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Zeichnung von August Dorfmüller - Ibbenbüren 1844
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Festschrift zum Kreistreffen der NSDAP des Kreises Tecklenburg am 26. April 1936 in Ibbenbüren

Kritische Anmerkung zur Festschrift von 1936
Die Festschrift zum NSDAP-Kreistreffen am 26.04.1936 in Ibbenbüren

In den Jahrzehnten, welche dem schrecklichen 2. Weltkrieg folgten, musste das zweigeteilte Deutschland nach und nach bewältigen, was sich in den Jahren von 1933 bis 1945 ereignet hatte. Mittlerweile werden die Historiker wohl zu einer Haltung gefunden haben, die vorbehaltlos die Tatsachen zur Kenntnis nimmt und differenziert, nicht tendenziös, zu einer Be- oder Verurteilung dieser schrecklichen Ereignisse der deutschen Geschichte kommt. Ibbenbüren war Ort des NS-Kreistreffens im April 1936, hier existierte eine NSDAP-Ortsgruppe seit 1928. Wir präsentieren die auf der Homepage des Stadtmuseums veröffentlichte Festschrift, in der neben der NS-Ideologie auch noch Besonderheiten zur Ortsgeschichte Ibbenbürens und des damaligen Kreises Tecklenburg geschildert werden. Der heutige Leser mag sich etwas schwer tun mit der Frakturschrift, oder auch mit der Hitler-Abbildung nebst einem seiner Zitate. Angesichts des Wiederauflebens nationalistischer Tendenzen in der heutigen Zeit in Form von AfD oder Pegida, aber auch in anderen Ländern, muss man sich immer wieder vor Augen halten, wie viel Hass, Intoleranz und Zerstörung uns der Faschismus gebracht hat. Die Veröffentlichung der NS-Broschüre auf der Homepage soll zur kritischen Text- und Zeitanalyse dienen, es wird aus dieser Schrift wohl sehr deutlich, wie nationalistisch Deutschland sich damals präsentierte. Der Nationalsozialismus verstand es, große Teile der Bevölkerung mit seiner Ideologie und seiner klaren Gut-Böse-Einteilung zu begeistern. Wer die NS-Broschüre liest, sollte das mit kritischer Beurteilungshaltung tun, um für den Kreis Tecklenburg Aufschluss darüber zu erlangen, wie auch hier die NSDAP ihren Einfluss geltend machte. Offenheit und Sinn für faktengerechte Recherche sind angebracht. So soll diese Veröffentlichung zu einer Aufklärung einen Beitrag leisten, wie tief nach dem 1. Weltkrieg Deutschland sinken konnte und sich auf einen fatalen Irrweg begeben konnte. Am Ende stand die totale Zerstörung Deutschlands. Der Nationalsozialismus wird uns noch auf Jahrzehnte oder auch Jahrhunderte mahnen, die politische Zukunft Deutschlands klüger zu gestalten.
Bernd von der Assen



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Festschrift zum Kreistreffen der NSDAP
des Kreises Tecklenburg
am 26. April 1936 in Ibbenbüren
Druck, Bernhard Scholten, Ibbenbüren
Ibbenbüren 1936
72 Seiten

Festschrift zum Kreistreffen der NSDAP des Kreises Tecklenburg

"Das neue Deutschland konnte nur von Idealisten erbaut werden, die nicht mit dem Verstand allein, sondern mit heißem Herzen und einer fanatischen Liebe ihrem Glauben an ein besseres Deutschland anhingen" (Aus der Rede des Führers am 20.3.1936 in Köln)


Die Zeiten unseres Kampfes haben ihre Früchte getragen. Das Samenkorn, das wir legten, ist herrlich aufgegangen. Aus dem Deutschland der Schmach und Not, der Schande und Korruption des Zwiespaltes und des Niederganges, ist ein Reich der Freiheit und Ehre, des Friedens und der Arbeit erstanden. Aus Klassenhass und Standesdünkel wurde die wahre Gemeinschaft des Volkes geboren. (Der Stabschef der SM auf den Gautag in Essen, 1935)


Alfred Meyer, Gauleiter
Zum Kreistreffen 1936 übermittle ich dem Kreise Tecklenburg herzliche Heilgrüße. In einmütiger Geschlossenheit hat sich die Bevölkerung im Kreisgebiet am 29. März hinter den Führer gestellt. Das ist nicht zuletzt auch ein Erfolg der unermüdlichen Aufbauarbeit der Nationalsozialisten und Nationalistinnen des Kreises Tecklenburg. So kann der Kreis sein diesjähriges Kreistreffen in Stolz und Freude begehen, mit der Verpflichtung, unermüdlich für den Führer und das deutsche Volk weiter zu kämpfen.


Gerdes, Gauinspektor
Nach einem einzigartigen Siege begeht der Kreis Tecklenburg der NSDAP sein Kreistreffen! Es wird beweisen, dass der Nationalsozialismus nicht ruht aber rastet, sondern mit erneuter Kraft um die Seele des letzten deutschen Menschen ringt. In weiser Erkenntnis wird die Partei den Helm fester binden, in dem Bewusstsein, dass das Leben Kampf bedeutet. Für alle ist die Welt kein Jammertal sondern ein Kampffeld, auf dem das Ringen für unser Volk, für Blut, Boden und Rasse ausgetragen werden muss. Den Beweis für diesen Kampfeswillen soll auch das Kreistreffen erbringen. Zeigen soll es allen Volksgenossen, dass sämtliche Gliederungen der Partei auf Tod und Leben miteinander verbunden sind und alle diese Männer und Frauen nur eins kennen "Deutschland". Dieses Deutschland aber ist Adolf Hitler. Ihm und seiner Fahne werden alle folgen in die deutsche Zukunft, mag kommen, was da mag. Das sei der Sinn des 26. April 1936.


Knolle, Kreisleiter
Der Kreis Tecklenburg rüstet zum Kreistreffen 1936, zu einer Heerschau der politischen Soldaten Adolf Hitlers, die in unverbrüchlicher Treue zu ihm die Fahne der Revolution verteidigen. Die Nationalsozialisten des Kreises grüßen den Führer der Nationalsozialisten des Gaues Westfalen-Nord, Gauleiter PG. Dr. Meyer, der am 26. April den großen Appell abhalten wird. Ein Jahr des Kampfes liegt wieder hinter uns, und das Kreistreffen soll einen Rechenschaftsbericht darstellen über die geleistete Arbeit, darüber hinaus aber auch die innere und äußere Bereitschaft und Festigung der nationalsozialistischen Truppe. Die politischen Kämpfer haben sich zu einer verschworenen Kameradschaft zusammengeschlossen und freuen sich, am 26. April ihrem Gauleiter melden zu können, auch im kommenden Jahre in Treue ihre Pflicht zu erfüllen und freudig für die Ideale der nationalsozialistischen Bewegung weiter zu kämpfen.


In einem Tal zwischen den nördlichen Ausläufern des Teutoburger Waldes und dem Schafberg liegt die größte Stadt des Kreises Tecklenburg - Ibbenbüren -, die Stadt unseres diesjährigen Kreistreffens. Diese Stadt bekommt immer mehr das Gepräge einer Industriestadt. Baumwollspinnereien und Webereien, Stärkefabriken, eine Glashütte, eine Holzschuhfabrik sowie die Niedersächsischen Kraftwerke. Sehr bemerkenswert ist ferner, dass in Ibbenbüren die erste Ortsgruppe der NSDAP des Kreises im Jahre 1928 gegründet wurde. Hier befindet sich die Zentrale der Partei, von wo aus der Kampf im Kreise Tecklenburg geleitet wurde und noch geleitet wird.



Programm zum Kreistreffen der NSDAP am 26. April 1936 in Ibbenbüren


9.30 Uhr Tagung der Ortsgruppenleiter und des Kreisstabes
10.30 Uhr Sondertagung der Ortsgruppen- und Stützpunktleiter
10.30 Uhr Sondertagungen der Amtsleitungen und Gliederungen
12-13 Uhr Konzert
13 Uhr Gemeinsames Mittagessen
14 Uhr Antreten zum Propagandamarsch
14.30 Uhr Sondertagung des NS-Frauenschaft
16.30 Uhr Kundgebung auf der Jahnwiese
16.30Uhr Es spricht der Gauleiter PG. Dr. Meyer
18 Uhr Vorbeimarsch



Unsere politischen Aufgaben
Von Kreisleiter Knolle
In den letzten Jahren hat der Kreis Tecklenburg eine gesunde Entwicklung in politischer Hinsicht hinter sich gebracht. Unser politischer Kampf steht grundsätzlich im Zeichen der Wahrheit und des unerschütterlichen Glaubens an unser Volk. Diese Kampfesart zeichnete die Bewegung in der Kampfzeit schon aus. Lügen und Hässlichkeiten, die Unruhe und Unklarheit in das Volk brachten, unterlagen und die Träger dieser unsauberen Methoden mussten verschwinden. Im Vordergrunde des ferneren Kampfes der Bewegung steht die Schulungsarbeit der nationalsozialistischen Weltanschauung. Der Begriff Weltanschauung umfasst die Lehre, die Prinzipien und die Methoden der Anschauung der uns Menschen zur Gestaltung gegebenen Welt. Der Führer hat uns die Grundlagen hierfür gegeben, es ist nun Aufgabe der Schulungsmänner, sie hineinzutragen in die Herzen der Nationalsozialisten. Mit dem Tod der 400 Kämpfer der nationalsozialistischen Bewegung übernimmt jeder Nationalsozialist die Verpflichtung, niemals auf den weltanschaulichen Inhalt unserer Bewegung zu verzichten. Der Verzicht würde gleichbedeutend sein mit dem Verrat an unseren Toten und würde deshalb auch den Verzicht auf Ehre und Charakter in sich schließen. Hat dieses jeder Nationalsozialist erkannt, so ist auch das Wissen und die Erkenntnis zur Verschworenheit aller zur Bewegung gehörenden zu einem großen Orden der Gläubigen an Deutschlands Zukunft. Dann erhalten wir einen Ritterorden, der gewillt ist, mit Wort und Tat für sein Volk und seine Weltanschauung einzutreten. Die notwendigen Aufgaben müssen in den kommenden Jahren gelöst werden, um den Menschen nationalsozialistischer Prägung und Geisteshaltung zu schaffen.
Durch die liberalistische Epoche sollte und musste jeder Mensch anders denken, anders empfinden. Die großen Werke, Ehre, Freiheit und Charakter wurden anders betrachtet, jeder sollte ein anderes Bild seiner Weltanschauung annehmen. Wir Nationalsozialisten geben einen anderen Weg und wollen die zerstörenden Tendenzen des liberalistischen Zeitalters durch Gemeinschaft und Einigkeit ersetzen. Die Schulungsarbeit wurde seit Ende 1934 in Wochenendschulungen in den drei gebildeten Bereitschaften durchgeführt. Eine Kreisschule konnte bisher noch nicht eingerichtet werden. Kommt jedoch der Plan der Provinz, das Gut Gravenhorst aufzuteilen zur Durchführung, so wird das im 13. Jahrhundert errichtete Kloster in den Besitz des Kreises übergehen. Die Kreisverwaltung will dieses der Partei zur Verfügung stellen und wird dann hierin die so notwendige Kreisschule der Partei eingerichtet, worin eine Schulung der politischen Leiter und Führer der Gliederungen vorgenommen werden kann. In dieser Schulungsburg soll jeder Nationalsozialist die nationalsozialistische Weltanschauung in sich aufnehmen.
Die Aufgabe für den einzeln Nationalsozialisten, für den politischen Leiter und Führer der Gliederung im kommenden Jahr heißt also: Ringe um deine Vollwertigkeit, halte Treue und beweise Mut, halte Disziplin und pflege die Kameradschaft, sei ein Kerl und zuverlässiger Soldat unseres Führers Adolf Hitler!



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Aus der Geschichte der Bewegung
Von Kreisgeschäftsführer Dormann


Nationalsozialismus zu Anfang bekannt durch die Presse. Die Bewegung wurde der Bevölkerung gegenüber mehr oder weniger lächerlich gemacht und äußerst entstellte Berichte einzelner Zeitungen sorgten dafür, dass ein großer Teil von vornherein in der Bewegung ein über Deutschland hereingebrochenes Unglück sah. So wurde u. a. der Führer von einem Zeitungsblatt als ein großer Menschenmörder hingestellt. Trotz dieser Pressearbeit wurde der Nationalsozialismus zuerst im Jahre 1928 im Kreise in seiner wahren Form bekannt. Es war der vom Finanzamt Herford nach Ibbenbüren versetzte PG. Otto Ehlers, der als erster Parteigenosse des Kreises in Ibbenbüren den Kampf für Führer und Bewegung aufnahm. PG Ehlers ist Mitglied der Alten Garde. In seinem unerschütterlichen Kampf fand er dann Ende 1928 einige Männer, die sich ebenfalls zur Idee des Nationalsozialismus bekannten. Diese wenigen Männer hatten von nun an sämtliche Arbeiten für einen großen Teil des Kreisgebietes zu übernehmen. Ungeheuer hart war der Kampf und überaus schwer die an diese tapferen Männer gestellten Ansprüche.
In der Zweiten Hälfte des Jahres 1929 erhielt der Kreis dadurch eine Verstärkung, dass in dem in Norden des Kreises gelegenen Ort Schale und in der Industriestadt Lengerich in Südosten des Kreises sich ebenfalls einige Männer fanden, die sich zusammenschlossen, für die Idee des Führers eintraten und einen Stützpunkt der Partei im Kreise gründeten. Es waren in Schale neun und in Lengerich etwa 12 mutige Männer. Im Februar 1930 fasste der Nationalsozialismus dann Fuß in dem im östlichen Kreis gelegenen Städtchen Westercappeln und in der im Südosten gelegenen Gemeinde Lienen, die nach der Machtübernahme dann den Führer als Ehrenbürger begrüßte. Jetzt, nachdem in den einzelnen Gebieten des Kreises in die schwarze, rote oder reaktionäre Front eine Bresche geschlagen war, begann erst recht der Kampf, der als ein Kampf aller gegen einen bezeichnet werden kann. Den schlimmsten Verleumdungen der gemeinsten Hetze, dem Boykott, kurz allen Arten der Verfolgungen waren die nur wenigen Männer, die dem Führer die Treue geschworen hatten, ausgesetzt. Doch nichts brachte die einmal zum Führer gestoßenen Männer zum Wanken. Treue und Gehorsam hatten sie der Fahne geschworen, Treue und Gehorsam hielten sie ihr. Fast Unmenschliches mussten die ersten Parteigenossen leisten in dem Wahlkampf zu den Reichstagswahlen am 14.9.1930. Hatte die NSDAP im Kreise Tecklenburg bei der Reichstagswahl am 20.5.1928 eine Stimmenzahl von 310 erreicht, so wurde diese Zahl durch die Tag und Nacht dauernde Arbeit der Getreuen der Bewegung bei der Reichtagswahl am 14.9.1930 auf 4776 Stimmen erhöht. Ein gewaltiger Erfolg war errungen. Doch jetzt begann der Kampf gegen diejenigen, die sich unter der Hakenkreuzfahne zusammengefunden, noch härter zu werden. Alles Anrennen gegen diese musste scheitern und scheiterte an der Geschlossenheit dieser Schar. Der Kampf um jeden einzelnen Volksgenossen ließ die wenigen Parteigenossen nicht zur Ruhe kommen. Versammlung auf Versammlung wurde durchgeführt, namhafte Redner wurden eingesetzt, kein Mittel der Propaganda blieb unversucht, den einzelnen Volksgenossen zu gewinnen und die Bevölkerung aufzuklären.



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Doch auch die Kommunisten (KPD) hatten bei der Reichstagswahl 1930 rund 1300 Stimmen erreicht und setzten ebenfalls an, wie alle anderen bestehenden Parteien, gegen die NSDAP zu kämpfen. Von der Art des Kampfes der KPD zeugt die Ende 1930 bei Brunsmann in Lengerich-Intrup stattgefundene Saalschlacht, bei der die etwa anwesenden in 15 Parteigenossen und SA- Männer mit Hilfe hinzugezogener SS die Kommunisten dermaßen schlugen, dass sie die Lust verloren, weiterhin zu versuchen, nationalsozialistische Versammlungen zu sprengen. In den Orten Schale, Westercappeln und Lienen hatte der Nationalsozialismus derart Fuß gefasst, dass im Kreise und weit darüber hinaus diese Gemeinden schon Ende 1930 als Hochburgen des Nationalsozialismus bekannt und von den Gegnern der Partei gefürchtet waren.
Das Jahr 1931 kann als das Jahr des Ringens und Kampfes um jeden einzeln deutschen Menschen bezeichnet werden. Jeder, der im ganzen Kreise verstreut wohnenden Parteigenossen (Stand Ende 1930) sah es als seine Pflicht an, in diesem Ringen sein Äußerstes herzugeben. Keine Zeit, kein Geld wurde gescheut, dieses Ringen durchzuführen. Ungeheure Opfer mussten diese Parteigenossen bringen. Infolge ihrer Einstellung verloren sie ihre Arbeit, sie selbst und ihre Familien litten Hunger und Not. Tag und Nacht waren sie unterwegs im Kampf um Deutschland den schlimmsten Verleumdungen der Gegner ausgesetzt, Strafmandate und Prozesse nicht scheuend. Diese Zeit formte einen Menschen, der jeglichen Kampf bestand. Der Erfolg dieses Ringens war ein gewaltiger, hat sich doch die Zahl der Parteigenossen in diesem Jahre verdoppelt und dann folgte das Jahr der Wahl 1932. Fast Unmenschliches musste die Gefolgschaft des Führers in diesem Jahr leiten. Das ganze Jahr hindurch währte dieser Kampf, Tausende von Versammlungen wurden abgehalten in den stattgefunden Wahlkämpfen. Wochenlang waren die Kämpfer unterwegs, die Volksgenossen aufzurütteln und aufzuklären und für den Nationalsozialismus zu gewinnen.



