. Jetzt läutet es im Thale zu Abend, es ist 6 Uhr. Der Holzstoß wird angezündet. Großer Jubel! Helle Freude! Der Rauch beeinträchtigt keineswegs das Spiel und den Tumult der Jugend. Nur zu früh ist das Feuer ausgebrannt und alles wandert der Stadt zu, um im Kreise der Lieben die Eier zu verzehren, welche der Osterhase gelegt hatte und die am Nachmittage von der fröhlichen Jugend im Garten aufgefunden waren.

 

Deko

 
Wie in uns'rer Kindheit Tagen
Eilen wir den Berg hinan.
0, wie jubelt uns're Brust
Immerfort vor lauter Lust!

en Biätken to Bate tot Paoschkefüer,
Das war der Ruf an uns're Väter,
Und wie trotzig klang es oft:
"Enen Koaken sunder Krut,
doa kick de gitzige N. herut!"

Wehe, wenn du nicht gezahlt
Für diese schöne Feier!
Du wurd'st dann sicherlich bemalt,
Schlecht schmeckten dir die Ostereier.

Alte, schöne Jugendzeit,
Ach, wie liegest du so weit!
An den alten Bräuchen halten
Ziemt den Jungen wie den Alten.
 

 

Südlich von Ibbenbüren sind die Dörenther Berge. Links von der Münster'schen Chaussee bemerken wir wunderbare Felsbildungen. Wanderer aus weiter Ferne finden sich hier ein, um diese Riesen anzuschauen.

 

 
Das Hockende Weib bei Dörenthe.
Gedicht von Seiler

Das Wasser, das Wasser, es kommt, es kommt,
O Mutter, fliehe, so lang' es noch frommt.
Schon leckt es an der Schwelle, schon bricht es die Wand,
Die Spindel entsinket der bebenden Hand.
Sie rafft empor die Kinderlein,
auf Leben und Tod in die Brandung hinein.
Es wogen die Wasser, es heulet der Wind,
Ach, Mutter, Mutter, geh' doch geschwind
hinauf zum Gebirg! "Herr schütze sie!"
Die Wasser spülen ihr um das Knie!
Die Wasser drängen mit Macht, mit Macht,
,,Herr, sei ihr gnädig in dieser Nacht!"
Hinauf zum Gebirg! - Sie wankt - sie fällt -
"Behüte die Kinder, du Herr der Welt!"
Erhöret wurde das hockende Weib,
zum öden Felsen erstarret ihr Leib,
da wurden auf dem Nacken von Stein
in Gnaden behütet die Kinderlein.
 

Deko

 

Ein Tourist ist bemüht, sich zu verewigen, er meißelt seinen Namen in die gefügigen Sandstein-Gebilde. Tollkühne Buben besteigen den höchsten Felsblock und es ist oft sehr bedauerlich für die gute Hose, wenn man die lieben Kleinen vom Felsen abrutschen sieht. Beim Blick auf das Tal erzählt ein redelustiger Wanderer der Gesellschaft die Sage vom "hockenden Weibe". Eine andere Gruppe zeigt auf den Silberstreifen 1/2 Stunde südlicher, das ist der "Dortmund-Ems-Kanal". Staunend deutet einer der Wanderer bei klarer Luft auf den südlichen Horizont, woselbst man die Türme von Münster erblickt. Am Fuß dieses Berges ist eine Wirtschaft. (Wienkämper). Auf dem grünen Rasen werden Volksspiele ausgeführt, besonders das deutsche Schlagballspiel. Bald sind Tische aufgestellt und die Gesellschaft erquickt sich an Speise und Trank.
Am Abend geht's unter Gesang und heiteren Gesprächen zur Stadt zurück.

 


 

4. Empfehlenswerte Touren.
Ibbenbüren ist Station der Eisenbahnlinien Berlin resp. Hamburg nach Amsterdam, Rotterdam (London). Außerdem hat es sehr günstige Anschlüsse an die Linien Emden-Soest und Duisburg-Quakenbrück in Rheine, sowie Hamburg-Köln in Osnabrück und an verschiedene Nebenbahnen.
Ibbenbüren und seine reizvolle Umgebung lassen sich daher auch schon recht bequem und lohnend auf einen Tag besuchen.
Wenn man z. B. mit den Morgenzügen in der Richtung von Hengelo, Oldenzaal, Bentheim, Schüttorf, Neuenhaus, Nordhorn, Meppen, Lingen, Freren, Coesfeld oder Burgsteinfurt abfährt, so erreicht man in Rheine den Anschluss an den Zug Rheine-Löhne, der etwas nach 9 Uhr morgens in Ibbenbüren eintrifft.
Zunächst wird es sich dann empfehlen, zur Vorbereitung für die nachfolgenden Touren an eine leibliche Stärkung zu denken, und dazu bieten die durchaus bewährten Gasthäuser unserer Stadt willkommene Gelegenheit. Das eine oder andere Wirtshaus hier zu bezeichnen, unterlassen wir absichtlich, verweisen jedoch auf den Anzeigenteil dieses Buches.
Zur Rückfahrt in westlicher Richtung erreicht man mit dem kurz nach 8 Uhr abends von Ibbenbüren abfahrenden Zuge in Rheine Anschlüsse nach den vorgezeichneten Orten. Für Ausflügler aus Holland sei bemerkt, dass der Schnellzug Hamburg-London ab Ibbenbüren etwas nach 6 ½ Uhr abends fährt und in Oldenzaal gegen 7 ¾ , in Hengelo kurz nach 8 Uhr ankommt.
Von Münster nach Ibbenbüren ist die Verbindung besonders günstig, sodass die Reise bequem und angenehm über Osnabrück oder Rheine mit den Staatsbahnen, oder über Lengerich i. W. mit der Teutoburger "Wald-Eisenbahn gemacht werden kann.
Am besten löst man von Münster aus, wenn man nicht beabsichtigt, die Teutoburger Wald-Eisenbahn zu benutzen, Retourbillets zur Fahrt über Rheine und Osnabrück, um nach Belieben abends über die eine oder die andere Zwischenstation zu verschiedenen Zeiten zurückkehren zu können.
Da die Eisenbahnfahrzeiten häufig Abänderungen unterzogen werden, sehen wir davon ab, dieselben an dieser Stelle anzugeben und bemerken nur, dass auf allen Richtungen eine frühzeitige Ankunft in Ibbenbüren und die Rückfahrt abends so spät ermöglicht ist, um den ganzen Tag in Ibbenbüren und Umgegend voll und befriedigend ausnutzen zu können.

 

 

Von Osnabrück aus kann man, der geringen Entfernung und der besonders günstigen Eisenbahnverbindungen wegen, Ibbenbüren und Umgebung sehr leicht erreichen; auch lassen sich viele besonders lohnende Halbtagstouren an der Hand dieses Buches einrichten. Abends hat man jedoch vor der Rückkehr nach Osnabrück ausreichend Zeit, sich in Ibbenbüren zu erholen, da von hier aus die Rückkehr sowohl kurz nach 10 Uhr abends mit dem Personenzuge wie auch um 12 Uhr mit dem Schnellzuge erfolgen kann. Sonntagsfahrkarten berechtigen allerdings zur Benutzung des Schnellzuges nicht.
Radfahrer können von Münster aus Ibbenbüren leicht auf der gut gepflegten Chaussee über Greven, Saerbeck und Dörenthe erreichen und unterwegs schon den Dörenther Hafen des Dortmund-Ems -Kanals, sowie die eine kleine halbe Stunde davon entfernten, in der Nähe der Chaussee gelegenen Dörenther Klippen besichtigen, bevor sie Ibbenbüren selbst und seiner weiteren Umgebung ihren Besuch abstatten.
Von Osnabrück aus können Radfahrer ebenfalls auf einem durchweg guten Wege unsere Stadt leicht erreichen, um die Annehmlichkeiten ihrer Umgebung zu genießen. Die Entfernung von Osnabrück nach Ibbenbüren beträgt nur 25 Kilometer.
Zunächst treten wir in Ibbenbüren eine Morgenwanderung an und besuchen die im vorhergehenden Abschnitt beschriebenen
Aussichtspunkte, Steinbrüche etc.
in dem nahe gelegenen Gebirge. Hierbei bemerken wir gleich, dass der Verschönerungsverein sowie die Hotelbesitzer und Wirte denjenigen, welche längere Zeit hier verweilen wollen, gern mit Rat und Tat zur Veranstaltung lohnender Touren zur Hand gehen. Denjenigen, welche ausgedehntere Touren ganz per Wagen unternehmen wollen, stehet in Ibbenbüren eine ausreichende Zahl von Equipagen zur Verfügung.
Vorteilhaft ist es, für den ersten Gang einen Führer mitzunehmen, der gern vom Wirt gestellt wird und keine übermäßigen Ansprüche macht. Zur Orientierung kann auch die diesem Buche beigegebene, genau ausgeführte Karte dienen.
Zwischen 12 und 1 Uhr mittags kehren wir zur Stadt zurück und nehmen dort das Mittagsmahl ein, welches ganz nach Wunsch zu haben ist und am besten vorher beim Wirt bestellt wird.
Für den Nachmittag ist die Besichtigung der Stadt und ein Spaziergang nach den auf Seite 14 näher beschriebenen, etwa 40 - 45 Minuten von der Stadt entfernten

 

 

Dörenther Klippen zweifellos recht interessant. Ausdauernde Fußgänger könnten den Rückweg über das etwa 3/4 Stunde von den Dörenther Klippen entfernte
Brochterbeck durch die sog. Kleine Schweiz unternehmen. Brochterbeck ist ein reizend gelegenes Kirchdorf und besonders bemerkenswert durch seine romantische Umgebung zwischen den Ausläufern des Teutoburger Waldes, welche unweit vom Orte auch das bekannte wundervolle Bocketal bilden. Von Brochterbeck aus ist Jbbenbüren entweder zu Fuß in etwa einer Stunde oder mit der Teutoburger Wald-Eisenbahn in wenigen Minuten zu erreichen.

Eine etwas ausgedehntere Nachmittagstour lässt sich nach
Tecklenburg unternehmen. Es dürfte sich empfehlen, zur Hinfahrt entweder einen Wagen oder die Teutoburger Wald - Eisenbahn zu benutzen. Tecklenburg ist Kreisstadt und liegt ebenfalls auf einem Ausläufer des Teutoburger Waldes. Das Städtchen bietet manches Sehenswerte und ist durch seine eigentümliche Bauart, das altertümliche Burgtor nebst dem Schlossplatz und dem dort befindlichen Aussichtsturm, von dem man herrliche Fernsicht hat, bemerkenswert.
Lohnend ist von dort ein Spaziergang über den Bergrücken, der prachtvolle Aussichtspunkte nach beiden Seiten bietet, nach dem ca. 3/4 Stunde entfernten Brochterbeck, von wo die Rückkehr nach Ibbenbüren in der vorher beschriebenen Weise erfolgen kann. Eine andere gleichfalls empfehlenswerte Tour nach Tecklenburg lässt sich auch über
Laggenbeck unternehmen, wohin uns die Eisenbahn von Ibbenbüren aus in wenigen Minuten bringt. Nachdem wir den Ort erreicht haben, wenden wir uns südlich nach
Ledde zu, einem landschaftlich hervorragenden Kirchdorfe, von wo der stets trockene und schattige Fußpfad durch den fiskalischen
Forst Sundern
führt, eine herrliche Waldpartie, durch die ein Spaziergang besonders zu empfehlen ist, da er in etwa 20 Minuten nach Tecklenburg führt. Die Rückkehr von dort nach Ibbenbüren kann dann direkt per Wagen oder mit der Teutoburger Wald-Eisenbahn, oder über Brochterbeok in der vorgemerkten Weise erfolgen.
Von Laggenbeck aus lässt sich auch ein angenehmer Spaziergang in nordöstlicher Richtung nach der etwa 20 Minuten vom Orte entfernten, zur Georgs-Marienhütte gehörenden

Zeche Perm und von dort weiter nach der alten Halde vom Schacht "Morgenstern" unternehmen. Von dort hat man eine großartige Aussicht auf Osnabrück, den Piesberg, Dörenberg etc. Den Rückweg kann man auf zwei verschiedenen schönen, teils schattigen Wegen, und zwar entweder über den Schafberg oder durchs Tal über Alstedde nehmen.
Einer der schönsten Spazierwege ist unstreitig auch die Tour von Ibbenbüren nach dem Dorfe
Mettingen, welches einen sauberen, wohlhabenden Eindruck macht und wohin der Weg so viel interessante Abwechslung bietet, dass selten jemand versäumen wird, denselben zu Fuß zurückzulegen. Um nach Mettingen zu gelangen, wendet man sich zunächst in nördlicher Richtung durch die Bahnhofstrasse zum Trepkesberg, überschreitet die Chaussee von Rheine nach Osnabrück und benutzt den dicht neben dem Maschinenhause des Oeynhausenschachtes nach Norden vorbeiführenden Fußweg (Schlangenpättken), auf dem der Ort in knapp 1 ½ Stunden bequem erreicht werden kann, wobei natürlich unsere Karte fleißig in Anspruch genommen werden muss. Mettingen selbst hat eine recht freundliche Umgebung. Ganz in der Nähe befindet sich das altehrwürdige westfälische Besitztum Berentelg. Besonders erwähnenswert ist auch Bad Mettingen mit seinen reizenden Anlagen.
Sehr empfehlenswert ist ferner der Besuch von
Gravenhorst, mit den in waldreicher Umgebung idyllisch am Wasser gelegenen Gebäulichkeiten eines früheren Klosters und einer noch vorhandenen sehenswerten Kapelle. Ebenfalls am Wasser schön gelegen befindet sich eine gute Restauration. Der Weg nach Gravenhorst führt entweder westlich von Ibbenbüren durch den Hallesch, über Schierloh oder auf der Chaussee nach Püsselbüren. An der letzteren sind besonders die zur Entsäuerung der Grubenwässer angelegten Klärteiche bemerkenswert. Wem jedoch die Fußtour nach Gravenhorst zu anstrengend erscheint, der kann mit der Eisenbahn von Ibbenbüren nach Station Hörstel fahren und erreicht Gravenhorst von dort bequem in 20 bis 25 Minuten. Auf diesem Wege bemerkt man die Friedrich-Wilhelms-Hütte. Hier dem Eisenguss zusehen zu dürfen, wird für Viele von größtem Interesse- sein. Auch von der Station Esch aus kann Gravenhorst bald erreicht werden.

 

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Das Dorf Hörstel
liegt etwa 5 Minuten vom Bahnhof entfernt. Bemerkenswert ist die Glashütte und die auf dem Wege nach Bevergern befindliche Ziegelei der Firma C. Keller in Laggenbeck. Von der Station Hörstel südlich zweigen sich außer dem Wege nach Gravenhorst auch die Strassen nach
Riesenbeck und Bevergern strahlenförmig ab. Zwischen letzteren beiden Orten liegt der interessanteste und sehenswerteste Teil des
Dortmund-Ems-Kanals, dessen Bett grade in diesem Teile aus felsigem Boden durch Sprengungen herausgearbeitet werden musste. Auf dieser etwa 2 Kilometer langen Kanal-Strecke mussten daher auch 3 Schleusen angelegt werden. Nahe gelegene Steinbrüche liefern hier den Kanalschiffen reichliche Frachten nach allen Richtungen. Von Riesenbeck spaziert es sich übrigens durch Wald und Flur, über Berg und Tal in etwa einer Stunde angenehm nach Ibbenbüren zurück.
In nördlicher Richtung von Ibbenbüren liegt
Bad Steinbeck.
Auf dem Wege dahin, auf der Höhe des Berges, befinden sich zwei nicht unbedeutende Ziegeleien und, wie in der ganzen Umgebung Ibbenbürens, verschiedene große und kleine Steinbrüche. Bad Steinbeck besitzt eine heilkräftige Schwefelquelle, die ihre wohltätige Wirkung schon seit mehr als 50 Jahren ausgeübt hat. Hier sind wir nicht weit von dem
Heiligen Meer, dessen Reichtum an Fischen von jeher für die Angler unsrer Gegend eine große Anziehungskraft besaß. Die Sage erzählt, dass an dieser Stelle "vor vielen Jahrhunderten" ein Kloster gestanden habe. Dasselbe sei mit all' seinen Insassen versunken und an seiner Stelle das große Wasser, dessen Tiefe heute noch nicht festgestellt ist, entstanden. Die Wahrheit dieser alten Überlieferung zu verbürgen, müssen wir aber ablehnen. In nicht zu weiter Ferne winkt uns der Kirchturm von
Hopsten,
einem vor 50 bis 100 Jahren blühenden Handelsplatz für Seidenwaren, insbesondere nach Hannover und Holland. Die Nähe der damaligen hannoverschen Grenze erleichterte den Verkehr ganz erheblich. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass gerade Seidenwaren einem lebhaften "Schmuggel"-Handel förderlich gewesen sind. Auch ist das in der Nähe befindliche Dorf Recke ebenso bedeutend gewesen. In der Nähe des Städtchens
Westercappeln
befinden sich die Slopsteine. Dieselben werden als Grabstätten alter Helden bezeichnet, wie auch schon der Name (slopen=schlafen) sagt, und dürfte daher ihre Besichtigung interessieren. Um nach Westercappeln zu gelangen, fährt man am besten von Ibbenbüren nach Station
Velpe,
von wo der Ort etwa ¾ Stunde entfernt und auf einer gut erhaltenen Chaussee zu erreichen ist. Gleichfalls von Velpe aus in einer halben Stunde auf gut gepflegtem Wege ist
Bad Ledde
zu erreichen, welches mit seinen mannigfachen Betrieben, als ausgedehnte Meierei, Brennerei und der heilkräftigen, viel besuchten, schwefelhaltigen Quelle inmitten einer reizenden bergigen Umgebung in sehr fruchtbarem Gelände liegt.
Von Station Velpe kann auch eine Tour nach dem fiskalischen Forste
Habichtswald
und daran anschließend nach Stift Leeden empfohlen werden, jedoch ist dazu von Ibbenbüren aus ein ganzer Tag erforderlich.

 

 

Nicht nur die Schönheiten der Natur nehmen im Habichtswalde unsere Sinne gefangen, sondern auch ein altes Stück glorreicher deutscher Geschichte tritt uns fast unvermittelt vor Augen, wir befinden uns, nach den Forschungen des Herrn Prof. Dr. Knoke in Osnabrück, in einem Römerlager aus der Zeit des römischen Feldherrn Varus, welcher bekanntlich von Hermann dem Cherusker im Jahre 9 n. Chr. in der Schlacht am Teutoburger Walde mitsamt seinen Legionen beinahe aufgerieben wurde.

Oft hört man hier aus munteren Touristenkehlen das Lied von Victor von Scheffel erschallen:

 

Deko

 
Als die Römer frech geworden, sim se rim sim
sim sim sim, - Zogen sie nach Deutschlands
Norden, sim se rim sim sim sim sim, - Vorne
mit Trompetenschall, terätätätäterä.- ritt
der Greneral-Feldmarschall, terätätätäterä, -
Herr Quintilius Varus, wau wau wau wau wau, -
Herr Quintilius Varus. Schnäderängtäng,
schnäderängtäng, sehnäderängtäng derängtängtäng.

In dem Teutoburger Walde, - Huh! wie pfiff
der Wind so kalte, - Raben flogen durch die
Luft, -Und es war ein Moderduft, -
Wie von Blut und Leichen.

Plötzlich aus des Waldes Duster,
Brachen krampfhaft die Cherusker,
Mit Gott für König- und Vaterland,
Stürzten sie sich wutentbrannt -
Auf die Legionen.
Web, das war ein großes Morden, -
Sie erschlugen die Kohorten, -
Nur die röm'sche Reiterei -
Rettete sich in das Frei', -
Denn sie war zu Pferde.
Als das Morden war zu Ende,
Rieb Fürst Herrmann sieb die Hände, -
Und um sich noch mehr zu freu'n,
Lud er die Cherusker ein,
Zu 'nem großen Frühstück.
Wild gab's und westfäl'schen Schinken, -
Bier, soviel man wollte trinken, -
Auch im Zechen blieb er Held, -
Doch auch seine Frau Thusneld
Trank walkyrenmässig. etc.
 

Deko

 

Von Stift Leeden aus ist eine Fußwanderung nach Tecklenburg, besonders über den Gebirgskamm, äußerst interessant, von wo die Rückkehr nach Ibbenbüren in mehrfach erwähnter Weise erfolgt.

Eine kleine schöne Halbtagstour lässt sich auch noch mit der Teutoburger-Wald-Eisenbahn von Ibbenbüren über Brochterbeck nach dem
Dörenther Hafen
machen. Man kommt hierbei durch das vor Brochterbeck gelegene wundervolle Bockethal, vor dessen Eingang man am Bergabhang zunächst die schön gelegene, weithin sichtbare neue Stärkefabrik der Firma Hermann Kröner, sowie verschiedene Steinbrüche erblickt. Am Dörenther Hafen befinden sich gewöhnlich Schiffe, die entladen oder befrachtet werden. Es ist dort auch schon eine Fabrikanlage, die Ibbenbürener Zementwaren- und Dachziegelfabrik, entstanden. Vom Hafen gelangt man in etwa einer Stunde auf guter Chaussee nach Ibbenbüren zurück und kann unterwegs auch noch die mehrfach erwähnten Dörenther Klippen besuchen.

Wir könnten die Beschreibung unserer nach allen Richtungen hin herrlichen Gegend mit Leichtigkeit noch weiter ausdehnen, glauben aber, dass aus den beschriebenen Ausflügen und Spazierwegen sich für den Leser dieser Zeilen schon ihm besonders zusagende Touren zusammenstellen lassen.
So geben wir uns denn der Hoffnung hin, dass unser idyllisches Tal und seine umliegenden Berge dem fremden Wanderer recht häufig Stärkung und Erholung von den Sorgen und Plagen der sich immer mehr steigernden Berufsarbeiten gewähren mögen, und sich zu diesem Zwecke ein häufigerer Besuch dieser Gegend ganz von selbst empfiehlt. So freundlich, wie wir den Besucher unserer Stadt und deren Umgebung bewillkommnet haben, rufen wir ihm beim Abschiede in der Hoffnung, ihn wieder begrüßen zu können, mit der Zusicherung ebenso freundlicher Aufnahme zu:

"Auf Wiedersehen!"

 


   
Auf Wiedersehen !

Gar freudig haben wir begrüßt,
Die unsrer Heimatstadt gedachten;
Gewiss wird allen es versüßt,
Wenn sie auf unsre Gegend achten.

Ringsum der Berge Wellenkranz -
Liegt uns're Stadt hineingebettet
Anmutig da im Sonnenglanz,
Wo Bild an Bild sich freundlich kettet.

Man braucht deshalb mit eil'gem Sinn
Nicht achtlos von hier fortzustreben,
Hier bringt das Schauen wohl Gewinn
Und viele Freuden wird es geben.

Schaut nur auf Feld und Wald und Flur
Hinab von uns'rer Berge Höhen,
Genießet und gestehet nur,
Wie schöne Bilder ihr gesehen!

Nicht achtlos muss vorüber gehn
Wer eingekehrt in Ibbenbüren,
Viel ist des Schönen hier zu sehn,
Drum lasst Euch wieder zu uns führen.


Deko

   


 
Seite 32 bis 64 - Reklame
   


  Quelle: Illustrierter Führer für Ibbenbüren und Umgegend - Ausgabe von 1902  



 
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5. Illustrierter Führer und Heimatbuch für Ibbenbüren und Umgegend


Ausgabe von 1912
Hrsg. Verschönerungs-Verein zu Ibbenbüren
Ibbenbüren in Westf.1912
Druck, Bernhard Scholten, Ibbenbüren,
77 Seiten
 
 
     
Ausgabe 1912
 


Deko


 
Wanderlust.

Auf, frohe Wandersleut',
Zieht nun durch Tal und Flur!
Seht, wie so manche Freud'
Euch bietet die Natur!

Der über'm Weltall thront!
Er segnet ja so gern,
Was diese Welt bewohnt.
Den ersten Blick zum Herrn,

Im kühlen Morgenwind
Eilt hin mit frohem Sinn;
Es fliehen zu geschwind
Die Stunden uns dahin.

In treuer Freunde Kreis
Geht's leicht und ohne Klag',
Von Sorgen man nichts weiß,
Gern lauscht man alter Sag'.

Im deutschen Wald erklingt
Ein schönes altes Lied,
Wenn dann die munt're Schar
Hin zu der Heimat zieht.
 

 

1. Entstehung Ibbenbürens. *

Jede Gegend hat ihre Reize, ein jeder Ort hat seine Geschichte. Ibbenbüren ist nicht zu kurz gekommen, ihm ist ein gutes Maß zuteil geworden. Es darf deshalb schon von sich hören lassen und braucht in der Zurückhaltung nicht so weit zu gehen, dass es sein Licht unter den Scheffel stellt.
Nach den Forschungen, die insbesondere in den letzten Jahrzehnten mit Eifer und Erfolg angestellt worden sind, darf wohl angenommen werden - einige Historiker sprechen allerdings nur von einer Sage -, dass vor 1100 Jahren der friesische Edelmann Ubo oder Ibbo in hiesiger Gegend sich angesiedelt hat. Eine kultivierte Stätte fand er nicht vor, nein: Wildnis, Sumpf und Dorngehege.
Was konnte den Fremdling denn bestimmen, gerade hier sein Zelt aufzuschlagen? Einmal die Rücksicht auf seinen Vorteil. Ein Ansiedler muss u. a. darauf sehen, dass er in etwa Schutz findet gegen die Unbilden der Witterung, dass das zu besiedelnde Gelände anbaufähig und Ertrags versprechend ist. Vor allen Dingen aber darf die Gegend nicht ohne Wasser sein. Zum zweiten wird er auch die landschaftlichen Schönheiten nicht außer Betracht lassen. Und dafür hat Ubo zweifellos ein gutes Auge gehabt. Eine von Osten nach Westen sich hinziehende Talmulde, gebildet durch zwei parallel laufende Gebirgszüge, deren Kämme ungefähr eine Stunde voneinander liegen, die sanften Aufstiege zu den mit Tannen bestandenen stillen Höhen, das war in der Tat eine selten schöne Landschaft.

 

 
*) Anmerkung. Quellen: Sonderabdrucke aus dem "Tecklenburger Kreisblatt".
Cremann, Geschichte der katholischen Kirche zu Ibbenbüren.
Ludorff, Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Tecklenburg-.
 

 

Hatte nun Ubo so die Heimstätte gefunden, so haben seine Nachkommen in langer Kulturarbeit das Antlitz der Gegend erneuert, und uns, dem lebenden Geschlecht, ist ein reizendes Fleckchen Erde überkommen, dessen Schönheiten von Einheimischen eben darum so leicht übersehen werden, weil sie darin aufgewachsen sind. Wie aber Fremde darüber urteilen, das möge folgende Erzählung dartun:
Der vor einigen Jahren verstorbene E. Leisching, ein geborener Wiener, Professor der Kunstgeschichte und Stilkunde an der Kunstgewerbeschule in Hannover, hatte infolge seines Berufes große Reisen gemacht und stand in Fach- und Laienkreisen in höchstem Ansehen. Nach einer im Jahre 1899 nach Amsterdam gemachten Studienfahrt schrieb er dem Verfasser dieser Zeilen (vermutlich Dr. Julius Krummacher, er war 1. Vorsitzender), er halte neben der Porta Westfalica die Gegend von Ibbenbüren für die landschaftlich schönste am Wege zwischen Amsterdam und Hannover. Und in der Tat, von welchem Punkte auch immer man den Blick über unser Tal mit seinen Wiesengründen und Ackerbreiten schweifen lassen mag, überall wird man ergriffen und begeistert von den landschaftlichen Reizen, so dass man mit Eichendorff singen möchte: "O Täler weit, o Höhen!"