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Kampf hieß die Parole. Jeder der bestehenden Ortsgruppen hatte 3-4 Orte zu bearbeiten. Der Kampf verschärfte sich, jeder wusste, dass die Entscheidung nahte und dass der Führer den Sieg erringen würde. Mit dieser festen Zuversicht wurde jeder aufgezwungene Wahlkampf aufgenommen und durchgeführt und jede Wahl war ein gewaltiger Erfolg der Arbeit unserer Parteigenossen. So wurden schon bei der Reichstagswahl am 31. 7.1932 allein 11.146 Stimmen für die NSDAP abgegeben von insgesamt 35.109 Stimmen, also fast der dritte Teil aller Stimmen. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass bei dieser Reichtagswahl 45 Parteien vorgaben, das deutsche Volk zu retten. Stahlhart wurden die Männer der Partei durch diesen Kampf, stahlhart mussten sie sein, um schwere Stunden, die über die Partei kamen, ertragen zu können. Es kam der 13. August, es kam der Abfall Gregor Strassers, harte Tage, in der die Geschlossenheit der Partei eine schwere Probe zu bestehen hatte. Die Partei bestand sie, nur wenige verzagten, noch weniger fielen ab. Doch die Einheit der Partei wurde gefestigt. Mit frischem Mut ging es ins Jahr 1933, welches das Jahr des endgültigen Sieges der Partei und damit des Führers wurde. Es kam die Lipper Wahl am 15.1.1933, die zu einem gewaltigen Erfolge wurde und an dem auch Parteigenossen und SA-Männer aus unserem Kreise teilnahmen. Es erfüllt uns mit stolzer Freude, dass ein zu unserem Gaugebiet gehörendes Land dem sterbenden System den letzten Schlag versetzen konnte. Dann kam der 30. Januar 1933. Für uns war eines Gewissheit geworden, die erste Stufe des Kampfes ist erreicht. Jetzt geht es in Deutschland aufwärts. Der Kampf wird weitergeführt und er ist weitergeführt worden bis auf den heutigen Tag, vielleicht mit dem einzigen Unterschied, dass die Verleumdungen und Verfolgungen unserer Parteigenossen aufhörten. Ungeheure, große Aufgaben harrten der Lösung. Mutig ging die Partei ans Werk. Ihr ist es zu danken, dass auch hier im Kreise so Unendliches geschaffen wurde. Die dringendste Aufgabe war die Beseitigung der Arbeitslosigkeit im Kreise. Bei der Machtübernahme hatten wir im Kreise Tecklenburg eine ungeheuer große Zahl von arbeitslosen Volksgenossen. Es war jedoch den vereinten Anstrengungen der Partei und der zuständigen Behörden möglich, diese Zahl bis Ende 1935 ganz gewaltig herabzudrücken und nun hoffen wir, dass bald der Tag kommen wird, an dem wird die Arbeitslosigkeit im Kreise Tecklenburg ganz beseitigt haben werden.



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Über die Arbeitsbeschaffung selbst wird an anderer Stelle dieser Schrift berichtet. Es ist die Aufgabe der Partei, auch den letzten deutschen Volksgenossen zu gewinnen. Diese eine schwere, aber doch große Aufgabe, erreichen wir, wenn die Partei und ihre sämtlichen Gliederungen wie ein Block, wie eine verschworenen Gemeinschaft zusammenstehen und zusammenarbeiten. Dieses war bisher der Fall und wird auch weiterhin der Fall sein. Wenn wir abschließend zurückblicken auf die Kampfzeit vor der Machtübernahme und nach derselben bis auf den heutigen Tag, und dann feststellen können, dass bisher ganz gewaltige Leistungen vollbracht sind, so wissen wir eines, dass dieses uns nur ermöglicht war, weil an der Spitze des Vaterlandes jetzt der Mann steht, dem allein es gelungen ist, Deutschland von dem ungeheuren Abgrund, vor dem es sich 1933 befand, zurückzureißen. Ihm, unserem Führer verdanken wir alles, durch ihn sind wir alles und all unser Tun und Handeln stellen wir in Zukunft unter das Wort der Führers:

Kapituliere niemals!


Hans Rickmers, der vor der Feldherrenhalle gefallene Freiheitskämpfer der Bewegung Im Weltkriege kämpfte er in Kurland, Litauen, Galizien und an der Westfront; als Freiheitskämpfer war er nach dem Kriege ein treuer und begeisterter Gefolgsmann des Führers. Am 9. November 1923 ließ er vor der Feldherrenhalle sein Leben für Deutschland. Seine Asche ruhte auf dem Gut Vortlage (Lengerich) und wurde 1935 zum 9. November in die Ehrenhalle in München überführt.



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Die Aufgaben der Organisation
Von Kreisorganisationsleiter Wessel Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei umfasst in der Partei selbst die geschworene Gemeinde des Führers und betreut in ihrer Organisation und angeschlossenen Verbänden das ganze deutsche Volk. Ein Vergleich mit früheren Parteien ist nicht möglich, weil all diese und die ehemaligen Verbände nur immer Teile des deutschen Volkes umfassten (Stände, Berufe, Klassen usw.), während die NSDAP der Führerorden zur Führung und Betreuung des gesamten Volkes in nationalsozialistischer Gemeinschaft ist.
Deshalb ist die NSDAP so organisiert, dass sie das ganze Volk in allen Lebensäußerungen erfasst. Die Hoheitsträger der Partei - Stützpunktleiter, Ortsgruppen-, Kreis- und Gauleiter - sind für alles Leben in Ihren Hoheitsgebieten - Gemeinden, Kreis, Gaugebiet - genau so verantwortlich, wie der Führer für das ganze deutsche Volk. Wie der Führer für die einzelnen Aufgaben verantwortliche Minister zur Seite hat, sind die Amtsleiter der Partei den Hoheitsträgern für eine restlose Erfüllung der gestellten Aufgaben verantwortlich.
Das Ziel und den Weg hat der Führer festgelegt - die Schaffung und Erhaltung der nationalsozialistischen Volks- und Staatsgemeinschaft. Die Kraft zur Lösung der gestellten Aufgaben schöpft die Parteigenossenschaft aus dem Glauben und der Treue zum Führer und seiner nationalsozialistischen Weltanschauung. Die Erfüllung der Aufgaben geschieht in der ständigen und innigen Verbindung mit dem ganzen Volke. Darum ist jede Wohngemeinschaft erfasst durch Blocks und Zellen der Partei und ihrer Organisationen. Erst wenn jede Wohngemeinschaft zu einem nationalsozialistischen Block und dann weiter zur Zelle, Ortsgruppe, Kreis und Gau geworden ist, steht die nationalsozialistische Volks- und Staatsgemeinschaft.
Männer und Frauen, Kameraden, wir sind als Nationalsozialisten zutiefst erfüllt von der Größe unserer Zeit und von der Gewaltigkeit unserer Aufgaben. Und schon vor der Machtübernahme haben die wenigen Kämpfer den Grundstein für den organisatorischen Aufbau gelegt, wie es heute im Kreise geworden ist und weiter sich gestalten wird. Einige Kameraden waren es früher, zumeist SA-Männer. Daneben wurde schon damals jeder mit einer besonderen Aufgabe betraut, sei es als Block- oder Zellenwart, NSBO-Ortsleiter oder sonstiger Träger eines wichtigen Amtes. 1933 setzte nun schlagartig die Organisations- und Aufbauarbeit im ganzen Kreise ein. Oben vom Schafberge aus, der damaligen Wohnung unseres Kreisleiters, (Knolle) wurden die Probleme in Angriff genommen. Nur wenigen ist bekannt, wie dort die ganze Wohnung Parteibüro war und in nächtelanger Arbeit Schritt für Schritt unsere heutige Organisation über den ganzen Kreis gespannt wurde. Ibbenbüren war schon vor der Machtübernahme die Zentrale für den Kreis. Hier in Ibbenbüren lebte und lebt heute und immer die Partei im engsten Zusammenhang mit allen Berufsschichten des Volkes. Der Kreisleiter an der Spitze bestimmte Ziel und Marschtempo. In ungeheurem Tempo entstanden die ganzen Amtsleitungen in der Zentrale Ibbenbüren. Mit einigen Ausnahmen blieben sämtliche Amtsleitungen am Orte, um enges und bestes Zusammenarbeiten zu garantieren. Gleichzeitig wurden in allen Gemeinden des Kreises Ortsgruppen und Stützpunkte mit allen erforderlichen Ämtern und entsprechenden Mitarbeitern aufgezogen. So haben wir heute im Kreise 22 Ortsgruppen und Stützpunkte der NSDAP.



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Wahrlich keine kleine Aufgabe, wenn man weiß und bedenkt, wie täglich unzählige Volksgenossen noch die Kreisleitung in allen Fragen um Beratung und Hilfe aufsuchen. Freudig dürfen wir bekennen - und manche Volksgenossen bezeugen es - das viele mit neuem Mut, Glauben und Hilfe in den Alltag zurückkehrten. Dass bei dieser unerhörten Aufgabensetzung Fehler gemacht worden sind und gemacht werden mussten, ist klar. Ebenso klar aber auch ist allen einsichtigen Volksgenossen, mit welcher klaren Entschiedenheit diese Fehler bekämpft und beseitigt worden sind oder noch beseitigt werden. Als dann der Kreisleiter in die Stadt zog, erhielten wir endlich unser jetziges Parteibüro. Der nächste Schritt und die große Aufgabe ist es nun, alle Ämter, Gliederungen und Formationen in einem Gebäude zu vereinen, um so in engster Zusammenarbeit besser den gestellten Aufgaben gerecht werden zu können. Nichts für uns, alles für Deutschland und unseren herrlichen Führer
Adolf Hitler!

Die SA des Kreises Tecklenburg
Bis in die Jahre 1928 reichen die Anfänge der SA des Kreises Tecklenburg. Zu der Entwicklung der SA tauchen immer wieder die Namen der Männer auf, die an ihrer Wiege standen, der Name des Gruppenführers Dr. Marxer, des Standartenführers Dr. Apfelstaedt, des Standartenführers Wilhelm Nitschke und des alten Kämpfers Otto Ehlers.
Es ist schon so, und wir Sturmsoldaten des neuen Deutschlands sind dafür lebendige Zeugen: Der Glaube war die Voraussetzung für den Kampf, den wir begannen in Not und Knechtschaft und Armseligkeit im Tecklenburger Land, der Glaube war erster und letzter Meilenstein unseres Sieges. Denn dieser Glaube allein barg den Sieg in sich. Der Glaube an Adolf Hitler ließ uns das Banner der Freiheit entrollen. Wir gedenken in diesem Zusammenhang in Ehrfurcht der verstorbenen SA-Männer "Erich Knolle, Georg Wiethölter, Heinrich Knüppe und Hubert Hoffmann". Sie waren Kämpfer für die Idee des Nationalsozialismus und für das neue Deutschland. In langsamer, aber steter Weiterentwicklung wuchsen die braunen Stürme des Tecklenburger Landes. Die Entwicklung der SA von den wenigen Sturmsoldaten des Jahres 1928 bis zur heutigen Stärke stellt den ungeheuren Durchbruch der revolutionären Idee dar. Die Verfolgung des Nationalsozialismus durch das seinerzeitige System ballte in den Kampfjahren die SA-Männer nur fester zusammen. Stein auf Stein wurde zum Aufbau herbei getragen, um in den kommenden Jahren den Endkampf siegreich zu bestehen. Zart und unbeugsam, mit geradezu verbissener Energie, kämpften Führer und Männer in den Notjahren bis zum endgültigen Siege. Niemals dürfen und sollen die Taten verwässert werden.
Mit dem 30. Januar des Jahres 1933 hatte die Idee ihre Organisationsform gefunden: den Staat. Damit war die erste Etappe des aufopfernden und revolutionären Kampfes des SA beendet. Die Aufgaben der SA sind damit noch nicht erfüllt. Der Kampf um Deutschland geht weiter.



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Die SA hat nur einen Zweck, nur ein Ziel: Das nationalsozialistische Deutschland. Sie empfängt das Gesetz ihres Seins von dem Führer des neuen Deutschlands und ihre Befehle von dessen Stabschef Viktor Lutze. Und in der Person des Stabchefs Lutze liegt die Gewähr, dass die braunen Sturmsoldaten niemals eigene politische Wege gehen, immer in eisernem Gehorsam gegen den Führer Adolf Hitler den Weg der deutschen Revolution weitermarschieren werden. Selbstzucht und Gehorsam, Treue und Gemeinsinn, Volksverbundenheit und Opferbereitschaft sind der unlösbare Kitt der SA, sind die Hochziele des Nationalsozialismus. Das Wort ist nichts. Das Beispiel ist alles. Die Tat ist stumm. Und der Dienst der SA ist namenlos. Der SA-Mann wird immer derselbe bleiben, er wird leben, und wenn es der Führer will, auch sterben für Deutschland.

Aus der Geschichte des 2. SS-Sturms, 19. SS-Standarte Ibbenbüren
Die Schutzstaffel der NSDAP, kurz SS genannt, wurde im Jahre 1925 ins Leben gerufen. Es war eine vollkommen neue Kampftruppe, die zum ersten Male im folgenden Jahre ihren Dienst versah. Die erste Schutzstaffel wurde in München aufgestellt. Als weitere Standorte folgten viele größere Städte Bayerns, dann Schlesiens usw. Späterhin hatten alle größeren Städte unseres Vaterlandes ihre Schutzstaffel, wenn auch noch sehr klein, jedoch schlagkräftig.
Nach dem Ausspruch unseres Führers: "Terror bricht Terror" wurde die Schutzstaffel da eingesetzt, wo der Marxismus und Bolschewismus in Deutschland wüteten, also immer da, wo es auf den Einsatz besonders ankam. Ihre Hauptaufgaben bestanden darin, Versammlungsredner und Führer der Bewegung zu beschützen, bei Umzügen dessen Spitze und Schluß zu sichern.
Am 1. August 1931 wurde in Münster eine Schutzstaffel durch den SS-Standartenführer Prützmann gegründet. Jedoch hatte dieser Trupp keine lange Lebensdauer. Nunmehr wurde der SS-Mann Pg. (Parteigenosse) August Flasche beauftragt, einen neuen Sturm in Münster aufzustellen. Einige Zeit später konnte dieser seinem Standartenführer einen stabilen Sturm in Münster vorführen. Im Juli 1932 wurde dann in Ibbenbüren die SS von den Pgg. Ehlers und Scheidt aufgezogen. Es waren zuerst 6 Männer, die den SS-Dienst versahen, bis dann im Januar 1933 der Trupp eine ungefähre Stärke von 20 Mann hatte.
Ein sehr harter Dienst begann - der Trupp wuchs - die Ausbildung war gut. Es entstand der Trupp 6/1/II/19. Nunmehr wurden auch in Lengerich, Westerkappeln usw. durch den Truppführer Scheidt weitere SS-Scharen aufgezogen, so dass im August 1933 - 126 SS-Männer einschließlich Anwärter dem SS-Sturmbann in Münster gemeldet werden konnten.



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So entstand im Anfang des Jahres 1934 der SS-Sturm 2/I/19. Es erwies sich aber, dass in unseren Reihen ein Teil der Männer wieder aufgestellt werden musste, da sie ihren Dienst nicht so versahen, wie es von einem SS-Mann unbedingt verlangt wird. Andererseits aber kann es sich der hiesige Sturm zur Ehre anrechnen, dass aus seinen Reihen fünf Männer in die Leibstandarte "Adolf Hitler" aufgenommen wurden. Sieben Männer waren 1933 zum Konzentrationslager Börger Moor abkommandiert. Auch wurden einige Männer später in das Feldjägerkorps bzw. in die Bereitschaften der SS eingereiht. Die jetzige Stärke des Sturmes beträgt 80 SS-Männer einschl. Unterführer, dazu kommen noch 32 Anwärter.
Heute und in aller Zukunft wird der SS-Sturm 2/19 sich mit aller Hingabe und Kraft dem Führer zur Verfügung stellen. Dem Führer haben wir uns verschrieben, ihm folgen wir!
Unsere Ehre heißt Treue!
(Aus Adolf Hitler: "Mein Kampf") ..und wieder hat gerade die nationalsozialistische Bewegung ihre gewaltige Aufgabe zu erfüllen: Sie muss dem Volke das Auge öffnen über die fremden Nationen und muss den wahren Feind unserer heutigen Welt immer und immer wieder in Erinnerung bringen. An Stelle des Hasses gegen Arier, von denen uns fast alles trennen kann, mit denen uns jedoch gemeinsames Blut oder die große Linie einer zusammengehörigen Kultur verbindet, muss Sie den bösen Feind der Menschheit, als den wirklichen Urheber allen Leides, dem allgemeinen Zorne weihen. Sorgen aber muss Sie dafür, dass wenigstens in unserem Lande der tödliche Gegner erkannt und der Kampf gegen ihn als leuchtendes Zeichen einer lichteren Zeit auch den anderen Völkern den Weg weisen möge zum Heil einer ringenden arischen Menschheit. Im Übrigen mag dann die Vernunft unsere Leiterin sein, der Wille unsere Kraft. Die heilige Pflicht, so zu handeln, gebe uns Beharrlichkeit, und höchster Schirmherr bleibe unser Glaube.