Wie hat sich unser Heimatort entwickelt?
Ubo hatte den Grund gelegt. Zur Kultivierung des Bodens bestellte er Arbeiter und besorgte ihnen Wohnungen. Ein Gotteshaus wurde errichtet, Handwerker und Kaufleute siedelten sich an. Langsam und stetig ist so im Laufe der Jahrhunderte, wie überall - nur verschieden im Tempo -, die Entwicklung vor sich gegangen: Flecken - Dorf - Stadt. Und wie mag der Name entstanden sein? Denkt man sich, dass in jener Zeit Fremde unser Tal durchwanderten und, mit dem Finger auf die Hütten und Häuser zeigend, fragten, was für ein Ort das sei, so ist doch leicht denkbar, dass ihnen die Antwort zuteilwurde: Dies sind die Wohnungen des Ubo, hier sind die Buren-Einwohner des Ubo, hier sind die Uboburen. Und weiter darf man annehmen, dass das Wort Uboburen nach und nach auf den Ort übergegangen ist. Dass Ortsnamen im Laufe der Zeiten mannigfache Wandlungen durchmachen, ist bekannt. Heute heißt der Ort, inmitten der Ausläufer des Wesergebirges und der des Teutoburger Waldes gelegen, Ibbenbüren.

 


 

2. Weitere Entwicklung Ibbenbürens.

a) Hemmende Ereignisse.
Was meldet nun die Geschichte über die weitere Entwicklung Ibbenbürens? Der Ort wird urkundlich zum ersten Mal erwähnt im Jahre 1146 (Osnabrücker Urkundenbuch). Fünf Jahre später - 1151 - wird der Edelherren von Ibbenbüren erstmalig Erwähnung getan. Zeitweise hat Ibbenbüren dann zum Kloster Herford gehört, um die Mitte des 14. Jahrhunderts ging es an die Grafschaft Tecklenburg über. Im Jahre 1509 trennten sich Ibbenbüren, Brochterbeck, Mettingen und Recke von Tecklenburg und bildeten fortan die Obergrafschaft Lingen. Unser Ort gewann hierdurch wesentlich an Bedeutung; er wurde der Sitz eines besonderen Gerichts für Oberlingen.
Es wird uns dann über verschiedene Ereignisse berichtet, die teils hemmend, teils fördernd die Entwicklung Ibbenbürens beeinflusst haben. Dreimal ist die Stadt durch Feuersbrünste heimgesucht worden.

 

 
Am 30. April 1584 wurde das Gebiet der Poststraße (Unterstadt) eingeäschert.
Am 26. Juni 1659 wurde der nordöstliche Teil der Stadt ein Raub der Flammen.
An den großen Brand, der am 24. September 1846 - 24 Häuser, 2 Schulen und
den Turm der evangelischen Kirche zerstörte, erinnern sich noch die ältesten
unserer Mitbürger aus den Tagen ihrer Kindheit.
 

 

1606 herrschte im Lingenschen und in Westfalen die Pest, auch Ibbenbüren und Umgegend wurden hindernde Eisdecke auf dem Ländchen Lingen und unserer Vaterstadt Ibbenbüren lag, das war einmal jener oftmalige, von Kriegen und Drangsalen aller Art begleitete Besitzwechsel zwischen der spanischen und holländischen Regierung von der Mitte des 16. bis zu Anfang des 18. Jahrhunderts, zum andern waren es jene unseligen Religionswirren, die zu den Wunden, die der Krieg dem Lande schlug, die Herzen und Gewissen trafen.hart davon mitgenommen. Was aber wie Bergeslast, wie eine starre, jegliches Aufblühen

 

 

b) Die Entwicklung fördernde Umstände.
Die Morgenröte einer besseren Zeit stieg auf mit dem Tage, an dem mit der Obergrafschaft Lingen unsere Stadt an die Krone Preußens fiel. Es war am 25. März 1702, als Ernst von Danckelmann für den preußischen König die Grafschaft in Besitz nahm. In jeglicher Beziehung trat jetzt nach und nach eine Wendung ein. 1721 hatte sich Ibbenbüren schon soweit entwickelt, dass es in die Zahl der Städte aufgenommen werden konnte. Die Städteordnung wurde jedoch nicht eingeführt; die Verwaltung erfolgt nach den Landgemeindeordnungen der Jahre 1841 und 1856.
Von größter Bedeutung für die Entwicklung Ibbenbürens waren die Bodenschätze, an denen unsere Berge so reich sind. Die Stein- und Kohlenindustrie hat Ibbenbürens Ruf begründet, seinen Namen weithin bekannt gemacht. Die Ibbenbürener Kohlenindustrie gehört zu den ältesten Deutschlands. Bereits vor über 300 Jahren ist man hierorts auf Kohlen fündig geworden. Viele Jahre war Ibbenbüren der einzige Ort im Münsterlande, an dem die ,,schwarzen Diamanten" aus der Erde gewonnen wurden. Seit 1747 ist der Betrieb staatlich. Acht Schächte sind im Laufe der Zeit angelegt worden. Die Belegschaft ist stetig größer geworden. Die Förderung hat sich in den letzten 60 Jahren mehr als verzehnfacht. Ist auch der Reichtum an Kohlen nicht so groß wie in den Zechen des Ruhrkohlengebietes, wir freuen uns doch des Besitzes, und die Kunde von dein Wasserdurchbruch, der im Sommer 1894 die ganze Grube unter Wasser setzte, wirkte tatsächlich in Stadt und Land wie eine Schreckensnachricht. Das waren bange Wochen und Monate, die erst einer besseren Stimmung wichen, als aus Berlin die Nachricht kam, dass in richtiger Würdigung der hiesigen Verhältnisse der Landtag der Staatsregierung die Mittel zur Sümpfung des fiskalischen Bergwerks Ibbenbüren bewilligt habe.

 

 

Die Sümpfung war eine lange und schwierige Arbeit, sie dauerte vier Jahre und kostete rund zwei Millionen Mark. Am 18. Oktober 1898 vormittags 11 Uhr kam nach langer Unterbrechung der erste Kohlenzug wieder aus dem Förderstollen zutage, und von da an haben sich Förderung und Absatz in schneller Folge entwickelt. Glück auf!

Eisenbahnen bringen und heben den Verkehr. So war es von großer Wichtigkeit, dass verhältnismäßig früh eine Eisenbahn durch Ibbenbürener Gebiet gebaut und Ibbenbüren dadurch in das große Verkehrsnetz einbezogen wurde. Die Eisenbahn Rheine- Osnabrück wurde am 14. Juni 1856 in Gegenwart des preußischen Ministers dem Verkehr übergeben. Heute ist die genannte Strecke ein Teil der Linie Hoek van Holland-Berlin und Hamburg. Und wenn ein Ort an einem derartig wichtigen Verkehrswege liegt, so ist das ohne Frage ein nicht zu unterschätzender Vorzug. Von der seit dem 19. Juli 1901 in Betrieb befindlichen Teutoburger-Wald-Eisenbahn ist Ibbenbüren Anfangsstation. Ohne Zweifel ist durch sie ein großes Gebiet dem Verkehr erschlossen, es sind auch durch sie verschiedene günstigere Verbindungen geschaffen, über die Rentabilität und sonstige Erfahrungen aber schweigt des Sängers Höflichkeit.
Dass der Dortmund-Emshäfen-Kanal, diese wichtige Verkehrsstraße großen Stiles, seinen Weg aus der münsterländischen Ebene nicht durch die Brochterbecker Schlucht und durch unser Tal gefunden hat, bleibt zu bedauern. Dass der in der Bauernschaft Dörenthe, Landgemeinde Ibbenbüren, liegende Hafen des genannten Kanals nicht den gegebenen Namen "Hafen Dörenthe" oder "Hafen Ibbenbüren", sondern amtlich die Bezeichnung "Hafen Saerbeck" führt, ist für einen Durchschnittsmenschen nicht recht begreiflich.

Auch der jetzt im Bau befindliche Anfang des großen Ems-Weser-Kanals konnte der Berge wegen nicht direkt an Ibbenbüren vorbeigelegt werden. Er musste durch die Landgemeinde Ibbenbüren geführt werden und durchschneidet, nachdem er vom Dortmund-Ems-Kanal aus durch die Riesenbecker Schlucht geleitet ist, bei Uffeln Ibbenbürener Gebiet, um dann über Recke, Bramsche bis zur Weser zu führen. Mit der Zeit dürften aber hoffentlich Mittel und Wege gefunden werden zu einer günstigen Verbindung Ibbenbürens mit dem Kanal zum Segen unserer nicht geringen Industrie.
Wohlversehen ist Ibbenbüren mit Chausseen. Wie Radien einer Windrose münden elf derartige Wege in die Tore unserer Stadt. Sie befinden sich sämtlich in gut gepflegtem Zustande und sind für Verkehr jeglicher Art, für Fußgänger und Fuhrwerk, für Fahrrad- und Automobilverkehr gleich gut geeignet. Touristen und Ausflügler sprechen sich stets lobend und anerkennend über die Verkehrswege von

 


 

3. Denkwürdigkeiten.

Im folgenden Abschnitt sei der Feier einiger Gedenktage Erwähnung getan. Patriotische Festtage sind in Ibbenbüren von jeher in würdiger Weise gefeiert worden. 1897 ist hierorts unter allgemeiner Beteiligung der Bevölkerung der
hundertjährige Geburtstag Kaiser Wilhelms I., die sogenannte Zentenarfeier, festlich begangen worden. In dem Programm waren vorgesehen für Samstag den 20. März Böllern und Festgeläute und für Sonntag den 21. März Festgottesdienst am Morgen und Fackelzug und Kommers am Abend. Am folgenden Tage wurde am früheren Brunnen, dort, wo die Brunnenstraße und Bahnhofstraße sich treffen, in Gegenwart sämtlicher Vereine und der Schuljugend eine Eiche, die Kaisereiche, gepflanzt. Kraftvoll wie das deutsche Kaisertum hat sie sich entwickelt. Möge sie allen Stürmen trotzen und allezeit ein glückliches und zufriedenes Geschlecht in ihrem Schatten wandeln sehen!
Eine Feier ganz seltener Art konnte unser Städtchen im Jahre 1902 begehen:
Die Feier der 200jährigen Zugehörigkeit zur Krone Preussen. Am 25. März 1702 kam nach dem Aussterben der männlichen Linie der Oranier die Grafschaft Lingen zu der, wie schon oben ausgeführt, Ibbenbüren gehörte, an das Königreich Preußen. 200 Jahre war also Ibbenbüren mit der Krone und dem Königreich Preußen vereinigt. Solch wichtigen Tag durfte Ibbenbüren als Hauptort der alten Obergrafschaft nicht still vorübergehen lassen. Die Feier, die eigentlich am 25. März hätte stattfinden müssen, wurde in den Wonnemonat verlegt. Am 9. Mai wurde von dem Festausschuss in Gegenwart der Behörden, der Fahnen der verschiedenen Vereine und Gewerkschaften und der Schuljugend auf dem oberen Marktplatz der Grundstein zu dem zur Erinnerung an die große Feier zu errichtenden Denkmal gelegt. Die Urkunde, die der Grundstein des Denkmals seit jener Stunde birgt, hat folgenden Wortlaut:

 

 

 

König Friedrich I. ließ am 25. März 1702 auf Grund seiner Ansprüche aus der Oranischen Erbschaft die Grafschaft Lingen für sich und die Krone Preußen in Besitz nehmen.
In Ausführung der durch den Wiener Frieden geschlossenen Staatsverträge fiel die Nieder-Grafschaft im Jahre 1815 an das neu errichtete Königreich Hannover, wogegen die aus den Gemeinden Ibbenbüren, Brochterbeck, Mettingen, Recke und Halverde bestehende Ober-Grafschaft während nunmehr 200 Jahren in ununterbrochener Zusammengehörigkeit mit dem preußischen Staate und seinem erhabenen Herrscherhause Hohenzollern verbunden ist.
In dankbarem Rückblick auf die großen Segnungen, welche unserem Lande durch diese Verknüpfung seiner Geschicke mit denen Preußens zu Teil geworden sind, hat die Vertretung des Amtes Ibbenbüren einstimmig beschlossen, am 22. Mai d. J. hierselbst eine Dank- und Jubelfeier zu veranstalten, sowie zum ewigen Gedächtnis auf dem Marktplatz der Stadt Ibbenbüren ein Denkmal zu errichten.
Zu diesem Denkmal wurde heute in feierlicher Weise von dem erwählten Fest-Ausschuss unter Beteiligung der Behörden, Bürgerschaft, Vereine, Gewerkschaften sowie der gesamten Schuljugend der Grundstein gelegt. Die Enthüllung und Einweihung des fertigen Denkmals wird am Jubelfeste, den 22. Mai d. Js., in Anwesenheit der Geistlichkeit, hoher Staats-, Provinzial-, Kreis- und Gemeinde-Behörden sowie sämtlicher Vereine, Gewerkschaften und Vertreter der übrigen Gemeinden des Kreises Tecklenburg erfolgen.

Möge Gott, der Allmächtige unsern erhabenen Herrscher, den glorreich regierenden Kaiser und König Wilhelm II., unter dessen kraftvollem Friedens-Scepter sich das geeinte große deutsche Vaterland steigender Wohlfahrt erfreut, ferner und in aller Zukunft segnen und schützen, möge Er auch uns und unsere Nachkommen in immerwährender Liebe und Treue zu Kaiser und Reich erhalten und stärken.
Dieser Urkunde unter Beifügung eines Bildes des fertigen Denkmals, hier erscheinender Zeitungen, des zur Festfeier ergangenen Aufrufes und des Festprogrammes etc. haben wir, Behörden und Fest-Ausschuss, heute in den Grundstein des zu errichtenden Erinnerung-Denkmals eingeschlossen.