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Einmal…….
Einmal muss die Stunde kommen, einmal müssen wir der Ahnen höchsten Sehnsuchtstraum vollenden und die Schmach in Ehre wenden!

Wappen der westfälichen. HJ
Wir rufen…
zur Tugend des großen Gehorsams……
und fordern einen gesunden Geist im gesunden Körper!


Als 1918 die deutschen Truppen geschlagen, aber unbesiegt über den Rhein zurückkehrten, da hatte es den Anschein, als seien die Opfer der 2 Millionen Toten umsonst gewesen, als sei das deutsche Reich nun endgültig zerbrochen. Doch nein! - Das Beispiel der heldischen Jugend von Langemark verpflichtete und forderte! Noch gab es im Reich einen Mann, der auf sich und das Volk vertraute. Diesem verschrieben sich junge Menschen, die gewillt waren, das im Frieden fortzusetzen, was ihre Väter und Brüder draußen an der Front erlebt hatten, die Kameradschaft ohne Standes- und Klassenunterschiede, das Sich - Aufopfern für die Gemeinschaft und die bindungslose Unterordnung. Hieraus erwuchs die HJ, bedingungslos stellt sie sich hinter den Mann, der ihr nicht nur den Namen, sondern auch die Idee gab.
Diese Jugend ist beseelt von dem Willen zur Leistung und dem Glauben an den Führer. Hitlerjungen und Jungvolk-Jungen wollen und werden den deutschen Jungen zum Kerl erziehen. Der Bund deutscher Mädel und die Jungmädel werden einmal die Mütter von morgen sein und garantieren damit den Bestand des Volkes.



Seite 20


So wird des Führers Wort wahr werden:

In Euch wird Deutschland weiterleben, und wenn von uns nichts mehr sein wird, dann werdet ihr die Fahne, die wir aus dem Nichts hochgezogen haben, in Euren Fäusten halten müssen.


Die NS-Frauenschaft
Von Kreisfrauenschafts-Leiterin Erpenbeck Die Organisation der NS-Frauenschaft im Kreise Tecklenburg nahm ihren Anfang von Lengerich aus. Dort wurde die erste Frauenschaft am 4.1.1931 mit 7 Mitgliedern gegründet. Langsam, Schritt für Schritt, wurde nun in mühevoller Kleinarbeit vorgedrungen. Es galt an allen Orten des Kreises Mitarbeiterinnen zu finden und in ihnen Mitkämpferinnen für das Dritte Reich. Mit der Führung der Frauenschaft des Kreises wurde die jetzige Kreisfrauenschafts-Leiterin am 1.2.1932 beauftragt. Es folgten zunächst die Frauenschaften in Ibbenbüren, Lienen, Brochterbeck und Westercappeln, so dass wir bei der Machtübernahme 1933 im Kreise 9 Ortsgruppen der NS-Frauenschaft stehen hatten. Nicht durch wilde Werbung von Mitläuferinnen haben wir unsere Organisation belastet, sondern langsam und stetig wachsend an Zahl einsatzbereiter Mitarbeiterinnen haben wir unsere Frauenschaft aufgebaut.
Es war außerordentlich schwierig, in unserem Kreise mit seiner stark konservativen Landbevölkerung und seinen marxistisch verhetzten und in Konfessionen gespaltenen Bewohnern weiterzukommen. Die Tätigkeit der Mitglieder bestand damals vorwiegend in der Werbung für die Bewegung von Mund zu Mund und in der Unterstützung hilfsbedürftiger SA-Männer und Parteigenossen. Unsere Aufgabe war, die Partei, besonders die SA, in ihrem harten Kampfe zu unterstützen. Wir sorgten für Verpflegung bei den Aufmärschen der SA, sowie für Einkleidung der minderbemittelten Kämpfer. Der verstorbene Gau-Hilfswart rief uns Frauen im Herbst 1931 zur Hilfe bei der Beschaffung von Lebensmitteln für Volksküchen unserer arbeitslosen SA-Männer im Ruhrgebiet und deren Angehörige. Auch die Beschaffung von Ferienstellen und längeren Erholungsaufenthalten bedürftiger Kinder wurde uns aufgegeben. Gern folgten wir diesem Rufe. So organisierte die NS-Frauenschaft sofort nach ihrer Gründung in engster Zusammenarbeit mit dem Kreishilfswart der Partei die Einrichtung einer Volksküche, in der täglich 57 - 86 Volksgenossen verpflegt wurden. Die gesamte Arbeit wurde 4 ½ Monate im Winter 1931/32 von der Frauenschaft ehrenamtlich geleistet. Es wurden seitens der Frauenschaft im Jahre 1933 - 69 hungrige Kinder aus dem Ruhrgebiet für je 3 Monate untergebracht und für gänzliche Einkleidung gesorgt, sowie im Jahre 1933, bevor es eine NSV (NS-Volkswohlfahrt) gab, bereits Ferienstellen für 870 Kinder geschafft und auch für die Einkleidung dieser Kinder gesorgt.
Nach der Machtübernahme änderte sich unser Arbeitsgebiet und nun konnten wir uns mehr als vorher unseren Sozialgebieten widmen. Die weltanschauliche Schulung und die Festigung unserer Mitglieder stehen im Vordergrunde unserer Arbeit und werden systematisch betrieben. Bereits 69 Mitarbeiterinnen konnten in unserer Gauführerinnenschule eine weltanschauliche Ausrichtung erfahren. Im Herbst 1933 übernahm die NS-Frauenschaft die damals brachliegende Haushaltungsschule in Lienen. Seit der Gründung der Abteilung Volkswirtschaft-Hauswirtschaft im Jahre 1934 ist diese Abteilung in allen Ortsgruppen eingerichtet und arbeitet dort in volkswirtschaftlichem Sinne zur Ertüchtigung der deutschen Hausfrau.



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Der von unserer Reichsführerin im Deutschen Frauenwerk eingerichtete Reichsmütterdienst arbeitet im Kreise seit Herbst 1934 und wird in der Hauptsache von der NS-Frauenschaft getragen. Es gingen durch diese Kurse bisher 865 Teilnehmerinnen. In der im Jahre 1933 ins Leben gerufenen NSV und dem WHW (Winterhilfswerk) setzte seitens der Frauenschaft in allen Orten des Kreises eine rege und stramm organisierte Mitarbeit ein.
Am 1.12.1934 war die Organisation der NS-Frauenschaft bis in den letzten Block im Kreise durchorganisiert und wuchs die kleine Schar von 7 Mitgliedern bei der Gründung 1931 auf 2047 im Jahre 1935. Wir sind stolz darauf, in unseren Mitgliedern nicht eine große Schar von Mitläuferinnen zu haben, sondern jede von uns ist Mitkämpferin für den Nationalsozialismus.


Die Deutsche Arbeitsfront
Von Kreiswalter Hölscher


 

Es gibt viele Tausende unter uns, die die Achtung vor dem einzelnen abhängig machen wollen von der Art jener Arbeit, die er verrichtet. Nein, nicht was er schafft, sondern wie er schafft, das muss entscheidend sein.
Adolf Hitler
   
Die Arbeit sei unsere Ehre, die Leistung allein unterscheide den einen vom anderen.
Dr. Robert Ley.
 

Die Idee der Deutschen Arbeitsfront (DAF) ist eine weltanschaulich-nationalsozialistische und damit ein Resultat des nationalsozialistischen Programms. Während die Gewerkschaften früher ihr Können und ihr Wollen darin erschöpften, ihre Renten zu zahlen und ganz früher einmal Spitzenleistungen durch die Entfesselung von Streits beweisen zu müssen glaubten, tritt die Deutsche Arbeitsfront mit Leistungen in Erscheinung, die in ihrer Mannigfaltigkeit und in ihrem Umfang schon längst die Beachtung der ganzen Welt gefunden haben. Da alle Volksgenossen Arbeiter in der Gemeinschaft "Deutschlands" sein wollen, so musste die Volksgemeinschaft primär in der Deutschen Arbeitsfront verankert sein. Volksgemeinschaftlich verbunden, leistungsgemeinschaftlich ge- und verwertet, ist es leichter möglich, den Schaffenden den sozialen Ausgleich zu verschaffen, denn der hieraus sich ergebende Arbeits- und Leistungsmehrertrag macht jegliche Sozialforderung erst erfüllbar. Die Deutsche Arbeitsfront hat daher eifersüchtig darüber zu wachen, dass Ungerechtigkeit, willkürlich oder unwillkürlich hervorgerufen, keinesfalls Platz greift, weil diese nur Lagen schafft, die zum Streit führen und damit zum Minderertrag. Die Arbeitsfront fördert daher alles, was der Arbeitsfreudigkeit dient. So bemüht sie sich um Schönheit, das ist Verbesserung des Arbeitsplatzes ebenso sehr, wie um die Schaffung menschenwürdiger Arbeitsmethoden. Um die gerechte Entlohnung bemüht sie sich ebenso wie um achtungsvolle Behandlung. Reiten, Wandern, Theater, Film, Rundfunk, Sport aller Art, das sind Dinge und Begriffe, die den breiten Massen nahe gelegt wurden und täglich zum Erlebnis werden. Nicht ins Büßertum stoßen wir unser Volk, sondern in ein frohes und kraftvolles Arbeitertum führen wir es.



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3 Jahre NS-Volkswohlfahrt! - 3mal WHW.
Von Kreisamtsleiter Wiemerslage. Die NSV (Volkswohlfahrt) ist ein Wert der Liebe, denn sie ist entstanden aus dem Grundsatz der Nächstenliebe. Die Arbeit in der NSV ist in der Durchführung ein scharfer und bestimmter Angriff auf Elend und Not unserer hilfsbedürftigen Volksgenossen und hat als unverrückbares Ziel, allen Jammer im deutschen Volke auszurotten. Wir wissen längst, dass es heute nicht mehr so ist, wie in früheren Zeiten, in denen die politischen Maßnahmen für unser Volk einigen Männern "in Amt und Würden" allein zur Durchführung überlassen blieben. Die politischen Maßnahmen unserer Zeit und unseres nationalsozialistischen Staates sind Maßnahmen, die vom ganzen deutschen Volke getragen werden und demgemäß auf das ganze deutsche Volk gerichtet sind. Wie viel Volksgenossen haben vor drei Jahren, als im Mai 1933 der Führer die NS-Volkswohlfahrt ins Leben rief und als im Herbst das WHW 1933/34 in Angriff genommen wurde, "innerlich" darüber gelacht und gesagt, dass dies niemals etwas werden und nie so viel zusammen kommen würde, um durchgreifend helfen zu können. Diese Volksgenossen waren eben damals noch gar nicht daran gewöhnt, im Nationalsozialismus eine Macht zu sehen, die es mit allem, was sie vorhat, ernst nimmt. Und der Nationalsozialismus bekam Recht. Unser Führer machte das ganze Volk gegen den Kampf mobil, und das Werk gelang bis jetzt voll und ganz über aller Erwartung hinaus. Tausenden von hilfsbedürftigen Volksgenossen konnte auch in unserem Kreise durch gebefreudige Spender und mühevoller Arbeit der NSV - Helfer und -Helferinnen geholfen werden.
Vielen wurde der Glaube an das Reich erhalten, denen durch die Kraft der nationalsozialistischen Staatsführung noch keine Arbeitsplätze gesichert werden konnten, so das sie ohne die Fürsorge und liebevolle Anteilnahme ihrer Volksgenossen sich vielleicht übergangen gefühlt hätten. Aber wir haben an sie gedacht; wir haben ihnen vor Augen geführt, das es dem heutigen Reiche mit dem Sozialismus ernst ist, d.h., dass das heutige Reich jeden, der in seinen Grenzen wohnt, zu sich rechnet, und dass es keinen der Beachtung für nicht würdig und der Anteilnahme für unwert hält, der mit den Gütern dieser Erde nicht gesegnet ist, denn es wird jetzt der Mitmensch oder Volksgenosse nicht nach seinem Geldbeutel bewertet. Alle sind uns gleich wert und teuer, wenn sie ehrlich gewillt sind, den Führer und sein Werk anzuerkennen und dafür zu kämpfen. Das ganze Volk will und soll dem Volke helfen; nicht die Reichen den Armen. Wir alle wollen helfen, wir wollen das Gefühl erzeugen, dass wir alle eins sind. "Wir wollen nicht mit leiden, sondern vielmehr mitkämpfen." Wer sein Volk liebt, beweist es einzig durch die Opfer, die er für dieses zu bringen bereit ist. Wir wollen jedem Hilfsbedürftigen im Volke die Sicherheit geben und ihm das Gefühl schenken, dass er nicht verlassen ist. Bei all unserem Tun kommt es auf den Geist - auf die Gesinnung an, mit der unsere Arbeit erfüllt und mit der sie von unseren Volksgenossen aufgenommen wird. Die Erziehung zu einer wahrhaft sozialen Gesinnung ist mit die Hauptaufgabe unserer Arbeit in der NSV. Durch alle Spenden sollen gewiss zunächst einmal Mittel zu tätiger Hilfe aufgebracht werden, aber sie sollen zugleich nach dem Willen unseres Führers vor allem den Hilfsbedürftigen unseres Volkes zeigen, dass das ganze deutsche Volk mit ihnen fühlt und alle Volksgenossen zu einer einzigen Schicksalsgemeinschaft verbunden sind.



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Das nationalsozialistische Deutschland will, dass das deutsche Volk in Wirklichkeit ein Volk werde. Wenn das erreicht ist, dann liebt auch jeder deutscher Volksgenosse diese Gemeinschaft, dann fühlt er sich in ihr wohl, weil er sieht, dass er in ihr gebraucht wird, und dass es ohne ihn nicht geht. Arbeit in der NSV ist Kampf. Die Pflicht ist es, die uns alle ohne Ausnahme zu diesem Kampfe ruft. Deutsche Volksgenossen in Not, heißt für uns: Wir helfen! Die Arbeit in der NSV ist ein Barometer für unsere innere Überzeugung und ein Prüfstein unseres Gemeinschaftssinnes. Das Bestreben eines jeden Volksgenossen soll es sein, daran zu arbeiten, dass der Opfersinn im deutschen Volke noch gesteigert und der Erfolg in der NSV noch größer wird als in den drei verflossenen Jahren, damit die ganze Welt sieht, dass das deutsche Volk es doch schafft.
In dem Sinne wollen wir alle nach dem großen Vorbild unseres Führers mitkämpfen, denn: Wer nicht streiten will in dieser Welt des ewigen Ringens, verdient das Leben nicht.


Das Handwerk im Kreise Tecklenburg
Was handwerkliches Schaffen, was Handwerksfleiß und Handwerkskunst vermögen, dafür finden wir in unserem schönen Heimatkreis lebendige Zeugen aus Vergangenheit und Gegenwart. Nicht unbeteiligt war unser Handwerk an der geistigen, kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung des Kreises. Trotz aller Wechselfälle des politischen und wirtschaftlichen Lebens ist der Kern des ehrsamen Handwerks immer gesund geblieben. Und doch - noch vor einigen Jahren war die Zukunft unseres Handwerks dunkel. Der Niederbruch Deutschlands auf allen Gebieten, vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht, drohte auch dem Handwerk zum Verderben zu gereichen. Was Industrialisierung und Mechanisierung nicht vermocht hatten, den Niedergang eines Berufsstandes herbeizuführen, die 14 Jahre Nachkriegszeit konnten es fertig bringen. Das Lied der Hände Arbeit drohte zu verstummen. Die Werkstätten wurden leer, die Nöte immer größer. Das Handwerk fing an, an seinem Geschick und am Geschicke seines Volkes zu verzweifeln. Bis - ja, bis mit dem neuen Reich ein neuer Geist, ein neuer Wille einzog. Dieser Geist, dieser Wille, von einem Manne, einem Führer geprägt, hat es vermocht, Volk und Vaterland und damit das Handwerk vom Abgrund zurückzureißen. Nicht allein, dass dem Handwerk durch eine folgerichtige Gesetzgebung wieder das Ansehen und damit die Ehre verliehen wurde, die ihm auf Grund der Geschichte, sowie seiner stolzen Tradition zukam, sondern, dass ihm mit allen den Maßnahmen die Möglichkeit des Wiederaufstieges gegeben wurde. Unser mit Heimat und Scholle so eng verbundenes Handwerk hat jetzt wieder eine Zukunft, hat jetzt wieder die Möglichkeit, mit seinem Schaffen, seinem Können das alte Sprichwort wahr machen zu helfen: "Handwerk hat goldenen Boden". Gemeingeist sei der Leitfaden allen Schaffens, zu Nutz und Frommen unseres Vaterlandes.
Welchen Raum das Handwerk innerhalb des Wirtschaftslebens unseres Kreises einnimmt, zeigen folgende Zahlen: Die Zahl der Handwerksbetriebe beträgt 1885 Betriebe. In diesen Betrieben werden an Gesellen, Lehrlingen und Hilfskräften 1836 Personen beschäftigt.
"Gott segne das ehrsame Handwerk!"



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Der Reichsarbeitsdienst im Kreise Tecklenburg
Ein grundlegender Bestandteil des nationalsozialistischen Ideengutes ist die Verankerung der deutschen Seele im deutschen Grund und Boden. Den sichtbaren Ausdruck findet dieser Gedanke im deutschen Arbeitssoldaten. Dieser unterliegt im Reichsarbeitsdienst (RAD) eine kurze Spanne seines Lebens eindringlichst den Wechselwirkungen zwischen Blut und Boden, die in Jahrtausenden dem Menschen in unseren Gauen sein deutsches Gesicht und seine deutsche Seele aufgeprägt haben. Mensch und Boden werden im Reichsarbeitsdienst in gleicher Weise der völkischen Entwicklung erschlossen. Im Kreise Tecklenburg bestanden, wie überall in Deutschland, auch schon vor der Machtergreifung durch den Führer Arbeitslager, für welche die verschiedensten Organisationen als Träger des Dienstes verantwortlich zeichneten. Aber ebenso wie in der inneren Politik die Vielheit der politischen Richtungen und Interessen die gesunde Entwicklung hemmten und beseitigt werden mussten, so musste notgedrungen auch im engeren Kreise eine planmäßige Zusammenfassung der Kräfte erfolgen. Im dritten Reich musste der Arbeitsdienst innerlich und äußerlich als eine Ausdrucksform der nationalsozialistischen Idee eindeutig in Erscheinung treten. Diese Aufgabe ist in engster Zusammenarbeit zwischen dem Kreiskulturbauamt, den örtlichen Stellen der politischen Leitung und den Dienststellen des nationalsozialistischen Arbeitsdienstes seit April 1933 gelöst worden. Das Ergebnis der Entwicklung stellen die beiden Abteilungen in Lengerich und Westercappeln dar, die am 1. Oktober 1935 aus dem NS-Arbeitsdienst mit in den Reichsarbeitsdienst übernommen worden sind.


Annähernd 2000 junge deutsche Männer haben seit der Machtergreifung mit hartem Fleiß und in froher Kameradschaft in den beiden Arbeitdienstabteilungen in den Bauernschaften Ringel bei Lengerich und Seeste bei Westercappeln ihrer Pflicht am deutschen Boden genügt. Sie sind mit verschwindenden Ausnahmen als überzeugte Nationalsozialisten aus dem Arbeitsdienst ausgeschieden, gesund an Leib und Seele und damit aufs beste vorbereitet für den Dienst mit der Waffe in der Wehrmacht. Mit seiner Hände Arbeit hat jeder einzelne Arbeitsmann dazu beigetragen, neue Ackerflächen, Wiesen und Weiden aus Ödland zu gewinnen und altes Kulturland durch Anlage von Ent- und Bewässerungen zu verbessern. Besser als Worte verdeutlichen Zahlen die Leistungen, die von den beiden Arbeitsdienstabteilungen im Kreise seit der Machtübernahme vollbracht worden sind.


326 Morgen Heideland und Ödland sind zu Wiesen und Weiden kultiviert worden,
23 Morgen sind zur Aufforstung kultiviert worden,
66 Kilometer neue Gräben sind zur Ent- und Bewässerung alten Kulturlandes
angelegt worden,
24 Kilometer Wirtschaftswege sind neu geschaffen worden.


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Wer Gelegenheit gehabt hat, einer Abschiedsfeier beizuwohnen, wie sie einzelne Genossenschaften "ihren" Arbeitsmännern beim Ausscheiden aus dem Arbeitsdienst geben, der erkennt hier am deutlichsten die offene Anerkennung der Leistungen unserer Arbeitsmänner von Seiten derer, die den ersten Nutzen aus dem Werk des Arbeitsdienstes ziehen können.


Insgesamt sind von den beiden Abteilungen im Kreise Tecklenburg rund 590.000 Tagewerke des Arbeitsdienstes abgeleistet worden. Das bedeutet, dass das Reich durch die Arbeitkraft der Arbeitssoldaten rund 1,2 Millionen Reichsmark zur Hebung der Landeskultur in das Gebiet des Kreises hat fließen lassen. Das Werk ist kaum begonnen und weiterhin wird jeder dienstfähige junge Deutsche in den Reihen der Arbeitssoldaten seinen Beitrag zum Aufbau des Reiches mit seiner Hände Arbeit geben. Das Werk der Generationen im Reichsarbeitsdienst wird ein unvergängliches Denkmal werden für die vom Führer begründete Lebens- und Kampfgemeinschaft des deutschen Volkes.


Arbeitsbeschaffung im Kreise Tecklenburg

Der Nationalsozialismus hat in drei Jahren auf dem Gebiete der Sozialpolitik nicht nur die Wirtschaft durch seine Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen belebt, sondern auch durch den Arbeitseinsatz an Stelle der bloßen Unterstützungszahlung die Erzeugung gefördert und mit den Unterstützungsmitteln große Werte von bleibender Bedeutung geschaffen.


Auch im Kreise Tecklenburg hat seit der Machtübernahme durch unseren Führer und Reichskanzler Adolf Hitler ein tatkräftiger Arbeitseinsatz zur Bekämpfung der Erwerbslosigkeit stattgefunden. Dass dieser Arbeitseinsatz in erster Linie zur Förderung der Landeskultur und damit zur Sicherung Erbreiterung der Ernährungsbasis unseres deutschen Volkes vor sich ging, zeigt wie die nationalsozialistische Regierung das Übel an der Wurzel fasst, um durch die vorzugsweise Förderung von volkswirtschaftlich besonders wertvollen Maßnahmen die Unabhängigkeit des deutschen Volkes von der Einfuhr aus dem Auslande - die Brotfreiheit - zu erreichen.
In den Rechnungsjahren 1933 bis einschließlich 1935 sind folgende
Landeskultur-Maßnahmen gefördert worden:



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  Anzahl der Baustellen 364,
Verbesserte Fläche 14.304 Morgen,
Länge der Wasserläufe 60,4 Kilometer,
Gesamtkosten (einschl. Grundförderung) 1.785.000 RM.,
Grundförderung 1.156.700 Reichsmark,
Beihilfen 17.700 Reichsmark,
Geleistete Notstandsarbeiten 272.700 Tagewerke,
Arbeitsdienstlohntagewerke 86.850.

Aus der vorstehenden Zusammenstellung ergibt sich ein klares Bild, wie der Kreis Tecklenburg neben der Förderung des Arbeitsdienstes, durch umfangreiche Notstandsarbeiten und durch Beschäftigung einer hohen Zahl von einheimischen Erwerbslosen, wie auch zum Teil von Erwerbslosen aus dem Industriegebiet, der Arbeitslosigkeit zu Leibe gegangen ist. Daß dazu durch zweck- und planvolle Arbeiten hohe Werte für die Steigerung der landwirtschaftlichen Erzeugung geschaffen werden, ist ebenfalls aus dieser Zusammenstellung zu ersehen. Die Umwandlung von rund 5500 Morgen bisherigen Ödlandes in ertragreiches Kulturland oder die Drainierung und sonstige Entwässerung bisher versumpfter und damit ertragarmer Gebiete in einem Umfang von rund 8800 Morgen sind so bedeutungsvoll und auch in ihrer wirtschaftlichen Auswirkung für die Zukunft so erheblich, das damit nicht nur die in den Maßnahmen hereingesteckten öffentlichen und privaten Mittel wieder herauskommen, sondern darüber hinaus im großen und ganzen gesehen, auch auf die Dauer ein wirtschaftlicher Reingewinn und damit wieder eine Vermehrung des Volksvermögens eintritt. Diese wertschaffende Arbeitslosenfürsorge zeigt, dass es nur durch zweck- und planvolle Arbeit wieder aufwärts gehen kann und aufwärts gegangen ist. Auch dem Gebiete des Wohnungsbaus ist eine bedeutende Förderung zuteil geworden. Die Stadt Lengerich hat in den Jahren 1933 bis 1935 Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen im Werte von rund 161.938 RM. durchgeführt. - Das Amt Ibbenbüren hat in den Jahren 1933, 1934 und 1935 für die Bautätigkeit insgesamt den Betrag von 868.860 RM. verausgabt. Im übrigen Kreisgebiet sind in den gleichen Jahren zur Verfügung gestellt: für Instandsetzungs- und Umbauarbeiten 1.151.510,73 RM.
Bei all diesen umfassenden Maßnahmen konnte der Erfolg nicht versagt bleiben. So ging die Arbeitslosenziffer, die im Jahre 1931 auf 1000 Einwohner des Kreises 20,6 Arbeitslose monatlich betrug, und die im Jahre 1932 auf 30,9 anstieg, im Jahre 1933 auf 14,8 und im Jahre 1934 auf 4,1 zurück.

Die Zahl der vom Arbeitsamt anerkannten Wohlfahrts-Erwerbslosen betrug im Monatsdurchschnitt (absolut)


  1931 - 220,
1932 - 1157,
1933 - 585,
1934 - 81,7
1935 - 39.


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Die Wohlfahrtsausgaben des Kreises betrugen im Monatsdurchschnitt auf den Kopf der Bevölkerung im Jahre 1932 z.B. 1,30, im Jahre 1934 dagegen nur noch 0,74 RM.
Zu Anfang April 1935 waren infolge der tatkräftigen Zusammenarbeit des Kreises mit dem Arbeitsamt und den Parteistellen bereits rund 300.000 Tagewerke im Wege der Notstandsarbeit abgeleistet. Etwa 700 Notstandsarbeiter, darunter 200 Arbeitslose aus dem Industriegebiet, hatten annähernd 1000 Morgen aufgeforstet, 800 Morgen kultiviert, 80 Morgen drainiert, 1 Flussregulierung ausgeführt, die Kleinbahn Tecklenburger Nordbahn zur Regelspur ausgebaut und 14 Km Kreisstraßen mit neuer Decklage aus Steinbrüchen des Kreises versehen. Im Laufe des Jahres 1935 sind dann mit der verminderten Zahl der Erwerbslosen hauptsächlich Landeskulturarbeiten, die in der bereits aufgeführten Gesamtnachweisung enthalten sind, geleistet worden.
So haben die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen der nationalsozialistischen Regierung auch für den Kreis Tecklenburg weitgehende Entlastung und Gesundung gebracht. Der wirtschaftliche Aufstieg ist gesichert. Unauslöschlicher Dank gebührt dafür unserem Führer!


Zur Geschichte des Kreises Tecklenburg
F. Rohlmann
Wohl kaum ein Kreis des Westfalenlandes hat eine so reiche Geschichte, solche Mannigfaltigkeit im Aufbau der Gesteine und damit der Tier- und Pflanzenwelt aufzuweisen wie der Kreis Tecklenburg. Dass in der mittleren Steinzeit schon Menschen unsere Heimat durchstreiften, beweisen Feuersteinfunde. Der Bauer der jüngeren Steinzeit folgte dem Löß. Seine Steinzeitmale finden wir bei Halen, in Seeste, am Gabelin, in Lage bei Mettingen, in Steinbeck, in Laggenbeck, Wechte und Meckelwege. Die vorgeschichtlichen Friedhöfe Gabelin, Gohfeld bei Lotte, der Schaf- und Dickenberg, das Gelände von Lengerich über Lienen bis Remsede lassen erkennen, dass ein sesshaftes Bauerntum durch Bronze- und Eisenzeit hindurch bis auf unsere Tage der Scholle treu blieb, von der Ebene in die Berge wie ins Bruch vordrang und sich in zähem Arbeitswillen die letzten Winkel errang. Sprachliche Unterschiede erweisen, dass die Tecklenburg, die einen Bergsattel überwacht, als alte Volksburg den Punkt bezeichnet, wo drei uralte Gaue zusammenstießen. Die drei Gemeinden Brochterbeck, Lengerich und Ledde umgürten ja heute noch das Bergstädtchen. Der Pass von Brochterbeck wird als Durchgangsstraße zum Land der Brukterer gedeutet. Wer die alten Höhenwege kennt, wird sich für den Durchgang durchs moorige Bocketal nicht entscheiden. Da könnte man eher an den Ort im Bruch denken. Horchen wir aber auf die Stimme des Volkes! Es sagt up`n Brochterbieke. Auf dem jetzigen Schultenhof in Brochterbeck wohnte um 1250 Ritter Konrad von Brochterbeck als Burgmann des Grafen von Tecklenburg. Ihm hatten die Bauern Abgaben zu entrichten. Bei ihm waren auch die Strafen, die Brüchten, zu entrichten, und wenn wir in Beck hier den alten Richtplatz sehen, ist Brüchtenbek die Thie-Stätte des Dorfes. Da Ritter Konrad keinen Sohn hatte, musste Brochterbeck an Tecklenburg zurückfallen. Er stiftete 1256 für seine Tochter Odda das Kloster Gravenhorst. Er wie Graf Otto beschenkten es reich. Daher können wir in fast allen Gemeinden des Kreises Höfe feststellen, die dem Kloster Gravenhorst eigenbehörig waren.



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Brochterbeck blieb mit Ibbenbüren, Mettingen und Recke nicht bei der Grafschaft Tecklenburg, sondern hatte als Oberlingisches Gebiet eine bewegte Zeit. Von 1548, da der Kaiser dem Grafen Konrad von Tecklenburg Lingen abnahm, waren die vier Gemeinden spanisch, einmal oranisch, einmal katholisch, dann evangelisch. 1702 kam das Gebiet in preußische Hand. Die Grafschaft Tecklenburg, deren zehn Gemeinden ab 1526 evangelisch wurden, wurde 1707 preußisch. Über 200 Jahre besteht also schon die Vereinigung, und doch sind heute noch die sprachlichen Unterschiede am Osthang des Schafbergs. In Westercappeln sagt man "teggen, säggen un mäggen", im Ibbenbürener Gebiet "sein, seien un meien". Westlich vom Bahnhof Langenbrück erinnert der Flurname up`n Kantor an die Zeit vor 1702, da dort noch Zoll erhoben wurde. Mancher wird sich fragen, wie das entlegene Schale zur alten Grafschaft kam. Das Kloster wurde 1538 vom Grafen Konrad angekauft, aufgehoben und die Gemeinde der Grafschaft einverleibt. Die Namen der übrigen neun Gemeinden sind Westercappeln, Wersen, Lotte, Leeden, Ledde, Tecklenburg, Lengerich, Ladbergen, Lienen. Diese letzte Gemeinde wurde 1816 dem Kreis Warendorf zugeschlagen, kam aber auf Wunsch der Eingesessenen 1857 gelegentlich der Festfeierlichkeiten hundertfünfzigjähriger Zugehörigkeit zu Preußen wieder an Tecklenburg zurück.


Nach den Befreiungskriegen kamen auch die westlichen Gemeinden, die bis 1808 dem Fürstbistum Münster angehörten, zum Kreis Tecklenburg. Brockmöllers Eiche zwischen Recke und Hopsten kann erzählen von zahllosen Glaubensstreitigkeiten. Hopsten sah 1586 räubernde Spanier. Dreierwalde gehörte bis 1400 den Tecklenburgern und verblieb dann dem Bistum. Universitätsprofessor Hermes, der in Bonn theologische Richtung der Hermesianer begründete, ist in Dreierwalde geboren. Durch den Stabschef Lutze ist der Name Bevergern bekannt geworden. Das Städtchen hat die ältesten Stadtrechte im Kreise, führt den Biber im Wappen, wurde 1366 durch den Grafen Nikolaus I. zur Stadt erhoben. Von der trutzigen Feste und stolzen Residenz der Fürstbischöfe von Münster blieb nur ein Mauerrest im Schulgarten. Der Gasthof Korte weist sich aber inschriftlich noch als Absteigequartier der Gravenhorster Nonnen aus. Sie sind in Hörstel als Stifter gediegener Schützenschildchen und Spender wahrer Volksschützenfeste noch in gutem Andenken. Die Bevergerner Kirche hat in Gestalt einer Steinbrosche ein Kriegerdenkmal aus der Zeit, da die Stadt geschleift wurde.


Es wird der Heldentod des Bernd Deiters gemeldet, der vor den Toren Wiens im Türkenkriege blieb. Hilla Feyken, die Judith der Wiedertäufer, wurde in Bevergern aufs Rad geflochten. Von der Höhe des Riesenbecker Berges aus unternahm Kronfeld seinen herrlichen 100-km-Flug am Teutoburger Wald entlang. Begeisterte Jünger des Segelsports haben nun am Hang des Dickenberges einen Flugplatz eingerichtet. Im Hafen Bergeshövede zweigt der Ems-Weser-Kanal vom Dortmund-Ems-Kanal ab. Schleppkähne bringen und holen die Fracht von Emden wie aus dem Industriegau. Der Huckberg nebenan kann erzählen aus den Tagen, da die Rheiner den Sandstein hier brachen zur Befestigung der Stadt. Nach Hörstel zu in einer Wiese ist noch ein Salzloch, das einst träumen ließ von Salinenherrlichkeit. Dickenberg und Schafberg spenden seit Jahrhunderten Sandsteinblöcke und Kohlen. Mühlsteine bezog von dort der Holländer. Die Buhnen und Mauern Borkums bergen manchen Ibbenbürener Sandstein. So trotzt dieser Stein dem Meere, wie in der Sage das Hockende Weib den Fluten.



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Nahm der Kohlenbergbau am Osthang des Schafberges westlich des Morgensternschachtes seinen Anfang, begann die Entwicklung bei Ibbenbüren ab 1841 in glänzendem Aufstieg. Waren die Arbeiter im Sommer wegen der Absatzschwierigkeiten gezwungen, als Hollandgänger, Grasmäher und Stuckateure nach Holland zu gehen, brachte die Westbahn 1856 die Verbindung mit der weiten Welt. So begann 1858 die Förderung auf dem Pommer-Esch-Schacht, es kam 1862 der Püsselbürener Förderstollen, 1857 der der Heydt-Schacht, der 1862 durch den Stollen Verbindung mit dem Bahnhof erhielt.