Ibbenbüren, den 9. Mai 1902.
(Unterschriften)

   

 

Die Hauptfeier war am 22. Mai. Frühlingsprangen in den Bergen, Frühlingskränze in den Straßen und an den Häusern, Frühlingshoffen in der Menschen Herzen. In das Festgeläut der Glocken mischte sich der Donner der Geschütze. Musik, bald scharf und schmetternd, bald sanft und weihevoll, durchhallte unser Tal. Als Ehrengäste waren erschienen die Herren Oberpräsident von Westfalen, Se. Exz. Freiherr von der Recke von der Horst, Regierungspräsident v. Gescher, der Landeshauptmann von Westfalen, der spätere nunmehr schon verstorbene Unterrichtsminister Dr. Holle, Landrat Belli und der Vizepräsident des Abgeordnetenhauses, Freiherr v. Heereman. Gleichzeitig mit der städtischen Festfeier beging das Staatsbergwerk Ibbenbüren die Feier seines 300jährigen Bestehens. Aus diesem Anlass war Herr Berghauptmann Taeglichsbeck aus Dortmund als Ehrengast anwesend. An den Kaiser, der persönlich zu erscheinen verhindert war, wurde folgendes Huldigungstelegramm geschickt:

 

 

 

Seiner Majestät, dem deutschen Kaiser und Könige von Preußen, Berlin. Eure Kaiserliche und Königliche Majestät wollen allergnädigst geruhen, anlässlich der heute in Ibbenbüren stattfindenden Feier der 200jährigen Zugehörigkeit der Obergrafschaft Lingen zum Königreiche Preußen, die Versicherung aufrichtiger Liebe und unwandelbarer Ehrfurcht entgegen zu nehmen. Fest und unerschütterlich wie unsere Berge, so ist auch ohne Wanken nun und immerdar unsere Treue und unser Vertrauen zu Eurer Majestät herrlicher Führung.
Der Vorsitzende des Fest-Ausschusses
von Eichstedt, Amtmann.

   

 

Darauf ging folgende Antwort des Kaisers ein:

 

 

 

Festausschuss, Ibbenbüren.
Urville, Schloss, 1902, den 23. 5. um 11 Uhr 50 Min.
Seine Majestät der Kaiser und König haben den Ausdruck treuer Anhänglichkeit anlässlich der Feier der 200 jährigen Zugehörigkeit der Obergrafschaft Lingen zur Krone Preußen mit Freuden entgegengenommen und mich zu beauftragen geruht, dem Festausschuss allerhöchst ihren wärmsten Dank und die Versicherung allerhöchst ihres landesväterlichen Wohlwollens zu übermitteln.
Der Geheime Kabinettsrat:

von Lucanus.

   

 

Einen Glanzpunkt der Doppelfeier bildete der imposante Festzug, an dem sich unter Führung von 18 Fahnen und 6 Musikkapellen ca. 2000 Mann beteiligten. Der Festplatz war der obere Marktplatz. Als die Teilnehmer des Festzuges, schön geordnet, das zu enthüllende Denkmal umgaben, da bot der weite Platz ein erhebendes, großstädtisches Bild. Die Enthüllung des Gedenksteins erfolgte während der Rede des Herrn Amtmanns von Eichstedt, die eigentliche Festrede hielt Herr Amtsbeigeordneter H. Jörgens über die Geschichte des Ländchens Lingen. Das Denkmal ist von dem Münsterischen Bildhauer Schmiemann aus Eifeler Sandstein geschaffen. Auf der Vorderseite sieht man die Wappen von Ibbenbüren* -goldener Anker auf blauem Grunde - und den preußischen Adler mit den Jahreszahlen 1702 und 1902, darüber, von einem Kranze umgeben, die Medaillons des ersten Königs von Preußen und Kaiser Wilhelms II. Eine Krone bildet den Abschluss des Denkmals. Möge es schlicht und einfach, aber wetterfest, den kommenden Geschlechtern Kunde bringen von der Liebe und Treue der Ibbenbürener zu Kaiser und Reich!
Fünf Jahre später, am 31. August 1907, feierte das Nachbarstädtchen Tecklenburg, unsere Kreisstadt, die
200jährige Zugehörigkeit der Grafschaft Tecklenburg zum Königreich Preußen
,
die umso erhebender und glanzvoller war, als Se. Majestät, Kaiser Wilhelm II. der an ihn ergangenen Einladung folgend, zur hehren Jubelfeier mit mehreren kaiserlichen Prinzen nach Tecklenburg kam. Wie der ganze Kreis, so nahm auch die Gemeinde Ibbenbüren an dieser Jubelfeier hervorragenden Anteil. Die größeren Vereine usw. des Amtsbezirks waren, soweit möglich, mit ihren gesamten Mitgliedern angetreten und bildeten Spalier oder waren bei der Feier auf dem Schlosshofe zu Tecklenburg anwesend. Es sind dies folgende Vereine usw.: die Kriegervereine von Ibbenbüren, Laggenbeck, Püsselbüren und Uffeln, ca. 60 Kriegsveteranen, die Bergleute des fiskalischen Steinkohlenbergwerks Ibbenbüren und der Zeche "Perm" des Georg-Marien-Bergwerks- und Hüttenvereins aus Laggenbeck in der Landgemeinde Ibbenbüren, der Arbeiterverein, der Gesellenverein und ca. 1000 Schulkinder der Rektoratsschule und der oberen Klassen der Stadtschulen, der Schulen zu Alstedde, Laggenbeck, Lehen, Dörenthe, Schierloh, Püsselbüren, Pommeresche-Dickenberg, Uffeln, Bockraden und Schafberg.

 

 

 

*) Anmerkung. Das Ibbenbürener Wappen ist dem Lingener gleich. Lingen an der Ems war von jeher ein schiffarttreibender Ort. Das deuten der blaue Grund und der Anker an. Handel bringt Wohlstand, darum ist der Anker ein goldener.

   

 

Der Männer-Gesang-Verein und der Gesangverein "Cäcilia" zu Ibbenbüren nahmen an den Gesangvorträgen teil, während Mitglieder des Turnvereins sich an den turnerischen Vorführungen beteiligten. Außerdem war die Freiwillige Feuerwehr unter der Führung ihres Ober-Brandmeisters zur Mitwirkung bei Aufrechterhaltung der Ordnung und die Freiwillige Sanitätskolonne zur Hilfeleistung bei etwaigen Unglücksfällen mit vier Tragen angetreten.

Schon vor der Feier, als sich die Nachricht bestätigte, dass der Kaiser der Stadt Tecklenburg einen Besuch abstatten und an der Jubelfeier teilnehmen würde, hatte die Amtsvertretung von Ibbenbüren beschlossen, Se. Majestät in einer Immediateingabe zu bitten, auf der Fahrt nach Tecklenburg auch unsere Stadt zu berühren und dortselbst den Huldigungsgruß der Bewohner Ibbenbürens und einen Ehrentrunk huldvollst entgegennehmen zu wollen. In der Eingabe wurde Bezug genommen auf den Besuch des Königs, Friedrich Wilhelm IV. in hiesiger Stadt am 18. Mai 1857 und den Besuch, den der König Friedrich Wilhelm II. im Jahre 1792 der Stadt machte. Auch hat Friedrich der Große, der Alte Fritz, im Jahre 1742 auf einer Reise nach Holland unsere Stadt besucht und in dem Hause des Amtsrates Rump, dem jetzigen Kassengebäude der Amtssparkasse an der Großen Straße übernachtet.

 

 

 

Dass Seine Majestät, der Kaiser und König bedauere, einen Besuch der Stadt Ibbenbüren nicht in Aussicht stellen zu können. Allerhöchstdieselben wollten gelegentlich des Manöveraufenthalts in Münster von dort aus nur die Stadt und Burgruine Tecklenburg besuchen. Bei der Kürze der hierfür verfügbaren Zeit ließe sich der Umweg über Ibbenbüren nicht ermöglichen.

   

 

Auf die obengenannte Eingabe erhielt unter dem 23. Juli 1907 Herr Amtmann von Eichstedt von dem Ober-Hofmarschallamt die Antwort: Als nun aber bekannt wurde, dass der Kaiser auf der Rückfahrt von Tecklenburg seinen Weg auch durch die Bauerschaft Dörenthe (Gem. Ibbenbüren) nehmen würde, beschlossen die beteiligten Körperschaften die würdige Ausschmückung der betreffenden Chaussee-strecken. Auch die Anwohner derselben wollten hierbei nicht zurückstehen und so entspann sich nun ein edler Wettstreit zwischen der Gemeinde und den Einwohnern, welcher in der herrlichen Ausschmückung der Straßen seinen Austrag fand. Es wurde eine schöne Dekoration geschaffen als Zeichen der Liebe und Treue, welche die Ibbenbürener zu ihrem Landesvater hegen. Während der mittags gegen 12 ½ Uhr erfolgten Vorbeifahrt der kaiserlichen Automobile war der ganze Weg an beiden Seiten von einer jubelnden Volksmenge dicht besetzt.

 


 

4. Stadt und Bewohner.

Ibbenbüren, der wichtigste Ort des Kreises Tecklenburg, liegt inmitten der Ausläufer des Weser- (Wiehen-) Gebirges, die im Norden die Stadt einschließen und der Ausläufer des Teutoburger Waldes im Süden. Der höchste Punkt ist der Schafberg mit dem Oeynhausen-Schachte (im Norden der Stadt) mit 170 m. Die Dörenther Klippen, im Süden gelegen, liegen 166 m über dem Meeresspiegel. Nach der letzten Volkszählung im Dezember 1911 betrug die Einwohnerzahl insgesamt 13.243 Seelen, davon entfallen auf die Stadt 6.076 und auf die Landgemeinde 7.167. Durch seine wundervolle Lage, die wegen ihrer besonders reichen Naturmannigfaltigkeit und Abwechslung alle nähergelegenen Orte des Teutoburger Waldes übertrifft, ist Ibbenbüren das Ziel vieler Ausflügler, die entweder hier in nächster Umgebung ihre Spaziergänge unternehmen oder unsere Stadt zum Ausgangspunkt und zur Basis ihrer Touren erwählen. Von Jahr zu Jahr ist der Fremdenverkehr bedeutend gestiegen.
Als besondere Sehenswürdigkeiten in der Stadt sind zu nennen: die evangelische Kirche, sehr alt, mit wunderschönen Gewölben und Säulen. Die sehenswerte Kanzel ist aus einem einzigen Sandstein aus hiesiger Gegend gehauen, ebenso wie die gewaltigen Säulen zu beiden Seiten des Mittelschiffs aus gewaltigen Sandsteinquadern errichtet wurden. Die Orgel ist 1868 erbaut. Die Turmspitze wurde, wie geschichtlich feststeht, am 18. Dezember 1703 durch einen furchtbaren Sturm heruntergerissen und erst im Jahre 1710 erneuert. Durch ein Großfeuer am 24. September 1846, dem der größte Teil der Stadt zum Opfer fiel, wurden Turm und Kirchendach stark beschädigt. Eine neue Kirchenuhr ist Anfang 1912 angebracht worden. Auf dem großen, von mächtigen alten Kastanien und Linden umgebenen freien Platz vor der Kirche, einem früheren Friedhof, befindet sich das 1873 erbaute Kriegerdenkmal, das zum Andenken an die im Kriege Gefallenen aus der Gemeinde Ibbenbüren vom hiesigen Kriegerverein errichtet worden ist. An

 

 

diesem Platz befindet sich auch die alte evangelische Stadtschule, enthaltend fünf Klassen; zwei weitere Klassen befinden sich im neuen Schulgebäude (1910 errichtet) an der Münsterstraße (Türmchen-Schule). Die katholische Kirche liegt in der Oberstadt an der Großen Straße. Sie ist 1832 erbaut und hat ebenfalls sehr schöne Gewölbe und Säulen. Besonders zu erwähnen ist die neuerbaute Orgel, ein großartiges Kunstwerk. In der Nähe der katholischen Kirche, in der Roggenkampstraße, liegt das im Jahre 1909 bedeutend vergrößerte und der Neuzeit entsprechend eingerichtete St.-Elisabeth-Hospital. Es hat eine eigene elektrische Anlage, Waschanstalt, Badeanstalt (auch Fremden zugänglich), Bäckerei usw. und es kann annähernd 200 Kranken Aufnahme gewähren. Ebenfalls an der Roggenkamp-straße gelegen ist die Rektoratsschule, die die Klassen Sexta bis Obertertia einschließlich enthält (sechs Lehrkräfte). Bequeme Zugverbindungen nach Rheine und Osnabrück ermöglichen es den Schülern, auf den dortigen Gymnasien weiter zu studieren, bei täglicher Rückkehr nach Ibbenbüren. Neben der Rektoratsschule liegt die katholische Stadtschule mit 10 Klassen, (die Gelbe Schule). Außerdem besitzt Ibbenbüren noch eine katholische und eine evangelische höhere Mädchenschule. Als weitere öffentliche Gebäude sind zu nennen das Amtsgebäude und die Kreis Tecklenburger Sparkasse in der Breiten Straße und in der Großen Straße die Amtssparkasse. In der Nähe des Bahnhofs liegt das Postamt. Dem Staatsbahnhof gegenüber ist die Abfahrtstelle der Teutoburger-Wald-Eisenbahn Richtung Brochterbeck, Tecklenburg, Lengerich usw. In de: Unterstadt an der Münsterstraße liegen außer der bereits erwähnten neuen evangelischen Stadtschule noch das Gebäude der Königlichen Berginspektion und etwas weiter das Königliche Amtsgericht.