Die beiden Oeynhausenschächte wurden 1860 und 1870 abgeteuft. 1930 folgte der dritte Schacht , der 340 Meter in die Erde führt. Der Oeynhausenschacht ist als Hauptanlage der Abteilung Steinkohlenbergwerke Ibbenbüren der Preußag eine der neuzeitlichen Anlagen unseres Vaterlandes. Wie armselig waren doch die Anfänge, die Reichsfreiherr vom und zum Stein als Bergrat 1758 hier besichtigte! Ibbenbüren hat in der 200. 000 Volt-Freiluftschaltanlage eine Einrichtung, die wir in Deutschland nur an wenigen Stellen finden. Es sind dadurch die Niedersächsischen Kraftwerke der großen Verbundwirtschaft eingegliedert, die eine einheitliche Versorgung weiter Gebiete ermöglicht.



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Die Verwendung der einheimischen Kohle ermöglicht eine billigere Großstromversorgung. Der Eisenerzbau der Permer Gruben ruht. Die Kalköfen in Osterledde sind eingegangen, während in Dörenthe (Uffeln?) neue Betriebe eröffnet wurden. Die Lindnerwerke in Brochterbeck halten ihren Dornröschenschlaf. In Lengerich sind mehrere Schornsteine umgelegt. Bevor Lengerichs Zementfabriken und Kalkwerke errichtet wurden, war "dat schraue Hauhne" eine arme Bauernschaft (Hohne), die Hollandgänger in Scharen entsandte und auch manchen Schmuggler barg.


Der Kunstdünger, der hier etwa in den achtziger Jahren Eingang fand, führte zu besseren Ernten und ließ im Felde bis nach Ladbergen und Kattenvenne eine ganz veränderte Landschaft erstehen. Ladbergen bekam durch seine Kunsttischlereien einen guten Ruf. Die napoleonische Zeit ist in unserer Heimat noch unvergessen. Nicht alle Gemeinden hatten einen Bürgermeister Kandelhardt aufzuweisen, der statt der Franzosenfahne in Westercappeln die Schützenfahne vorantragen ließ, der die Kriegslasten nach Osnabrück nicht abführte und seinem König die Treue hielt. Mancher Sohn der Heimat ist damals zwangsweise nach Russland gezogen, um nie wieder heimzukehren. Viele entzogen sich aber auch durch frühzeitige Heirat oder durch die Flucht des Zugriffs der Franzosen.



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Als dann im Nebelung (November) 1813 die Siegesbotschaft von Leipzig kam, stellten alle Gemeinden Freiwillige. Im Revolutionsjahr 1848 hauchte u. a. ein eben verheirateter Bauer aus Westercappeln sein Leben aus. Sein Urenkel stand im Januar 1933 als SA-Mann im Lippischen Wahlkampf.


Die Reihen der Altveteranen von 1864, 66, 70/71 lichten sich täglich. Tecklenburger standen vor den Taku-Forts wie in der Wüsteneinsamkeit von Deutsch-Südwest. Der Weltkrieg sah Söhne der Heimat an allen Fronten. Ein Hans Rickmers ließ sein Leben vor der Feldherrnhalle, und Tausende sind bereit, es einzusetzen, wenn der Führer ruft.

Das "heilige Meer" einst ein "Godesberg"
Von W. Pruß, Hopsten (teilweise umgestellt zum besseren Verständnis)
Die alte Grund-, Grenz- und Landesvermessung - die Jahrtausende in deutschen Landen verwandt wurde und darum gehaltreicher und dem Boden inniger verbunden ist, als die eben erst vor hundert Jahren aufgenommene neue Landvermessung - kannte die vom Kreismittelpunkt ausgehende radiale Messung nach bestimmten Winkeln und Entfernungsmaßen. Solche Mittelpunkte waren die Kirchen, wie in mehreren Kirchspielen unseres Kreises geprüft und erwiesen ist. Von der Mitte der Kirche gingen die Vermessungslinien strahlenartig aus, um zunächst Ursiedlungen (auszumessen) mit ihrem Privatgrund, den geschlossenen Dorfkern mit Garten und Kamp, das Wiegbold (Dorf), den alten umhegten "hilligen Horst", dann weiter die Gemenge-Lage der Esche, dann die schon lange vor der letzten endgültigen Markenteilung ausgesonderten Streusiedler, die Sunderbauern (auszuessen), endlich über die Allmende, den Markengrund hinweg die Gemeindegrenzen selbst nach den alten Maßen wie Fuß und Elle und Ruten (plattdeutsch: Roden oder Spielen, vgl. Kirchspiel), also das ganze Kirchspiel ausmessen zu können. Merkzeichen auf den Vermessungslinien (um festzuhalten, wo ein abgerundetes Maß von 5000 oder 700 Fuß oder 2000 oder 400 Ellen aufging) war die Herdstelle eines Sunderbauern, Kötters, Brinkliggers oder Brinksitters, den der Grundherr auf Befehl des Landesherrn gerade hier auf dieser Stelle als Erbpächter auf Kanon (Abgabe) hatte siedeln lassen, was Urkunden in den alten Truhen bestätigen. Als Schornstein und Kammerfach noch fehlten, war die vom Feuerherd durch das Uhlenloch aufsteigende Rauchsäule ein weithin sichtbares Richtungszeichen.



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Näher zur Kirche, zur Mitte des Kirchspiels, wo die Strahlenlinien immer dichter sozusagen spielten, der Raum zwischen den Spielen immer enger wurde und die Herdstellen der alten Erben und Halberben nicht dicht genug lagen, da hat man Richtungspfähle zur Hilfe genommen. In den Akten der darum wohl so genannten "Poolbörger" wird besonders da, wo es um Besitzverhältnisse geht, von Gras-Angeln, Dri-Angeln, kleinen Dreiecken in den nahe zur Kirche hin liegenden Eschen gesprochen, und dass der anliegende Grundbesitzer sie später einfach an sich genommen habe, weil der früher darauf gestandene Pfahl verfault und von keinem neu ersetzt worden wäre. Häufiger noch, weil sie da gesicherter waren, standen diese Pfähle (Päöle oder Paelen) wie der "Bunte Paol", der "Swatte Paol", schwarz vom sengenden Feuer, dadurch dauerhafter, kerlsdick und sieben und mehr Fuß hoch, in größeren oder kleineren, aber immer recht tiefen Kuhlen oder Gruben oder Teichen: Paelkuhlen, Tannkuhlen, (Tanne war früher der Allgemeinbegriff für Baum), Schnatkuhlen (Schnat oder Snaet oder Snet gleich Grenze), Rodendiek (nach dem Maß Rute oder Rode, Diek gleich Teich), Maatkulen = Maßkuhlen, Keengätter (mit der Kette wurde das Land gemessen), Gätter, (Gatt gleich Loch), Fischlage, Fiske-Lake (wenn in der Lake, dem See, zugleicht Fische gehalten wurden).
Tiefe Bodenlöcher sind heute noch in unserer Gegend zahlreich erhalten, zuweilen mit Kopfweiden und niedrigem Buschwerk malerisch umrahmt. Damit sie erhalten und immer tief genug blieben und der Paol selbst und das "Paolhaolen", (das Vermessen, das Peilen) keinen Schaden nahm, mussten die Bauern aus solchen Kuhlen mit moorigem Untergrund Torf pressen und alljährlich, wenn die Aufgabe an sie kam, dem Pastor den "Wachtorf" bringen. Dafür gab es einmal im Jahr in dem Pastorat das "Torfbier". Das bereits preußisch gewordene Ibbenbürener Stadt- und Landgericht hat noch entschieden, dass dieses Torfbringen keine Pflicht nach dem preußischen Gesetz sei.



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Findet man aber auf oder nahe bei der Kirchspielgrenze einen künstlich aufgeworfenen Hügel und vielleicht noch mehrere Kuhlen dabei und dazu die entsprechenden Flurnamen, Sagen und Spukgeschichten, so darf man sicher sein, die Spuren einer größeren Gau- oder Landesvermessung vor sich zu haben. An der nördlichen Begrenzung unseres Kreises kennen wir das Wiegholz mit dem Dewesberg, mit den Gäörns, Opfersteinen und vielen Urnenfunden. An der Grenze Schale/Voltlage kennen wir den Heiligen Stuhl mit den 7 Keen-Gättern (Kettenlöchern), an der alten Grenze Schale/Hopsten/Schapen kennen wir die Sallage mit der Sallager Vaart nahe bei dem Grenzschnittpunkt Hopsten/Schapen/Dreierwalde. Dort sind heute noch die drei Kuhlen, die auf einer Karte vom Jahre 1616 eingezeichnet sind, mit der Bemerkung:


Den Herkenhoff mit dem Godesbarg, schon 1403 so genannt, (dort im tief verschütteten Brunnen der Schatz, von einem schrecklichen Hund bewacht), die Kirchen von Beesten und Schapen, den Bramhof , den alten Oberhof des Klosters Corvey, (von 1156 an im Besitz der Herren von Horne, darum von da an Bramhorne genannt, die auch zu Bevergern und Surenburg saßen), die Kirchen von Schale, Hopsten, Recke und Ibbenbüren, sowie auch die Surenburg kann man mit den echten Maßen und Winkeln (vergleiche die anliegende Skizze) von der Sallage aus anschneiden (anpeilen).



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Von der Grenze bei der Dreimarken-Ecke nahe der Sallagen Vaart kann man den alten Grenzschnittpunkt im heiligen Meer und mit entsprechenden Zwischenstationen, Kirche Westercappeln und Kloster Gertrudenberg bei Osnabrück anpeilen. Hielt schon der Bischof Heinrich von Münster im Jahre 1378, als er weder als Landesherr noch als Bischof für diese Gegend zuständig war, anlässlich von Grenzstreitigkeiten emsländischer Gaugrafen eine "Tagung" in Hopsten ab, wo alle Teile sich seinem Spruch unterwarfen, so braucht es uns nicht wundern, dass 1655, also 7 Jahre nach Schluss des 30-jährigen Krieges der Großschatzmeister des Domes zu Münster, Goswin Droste, mit großem Gefolge drei "Tage" hintereinander in Hopsten abhielt, dabei den ersten Tag auf der Sallage unter "skrupulösen Kuriositäten, unter denen etwas von großer Bedeutung verborgen sein müsse", wie der Oranische Beamte, der von weitem ein Augenzeuge war, berichtet.


Wenn dann der Domschatzmeister am zweiten Tage in Hopsten und am dritten Tage auf dem heiligen Felde bei den Schnatkuhlen und dem Grauwensteine weilt, wo sich jetzt die Marken von Recke, Ibbenbüren und Hopsten scheiden und er hier und abends beim Abschluss dieser Tagung in Ibbenbüren immer wieder Anspruch erhebt, dieser Scheidepunkt sei in uralter Zeit nicht der Grauwenstein, sondern 700 m davon, fast mitten im Heiligen Meer gewesen, so dass früher fast ganz Uffeln zum Bevergerner Gebiet gehört habe, und wenn dann auch auf der Karte von 1616 und auf einer älteren von 1564 ebenfalls der Punkt im Heiligen Meer als Schnittwinkel der Münsterischen Limiten (Grenzen) präsentiert wird, so darf es allein schon deswegen als hinreichend erwiesen angesehen werden, dass vor der Entstehung des Heiligen Meeres dort ein Godesbarg, ein Gau- und Landesvermessungspunkt von großer Bedeutung gewesen ist.



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Wenn die Entfernungen mit dem Rodenmaß (in Ruten) und mit Elle und Fuß, den Gliedern am höchsten Geschöpfe, das der Herrgott geschaffen hat (Mensch), gemessen wurden, so sind die Winkel dem nächst wunderbaren Schöpferwerk, dem Lauf der Gestirne, dem Uhrwerk im Weltall entnommen.
Zu den vor 4 Jahren von der Astronomie erkannten Fixstern-Winkeln um das Heilige Meer, (siehe Pruss, "Rund um das Heilige Meer", Münster, Aschendorf 1934), die von ihr nach den jüngsten Berichten nach wie vor aufrechterhalten werden, kommen noch einige weitere, besonders die Sonnenwendlinien 49,5 Grad und die Ergänzungen dazu 10,5 Grad (zu 60 Grad, zum Sechsstrahl), wie sie in und bei den Steinkreis-Anlagen zu Stonehenge in Südengland, den gewaltigsten in nordischen Landen so eindeutig liegen.
Denkt man sich in die Winkel des Phytagoras von 6 Grad, 13,5, 26,5 und 38,5 Grad hinein und nimmt die ganz mechanische Kreisteilung vor - wie man den westfälischen runden Pfannenkuchen halb teilen, vierteilen, die Viertel wieder halb teilen und dreiteilen kann, fast ebenso einfach ist eine 3-, 5-, 6- und 9-Teilung des Kreises, so ist in der Hauptsache das Rätsel der Azimute in der Landvermessung nach alten Winkeln und Maßen gelöst.


Funde der letzten Zeit in immer größerer Zahl hier im engsten Raum machen es jetzt schon ganz eindeutig, dass mit dieser uralten Landvermessung die echte Baukunst der mittelalterlichen Bauhütten Hand in Hand ging. Die Maße und Winkel, mit denen der Geometer von früher die Grundvermessung, Grenz- und Landesvermessung vornahm, Wege, Knicks und Wallhecken zog, die aber auch den uralten Heerbannstraßen und damit der Landesverteidigung ( darum geheim und getarnt ) zugrunde lagen, das sind dieselben Maße, die in der Hand des Zimmermanns und des Baumeisters den gewaltigen Domen und Bauten des ganzen Mittelalters einen wohl wechselnden, aber immer klassischen Baustil gaben, den wir heute bewundern, ohne ihn zu erreichen. In unserer engeren Heimat zeigt das alte Bauern- und Töddenhaus aber, wenn es 100 und mehr Jahre alt ist, in seinem Maßwerk, in seinem Verhältnis von Dach und Wand zu Fenstern und Türen, in seiner Raumaufteilung Ähnlichkeit mit einem lebenden Körper, (goldener Schnitt) in dem sich alle Glieder im anmutvollsten Maße zueinander verhalten und sich die Schönheit in der Gesundheit verkörpert. Was in der französischen Revolution und in den nachfolgenden napoleonischen Wirren dem deutschen Volke verloren ging und was ein ganzes Jahrhundert liberalistischer Weltanschauung nicht wiedergewinnen konnte, das kann und muss jetzt im Dritten Reich zurückerobert werden. Das sollte für den Führer noch vor Ablauf der Vierjahresfrist ein Geschenk vom Land der "Roden" Erde sein! In diesem Streben muss der Kreis Tecklenburg an der Spitze stehen!



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Uralte Thingstätten des Tecklenburger Landes
F. Rohlmann.
Da wir im weiten deutschen Land Umschau hielten nach alten Thingstätten, fanden wir in der eigenen Heimat deren einige in den Orten und Bauernschaften unter dem Namen Tie und Tigge. Was sagt der Name? Ist ein Vogelnest mutwillig zerstört, ist es "vetigget", eilen viele nach einem Ort, "tigget se dorhen". Thie ist der Platz der Gemeinschaft, die Versammlungsstätte. Wir finden den Thie in Lienen neben der Kirche. Weil auf dem Platz nun die Schule steht, ist es der "Scholtigge". Er ist in Höste in der Wod bei Tiemann, in Alstedde auf dem höchstem Punkt sich kreuzender Straßen zwischen den Höfen. Wieder wohnt nebenan der Tiemann, so auch in Natrup bei Leeden und in Hambüren. Die Bauernschaft Hambüren oberhalb des Bahnhofs Velpe hat die ursprüngliche Art des Thieplatzes noch am besten gewahrt. Schreiten wir im Sternenschein von der Tecklenburger Seite die Harten Straße hinauf, steht vor uns der Polarstern. Nordsüdlich und ostwestlich sind die Wege ausgerichtet, die den Platz auf der Höhe 110 schneiden. Vor zwei Menschenaltern standen dort, wo nun die Ostmarken-Eiche die Erinnerung an die ins Posener Gebiet ausgewanderten Söhne und Töchter der Heimat wahrt, drei Eichen, unter denen in der Mainacht Hexenspuk die vorchristliche heilige Stätte entweihte. Wenn der Dom in Osnabrück die beiden Höfe Tiemann und Ahmann sich aneignete, musste er allen Grund haben, gerade diese Stätte unter Aufsicht zu nehmen. Feuerbrände waren von hier aus weit sichtbar. Bei klarer Sicht reicht das Auge bis Tecklenburg, nach den Herkensteinen, nach der Höhe neben der Grafentafel (Hrutanstein), nach den Johannissteinen auf dem Piesberg, bis Wallenhorst, dessen Kirchturmhenne alle die Hähne ringsum ausbrütete, bis Westerkappeln und Mettingen. Dem Thieplatz nach Osten vorgelagert ein zweiter Hügel als Sonnenort. Durch seinen "Bust" führt ein ostwestlich gerichteter Pfad, der Frühlings- und Herbstanfang drei Tage der Sonne morgens den Weg freigibt bis auf den Herd. Vom Thieplatz aber im Punkt der Wintersonnenwende liegt am Hiälweg der Helplatz, die Stätte der Toten, die der "Bängelrüen", der Weltenhund, nachts bewacht. Er springt dem späten Wanderer in den Nacken, wenn er nachts den Hiälweg schreitet und lässt nicht eher los, bis er mit der Dachtraufe den Frieden des Hauses erreicht.