 


 

5. Die Industrie Ibbenbürens.

Die Hauptindustrie für Ibbenbüren und seine Umgebung ist der Steinkohlenbergbau. Der ganze, Ibbenbüren im Norden umgrenzende Bergrücken (Schafberg), mit einer Länge von ca. 13 km und einer Breite von 5 km besteht aus produktivem Steinkohlengebirge. Zwar wird hier die Kohle nicht in solcher Menge angetroffen wie z. B. im Ruhrkohlengebiet, immerhin ist doch stellenweise eine Kohlenmächtigkeit bis zu 2 m, ja bis zu 2,50 m zu konstatieren. Die Kohle ist zum größten Teil etwa der Gasflammkohle zu vergleichen. Sie zeichnet sich durch fast rußfreie Verbrennung, Langflammigkeit und vorzüglichen Heizeffekt aus und wird hauptsächlich zur Dampfkesselfeuerung und als Hausbrandkohle verwandt. Daneben wird an einer Stelle auch noch eine magere Kohle gewonnen, die außer zum Hausbrand insbesondere auch in der Kalkindustrie Verwendung findet. Die Anfänge des Ibbenbürener Steinkohlenbergbaues gehen, wie schon eingangs erwähnt, zeitlich etwa bis an die Wende des 16. und 17. Jahrhunderts, vermutlich sogar noch weiter zurück. Während in früherer Zeit der Hauptbergbau im westlichen Teil betrieben wurde, befindet sich jetzt die Hauptanlage mehr im Osten auf dem Schafberg (Oeynhausen-Schacht). Hier werden jetzt auch die größten Mengen Kohle gefördert. Im Laufe der Zeiten hat sich der hiesige Bergbau immer weiter entwickelt und die Menge der geförderten Kohlen ist von Jahrzehnt zu Jahrzehnt ständig gestiegen, ebenso wie die Zahl der beschäftigten Beamten und Bergleute, so dass der Bergbau sowohl in sozialer wie auch in wirtschaftlicher Beziehung der Hauptfaktor für ganz Ibbenbüren ist. Und diese Entwicklung war möglich trotz großer Schwierigkeiten, die ein Element, stets drohend, der vorwärts zu immer größerer Entfaltung strebenden menschlichen Kraft entgegensetzte. Nicht sind es die in vielen Bergwerken so gefürchteten "schlagenden Wetter". Diese gibt es zum Glück in unserem Bergwerk nicht, da infolge der hiesigen lockeren Gebirgsformation eine Entgasung der Flöze von dem so gefährlichen Kohlenwasserstoff-Gas im Laufe der Zeit bereits auf natürlichem Wege erfolgt ist resp. noch erfolgt. Ein, man möchte fast sagen, beinahe gleich gefährlicher Gegner ist hie: das Wasser, dessen Ansammlungen bis zur verderbenbringenden Mächtigkeit gerade die lose Bodenformation, die vielen Risse und Spalten begünstigen. Ein Verderben, unendliches Verderben brachte es im Jahre 1894. Am 19. Juli 1894 trat im Glücksburger Flöz im östlichen Schacht ein verhängnisvoller, großer Wasserdurchbruch ein. Trotz aller sofort getroffenen Vorkehrungen, trotzdem sämtliche Pumpen und Maschinen eingriffen, konnte den immer nachdringenden Wassermengen kein Einhalt mehr geboten werden. Schon am zweiten Tage musste das östliche Revier (Theodorschacht) durch die eisernen Dammtüren abgeschlossen werden. Nun versuchte man, die hinter diesen Dammtüren konzentrierte, sich aufstauende Wassermenge abzupumpen, aber vergeblich! Die immer weiter steigenden Wassermassen drückten sich allmählich durch das Gebirge hindurch in das westliche Revier, in den Oeynhausenschacht selbst. Jetzt musste jeder weitere Versuch, dem Wasser Einhalt zu gebieten, als illusorisch betrachtet werden. In wenigen Tagen war es schon so hoch gestiegen, dass ein Teil der Maschinen im Wasser stand, so dass selbst die Pumpen stillgelegt werden mussten. Weiter und immer weiter stieg das Wasser, die ganze Grube füllte sich an. Ein Teil der Belegschaft musste, da keine Arbeit mehr war, entlassen werden. Traurige Zeit brachen an! Zum Glück für die ganze Stadt entschloss sich dann die Staatsregierung zur Sümpfung der Grube und bewilligte die hierzu erforderlichen Mittel. Sofort wurde mit den Vorarbeiten begonnen. Ein neues Kesselhaus, enthaltend 20 Dampfkessel von gewaltigen Dimensionen, wurde auf dem Oeynhausen-Schacht gebaut.

 

 

Dort erstanden damals auch die beiden 67 m hohen Schornsteine, die man schon aus weitester Entfernung deutlich sehen kann. Dazu kamen noch zwei Maschinenhäuser, ein Kühl-Gradierwerk usw. Gewaltige neue Pumpen wurden aufgestellt. Da das auszupumpende Wasser infolge seines starken Ocker-Gehaltes vor seiner Ableitung in ein Gewässer geklärt werden musste, waren auch noch große Kläranlagen zu schaffen. In einem ungefähr 20 km langen Graben wird das Grubenwasser, das vorher, sofort bei seinem Austritt aus der Grube, durch Zusatz von Chemikalien entsäuert wird (die Anlage direkt hinter dem Hauptbahnübergange), durch fünf verschiedene Klärteichanlagen, deren Komplex insgesamt ca. 50 Morgen groß ist, weiter geklärt, vom Ockergehalt gereinigt und dann bei Hörstel in die Aa geleitet. Vermöge der großen Pumpen sank dann allmählich das Wasser im Schacht, jahrelang, tagein tagaus wurden ungeheure Wassermassen gehoben und abgeleitet. Und erst nach vier Jahren angestrengtester Arbeit, nachdem auch noch der hinter den geschlossenen Dammtüren befindliche Wassersack (ca. 180.000 Kubikmeter) ausgepumpt war, kam am 18. Oktober 1898, vormittags 11 Uhr, der erste Kohlenzug aus dem Ibbenbürener Förderstollen wieder zutage. Von jetzt ab entwickelten sich Förderung und Absatz stets aufwärts. Neue Anlagen entstanden, dem Bahnhof gegenüber wurde eine große Verladevorrichtung geschaffen. Daneben baute man eine Kohlenwäsche, eine Aufbereitungsanstalt und eine Brikettfabrik. Im Sommer 1899 wurde eine Sieberei in Betrieb genommen und seitdem kommen außer den Förderkohlen auch gesiebte Stückkohlen und drei Sorten Nusskohlen in den Handel. Dazu kamen die stetig wachsende Schar der Bergknappen, denen Ibbenbüren nicht zum wenigsten seine gedeihliche Entwicklung im letzten Jahrzehnte zu verdanken hat. Deutlich sprechen hierfür folgende kurze Zahlenangaben:

 

 

Die Belegschaft, die im Jahre 1890 erst 547 und 1900 durchschnittlich 733 Bergleute betrug ist jetzt auf ca. 1.100 Bergleute angewachsen, hat sich also in den letzten zwei Jahrzehnten mehr als verdoppelt. Die Zahl der Beamten beträgt gegenwärtig etwa 40. Zu dieser stattlichen Anzahl Bergleute kommen dann noch ca. 3.000 Familienangehörige, so dass über 4.100 Personen aktiver Bergmannsstamm zum Werke gehören, das ist ungefähr ein Drittel der gesamten Einwohnerschaft Ibbenbürens. Die Gesamt-Verdienst-Summe der aktiven Belegschaft beläuft sich gegenwärtig jährlich fast auf 1 ½ Millionen Mark. Wenn man außerdem noch berücksichtigt, dass fast sämtliche Bergleute der hiesigen Gegend entstammen und infolge einer entsprechenden Einrichtung der Knappschaftskasse, auf Grund dessen die Bergleute gegen ganz geringe Verzinsung ein eigenes Hauswesen mit Ackerland erwerben können, dass sie sich fast durchweg in der ganzen Umgegend angesiedelt haben, so ist leicht zu erkennen, welchen vorteilhaften Einfluss dieser gesunde, zuverlässige Arbeiterstamm auf die wirtschaftliche Entwicklung Ibbenbürens ausübt und hoffentlich noch recht lange ausüben wird. Glück auf!

Außer aus den Steinkohlen besteht im Übrigen der nördlich von Ibbenbüren sich hinziehende Höhenrücken aus mächtigen Konglomeraten und Sandsteinen, sowie auch aus Tonschieferschichten. Hierauf basiert eine zweite Ibbenbürener Industrie. Zunächst sind zu nennen die Ibbenbürener Steinbrüche an dem ganzen Gebirgshange nordöstlich von Ibbenbüren. Ein Steinbruch reiht sich hier an den anderen, und fleißige Hände regen sich, den großen Steinblöcken, nachdem sie aus ihrer festen Lage mittels Dynamit losgesprengt sind, Gestalt und Formen zu geben. Der Ibbenbürener Sandstein zeichnet sich durch große Wetterfestigkeit aus und ist weit und breit gesucht. Hiervon zeugen die Buhnen auf der Nordseeinsel Borkum, wie die bedeutendsten Kirchenbauten in der Nähe und Ferne. Weiter östlich findet man auch Eisenstein (im sogenannten Rochus), der sich im Besitz des Georgs-Marien-Berg- und Hüttenvereins befindet. Auf unterirdischem Wege wird der gewonnene Eisenstein von hier nach Perm und dann per Bahn nach Georgsmarienhütte transportiert. - Der ebenfalls im Norden Ibbenbürens vorkommende Tonschiefer gibt zur Fabrikation von Ziegelsteinen willkommenes Material, und so sind im Nordwesten (auf dem Dickenberg) mehrere bedeutende Ziegeleien entstanden, deren Steine, da sie besonders hart und wetterfest sind, weitesten Absatz finden. Ebenfalls nördlich von Ibbenbüren an der Chaussee nach Rheine liegt die Köstersche Glashütte (Inhaber: J. und F. Köster), die ausschließlich mit Weißglas arbeitet. Der reiche Ockergehalt des aus dem Bergwerk abgeleiteten Grubenwassers hat dann auch noch zur Anlage einer Ockerfabrik (Inhaber Gebr. Sommerkamp) in Püsselbüren in nächster Nähe der Klärteiche Veranlassung gegeben.

In der Stadt selbst liegen zwei größere Fabriken, die Spinnerei und Weberei Sweering von bedeutendem Umfang und der Neuzeit entsprechend eingerichtet und die Többensche Weberei in der Nähe des Bahnhofs. Im Süden der Stadt, an der sogenannten Werthmühle, liegen noch verschiedene städtische Anstalten, nämlich das Schlachthaus und das städtische Gaswerk. In unmittelbarer Nähe hiervon befindet sich auch die städtische Badeanstalt. Sie ist geöffnet für männliche Personen:

 

 

 

an Sonn- und Festtagen von 7-9 Uhr morgens, an allen Wochentagen ebenfalls von 7-9 Uhr und von 2 Uhr nachmittags an, mit Ausnahme Mittwochs und sonnabends von 2 - 4 ½ Uhr nachmittags und dienstags und freitags von 4-6 Uhr nachmittags und für weibliche Personen an allen Wochentagen von 9-11 Uhr vormittags, mittwochs und sonnabends von 1-4 Uhr und dienstags und freitags von 4-6 Uhr.

   

 

Als weitere industrielle Anlagen sind dann noch zu erwähnen die Weizenstärkefabriken von Crespel & Deiters auf Gut Grone (Inhaber: Gebr. Deiters) und die des Herrn. Kröner in Bocketal. Im nahen Laggenbeck befindet sich dann noch die Maschinenfabrik von Keller & Co, die besonders auch im Ausland großen Absatz hat, mit ihr verbunden ist eine Ziegelei in Hörstel. Außerdem liegt in Laggenbeck noch das Farbwerk Oranien.
Ferner hat Ibbenbüren noch zwei Buchdruckereien aufzuweisen. Die älteste ist die Buch- und Kunstdruckerei von Bernh. Scholten, mit dem Verlag des "Tecklenburger Kreisblattes", gegründet 1836, das früher als "Wochenblatt für den Kreis Tecklenburg" nur einmal wöchentlich, jetzt dagegen sechsmal in der Woche erscheint. Außer dem "Tecklenburger Kreisblatt" erscheinen in der Scholtenschen Druckerei noch im ständigen Verlage: Außer dieser Druckerei gibt es noch die im Jahre 1897 gegründete Ibbenbürener Vereinsdruckerei G. m. b. H. mit dem Verlage der "Ibbenbürener Volkszeitung".

 

 

 

Die Westdeutsche Verkehrszeitung (Eisenbahn-Zeitung), die "Westdeutsche Jägerzeitung Hals und Bein, ferner das Adressbuch für den Kreis Tecklenburg und der "Illustrierte Führer von Ibbenbüren und Umgegend.

   

 

Eine besondere Förderung des wirtschaftlichen und gewerblichen Lebens verspricht man sich von der jetzt im Bau befindlichen Überlandzentrale (NIKE) gegenüber dem Staatsbahnhof. Es ist dieses eine große Dampfturbinen-Zentrale der Niedersächsischen Kraftwerke Akt.-Ges. in Osnabrück, als Ergänzung der früher an die Hannoversche Kolonisations- und Moorverwertungs-Gesellschaft m. b. H. angeschlossenen Überlandzentrale in Schweege (Schweeger Moor), da der Bedarf des sich ständig ausdehnenden Absatzgebietes bald so wuchs, dass er von der Schweeger Anlage allein nicht mehr befriedigt werden konnte. Die Grundlage des ganzen Überlandsystems ist zwar nach wie vor die mit Torf-Gas betriebene Schweeger Gasmaschinen-Anlage, nur der allerdings sehr erhebliche Mehrbedarf an Strom wird in der Ibbenbürener Dampfturbinenzentrale erzeugt, von welcher aus er in Freileitungen durch den ganzen Kreis Tecklenburg und weit darüber hinaus geleitet wird. Diese kurzen Erläuterungen über Ibbenbürens Industrie dürften wohl jedem Leser die Gewissheit geben, dass sich Ibbenbüren einer Industrie, die seiner Entwicklung nur förderlich sein kann, erfreuen darf, und die dem Landschaftsbild unserer Gegend eine angenehme Abwechslung gewährt und es in keiner Weise belästigt!

 


 

6. Spaziergänge in nächster Umgebung der Stadt.

Ibbenbüren bietet durch seine Lage inmitten zweier Bergrücken jedem Fremden Gelegenheit zu Spaziergängen schon in nächster Nähe der Stadt. Beide Bergrücken, sowohl der nördliche, der Schafberg und der Dickenberg, wie auch der südliche, die Dörenther Berge, zeichnen sich durch herrliche Spaziergänge in schattigen Wäldern aus. Was in vielen berühmten Badeorten nur unter Aufwendung großer Kosten geschaffen worden ist, hier hat es die Natur in ausgiebigster Weise geschenkt und es besteht wohl kein Zweifel, dass die natürlichen Anlagen vor den künstlichen bei weitem den Vorzug verdienen. Reizend und zugleich bequem sind sämtliche Spazierwege und für Ruheplätzchen ist genügend seitens des Ibbenbürener Verschönerungsvereins gesorgt worden.
Zunächst bietet wunderbare Spazierwege der sogenannte ,,Treppkesberg", direkt am Nordausgange der Stadt, hinter dem Hauptbahnübergang. Während man die Chaussee nach Rheine-Osnabrück links liegen lässt, steigt man auf schattigem Wege allmählich den Treppkesberg hinan. Ein rotgezeichneter Weg führt rechts abbiegend zur "Schönen Aussicht", (auf dem Osterberg), von der aus man einen herrlichen Ausblick auf die Stadt und die nähere Umgebung genießt. Weiter führt dieser Weg auf dem Kammrücken entlang, vorbei an einem alten verlassenen Steinbruch zu den neuen Steinbrüchen, in denen an den Werktagen reges Leben herrscht. Wiederholt kommt man zu herrlichen Aussichtspunkten auf Stadt und Land. Die weiteste Fernsicht bietet der Rochus. Zur Rechten reicht der Blick hin bis zu dem hohen Turm der Basilika in Rheine, dem höchsten Kirchturm des Münsterlandes. Vorher bemerkt das Auge Hörstel, zur Linken liegt Laggenbeck, und Tecklenburg liegt auf der Höhe des gegenüberliegenden Bergrückens, und weiter links kann man bei klarem Wetter den Dörenberg bei Iburg bemerken. Den Rückweg vom Rochus kann sich jeder leicht selbst wählen. Entweder kann man direkt wieder zur Stadt hinuntergehen, oder aber man dehnt den Spaziergang noch etwas weiter aus, indem man sich der, auf dem Bergrücken entlang führenden Chaussee zuwendet, um auf dieser nach dem Oeynhausen-Schacht zu gehen. (in Richtung der beiden großen Schornsteine auf dem Schafberg). Von hier führt ein Weg direkt durch den Treppkesberg hinunter zur Stadt oder aber man geht auf der Chaussee zurück.
Ebenso herrliche Spaziergänge bietet der andere Teil des Schafberges, der links von der Chaussee nach Rheine und Osnabrück liegt. Auch von diesem Berge aus hat man öfter sehr schönen Ausblick auf die Stadt.
Etwas weiter sind die Spaziergänge zu dem anderen Bergrücken, dem Dörenther Berg. Aber eine wunderbare schattige Chaussee führt den Wanderer dahin (die Münsterstraße herunter, dann die Chaussee nach Münster). Auf dem höchsten Punkt der Chaussee angelangt, gerade dort, wo die Chaussee wieder fällt, geht ein Weg links in den Berg hinein, (siehe Schild und rote Bezeichnung), der zu den Dörenther Klippen führt, dem Hauptausflugspunkt aller Fremden. Wunderbare Felsbildungen reihen sich hier aneinander in langer Kette, von denen man eine herrliche Fernsicht in die münsterländische Bucht genießt. Der Hauptanziehungspunkt, zugleich auch der höchste Felsen ist das sogenannte Hockende Weib.
Die sich an diese Felsgestaltung knüpfende Sage behandelt das nachfolgende Gedicht:

 

Deko

 
Das Hockende Weib bei Dörenthe.
Sage von Seiler

Das Wasser, das Wasser, es kommt, es kommt,
O Mutter, fliehe, so lang' es noch frommt.
Schon leckt es an der Schwelle, schon bricht es die Wand,
Die Spindel entsinket der bebenden Hand.
Sie rafft empor die Kinderlein,
auf Leben und Tod in die Brandung hinein.
Es wogen die Wasser, es heulet der Wind,
Ach, Mutter, Mutter, geh' doch geschwind
hinauf zum Gebirg! "Herr schütze sie!"
Die Wasser spülen ihr um das Knie!
Die Wasser drängen mit Macht, mit Macht,
,,Herr, sei ihr gnädig in dieser Nacht!"
Hinauf zum Gebirg! - Sie wankt - sie fällt -
"Behüte die Kinder, du Herr der Welt!"
Erhöret wurde das hockende Weib,
zum öden Felsen erstarret ihr Leib,
da wurden auf dem Nacken von Stein
in Gnaden behütet die Kinderlein.

Deko

Die Dörenther Klippen.

Ich liebe den Osning vieltausendmal mehr,
mit dem Zauber Westfalens darüber her,
Als anderer Waldhöh'n herrliche Pracht,
Doch am meisten von allem, laut sei es gesagt,
Am meisten die Dörenther Klippen.

Vom Walde umschlossen, ragen bis heut'
Die Felsen seit uralter grauer Zeit.
Vieltausendmal hat die Sonn' sie geküßt,
Wenn hinter Tannen gesunken sie ist,
Mit zitternden, goldroten Strahlen.

Es floss um sie viele tausendmal
Wie flüssiges Silber des Mondes Strahl.
War dunkel einmal die Sommernacht,
Glühwürmchen haben Laternen gebracht,
Viel funkelnde, glitzernde Lichter.

Und jährlich zum frischgrünen Kranze wand
Sich rings um die Felsen der Waldesrand.
Und Blumen flochten sich schimmernd hinein,
In Farben getaucht, in duftendem Schein,
Sie deckten mit Blüten die Erde.

Vieltausendmal hat der Herbststurm gebraust,
Hat wild in den alten Tannen gezaust,
Stieß an den Klippen die Flügel sich lahm
Und wusch und fegte sie zornig und nahm
Nichts ihrer ewigen Schönheit.

Vieltausendmal lagen zur Winterzeit
Die Felsen und Tannen tief eingeschneit,
Im Schnee sie träumten Träume so schön,
Die wurden, wenn zog- der Lenz auf die Höh'n,
Im Rauschen der Zweige zu Liedern. .

Weiß nicht, wann's dorten am schönsten ist,
Wenn Sommersonne die Felsen küsst,
Oder der Mond beleuchtet die schneeige Pracht,
Weiß nur, wie mir's ward, wenn ich eurer gedacht,
Ihr herrlichen Dörenther Klippen.

Hannah von der Riede
 


 
Deko


Die alten Steinkreuze in Dörenthe. -
(1)
Von Hermann Barta.

Am Wege zwei alte Kreuze,
Dahinter ein Lindenbaum;
Ein Wandrer in seinem Schatten,
Und Stille im weiten Raum.

Von Moosen und Flechten bewachsen,
In altersgrauem Kleid,
So stehen sie schweigsam am Wege,
Die Zeugen vergangener Zeit.

Ich fragte die alten Leute:
"Wie kommen die Kreuze hierher?"
Da fingen sie an zu erzählen
Die sagenhafte Mär:

"Es waren einst zwei Junker,
Geheißen "von der Strick", (2)
Die haben sich lange befehdet
Um dürren Landes Stück.

Längst hatten die Richter gesprochen,
Entschieden den bösen Streit,
Doch nimmer wollte sich legen
Der Brüder Hass und Neid.
Wo hier sich die Wege kreuzen,
Da trafen sie sich auf der Jagd;( 3)
Da haben ihre Büchsen
Zugleich geblitzt und gekracht.

Die Herren hier im Blut
Die Bauern aber teilten
Sich in der Junker Gut.
Die Knechte abends fanden

Dort unter der Linde am Wege,
Da fanden die beiden die Ruh,
Stumm sah es die alte Linde,
Die Blätter sie rauschten dazu.

Man baute zur Sühne ein Kirchlein
der Tat, so hier geschah;
Doch stand es nur kurze Jahre
Weiß keinen, der es sah!*)

Es kamen die Kriegeszeiten,
Die Aecker dampften vom Blut,
Das Kirchlein stand in Flammen,
Es brannte des Bauern Gut.

Nach langen und schrecklichen Jahren
Ward Friede wieder im Land;
Man baute neu die Häuser,
Doch ach, aus des Kirchleins Wand.

So ist von der Erde verschwunden
Der Kirche letzter Stein,
Und nur die Kreuze melden
uns von dem Kirchlein klein. (5)
Nun weisst Du, was sie bedeuten
Die Kreuze am Wege dort;
Sie sprachen von Kerzen und Opfern
Von Bruderhass und -Mord. -

Und an der alten Stelle,
Wo einst das Kirchlein lag,
Ein Glöcklein hört man klingen
Am Katharinentag. (ss)
Und nachts in der zwölften Stunde,
Wenn alles rings lieget in Ruh,
Dann tanzen blaue Flämmchen
Wohl um die Kreuze dazu.

Hab sinnend hier oft gestanden
Des morgens früh und allein,
Hab auch die Kreuze gesehen
Beim bleichen Mondenschein.

Wie standen die alten Kreuze
So ernst und schweigsam dort!
Die Blätter der Linde rauschten,
Sie rauschten in einem fort.

Ich hörte sie vieles flüstern
Aus ferner, ferner Zeit;
Doch immer klang es wieder
Dasselbe alte Leid:

Die Menschen hassen und neiden
Und streiten sich immer zu;
Nur wenn die Erde sie decket,
Dann haben sie ihre Ruh. -
 

Deko

 

Anmerkungen.

1. Die beiden alten Kreuze sind weit und breit bekannt. Sie stehen an der Provinzialstrasse lbbenbüren-Münster, jenseits des Berges, dort wo rechts die neue Chaussee nach Riesen- beck, links die alte Landstraße nach Tecklenburg abbiegt. Es sollen ursprünglich drei Kreuze gewesen sein, doch habe ich noch keinen angetroffen, der das dritte Kreuz gesehen hat. Ein liegender, schwerer Stein mit einer rechteckigen Oeffnung könnte wohl als Fundament für das dritte Kreuz angesehen werden, doch stimmen die Maße der Oeffnung nicht mit den beiden vorhandenen Kreuzen überein. Die beiden Kreuze sind allerdings auch nicht vollständig gleich; das eine ist 2 m hoch, das andere dagegen nur 1,80 m. Auch ist das eine Kreuz ganz schlicht, während das andere in der Mitte ein kleines eingemeißeltes Kreuzchen trägt.


2. Die adeligen Herren "von der Strick" oder "Stricket" werden in einer Urkunde v. J. 1345 zuerst erwähnt. Dort ist von einem Arnoldus de Stricket und seinem Sohne Ghiselbertus die Rede. 1350 tritt ein Hinrik von der Stricket in einem Prozesse des Grafen von Tecklenburg als Zeuge auf. Die diesbezüglichen Urkunden befinden sich im evangelischen Pfarrarchiv zu Ibbenbüren. Das adelige Gut der Herren von der Strick umfasste fast den ganzen östlichen Dörenther Esch und reichte noch in die Gemeinde Brochterbeck hinein. Zu Anfang des vorigen Jahrhunderts war es schon in bäuerlichem Besitz. Die Kolonate Große- und Kleine-Stricker sind ganz daher genommen. Doch stehen die jetzigen Besitzer zu den früheren in keinem verwandtschaftlichen Verhältnis, obgleich die Namen ähnlich klingen. Die Vorfahren von Kleine- und Große-Stricker stammen aus Glane bei Iburg und haben ihre Güter durch Kauf erworben. Von den Grundmauern und Gräben des alten Herrensitzes findet man heute noch Spuren in der Wiese neben dem vor einigen Jahren abgebrannten Wohnhause des Kolonen Große-Stricker.

3. Nach einer anderen Erzählung soll die blutige Tat geschehen sein, als die Brüder sich hier zufällig auf der Landstraße trafen. Der ältere wollte nach Lingen, zu dessen Gerichtsbarkeit das Gut gehörte, um dort sein Recht zu suchen. Der jüngere kam eben von dort und hielt dem Bruder, höhnisch lachend, den richterlichen Bescheid entgegen, der zu seinen Gunsten lautete. In dem Wortwechsel, der sich nun entspann, sollen die Brüder sich gegenseitig mit ihren Waffen tödlich verletzt haben und beide auf dem Platze geblieben sein.

4. Die Urkunde, welche den sicheren Beweis erbringt, dass in Dörenthe wirklich eine Kirche oder Kapelle gestanden hat, fand sich vor einigen Jahren zufällig im katholischen Pfarrarchiv zu Ibbenbüren. Die Urkunde ist vom Jahre 1487 und besagt, dass der Weihbischof Johan Wenneker von Münster und Osnabrück in Mettingen zwei Bilder consekriert hat (die glorreiche Jungfrau Maria und die Jungfrau Katharina darstellend) "welche stehen werden in Dorentorpe in parochia Ibbenbüren". Es handelt sich hier um Bilder in einem Altaraufsatz, wie man sie in katholischen Kirchen vielerorts findet.

5. Die Kirche in Dörenthe wurde in den Kriegszeiten zerstört und nicht wieder aufgebaut. An der Stelle, wo der Altar gestanden hat, wurden der Sage nach die Steinkreuze errichtet. Genau dieselben Kreuze befinden sich auch neben der Eingangstür an der Ostseite der katholischen Kirche in Recke. Vielleicht haben sie eine ähnliche Bedeutung.

6. Die Kirche oder Kapelle in Dörenthe war der heiligen Katharina geweiht. Nach Zerstörung der Kirche wurde diese Heilige die Mitpatronin der alten Pfarrkirche in Ibbenbüren. Daraus ist zu ersehen, dass Dörenthe seit "undenklichen Zeiten" (auch kirchlich) zu Ibbenbüren gehört. Vor einiger Zeit ist von katholischer Seite eine Abpfarrung vorgenommen und der größte Teil der Katholiken gehört jetzt zur Pfarre Brochterbeck. -

 


 

7. Empfehlenswerte Touren.

Ibbenbüren ist Station der Staats-Eisenbahn-Linie Berlin resp. Hamburg nach Amsterdam, Rotterdam (London). Außerdem hat es sehr günstige Anschlüsse an die Linien Emden-Soest und Duisburg-Quakenbrück in Rheine, sowie Bremen-Köln in Osnabrück und an verschiedene Nebenbahnen.
Ibbenbüren und seine reizvolle Umgebung lassen sich daher auch schon recht bequem und lohnend auf einen Tag besuchen.
Wenn man z. B mit den Morgenzügen in der Richtung von Hengelo, Oldenzaal, Bentheim, Schüttorf, Neuenhaus, Nordhorn, Meppen, Lingen, Freren, Coesfeld oder Burgsteinfurt abfährt, so erreicht man in Rheine den Anschluss an den Zug Rheine-Löhne, der gegen 9 Uhr morgens in Ibbenbüren eintrifft.
Zur Rückfahrt in westlicher Richtung erreicht man mit dem nach 8 Uhr abends von Jbbenbüren abfahrenden Zuge in Rheine Anschlüsse nach den vorbezeichneten Orten. Für Ausflügler aus Holland sei bemerkt, dass der Schnellzug Hamburg-London ab Jbbenbüren etwas vor 6 Uhr abends fährt und in Oldenzaal gegen 7, in Hengelo kurz nach 8 Uhr ankommt. Aber auch der oben bezeichnete Personenzug hat in Rheine Anschluss nach Holland.