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Nach Osten senkt sich hinterm "Bust" das Gelände in die Gatten, deren Senke zugleich Grenze ist wie im Westen der Bauernschaft die Brächte, durch die das glühende Rad läuft bis an die Schwelle des nun verschwundenen Losemannschen Hofes, dessen Quelle noch rieselt unter alten Linden, die mit dem Weißdorn und Holunder letzte Erinnerung wahren eines Geschlechtes, das dem Erbe der Väter untreu wurde. Vergessen war lange der Thieplatz, auf dem ehemals Bauerngeschlechter Burstiehe hielten. Nun ist er wieder Mittelpunkt der Gemeinschaft, sieht er am Maiabend junges Blut, das mit dem Quellwasser aus dem Sielen die Wurzeln der Eiche tränkt, das sich vergnügt am Siebreiten und den Spuk aller Tage bannt durch ein Volkslied und ein frischfröhliches Lied unserer Zeit.
Von der Scheune des Hofes Tiemann gemahnt ein Wikingerschiff mit Drachenköpfen als Giebelzierde der nordischen Ahnen und die Hausmarke vom Neubau ruft auf, in stolzer Erinnerung der Väter im Sonnenzeichen kraftvoll eine neue Zukunft zu bauen. Jugend, die von Tecklenburg aus in 8 km sich den Thieplatz erwandert, schreitet weiter auf Westerkappeln zu, dessen Wehrturm tausendjährige Geschichte kündet, sie wendet sich dem Gabelin zu, an dessen Rand die Sloopsteine hart auf der Grenze nach Wersen zu dem Gemeinschaftsgeist eines Bauerntums vermelden, das uns Westfalens mächtigstes Steingrab vor viertausend Jahren errichtete.


 

Uralte Sprichworte:
Natt Holt, ne stumpe Bielen und Bokholter Küöhle (Buchholzer Kohle) is en Unglück
vörn Husstand.
Wo ne guete Fruwwen warschopt, wäß de Speck an'n Balken.
Een gueten Rauber is biäter os en fären Frönd.


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Sloopsteine bei Westerkappeln
In den Slopsteinen haben wir ein Ehrenmal, das Gemeinschaftsgeist vor viertausend Jahren aus Findlingen, die in der Eiszeit aus dem Norden zu uns kamen, errichtete. Auf elf Trägerpaaren ruhten elf Decksteine, die z. T. noch 1856 aus ihrer Lage gebracht sind. Seit Jahren steht das Steingrab unter staatlichen Schutz und ist im Besitz der Provinz Westfalen. Das Langgrab erinnert als Totenhaus an die Diele des Bauernhauses. Ostwestlich gerichtet, war an der Südseite ein Eingang. Man gab den Toten Krüge, verzierte Gefäße, Feuersteinbeile mit ins Grab. Etwa 50 Gefäße dieser Art entnahm Graf Münster 1807 dem Steingrab in Niederseeste. Diese Seester Tiefstichkeramik erweist eine hohe Kultur unserer Vorfahren, die uns mit Stolz erfüllt. Das Ganggrab der Slopsteine ist frühzeitig ausgeraubt und durchwühlt, weil man im Volke vom goldenen Sarge sprach, in dem Wittekind ruhen sollte. Umgeben ist das Grab von einer Steinreihe, deren glatte Seiten nach außen stehen und ehemals den Abschluss des Hügels bildeten, waren doch die Steine bis an den oberen Rand der Decksteine in Sand gebettet. Das Grab liegt auf der Grenze Westerkappeln-Wersen.

Rassenkunde unserer Vorfahren:
Rassenkunde war unseren Vorfahren nicht ein unbekannter Begriff. Dem zollte man keine Achtung mehr, der das Urteil hinnehmen musste: Hei häff kinne Iärsse. Wer dem Wesen seiner Art nicht entsprach, war unartig. Feine Beobachtung spricht aus dem Wort: Et giff ollens, ower nich ne driklörde Bolzen. F.R. (Friedrich Rohlmann)



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Wie urkundlich festgestellt ist, sitzen die Erpenbecks schon seit 1482 auf ihrem alten Hof. Aus dieser Zeit stammt auch eine Chronik, wonach die Grafen von Tecklenburg auf diesem Hof Landtag abgehalten haben. Rühmlich und mit Auszeichnung erwähnt wird der Besitzer des Hofes im 30jährigen Kriege und weitere Erpenbecks in den Freiheitskriegen. 2-3000jährige Urnenfunde zeugen von einer uralten Siedlung. Eine 1000jährige Eiche (?Taxus) auf dem Hofe gibt neben anderen Forschungsergebnissen die Gewissheit für eine altgermanische Thingstätte. Die Todesurne im Hauswappen mag ein altes mutiges Geschlecht aufweisen.


Gravenhorst
Wer mit der Eisenbahn von Ibbenbüren nach Rheine zu fährt, ahnt kaum, dass seitab hinter der Aa Buchenwälder ein Fleckchen Erde umsäumen, das vor 700 Jahren als Stiftung des Ritters Konrad von Brochterbeck Heimat der Cistercienserinnen wurde. Heute ist Gravenhorst Provinzialbesitz. Die Nonnen wurden 1808 von Napoleon vertrieben. Seitdem sind die der Kirche sich anschließenden Räume dem Verfall anheim gegeben. Efeu rankt empor. Doch auf dem Friedhof wie im Gotteshause selbst spricht die Vergangenheit zu uns. Im Anfang des 13. Jahrhunderts war Gravenhorst noch der Sitz eines Herrengeschlechts. Dann hatte Graf Conrad von Rietberg den Sitz inne, der dann bald Konrad von Brochterbeck übertragen wurde. Seine Tochter Odda war erste Äbtissin des Klosters. Bald hatte das Kloster reichen Grundbesitz. Aus Westercappeln waren Landmeyer, Niemeyer, Freese, Sonnefelt, Tassemeyer, Schürmann im Grunde (Hambüren), Haberland (Seeste), Steer, Wulff, Schroer, Bulck (Metten) eigenbehörig.



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Es fällt auf, dass die der Kirche nahe liegenden Höfe alle genannt sind. Die Cistercienserinnen hatten nämlich seit 1278 das Patronat über die Kirche zu Cappeln, wie sie es schon seit 1272 über die Kirche zu Riesenbeck besaßen. Eine strenge klösterliche Absperrung (Klausur) haben die Nonnen hier nie gekannt, obwohl der Abt von Marienfeld als ordentlicher Visitator sie im 17. Jahrhundert gemäß dem Tridentiner Konzil durchführen wollte. So hatten die Nonnen denn auch stets Fühlung mit der Bevölkerung, ließen sich gar auf den Schützenfesten sehen. Schützenschildchen beweisen, dass die Aebtissin dann den Königsschuss für sich abgeben ließ.


So finden wir in der Hörsteler Kette

1733 M.A. v. Ketteler, Abba, verzeichnet,
1741 Mar. Elis. v. Moltke,
1749 M.A. v. Böselager vom Hause Honenburg,
1757 B.B. v. Cornarens ( Fisch im Wappen).


Gewiss sind die Schildchen von 1681 und 1685 auch Stiftungen der Äbtissinnen. Die beiden Glocken tragen den Namen der Äbtissin Maria von Hoevel, die 1707 eine Glocke von 1617 umgießen ließ. Ein Grabstein aus dem Jahre 1323 nennt den Ritter Hugo von Horne, ein anderes Epitaph zeigte die Stifter Amelgardis und Konrad. Am Eingang rechts sehen wir die Äbtissin Maria von Grothaus, Tochter des Hauses Grone, die dem Kloster 36 Jahre vorstand. Am Altar oben rechts finden wir das Wappen der von Grone. Ein Dachreiter krönte einst das Kirchlein. Sein Glöcklein schreckte wohl mal den Schmuggler, war ganz in der Nähe doch ein Knotenpunkt verschiedener Schmuggelwege. Als Plaggenstecher standen die Schmuggler oft in der Heide und kündeten mit rotem Taschentuch am Schaufelstiel einander an, dass die Bahn frei war. Als dem Karawanenführer Exeler einst von Zollwächtern das Gefahr kündende weiße Taschentuch genommen wurde, öffnete er plötzlich seine Jacke, riss ein Stück von seinem Hemde ab und ließ es flattern. Exeler soll bei seinen Geschäften soviel Pferde verbraucht haben, dass sie - hintereinander gestellt - von Gravenhorst bis an die Emsbrücke bei Rheine reichen würden. Die Hörsteler Bauern waren früher zumeist Eigenbehörige des Klosters und durften ohne Erlaubnis der Klosterverwaltung keinen Baum fällen.



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Gegen Zahlung von 3 Pfennigen wurde ein Baum angewiesen. Auch waren die Söhne und Töchter verpflichtet, ein Jahr im Kloster zu dienen. War ein Bauernkind großjährig, kam der Klosterverwalter, gab zehn Pfennig ab und mietete es so zum Dienst. Ein Jahr musste jeder umsonst dienen. Die letzte Äbtissin war Friederike von Sieghart. Sie zog mit ihren Stiftsdamen nach Münster und dann nach Wiedenbrück. Gravenhorst kam 1808 für 30000 Taler in den Besitz eines Buddenberg. Kirche und Pfarrhaus verblieben der Gemeinde. Das Klostergut kam dann an den Bremer Konsul Isjohn, an Otto von Bar, an den Herzog von Arenberg, der es an die Provinz veräußerte. Prächtiger Buchenwald schließt sich dem Kloster an. Einsam verträumt liegt da ein Waldfriedhof. Efeu umschlingt ein Eisenkreuz, und Waldblumen umwuchern die Gräber. Frieden lenkt der Waldesdom in die Herzen einsamer Wanderer, die sich von hier den Weg bahnen nach Süden, von der Höhe des Teutoburger Waldes den Blick in das weite Münsterland gleiten zu lassen.


Die Friedrich-Wilhelms-Eisenhütte zu Gravenhorst
Von Hubert Rickelmann Auf waldumrahmtem Platz in dem schönen, historischen Gravenhorst liegt, idyllisch an der Ibbenbürener Aa eingebettet, ein altes Eisenwerk, die Friedrich-Wilhelms-Eisenhütte. Die Gründung dieser Hüttenanlage fällt in den Anfang des vorigen Jahrhunderts, als über Preußen das schicksalsschwere Verhängnis hereinbrach, eine Zeit, eine Zeit, in der man von der späteren gewaltigen Entwicklung der deutschen Industrie noch nichts ahnte. Die Veranlassung zur Anlegung dieses Hüttenwerkes gab das Vorkommen von Eisenerzen in der das Ibbenbürener Steinkohlengebirge mantelartig umlagernden Zechsteinformation, welches Vorkommen auch zu einem über hundert Jahre währenden Erzbergbau am Rochusberg (östlich Ibbenbürens) geführt hat. Schon in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, in der man sich auf Initiative Friedrichs des Großen in erhöhtem Maße die Nutzbarmachung der heimischen Bodenschätze angelegen sein ließ, wurden an vielen Stellen Schürfungen zur Feststellung des Umfanges der Eisenerzablagerungen vorgenommen. Sowohl diese Schürfarbeiten und die Untersuchung der Erze auf ihren Eisengehalt, und auch die zur gleichen Zeit unternommenen Versuche, die Ibbenbürener Kohle zu entschwefeln, zeigten derart günstige Ergebnisse, dass man den Plan fasste, das Erzvorkommen an Ort und Stelle hüttenmännisch zu verarbeiten und zum Schmelzen der Erze Koks aus Ibbenbürener Kohle zu verwenden.



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Im Jahre 1804 erhielt der Besitzer der Minerva-Eisenhütte zu Isselburg am Niederrhein, Leopold Wilhelm Schmölder, auf seinen Antrag, ein Eisenwerk anlegen zu dürfen, den Auftrag, eine Gewerkschaft zu bilden und sodann mit dem königl. Oberbergamt Dortmund in Verbindung zu treten. Noch im selben Jahre wurde der neu gebildeten Gewerkschaft die Genehmigung zur Anlegung einer Eisenhütte erteilt. Gleichzeitig wurde sie mit den Eisenerzfeldern im Tecklenburgisch-Lingenschen und im Münsterischen belehnt, die die Bezeichnung "Friedrich-Wilhelm" erhielten. Die Hüttenanlage, bestehend aus gemauertem Hochofen, Kupolofen, Gießereihalle, Bearbeitungswerkstätte und Lagerraum, wurde bald in Angriff genommen. Anfangs November 1806 konnte der Hochofen erstmalig angeblasen werden. Vier Jahre später beschäftigte die Hütte 6 Bergleute und 70 Hüttenleute. Zum Antrieb des Gebläses, des Schleif- und Bohrwerkes und des Reckhammers, sowie zum Reinigen der Erze diente das Aa-Wasser und das Wasser des Dickenberger Stollens.


Bei Wassermangel in trockenen Jahreszeiten half die einige Zeit später aufgestellte "Roßmaschine" (Pferdegöpel) aus. Letztere wurde, da sie nur mit zwei Pferden betrieben werden konnte und daher zu kostspielig war, im August 1812 durch eine Dampfmaschine ersetzt. Es war die Ungunst der Zeitverhältnisse und vor allem die französische Fremdherrschaft, die ungemein hemmend auf eine gedeihliche Entwicklung des jungen Unternehmens einwirkten. Der Versand von Eisenwaren nach verschiedenen Gegenden, wie Holland und Ostfriesland, war von der französischen Regierung gesperrt und die Verbindung mit den nordischen Ländern unterbrochen. Der Absatz beschränkte sich daher auf die nähere Umgebung. Die Produktion ging immer mehr zurück und bestand größtenteils in der Herstellung von Kanonen und Kanonenkugeln für dass französische Heer. Hatte sich die Hütte bezüglich der Anfertigung dieser Kriegswaffen dem Zwange der Verhältnisse gefügt, so stellte sie sich in den nun folgenden Befreiungskriegen freudigen Herzens in den Dienst der Sache, indem sie mit allen Kräften an der Herstellung von Munition für die preußischen und verbündeten Armeen arbeitete.



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Das Hüttenwerk hatte aber in den langen Kriegsjahren derart gelitten, das die Besitzer zum Verkauf desselben gezwungen waren. Im Jahre 1820 ging es in den Besitz des Kaufmanns Carl Joseph Primavesi in Münster über. Dieser zog 1824 den Fachmann Alexander Crespel als Betriebsdirigenten hinzu, der einige Jahre später Mitinhaber wurde. Die Hütte wurde nun unter großem Kostenaufwand instand gesetzt und nahm sodann einen guten Fortgang. Hierzu trug vor allem die gute Beschaffenheit der Erze bei. Das aus der Mischung von Raseneisenerz mit Brauneisenstein im Hochofen erzeugte Roheisen war nämlich sehr dünnflüssig und rein, eine Eigenschaft, die zur Herstellung von Feinguss und Handelswaren, wie Töpfen, Kaffeekesseln, Herdplatten usw. gern ausgenutzt wurde. Außer den einschlägigen Haushaltungsgegenständen, wie Hoch-, Brat- und Backgeschirre, Platten, Ofenrohre und Bügeleisen, wurden auch Fensterrahmen, Dachrinnen, Senkschächte, Laternen- und Einfriedungspfähle, Tore, Ambosse, Gewichte, Ketten, Maschinenteile und vielerlei andere Gegenstände hergestellt, die auch heute noch einen Teil der Erzeugnisse der Hütte bilden. Bei der Anfertigung von Öfen, Herden, Gittern, Grabmälern und vielen anderen Gegenständen wandte sie eine nicht unbedeutende Kunstfertigkeit an, von der noch manch altes Zierstück Zeugnis ablegt. Im Jahre 1883 verkaufte Primavesi, nachdem Crespel im Jahre 1877 als Teilhaber ausgeschieden war, die Eisenerzfelder und die Erzgruben am Rochusberg östlich Ibbenbürens an den Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein. Seitdem fand eine Verhüttung von Erzen nicht mehr statt. Die Hüttenglocke, die mit ihrem vertrauten Klang die Hüttenleute so manches Jahr zum Guss gerufen hatte, verstummte seit dieser Zeit. Es wurde nun ein zweiter Kupolofen aufgestellt und die Gießerei verstärkt weiterbetrieben. Zu dem Hüttenwerk gehörten um diese Zeit eine gut eingerichtete Schmiede und Schlosserwerkstatt, eine Schreinerei, Modellwerkstatt und ein kleines Bohr- und Schleifwerk. Die Güte der Erzeugnisse sicherte der Hütte einen festen Kundenkreis, der sich außer dem Münsterland auf Bremen, Oldenburg, Hannover, Holland usw. erstreckte. Doch die Abgelegenheit des Werkes, für welche die in der Umgegend von Gravenhorst befindlichen Raseneisenerze und auch das dort vorhandene Betriebswasser bei der Wahl des Platzes für die Hütte ausschlaggebend gewesen waren, erwiesen sich als großer Nachteil. Die Hütte erhielt, da sich die Einwohner von Gravenhorst kurzsichtiger Weise gegen einen Eisenbahnanschluss wehrten, keinen Anschluss an die 1856 eröffnete Eisenbahn und war deshalb nach wie vor, sowohl bei der Anfuhr der Rohmaterialien, als auch bei dem Versand ihrer Fertigwaren, auf Pferdefuhrwerke angewiesen. Dieses war auch wohl der Hauptgrund, weshalb die Hütte nicht die Ausdehnung, wie manch anderes Schwesterwerk, genommen hat. Doch hat sie sich durch Verbesserung der betrieblichen Einrichtungen stets auf der Höhe ihrer Leistungsfähigkeit gehalten. Dem bereits vorhandenen Inoxydrierwerk wurde 1903 ein Emaillierwerk angegliedert. Auch die Einrichtung einer Vernickelei fällt in diese Zeit. Die Arbeiter, bis zu 200 an der Zahl, kamen mit Ausnahme von einigen Facharbeitern, aus Gravenhorst und den benachbarten Gemeinden. Als man im Jahre 1906 das hundertjährige Bestehen der Eisenhütte festlich beging, sah man noch hoffnungsfreudig in die Zukunft. Doch der Weltkrieg blieb mit seinen Begleiterscheinungen nicht ohne Einfluss auf das Werk. Es ging immer mehr zurück und kam im August 1926, nach über einem jahrhunderte langen, erfolgreichen Betrieb seitens der Firma Primavesi zum Erliegen.



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Der Arbeiterschaft bemächtigte sich dieserhalb eine bange Sorge um die so düster vor ihnen liegende Zukunft, denn durch die Stilllegung des Hüttenwerkes wurde ihr nicht nur eine lieb gewonnene Beschäftigung, sondern in vielen Fällen sogar jede Erwerbsmöglichkeit genommen. Im September desselben Jahres ging die Eisenhütte in den Besitz der Fabrikanten H. Niemeyer Söhne in Riesenbeck über. Diese richteten nun das Werk neuzeitlich ein und verbesserten es durch Aufstellung von modernen Formmaschinen, wie Wendeplattenform-Maschinen, stoßfreie Rüttelformmaschinen, Abhebeformmaschinen und Durchziehformmaschinen. Der Betrieb wurde bald wieder aufgenommen, so dass anfangs des Jahres 1927 die weiß glühende Masse sich wieder zu den ihr aufgezwungenen Formen ergoss.


Der Ibbenbürener Steinkohlenbergbau
Von Hubert Rickelmann
Das Steinkohlenbergwerk bei Ibbenbüren baut auf einer Karbonplatte, die sich unmittelbar im Norden der Stadt Ibbenbüren mit seinem höchsten Punkt um etwa 100 Meter über die benachbarte Ebene hinaus erhebt. Dieses Gebirge hat die Form eines Ovals, eine Länge von etwa 13 km, eine Breite von 5 km und streicht in seiner Längsrichtung von Nordwesten nach Südosten. Während das Berggelände im Osten allmählich in das Osnabrücker Hügelland übergeht, hat es im Übrigen nach allen anderen Richtungen hin ein ziemlich steiles Abfallen. Während der Südrand nur wenige, unbedeutende Einschnitte aufweist, zeichnet sich der Nordrand durch einige größere Taleinschnitte aus. Die bedeutendste Talsenkung ist der Bockradener Graben, der das Gebirge in eine östliche und westliche Hälfte zerlegt, wovon erstere den Namen Schafberg führt, letztere Dickenberg genannt wird.



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Die Schichten des Ibbenbürener Steinkohlengebirges bestehen in der Hauptsache aus festen Sandsteinen, Konglomeraten und sandigen Schiefertonen, denen eine Anzahl abbauwürdiger Flöze eingelagert sind. Durch den Bergbau sind bisher 11 Flöze erschlossen worden, und zwar ein Flözchen ohne Bezeichnung und die Flöze Franz, Buchholz bzw. Flottwell, Alexander, Dickenberg, Glücksburg, Bentingsbank, Schmalebank, Saar, Reden und Theodor. Von diesen Flözen werden Buchholz bzw. Flottwell, Glücksburg und neuerdings auch Reden und Theodor abgebaut. Die ersten Anfänge des Ibbenbürener Steinkohlenbergbaues liegen zeitlich an der Wende des 15. Jahrhunderts. Nach der ältesten schriftlichen Kunde lieferten die Kohlengruben in der Grafschaft Tecklenburg zu Anfang des 16. Jahrhunderts Kohlen für den Hausbrand nach Osnabrück. Da aber die Gewinnung von Steinkohlen in dem benachbarten Hochstift Osnabrück schon 1461 urkundlich erwähnt wird und die Osnabrücker Schmieden nachweislich schon um 1490 Kohlen zur Feuerung gebrauchten, kann wohl mit ziemlicher Sicherheit angenommen werden, dass auch in den Grafschaften Tecklenburg und Lingen (dem heutigen Kreis Tecklenburg), wo die Kohlen an den Hängen des Kohlengebirges zu Tage ausgehen, um diese Zeit schon Kohlen gewonnen wurden.

Der Bergbau wurde von den damaligen Landesherren, den Tecklenburger Grafen, geführt. Um 1633 bezog die Saline Rheine Kohlen aus der Obergrafschaft Lingen. Aus dem Jahre 1676 liegt noch ein Vertrag vor, nach welchem der Graf Johann Adolf von Tecklenburg dem Freiherrn von Belen und Papenburg Schafberger Kohlen für seine 3 Salzhütten bei Bentlage, Radenberg und Bevergern zu liefern hatte. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts war die Zeche Schafberg auf dem östlichen Gebirgsende an den Ibbenbürener Bürger Menco Mettingh verpachtet. Von dem Betrieb auf dem westlichen Ende des Gebirges in der Obergrafschaft Lingen wird uns nur wenig überliefert. Hier sind es die vielen bis in das 19. Jahrhundert hinein noch in verhältnismäßig größerer Teufe immer wieder angetroffenen alten Grubenhaue, die von einem alten Bergbau zeugen. Dieser ist nicht, wie man wegen Fehlens jeglicher Nachrichten anzunehmen geneigt war, unbedeutend gewesen, sondern hat schon einen ziemlichen Umfang gehabt.



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Als Mettingh im Jahre 1699 sein Pachtverhältnis nicht erneuerte, blieb die Grube auf dem Schafberg einstweilen außer Betrieb. Nachdem dann die beiden Grafschaften , die Obergrafschaft Lingen im Jahre 1702 und die Grafschaft Tecklenburg im Jahre 1707, an die Krone Preußens kamen, suchte die preußische Regierung die Grube durch Verpachtung wieder in Gang zu bringen. Als ihr das nicht gelang, übertrug sie die Grube Schafberg dem ältesten Sohn Mettinghs, Gerhard Dominikus, gegen Zahlung des Zehnten, der sie bis 1747 betrieb und sodann die Konzession und die gesamte Grubenanlage für 1000 Reichstaler an den König von Preußen verkaufte. Seitdem ist der Betrieb, abgesehen von der französischen Fremdherrschaft von 1806 - 1813, auf landesherrliche Rechnung geführt worden. Auf dem westlichen Gebirgsteil bildeten sich um 1740 im Westen die Zecke Dickenberg, im Nordwesten die Zeche Buchholz und später (1804) im mittleren südlichen Teil die Zecke Glücksburg. Anfänglich wurden die Kohlen am Ausgehenden der Flöze in Pingen und später durch kleine Schächte, die mit Haspeln oder Pferdegöpeln betrieben wurden, gewonnen. Als dann mit der Zunahme der Teufe sich die Wasserzuflüsse vermehrten, so dass sie mit den einfachen zur Verfügung stehenden Hilfsmitteln nicht mehr bewältigt werden konnten, wurden zur Ableitung derselben Stollen angelegt. Die bedeutendsten Stollenanlagen im Ibbenbürener Bergbau sind: Der Dickenberger Oberstollen, der Preußische Adlerstollen auf dem Schafberg 1741, der Buchholzer oder Steinbecker Stollen 1748, der Schafberger Oberstollen 1752 und der tiefe Schafberger Stollen 1804. Dem gleichfalls in diesem Jahre angelegten Glücksburger Oberstollen folgte drei Jahre später der Glücksburger Mittelstollen. Die größte Stollanlage ist der 1771 begonnene Dickenberger tiefe Stollen. Derselbe wurde am westlichen Fuße des Kohlengebirges angesetzt und in 90 Jahren bis zum von-der-Heydt-Schacht oberhalb Ibbenbüren vorgetrieben und hat eine Gesamtlänge von 7,5 Kilometer. Er dient heute noch zur Ableitung eines Teiles der Grubenwasser. Im Vergleich mit den anderen Revieren ist der Ibbenbürener Bergbau verhältnismäßig frühzeitig entwickelt gewesen. Während im Essener Bezirk zu Beginn des 19. Jahrhunderts in 115 Steinkohlengruben zusammen nur 1211 Arbeiter beschäftigt wurden, die Durchschnittsbelegschaft betrug also nicht einmal 11 Mann, und das größte Unternehmen zählte gerade 38 Bergleute-, waren auf den Ibbenbürener Gruben 113 Knappen tätig. Die Grube Glücksburg entwickelte sich infolge ihrer guten Ausschlüsse am besten. Hier wurde im Jahre 1822 der seigere Abendsternschacht abgeteuft, der 1825 als erster in Ibbenbüren mit einer Dampffördermaschine ausgerüstet wurde. Diesem Schacht folgte im Jahre 1835 der Glücksburger Hauptschacht und 1844 der Beustschacht. Die Zeche Dickenberg, wo lange Zeit hindurch der Hauptbetrieb stattgefunden hatte, wurde im Jahre 1826 stillgelegt. Einen wesentlichen Aufschwung nahm der Bergbau, als durch die Eröffnung der Eisenbahn Osnabrück - Rheine im Jahre 1856 neue Absatzgebiete erschlossen wurden. Um den erhöhten Anforderungen gerecht werden zu können, erfuhren die Betriebsanlagen eine wesentliche Vergrößerung, mit der die Niederbringung einer Reihe von Tiefbauschächten verbunden war.


Es wurden begonnen:
1852 Schacht von-der-Heydt,
1856 Schacht Pommer-Esche und der nach ihm führende Püsselbürener Förderstollen,
1860 Schacht von Oeynhausen (Wasserhaltungsschacht) und der Ibbenbürener Förderstollen,
1862 der Seil-Schacht,
1870 der von Oeynhausen-Förder-Schacht,
1889 Schacht Theodor, der als Jahr- und Wetterschacht für das östliche von Oeynhausenschachtfeld dient.


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Im Westfeld wurde nach Einstellung des Pommer-Esche-Schachtes im Jahre 1879 der 1864 angelegte Bernhardschacht wieder aufgewältigt und zur Förderung benutzt. Diesem folgte 1884 der Rudolfschacht. Hatte der Ibbenbürener Bergbau mit seinem ärgsten Feind, dem Wasser, von jeher schwer zu kämpfen gehabt, so überragte der folgenschwere Wasserdurchbruch in den Julitagen des Jahres 1894 alle bisherigen Wassersnöte. Im Flöz Glücksburg hatte man eine streichende Störung angefahren, die mit der Verwerfung am Südrande des Kohlengebirges in Verbindung stand und sehr Wasser führend war. Die vorhandenen drei Pumpen waren den über 10 Kubikmeter je Minute betragenden Wasserzuflüssen nicht gewachsen, so dass die Gubenbaue ersoffen. Nachdem die v. Oeynhausenschachtanlage erneuert und mit leistungsfähigen Maschinen und Pumpen, die als die größten der Welt angesprochen wurden, ausgerüstet worden war, nahm der Sümpfungsbetrieb seinen Anfang. Nach jahrelangem, schwerem Kampf mit der elementaren Gewalt der riesigen Wassermasse konnte die Sümpfung glücklich vollendet und im Oktober 1898 die Förderung wieder aufgenommen werden. Die bereits vor dem Ersaufen der Grube begonnene Aufbereitung am Bahnhof Ibbenbüren, die aus Separation, Kohlenwäsche und Brikettfabrik mit zwei Pressen bestand, wurde nun fertig gestellt und im Oktober 1899 in Betrieb gesetzt, so dass nunmehr auch Stückkohlen, Nuß I, II, III und später auch Nuß IV sowie Briketts auf den Markt gebracht werden konnten.
Von nun an zeigt die Förderung eine stetige Aufwärtsbewegung. Die beiden v. Oeynhausen-Schächte wurden in den späteren Jahren bis zur 2. Tiefbaukohle abgeteuft und die Förderung nach dieser Sohle verlegt. Durch die Ausdehnung der Grubenbaue nach Osten zu erlangten die Förderwege eine außergewöhnliche Länge, was sich bei den engen Bauen und kleinen Förderwagen mit schmaler Spur umso schlimmer auswirkte. Außerdem waren die vorhandenen Anlagen veraltet und unzureichend geworden. Man war daher, sollte die Grube lebensfähig bleiben, gezwungen, die gesamte Anlage auf den Stand zu bringen, der den neuzeitlichen, technischen Erfordernissen entsprach. Dieser Umbau wurde im Jahre 1924, in dem das Werk in der Preußischen Bergwerks- und Hütten-Aktiengesellschaft aufging, in Angriff genommen. Mit großer Umsicht wurde an die Lösung dieser schwierigen Aufgabe herangegangen. Im Ostfeld wurden zunächst die beiden Schächte mittels Zementierverfahrens bis zur 3. Tiefbausohle niedergebracht und hierselbst in einer hergestellten Pumpenkammer eine aus 6 Sulzer-Pumpen mit elektrischem Antrieb bestehende Wasserhaltung aufgestellt. Der Theodorschacht wurde 1924 bis zur 2. Sohle niedergebracht und hier eine elektrisch betriebene Fördermaschine aufgestellt. Im Westfeld wurde zur Ausrichtung der Hauptmulde 1920 der Mariannenschacht abgeteuft. Auf dem v. Oeynhausenschacht erhielt der alte Förderschacht ein modernes Fördergerüst und eine leistungsfähige, mit Dampf betriebene Fördermaschine. Während im Westfeld bereits am 1. Juli 1926 die in Püsselbüren errichtete neue Separation und Wäsche in Betrieb genommen werden konnte, erstand im Ostfeld in rascher Folge ein neues Kesselhaus für Kohlenstaubfeuerung, Bürogebäude, Hochwasserbehälter, Förderbrücke, Schachthalle mit Separation und Verladung, Kohlenwäsche, sowie eine Brikettfabrik mit zwei Vollbrikett- und zwei Eierformbrikett-Pressen und endlich eine neuzeitliche Kompressoranlage.



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Eine Grubenanschlussbahn von etwa 6,5 km Länge, deren Ausführung sich, da sie über sehr unebenes Gelände geführt werden musste, sehr schwierig gestaltete, dient zum Abtransport der Kohlen zur Reichsbahn. Auch die anderen Schachtanlagen wurden ausgebaut und neuzeitlich eingerichtet. In den Osterfeiertagen des Jahres 1928 konnte die Umstellung des gesamten Betriebes erfolgen, die in wenigen Tagen durchgeführt wurde und ein technisches Meisterstück darstellt, und zugleich konnte die Förderung nach der 3. Sohle verlegt werden, woselbst nun mit 0,6 t fassenden, eisernen Förderwagen mit einer Spurweite von 600 mm gefördert wurde. Die früheren Förderwagen fassten nur 0,4 t und hatten eine Spur von 380 mm. Am 16. April 1928 rollten die ersten Kohlenzüge von den Höhen des Schafberges zu Tal. Zugleich mit dem Ausbau der Tagesanlagen erfuhr auch der Unter-Tage-Betrieb eine vollständige Umstellung. Anstelle der veralteten Fördereinrichtungen traten neue, die teils elektrisch, teils mit Druckluft angetrieben werden. Waren damit die vordringlichen Arbeiten für die Neugestaltung des Werkes durchgeführt, so wurde der schon 1923 erwogene Plan, einen neuen Förderschacht abzuteufen, im Jahre 1930 in die Tat umgesetzt. Der im Februar 1930 begonnene Von Oeynhausenschacht III konnte unter Überwindung mancher Schwierigkeiten im Herbst 1931 bei 338 m Teufe mit der 3. Tiefbausohle zum Durchschlag gebracht werden. Nachdem Fördergerüst, Schachthalle und Kohlentransportbrücke fertig montiert und die elektrisch angetriebene Fördermaschine aufgestellt worden war, konnte im westlichen Förderturm mit vier-etagigen Förderkörben am 22. Juni 1932 die Förderung aufgenommen werden. Damit stand die unter ungeheurem Kostenaufwand in etwa einem Jahrzehnt durchgeführte Erneuerung ihren Abschluss. Die neue Zeit, die ein halbes Jahr später mit der Machtübernahme durch Adolf Hitler einsetzte, fand das Werk zwar in seiner technischen Vollendung vor, doch lagen die sozialen und kulturellen Verhältnisse, wie überall in deutschen Landen, auch hier sehr im Argen. Zwiespalt, Zerrissenheit, Misstrauen zeigten sich auf allen Gebieten. Mit starker, sicherer Hand wurde durch unseren Führer Adolf Hitler die Lebensgestaltung des ganzen Volkes von Grund auf erneuert. Die Arbeit erhielt wieder Sinn, Zweck und Ziel. Altes, in Verfall geratenes bergmännisches Brauchtum bekam wieder neues Leben. Die alte Bergmannstracht wurde wieder hervorgeholt. Im Sommer 1934 feierte die Ibbenbürener Gefolgschaft nach zwanzigjähriger Unterbrechung zum ersten mal wieder ihr alt überliefertes Bergfest, wozu die neu gebildete Bergkapelle aufspielte. Zur Pflege bergmännischen Gesanges wurde ein 80 Mann starker Bergsängerchor gegründet. Dienstjubiläen finden wieder gebührende Ehrung, die alljährlich am Tage der Arbeit, dem 1. Mai, vorgenommen wird. Dem Austausch völkischen und bergmännischen Gedankengutes und zur Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls dient die vom Werk jedem Gefolgschaftsmitglied alle 14 Tage kostenlos gelieferte Werkszeitung. Betriebszellenabende bringen Abwechslung und Zerstreuung und fördern die Kameradschaft. Zur beruflichen Weiterbildung werden Schlepper und Hauer in Lehrkursen geschult. Besondere Aufmerksamkeit wird der Heranbildung bergmännischen Nachwuchses zugewandt. Schulung und Sport tun ihr Übriges, die Jugend im nationalsozialistischen Sinne zu erziehen.