Von Münster nach Jbbenbüren ist die Verbindung besonders günstig, so dass die Reise bequem und angenehm über Osnabrück oder Rheine mit den Staatsbahnen, oder über Lengerich i. W. mit der Teutoburger Wald - Eisenbahn gemacht werden kann.
Da die Eisenbahnfahrzeiten häufig Abänderungen unterzogen werden, sehen wir davon ab, dieselben an dieser Stelle anzugeben und bemerken nur, dass auf allen Richtungen eine frühzeitige Ankunft in Jbbenbüren und die Rückfahrt abends so spät ermöglicht ist, um den ganzen Tag in Jbbenbüren und Umgegend voll und befriedigend ausnutzen zu können.

Von Osnabrück aus kann man, der geringen Entfernung und der besonders günstigen Eisenbahnverbindungen wegen (im Sommer auch Sonntagszüge), Jbbenbüren und Umgebung sehr leicht erreichen; auch lassen sich viele besonders lohnende Halbtags-Touren an der Hand dieses Buches einrichten. Abends hat man jedoch vor der Rückkehr nach Osnabrück ausreichend Zeit, sich in Jbbenbüren zu erholen, da von hier aus die Rückkehr sowohl kurz nach 8 Uhr abends mit Eilzug (Sommer: auch Sonntagszug), wie auch noch kurz nach 10 Uhr abends mit Personenzug erfolgen kann.
Radfahrer können von Münster aus Jbbenbüren leicht auf der gutgepflegten Chaussee über Greven, Saerbeck und Dörenthe erreichen und unterwegs schon den Dörenther Hafen des Dortmund-Ems-Kanals, ferner die alten Steinkreuze* in Dörenthe an der Chausseegabel nach Riesenbeck, wie auch die in der Nähe der Chaussee belegenen Dörenther Klippen** besichtigen, bevor sie Jbbenbüren selbst und seiner weiteren Umgebung einen Besuch abstatten.
Von Osnabrück aus können Radfahrer ebenfalls auf einem durchweg guten Wege unsere Stadt leicht erreichen, um die Annehmlichkeiten ihrer Umgebung zu genießen Die Entfernung von Osnabrück nach Jbbenbüren beträgt nur 25 Kilometer. Zunächst treten wir in Jbbenbüren eine Morgenwanderung an und besuchen die in dem vorhergehenden Abschnitt 6 beschriebenen

 

   
*) Siehe das Gedicht: Die alten Steinkreuze in Dörenthe und Abbildung.
(Seite 33). **) Siehe ebenfalls Gedicht und Abbildung.(Seite 31).
   

 

Aussichtspunkte, Steinbrüche etc.
in dem nahegelegenen Gebirge. Hierbei bemerken wir gleich, dass der Verschönerungsverein sowie die Hotelbesitzer und Wirte denjenigen, welche längere Zeit hier verweilen wollen, gern mit Rat und Tat zur Veranstaltung lohnender Touren zur Hand gehen. Denjenigen, welche ausgedehntere Touren ganz per Wagen unternehmen wollen, stehen in Jbbenbüren hierzu Wagen zur Verfügung.
Zur Orientierung kann die in diesem Führer beigegebene, genau ausgeführte Karte dienen.
Im Übrigen verweisen wir auf den Abschnitt: "Spaziergänge in nächster Umgebung der Stadt." Zwischen 12 und 1 Uhr mittags kehren wir zur Stadt zurück und nehmen dort in einem der im Inseratenteil sich empfehlenden Hotels und Restaurants das Mittagsmahl ein, welches ganz nach Wunsch zu haben ist und von größeren Gesellschaften am besten vorher beim Wirt bestellt wird. Für den Nachmittag ist die Besichtigung der Stadt und ein Spaziergang nach den auf Seite 29 n. ff. näher beschriebenen, etwa 40-45 Minuten von der Stadt entfernten

Dörenther Klippen
zweifellos recht interessant. Ausdauernde Fußgänger können den Rückweg über das etwa ¾ Stunde von den Dörenther Klippen entfernte Brochterbeck durch die sog. Kleine Schweiz unternehmen. Der Weg dorthin führt von den Dörenther Klippen weiter über den Kamm der Höhe und ist genau bezeichnet. Wer nicht ganz bis Brochterbeck gehen will, kann schon etwas vor Brochterbeck links abbiegen nach Bocketal, herrlich inmitten der Höhen des Teutoburger Waldes gelegen. Von hier aus geht man auf der Chaussee Brochterbeck - Jbbenbüren in ca. ¾ Stunden nach Jbbenbüren zurück, oder aber man benutzt von hier aus (Station Bocketal) die Teutoburger Wald-Eisenbahn.

Brochterbeck
ist ein reizend gelegenes Kirchdorf und ebenso wie das wundervolle Bocketal bemerkenswert durch seine romantische Umgebung zwischen den Ausläufern des Teutoburger Waldes. Es wird von Jbbenbüren aus erreicht außer auf dem oben beschriebenen Wege über die Dörenther Klippen noch auf direkter, schöner, schattiger Chaussee (ca. 1 Stunde) oder in einer Viertelstunde mit der Teutoburger Wald-Eisenbahn. In nächster Umgebung lassen sich herrliche Spaziergänge über Berg und Tal unternehmen. Auch bei Brochterbeck liegen ähnliche massige Felspartien, wie sie die Dörenther Klippen darstellen.

 

 

Empfehlenswerte Spaziergänge:

1. Brochterbeck - Blücherfelsen, 1,3 km. Weg nordwärts in der Nähe der Bahnstation, genau bezeichnet. Vom Blücherfelsen führt ein schöner Spazierweg weiter zur Bahnstation Bocketal.

2. Von Brochterbeck nach dem neuen, von allen Seiten bestens empfohlenen Schwefelbad Holthausen, 1,8 km. Wegebezeichnung wie 1.

3. Von Brochterbeck durch das schöne Bocketal zum Dreikaiserstuhl, 2,5 km und 1 km auf der Höhe weiter, dann links hinunter zur Wolfsschlucht und dem Felsentor, zwei großartigen Felspartien, dann weiter in ca. 20 Minuten zu den Dörenther Klippen.

4. Von Brochterbeck nach Tecklenburg; vom Hotel Westfalia aus an der evangelischen Kirche vorbei über die Höhe des Kleebergs; dann Kolonat Heilmann, hinab, an einem Teich vorüber zur Chaussee bis Bahnhof Tecklenburg, 5 km.
5. Sehr zu empfehlen ist auch folgender Spaziergang von Brochterbeck nach Tecklenburg: Man wendet sich sofort beim Bahnhof Brochterbeck nordwärts in die Berge (s. Tafel), geht diesen Weg weiter bis zum Wegweiser, der nach Tecklenburg und Holthausen zeigt; lässt den Weg nach Tecklenburg (sandiger, sonniger Höhenweg) rechts und wendet sich links eine kurze Strecke nach Holthausen hinunter, bis dort, wo der Weg auf einen Bauernhof stösst. Das Haus links lassend, geht man rechts über den Hof in halber Höhe des Bergrückens auf wunderbarem Wege nach Tecklenburg. Stets sehr schöne Aussicht zur Linken. Beim Bismarckturm kommt man dann auf den alten Tecklenburger Weg. (Dauer ca. 1 Stunde.)

Tecklenburg
Kreisstadt des Kreises Tecklenburg mit etwas über 1000 Einwohnern, terrassenförmig am Berge gelegen, mit der Teutoburger Wald-Eisenbahn von Jbbenbüren in ca. 20 Minuten zu erreichen; oder Fahrt bis Brochterbeck und dann Spazierweg am Berg entlang, wie unter No. 5 des vorigen Abschnittes beschrieben. Für Radfahrer und tüchtige Fussgänger sehr gute direkte Chaussee (bis kurz vor Brochterbeck, dann links ab, s. Wegweiser), oder über Ledde (s. Karte). Vielfach fährt man auch von Jbbenbüren mit der Staatsbahn bis Laggenbeck und geht von hier über Ledde, dann durch den Kgl. Forst Sundern zu Fuss nach Tecklenburg (siehe unter Laggenbeck-Ledde-Forst Sundern).

Sehenswürdigkeiten und Spaziergänge in und um Tecklenburg:
Burgruinen des ehemaligen Schlosses der Grafen von Tecklenburg, der Wierturm (errichtet zum Andenken an den Vorkämpfer gegen die Hexenverbrennung), gleichz. Aussichtsturm; weiter die Hexenküche und noch etwas weiter der vom Bismarckverein für den Kreis Tecklenburg errichtete Bismarckturm, der erste Bismarckturm des Münsterlandes, auf dem alljährlich unter reger Beteiligung der Bevölkerung des Kreises zur Zeit der Sommersonnenwende gewaltige Flammen emporlodern zur Erinnerung an den großen Toten, unsern eisernen Kanzler. Vom Turm aus genießt man eine sehr schöne Fernsicht in das Münsterland. In südöstlicher Richtung von Jbbenbüren liegt das freundliche Dorf

Laggenbeck,
zum Amt Jbbenbüren gehörend, an der Staatsbahn Jbbenbüren-Osnabrück, die uns in wenigen Minuten nach Laggenbeck bringt. Für den Fußgänger empfehlen sich folgende Wege:
1. die Chaussee durch Alstedde, die im Tale dahinführt und oft herrliche Ausblicke nach beiden Seiten auf die Berge gewährt (ca. 1 Stunde);
2. die Chaussee über den Schafberg (ca. 1- ½ Stunde, s. Karte) und
3. ein zwischen diesen beiden Chausseen befindlicher "Waldweg, der vom Rochus ausgeht und für den Spaziergänger, der sich stets nach Osten halten muss, auch leicht zu finden ist.
Denjenigen Touristen, die mit der Bahn von Jbbenbüren nach Laggenbeck gefahren sind, empfehlen wir u. a. auch einen Spaziergang in nordöstlicher Richtung nach der etwa 20 Minuten vom Orte entfernten, zur Georgs-Marienhütte gehörenden
Zeche Perm,
nicht weit davon die alte Halde vom Schacht "Morgenstern". Von dort hat man eine großartige Aussicht auf Osnabrück, den Piesberg, Dörenberg etc. Den Rückweg nach Jbbenbüren von hier kann man auf den unter Laggenbeck beschriebenen Wegen (1 u. 2) antreten.
Ein anderer von Laggenbeck vielfach unternommener Spaziergang führt nach dem südlich von Laggenbeck gelegenen

 

 

Ledde,
einem landschaftlich hervorragenden Kirchdorfe, in dessen allernächster Nähe sich der durch herrliche Waldpartien. ausgezeichnete fiskalische Forst Sundern befindet. Ein Hauptspazierweg durch diesen Forst führt in etwa 20 Minuten nach Tecklenburg (s. unter Tecklenburg). Von Ledde aus führt auch eine gute, schattige Chaussee direkt wieder nach Jbbenbüren zurück (8 km).

Einer der schönsten Spazierwege ist unstreitig auch die Tour von Jbbenbüren in 1 ½ Stunden nach dem Dorfe
Mettingen,
welches einen sauberen, wohlhabenden Eindruck macht und wohin der Weg viele interessante Abwechslungen bietet. Um nach Mettingen zu gelangen, wendet man sich zunächst in nördlicher Richtung durch die Bahnhofsstraße zum Treppkesberg (siehe Wegweiser jenseits des Bahnüberganges). Auf der Höhe angelangt, überschreitet man die Chaussee von Rheine nach Osnabrück und benutzt den dicht neben dem Maschinenhause des Oeynhausenschachtes nach Norden vorbeiführenden Fußweg (Schlangenpättken), wobei natürlich unsere Karte fleißig in Anspruch genommen werden muss. Mettingen selbst hat eine recht freundliche Umgebung. Besonders erwähnenswert ist das Bad Mettingen mit seinen reizenden Anlagen.
Sehr schön gelegen ist auch Gravenhorst,
mit den in waldreicher Umgebung idyllisch am Wasser liegenden Gebäulichkeiten eines früheren Klosters und einer noch vorhandenen sehenswerten Kapelle. Ebenfalls am Wasser schön gelegen befindet sich eine gute Restauration. Der Weg nach Gravenhorst führt entweder westlich von Jbbenbüren durch den Hallesch, über Schierloh oder auf der Chaussee nach Püsselbüren, an den Klärteichanlagen des Königl. Bergwerks in Jbbenbiiren vorbei, bis zur Wirtschaft Theodor Wulf-Püsselbüren, woselbst man die Chaussee verlässt und am Ockerbach entlang auf schönem Wege nach Gravenhorst gelangt. (Bereitwilligst Auskunft erteilt Wirt Wulf.) Wem jedoch die Fuß-Tour nach Gravenhorst zu anstrengend erscheint, der kann mit der Eisenbahn von Jbbenbüren nach Station Hörstel fahren und erreicht Gravenhorst von dort bequem in 20 bis 25 Minuten. Auch von Station Esch aus kann Gravenhorst bald erreicht werden. Die Spaziergänger wenden sich zunächst der Chaussee zu und können dann auf schattigem Wege am Ockerbach entlang nach Gravenhorst gelangen (s. oben.)
Das Dorf Hörstel
liegt etwa 5 Minuten vom Bahnhof Hörstel entfernt. Bemerkenswert ist die Glashütte und die auf dem Wege nach Bevergern befindliche Ziegelei der Firma C. Keller in Laggenbeck. Von der Station Hörstel südlich zweigen sich außer dem Wege nach Gravenhorst auch die Straßen nach
Riesenbeck und Bevergern
strahlenförmig ab. Zwischen letzteren beiden Orten liegt der interessanteste und sehenswerteste Teil des
Dortmund = Ems = Kanals,
dessen Bett gerade in diesem Teile aus felsigem Boden durch Sprengungen herausgearbeitet werden musste. Auf dieser etwa 2 km langen Kanalstrecke mussten daher auch drei Schleusen angelegt werden.
Nahegelegene Steinbrüche liefern hier den Kanal-Schiffen reichliche Frachten nach allen .Richtungen. Besonders sehenswert in Riesenbeck ist der neu erbaute Reinhildis-Brunnen. Der Brunnen weist drei Reliefbilder aus dem Leben der heiligen Reinhildis auf. Da sehen wir zunächst Reinhildis weinend am Brunnen sitzen. Ein anderes Bild zeigt uns einen Engel am Pfluge, während die hl. Reinhildis in der Kirche weilt. Auf dem letzten Bilde endlich sehen wir einen Sarg, der die Leiche der Heiligen birgt, auf einem Wagen, der von Ochsen gezogen wird. Auf der Rückseite ist eine Widmung ein- gemeißelt, die folgendermaßen lautet:

 

   
Vüiör düssens Tieden hölp dien Daut,
Sünt Rendel, uns ut Watersnaut;
Dat daoh wie nümmes die vergiäten,
Häbbt die to Aehr den Pütt utschmiäten.