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So ist um die Neugestaltung bergmännischen Wesens bereits zielbewusste und wertvolle Aufbauarbeit geleistet worden. Mit diesen kurzen Ausführungen soll der Gang durch die über vierhundertjährige Geschichte des Ibbenbürener Steinkohlenbergwerkes beendet werden. Konnte seine Entstehung und Entwicklung wegen des beengten Raumes nur in kurzen Zügen gestreift werden (die ausführliche Geschichte des Ibbenbürener Steinkohlenbergwerkes mit reichhaltigen Illustrationen erscheint in Kürze im Selbstverlag des Verfassers), so gibt nachstehende Aufstellung einen Überblick über das gewaltige Emporblühen dieses Werkes in den letzten 100 Jahren:


Jahr
Förderung
Belegschaft
 
 
1835
22487 t
195 Mann
   
 
1845
24964 t
245 Mann
   
 
1855
48415 t
369 Mann
   
 
1865
93835 t
628 Mann
   
 
1875
135876 t
881 Mann
   
 
1885
79458 t
539 Mann
   
 
1895
9330 t
229 Mann
- im v. Oeynhausenschacht fiel die Förderung wegen
 
 
1905
201834 t
779 Mann
Ersaufens der Grube aus.
 
 
1915
267759 t
929 Mann
   
 
1920
258459 t
1848 Mann
   
 
1925
340213 t
1739 Mann
   
 
1930
715796 t
2247 Mann
   
 
1935
849516 t
2656 Mann
   

Möge das Ibbenbürener Steinkohlenbergwerk, das sich aus kleinsten Anfängen zu einem bedeutenden Werk mit neuzeitigen Einrichtungen emporgearbeitet hat, auch weiterhin blühen und gedeihen und noch recht lange eine Quelle reichen Segens bleiben für Heimat, Volk und Vaterland.


Seitlich vom Hermannsweg,
F. Rohlmann


Vor Jahren wusste man noch nichts vom Hermannspfad. Wir gingen diesen Kammweg des Teutoburger Waldes schon als Kinder, wenn wir am Ostersonntag den "lechten Placken" zum Ballspiel aufsuchten, hernach Holz zum Osterfeuer zusammentrugen, das dann in früher Abendstunde seine Feuergarben weithin sichtbar zum Himmel empor schleuderte. Damals suchten wir vom Bergkamm auch wohl den Scheiperpütt, (Schäferquelle) diese Quelle auf der Berghöhe, die schon nicht mehr Schafen, wohl aber Rehen Erquickung bot. Durchs Dornengebüsch bei Düwels-Tokehr schlugen wir uns nach der Senke, in deren Kuhlen ehemals Wildschweine gefangen wurden. Die Saujagd führte vor einem halben Jahrtausend schon den Grafen von Tecklenburg mit dem Bischof von Osnabrück ins Holperdorfer Tal. Sie hielten dann Rast auf der Grafentafel, dem Hrutanstein, der vor tausend Jahren Grenze war wie heute. Ein dort aufflammendes Feuer sah man in Tecklenburg. Lag dieser Felsblock in heiligem Feld? Das Volk sprach immer vom Heidenküenik, (Heidekönig) der dort ruhe. Man fand sein Grab nicht; aber wanderndes Stadtvolk gewann dieses blütenreiche Kirschenländchen (Holperdorp) lieb, es ruhte aus an den Duwensteinen und ließ vom Borgberg und der Bärenheide den Blick schweifen in das Nadelholz-Berggelände, das an eine Thüringer Landschaft erinnerte. Im Lienener Berge fand mancher auf verschwiegenem Pfade den Weg nach den Blockhütten, lauschte in früher Morgenstunde den Glocken (von Lienen) und horchte auf, wenn der Nachmittag den Lärm lauter Menschen brachte.



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Dann war es Stille im Dorf, dessen lindenumsäumte Kirche sich auf altem Wall heraushebt.

Bild: Hafen Bergeshövede

Im Turminnern schuf Heimatgeist den Gefallenen eine Ehrentafel eigenwüchsiger Prägung. Dieses wundervolle Schnitzwerk, dies Rosengerank lag vergessen ein Jahrhundert auf dem Kirchboden.

Bild: Tecklenburg. Durchblick zum Ehrenmal - Burgruine



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Als 1802 die Orgel des aufgehobenen Klosters Hardehausen der Lienener Kirche überwiesen wurde, war sie in ihren Ausmaßen gewaltig. So verschwand damals manches, das künstlerischer Sinn nun an einen Ehrenplatz rückte.

Bild: Alte Wallhecke in Ringel bei Lengerich - Nähe Gut Erpenbeck

Lienen hat man das schönste Dorf Westfalens genannt. Bemerkenswertes fanden wir dort viel. Schoaltigge (Thieplatz), alte Post und Hohes Haus raunten von Vergangenem, und aus Volkshochschulheim, Gemeindehaus klang deutschfrohes, heimatbewusstes Wollen.

Bild: Das Bocketal - Blick vom Dreikaiserstuhl



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Die alte Heerstraße, den Deetweg (Deet - Volk) nach Lengerich beschritten die Horden des Dreißigjährigen Krieges. Drum rückten die Bauern ihre Häuser zurück in den Wald. Heute zwar schweifte der Blick zumeist ungehindert zu ihnen herüber. Nur der Hof Tiemann lag hinter der Wote, deren Hain gewiss in germanischer Zeit ein Heiligtum barg. Der iserne Biabaum weiß um eine alte Sage, die fast nicht mehr hinpasst in die Kalk- und Zementindustrie von Lengerich-Hohne.

Bild: Botanischer Garten bei Ibbenbüren - Affenbrotbaum

Aber dort führten die gewaltigen Kalkwände mit ihren Faltungen und Bruchflächen eine eherne Sprache, die erkennen ließ, dass alles Menschwerk doch klein und nichtig. Die Kalkflora wies uns manch seltenen Gast. Seidelbast, Bienen-Orchis, vierblättrige Einbeere, Enzian und pfirsichblättrige Glockenblume grüßen den Wanderer. Ein kleines Naturschutzgebiet liegt gar im Bereich der Provinzialheilanstalt, die an tausend Menschen birgt und einen Grundbesitz von 212 Hektar aufweist. Um der holländischen Gemüseeinfuhr zu begegnen, sind da Gemüsetreibhäuser eingerichtet. Durften wir am Margaretenbrunnen Lengerichs vorbeigehen? Ein wundergläubiges Geschlecht holte sich aus seinen Fluten Gesundheit und brachte die Summen auf für das Gotteshaus, dessen Grundstein nach einer Chorinschrift 1497 gelegt ist. Der Bau erregte im Dreißigjährigen Krieg selbst die Bewunderung des päpstlichen Gesandten, ruht doch wie im Remter der Marienburg das Dach auf dem mächtigen Mittelpfeiler. Lengerichs erstes Kirchlein war wohl ein schlichter Holzbau, der in karolingischer zeit errichtet wurde, werden doch in den Heberegistern die Kirchen von Lengerich und Westercappeln immer zuerst genannt.



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Vom kahlen Klee, dessen Hänge jungen Segelfliegern sonntäglich ein willkommenes Versuchsfeld bieten, glitt unser Blick in die Weite nach den Bischofsstädten Osnabrück und Münster. Ihre Schlüssel waren einst in den Händen des Tecklenburger Grafen. Das Schloss Tecklenburg sank in Trümmer, nur die Wappen am Tor künden noch eine stolze Vergangenheit, der fünfkantige Schiffsturm erstand.

Bild: Elternhaus des Stabschefs Lutze in Bevergern

Er zeigt auf den Osnabrücker Dom und den Gipfel des Dörenberges, die Kirchen Lengerich und Rheine und auf das Heilige Meer, und der Wierturm hält die Erinnerung wach an den Mann, der den Kampf gegen den Hexenwahn aufnahm. Graf Arnold gab ihm hier einen Ruhesitz und konnte doch selber in seiner Herzensunrast nicht Frieden finden, irrte von Bentheim nach Steinfurt, Wevelinckhoven, Rheda, überließ den Prozess gegen Holms seinen Erben, die dann 1707 den Preußen weichen mussten. Bergers Linde überschattete Tecklenburgs Marktplatz. Zu ihren Füßen spielte einst Friedrich Adolf Krummacher, als Parabeldichter allen bekannt, dessen Geburtshaus in der steilen Seitengasse auch uns lockte. Damals konnte man noch die Burg frei umschreiten, durch den Weingarten die Hexenküche erreichen und hinabschauen ins Tal auf Haus Marck, das heute noch im Besitze der Familie ist, die es vor Jahrhunderten begründete.

Bilder: Haus Cappeln und Eingangstor und Haus Marck bei Tecklenburg

In den Mauern dieses Herrensitzes erblickte Vater Bodelschwingh, der Gründer der Bethelschen Anstalten, als Sohn des damaligen Landrates, das Licht der Welt.

Bild: "Römer" in Lengerich

Vom Bismarckturm, der sich auf dem altem Windmühlenhügel erhebt, fiel unser Blick noch einmal auf das Bergnest zurück.



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Da schlummerte drüben auf einsamem Friedhof unter einem Findling Heinrich Hart. Aus dem Getriebe der Weltstadt fand er seinen letzten Weg in diese stille Bergwelt. Seitab dunkelten die Buchen am Heidentempel. Blumen umgürten die Rodelbahn, die im Winter schwingendes Jungblut hinab gleiten ließ nach Holthausen. Dort erhofft gebrechliches Alter im Schwefelbad nun Heilung. Über den Blücherfelsen (Küenecks-Stuhl) führte der Weg nach Brochterbeck, das durch die in Inflationstagen auflebende Kalkindustrie so unsanft aus seinem Frieden gestört wurde. Das Gelände von Bocketal bis nach den Dörenther Klippen müsste als Naturschutzgebiet erhalten bleiben. Wechselvoller kann ein eng umschriebenes Gebiet kaum sein. Mooriges Gelände schauten wir im Grunde, dürre Kiefernheide und nackten Fels oben.Voß-Lieth und Wolfschlucht sind vergessene Täler, deren herbe Schönheit noch so wenig bekannt ist. Ibbenbüren ist nicht mehr die schmutzige Kohlenstadt. Seit von Oeynhausen eine Bahn nach Esch führt, stört hier Kohlenverkehr die Stadt nicht mehr. Gern ständen wir nun auf dem Rochus, hinabzuschauen auf den Heidenturm, auf die Neubauten beim Gut Grone und das baumumschattete Forsthaus Langewiese. Wir möchten auch noch wohl nach dem verträumten Gravenhorst oder schräg bergan über die Höhe nach dem Reinhildisdorf Riesenbeck. Doch wir gingen links, überquerten den Hermannsweg und suchten am Silberband des Kanals das Gehöft Loismann in Dörenthe, um in dem in seiner Art einzigartigen botanischen Garten dieses Bauern staunend die Blütenschönheit ferner Zonen zu genießen.


Weitere Bilder aus der Geschichte der SA
Bild: Aufnahme von der Weihe der ersten Sturmjahre in Lengerich im Jahre 1931
Bild: SA im Jahre 1931

Handwerkerschaft des Kreises Tecklenburg
(Bild: Kath. Volksschule in Laggenbeck i. W.)


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Ibbenbüren
Geschichts- und Heimatverein


Dort, wo der Teutoburger Wald, früher Osning genannt, in die holländische Tiefebene zu versinken beginnt, gabelt er sich in seinen letzten westlichen Ausläufern noch zu dem schönen Tale von Ibbenbüren, jener Stadt, die Mitte des 12. Jahrhunderts zuerst urkundlich genannt wird. Südlich des schmalen Ausläufers des Teutoburger Waldes reicht die zu Ibbenbüren gehörende Bauernschaft Dörenthe lang gestreckt in das münsterländische Tiefland hinein. Schroff gehen hier die nackten Felswände der Dörenther Höhen zu Tal. Ihre grotesken Sandsteingebilde, wie z.B. das hockende Weib, sind ein beliebtes Wanderziel der Touristen. Von den Dörenther Höhen sieht man als blitzendes Band den Dortmund-Ems-Kanal. Eine ehedem wichtige, heute gut gepflegte Landstraße von Ibbenbüren nach Münster durchzieht die Landschaft der Länge nach und überquert am Dörenther Hafen Dortmund-Ems-Kanal. Von der Höhe aus kann ihn das Auge bis Bevergern, dem Geburtsort des Stabschefs der GU Lutze, verfolgen. Nach Nordosten zweigt dort der Mittellandkanal von ihm ab. Aber noch weit über diesen hinaus bis an das Heilige Meer und die dortige Erdbruchstelle erstreckt sich der nordwestliche Teil von Ibbenbüren. Gute und preiswerte Hotels und Gasthöfe bieten den Besuchern von Ibbenbüren bestens Unterkunft und Verpflegung. Von Ibbenbüren aus bieten sich in die Umgebung schöne Wanderziele, z.B. nach dem nahe gelegenen Mettingen oder dem herrlich gelegenen Klostergut Gravenhorst. Es lohnt sich auch die Besichtigung der vielen in der Umgebung Ibbenbürens liegenden Sandsteinbrüche, deren Material zu Großbauten bevorzugt Verwendung findet. Von den Höhen des ausklingenden Osnings schaut über ein Jahrtausend die Tecklenburg ins deutsche Land. Nach Süden und Westen geht der Blick in die Tiefe und das Grün des scheinbar unendlichen Münsterlandes bis weit in Moor und Heide, die vor Hollands Grenzen liegen; nach Osten und Norden ist das Blickfeld enger; Hügel und Gebirgszüge, umkrönt vom deutschen Wald, zeigen das dem deutschen Mittelgebirge eigentümliche Gepräge. Und so geht ein ganz besonderer Reiz des Sehnens in den Besucher ein, wenn er von den Höhen bei Tecklenburg Umschau hält.



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An den Grenzen zweier deutscher Großlandschaften, des norddeutschen Flachlandes und des Tecklenburger Mittelgebirges, hält die Tecklenburg seit frühkarolingischer Zeit die Macht. Die Veste selbst, der Sitz der Grafen von Tecklenburg, ist nicht mehr. Die noch erhaltenen Ruinen, Portale und Burghöfe zeugen von ihrem Ausmaß. Wir wissen, dass sie einst die größte Burganlage Norddeutschlands war. Bescheiden und verwunschen duckt sich, wie ein Vogel im Nest, die alte Tecklenburg im Grün ihrer Bäume und träumt von stolzen Zeiten des einstmals mächtigen Dynastengeschlechtes. Um die Burg herum lagert sich die Stadt Tecklenburg. Es ist kein Ort mit lautem Getriebe und dem dröhnenden Schritt unserer materiellen Zeit. Still und einfach wie das herbe Land ihrer Väter sind die Bewohner dieses glücklichen Erdenwinkels. Ganz mit dem Boden ihrer Heimat verbunden, leben sie in Formen, die dem Lande schon seit Jahrhunderten eigen sind. Die Eigenart des Reizes des Besuches Tecklenburgs hat die verschiedenartigste Beurteilung ausgelöst. Fritz Mielert sagt von ihr: "In Tecklenburg ist es ewig Sonntag." Und Hans am Ende, der Worpsweder Maler, meint nach einem beglückenden Tecklenburger Aufenthalt: "Wäre mein Auge vor Jahren sehend gewesen wie heute, so wäre ich Tecklenburger geworden!" Und dürfen die Tecklenburger auch Sie erwarten? Wir laden Sie herzlichst ein, mit uns in der Stille unserer Stadt Tage und Wochen der Einkehr und Ruhe bei uns zu halten.



Es lieferten für die Festschrift folgende Beiträge:

Sturmhauptführer A. Fieg: "Die SA des Kreises Tecklenburg".
SS-Stabsscharführer H. Esch: "Aus der Geschichte des 2. SS-Sturms 19. SS-Standarte Ibbenbüren.
Der Führer des Bannes 263 Julius Hegemann: "Westfälische HJ." (fehlt)
Syndikus der Kreishandwerkerschaft G. Fletemeyer: "Das Handwerk im Kreise Tecklenburg".
Gruppenführer Hinkel: "Der Reichsarbeitsdienst im Kreise Tecklenburg".
Kreiswiesenbaumeister Mengenroth: "Arbeitsbeschaffung im Kreise Tecklenburg".


Druck von Bernh. Scholten, Ibbenbüren 1936





Foto Seite oben - Zeichnung von August Dorfmüller - Ibbenbüren 1844



© Förderverein Stadtmuseum Ibbenbüren e. V.
Breite Straße 9 - 49477 Ibbenbüren
Stadtmuseum Ibbenbüren
Aktualisiert/Update 22.06.2017
www.stadtmuseum-ibbenbueren.de
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