Vor vielen Zeiten half Dein Tod
Sünt Rendel, uns aus Wassernot
das tun wir niemals Dir vergessen
haben dir zur Ehr den Pütt ausgeschmissen
   

 

In nächster Nähe von Riesenbeck befindet sich das Gut Surenburg (Besitzer Freiherr von Heere-man), bekannt durch herrliche, sehenswerte gärtnerische und Park-Anlagen.
Von Riesenbeck spaziert es sich übrigens durch Wald und Flur, über Berg und Tal in etwa einer Stunde angenehm nach Jbbenbüren zurück.

 

 

In nördlicher Richtung von Jbbenbüre liegt
Bad Steinbeck,

Auf dem Wege dahin, auf der Höhe des Berges, befinden sich zwei nicht unbedeutende Ziegeleien und, wie in der ganzen Umgebung Jbbenbürens, verschiedene große und kleine Steinbrüche. Bad Steinbeck besitzt eine heilkräftige Schwefelquelle, die ihre wohltätige Wirkung schon seit mehr als 80 Jahren ausgeübt hat.

Nicht weit entfernt ist das
Heilige Meer,

ein großer Binnensee (s. Abbildung), dessen Reichtum an Fischen von jeher für die Angler unserer Gegend eine große Anziehungskraft besaß. Die Sage erzählt, dass an dieser Stelle "vor vielen Jahrhunderten" ein Kloster gestanden habe. Dasselbe sei mit all' seinen Insassen versunken und an seiner Stelle das große Wasser, dessen Tiefe heute noch nicht festgestellt ist, entstanden.

In nordwestlicher Richtung von Jbbenbüren liegt
Hopsten,

auf sehr schöner, abwechslungsreicher Chaussee über den Dickenberg mit Wagen oder Rad sehr leicht zu erreichen; öfter sehr schöne Ausblicke auf den Ems-Weser-Kanal etc. Hopsten war vor 50-100 Jahren ein blühender Handelsplatz für Seidenwaren, insbesondere nach Hannover und Holland. Die Nähe der damaligen hannoverschen Grenze erleichterte den Verkehr ganz erheblich. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass gerade Seidenwaren einem lebhaften "Schmuggel"-Handel förderlich gewesen sind.

Auch ist das in der Nähe befindliche Dorf
Recke

früher ebenso bedeutend gewesen. Durch den neuen, Recke berührenden Ems-Weser-Kanal dürfte Recke wieder zu größerer Bedeutung gelangen.

Eine lohnende Tour bietet auch die Bauerschaft
Uffeln,

bekannt durch das besonders in früheren Jahren große Uffelner Moor, das von dem jetzigen Eigentümer zum weitaus größten Teil urbar gemacht wird, immerhin ist noch eine über 40 Morgen große Fläche vom Wasser überflutet, während früher weit über 100 Morgen unter Wasser standen. Uffeln ist jetzt auch Bahnstation der Kleinbahn Piesberg-Rheine und weist in seiner Umgebung wunderbare Heide-Landschaften auf.

Durch Uffeln führt der Ems=Weser=Kanal,
der dort sogar zu einem Hafen ausgebaut ist. Sowohl dieser Kanal, wie auch die herrliche Gegend dürften manchen Touristen veranlassen, auch nach hier seine Schritte zu lenken, zumal die Verpflegung bei echtem Bauernbrot und westfälischem Schinken nichts zu wünschen übrig lassen wird. Auch der Fußweg nach Uffeln ist äußerst abwechslungsreich und schon seinetwegen eine Tour dorthin zu empfehlen.
Man fährt von Jbbenbüren bis Bahnhof Esch, wendet sich nach Überschreitung des Bahngeleises zunächst nordwärts an dem Feldbahngeleise entlang am Gehöft des Kolons Bohne vorbei, biegt auf dem ersten Wege nach links ein nach dem Hof Niermeyer zu, dann durch Niermeyers Busch nordwärts, bis man bei der Wirtschaft Wolters auf die Provinzial-Straße Rheine-Osnabrück stößt (s. Karte). Oberhalb der Chaussee ein Steinbruch. Etwas auf der Chaussee zurück von einem Plateau aus wunderbare Aussicht! Nun folgt man der Chaussee etwa 500 m, bis dieselbe scharf nach links abbiegt, verlässt an dieser Stelle die Chaussee und geht geradeaus weiter bei den Höfen Pötter und Dierkes vorbei, dann links beim Gehöft Bange vorbei bis zur Kreisstraße Püsselbüren-Uffeln, auf welche man in nächster Nähe des Ems-Weser-Kanals stößt. Alsdann geht es auf der Chaussee weiter zur Besitzung des Rentners Wulff am Uffelner Moor. In der Nähe desselben sind auch großartige, ca. 4 km lange Fischereianlagen, dem Rentner Wulff gehörend. Etwas weiter ist die Haltestelle Uffeln der Kleinbahn Piesberg-Rheine und der Kanalhafen gelegen und in der Nähe sind zwei gute Wirtschaften.
Vom Bahnhof Esch aus ist Uffeln auf diesem Wege in ca. ¾ Stunden zu erreichen.
Wer dann auf einem andern als dem beschriebenen Wege nach Jbbenbüren zurückgelangen will, kann auch nach der, ca. ¾ Stunde entfernten Station Hörstel gehen, um von hier gegen 5 oder 10 Uhr abends mit der Bahn zurückzufahren.

In der Nähe des Städtchens Westercappeln
befinden sich die Slopsteine. Dieselben werden als Grabstätten alter Helden bezeichnet, wie auch schon der Name (slopen = schlafen) sagt, und dürfte daher ihre Besichtigung interessieren. Um nach Westercappeln zu gelangen, fährt man am besten von Ibbenbüren nach Station

Velpe, von wo der Ort etwa ¾ Stunde entfernt und auf einer gut gehaltenen Chaussee zu erreichen ist. Von Westercappeln kann man gegen Abend mit der Kleinbahn Piesberg-Rheine nach Osnabrück gelangen, dann von hier aus nach Ibbenbiiren zurückfahren. Von Station Velpe kann auch eine Tour nach dem fiskalischen Forste
Habichtswald
und daran anschließend nach Stift Leeden empfohlen werden, jedoch ist dazu von Ibbenbiiren aus ein ganzer Tag erforderlich.
Nicht nur die Schönheiten der Natur nehmen im Habichtswalde unsere Sinne gefangen, sondern auch ein altes Stück glorreicher deutscher Geschichte tritt uns fast unvermittelt vor Augen - wir befinden uns nach den Forschungen des Herrn Prof. Dr. Knoke aus Osnabrück in einem Römerlager aus der Zeit des römischen Feldherrn Varus, welcher bekanntlich von Hermann dem Cherusker im Jahre 9 n. Chr. in der Schlacht am Teutoburger Walde mitsamt seinen Legionen beinahe aufgerieben wurde.
Von Stift Leeden aus ist eine Fußwanderung nach Tecklenburg, besonders über den Gebirgskamm, die Margarethen-Egge, äußerst interessant, von wo die Rückkehr nach Ibbenbüren in mehrfach erwähnter Weise erfolgt.
Eine kleine schöne Halbtagstour lässt sich auch noch mit der Teutoburger-Wald-Eisenbahn von Ibbenbüren über Brochterbeck nach dem Dörenther Hafen
machen. Man kommt hierbei durch das vor Brochterbeck belegene wundervolle Bocketal, vor dessen Eingang man am Bergabhang zunächst die schön gelegene, weithin sichtbare Stärkefabrik der Firma Hermann Kröner, sowie verschiedene Steinbrüche erblickt. Am Dörenther Hafen befinden sich gewöhnlich Schiffe, die entladen oder befrachtet werden. Vom Hafen gelangt man in etwa einer Stunde auf guter Chaussee nach Ibbenbüren zurück und kann unterwegs auch noch die mehrfach erwähnten beiden alten Kreuze in Dörenthe, wie auch die Dörenther Klippen besichtigen.

 

 

Es sei noch darauf hingewiesen, dass infolge der günstigen Eisenbahnverbindungen auch die benachbarten Städte Osnabrück und Rheine
von Ibbenbüren aus bequem besucht werden können; nach beiden Richtungen fahren täglich je 9 Züge.
Die Fahrt nach Osnabrück dauert mit Personenzügen 35 Minuten und mit Schnellzügen 22 Minuten, nach Rheine noch einige Minuten weniger.
Die alte ehrwürdige Stadt Osnabrück mit ca. 70000 Einwohnern bietet manche Sehenswürdigkeiten und Abwechslungen und jeder Fremde wird von der Schönheit der Stadt und Umgegend entzückt sein.
Der Besuch der aufblühenden Industriestadt Rheine, an der Ems gelegen, dürfte ebenfalls für viele von Interesse sein. Dort ist es besonders das
Solbad "Gottesgabe" bei Rheine
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welches seiner schönen Lage wegen einen Anziehungspunkt für die ganze Umgegend bildet. Es seien deshalb sowohl Einheimische, als auch Sommerfrischler und Touristen hierauf zum Schluss noch aufmerksam gemacht. Vom Bahnhof Rheine aus sorgen Omnibusverbindungen für eine bequeme und angenehme Beförderung von und nach dem Bade. Fußgänger erreichen die Saline und das Bad auf schattigem Wege - dem Salinenkanal entlang - vom Tietor aus in 25-30 Minuten. "Gottesgabe" hat eine geschützte Lage an den ausgedehnten Waldungen des Schlosses Bentlage. Es ist ein hübsches, im Landhaus-Stil gehaltenes, modern eingerichtetes Kurhaus mit Sälen und Veranden vorhanden. Im Kurgarten mit schattigen Plätzchen, Grotten etc., finden wöchentlich Konzerte statt. Parkanlagen stehen mit dem Walde in Verbindung Das Badehaus enthält 25 Badezellen. Ein 400 Meter langes Gradierwerk spendet den Kurgästen ozonreiche Salz-Luft. (Näheres siehe Inserat.)

Wir könnten die Beschreibung unserer nach allen Richtungen hin herrlichen Gegend mit Leichtigkeit noch weiter ausdehnen, glauben aber, dass aus den beschriebenen Ausflügen und Spazierwegen sich für den Leser dieser Zeilen schon ihm besonders zusagende Touren zusammenstellen lassen. So gewinnt denn Ibbenbüren nicht nur als Ausflugsort, sondern auch als Sommerfrische, wozu es sich seiner herrlichen und günstigen Lage wegen besonders eignet, von Jahr zu Jahr an Bedeutung. Wir geben uns daher der Hoffnung hin, dass unser idyllisches Tal und seine umliegenden Berge dem fremden Wanderer und Ruhebedürftigen recht häufig Stärkung und Erholung von den Sorgen und Plagen der Berufsarbeiten gewähren mögen, und sich zu diesem Zwecke ein häufigerer Besuch dieser Gegend ganz von selbst empfiehlt.
Kurz, ein Besuch Ibbenbürens und seiner Berge sowohl für kurzen als längeren Aufenthalt ist außerordentlich lohnend.
Und in der Hoffnung, dass alle Besucher bald wieder einmal ihre Schritte nach unserem Städtchen lenken mögen, rufen wir ihnen allen zu:

 
 
"Auf frohes Wiedersehen!"
 


Deko

   
Auf Wiedersehen !
Gar freudig haben wir begrüßt,
Die unsrer Heimatstadt gedachten;
Gewiss wird allen es versüßt,
Wenn sie auf unsre Gegend achten.

Ringsum der Berge Wellenkranz
Liegt uns're Stadt hinein gebettet
Anmutig da im Sonnenglanz,
Wo Bild an Bild sich freundlich kettet.

Man braucht deshalb mit eil'gem Sinn
Nicht achtlos von hier fortzustreben,
Hier bringt das Schauen wohl Gewinn
Und viele Freuden wird es geben.

Schaut nur auf Feld und Wald und Flur
Hinab von uns'rer Berge Höhen,
Genießet und gestehet nur,
Wie schöne Bilder ihr gesehen!

Nicht achtlos muss vorüber gehn
Wer eingekehrt in Ibbenbüren,
Viel ist des Schönen hier zu sehn,
Drum lasst Euch wieder zu uns führen.
   

Deko


 
Seite 55 bis 78 - Reklame
   

 

Herausgegeben 1912 auf Veranlassung des Verschönerungs-Vereins zu Ibbenbüren.

 
  Verfasser war vermutlich Dr. Julius Krummacher, er war 1. Vorsitzender des Verschönerungs-Vereins  

  Quelle: Illustrierter Führer und Heimatbuch für Ibbenbüren und Umgegend - Ausgabe von 1912  



  Siehe auch unsere Webseite - Gasthöfe und Brauereien in Ibbenbüren um 1900 > > >  






Foto oben (Blick auf Ibbenbüren mit Nike und Textilfabrik Többen - 1922) Sammlung Rohlmann


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Breite Straße 9 - 49477 Ibbenbüren
Stadtmuseum Ibbenbüren
Aktualisiert/Update 10.01.2017
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