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Zeichnung von August Dorfmüller - Ibbenbüren 1844
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Lebensbeschreibung des Diederich Topp (22.11.1789 bis 1853)


Vorbemerkungen - Herkunft der Kladde

1 Vetter von Wilh. Topp aus den USA - 2 Wilhelm Topp, Ibbenbüren, Wilhelmstr. 70
 

Text der Handschrift übertragen von Werner Suer, Ibbenbüren, Tel. 14843, Okt. 2003.

Die Originalfassung in Handschrift enthält so viele Fehler, dass der Sinn bei wortgetreuer Wiedergabe nicht mehr zu verstehen ist, daher wurden Text, Satzbau und Zeichensetzung ohne starke Eingriffe in den Originaltext teilweise verändert.


Topp schrieb viele Wörter so, wie er sie gehört hat. Einige originelle "Lautsprache-Wörter" wurden, in Klammern gesetzt ( ) in den Text aufgenommen.


Einige Ortsbezeichnungen wurden von mir hinzugefügt und in Bindestriche gesetzt, vgl. auf S.7 - in Soest-
Im Original steht meine Transkription über den einzelnen Wörtern.
Die Lebenserinnerungen wurden von Topp in der Kladde mit dem Etikett "Qyietungen von Rötger" niedergeschrieben.
Wahrscheinlich war die leere Kladde des Röttger im Besitz von Topp und er hat das Etikett nicht betitelt mit " Lebensbeschreibung D. Topp "



Abbildung einer typischen Seite (45) aus der
"Lebensbeschreibung des Diederich Topp"

Textauszug Originalfassung

dar sah ich, das ich nur noch Einen........ Seite 45 oben : arm hatte. Dar badt ich ihr, sie sollten Doch Ein Bißchen stille halten mei arm Währe dar Liegen geblieben.......

 Foto Kladde: Werner Suer
Kladde - Seite 45





Abschrift der Kladde Topp - (73 Seiten)

Umschlagseite 1
- Etikett - Quittungen von Röttger - (Qyietungen von Rötger)
Seite 2 - Lebensbeschreibung Diederich Topp
Seite 3 - Ich, Heinrich Diederich Carl Topp, bin geboren den 22. November 1789. Als ich fünf Jahre alt war, verlor ich meine liebe Mutter durch den Tod, welche ich lange betrauert habe. Als ich in meinem 6ten Jahr war, kriegte ich eine Stiefmutter, die aber leider nicht gut zu mir war, so daß ich manchmal (mannigmahl) meine liebe, selige Mutter noch
Seite 4 - beweinen mußte in der (inde) Stunde, wenn ich daran dachte. Mein Schulunterricht war nicht zum besten, weil mein Vater nicht anders konnte als das er ( Schweine schlachten ? - unleserlich) ging. Und da ich auch dazu angehalten wurde, das ich das gleiche betreiben sollte, wozu ich keine Lust hatte, bat ich mehrmals meinen Vater, er sollte mich doch ein Handwerk lernen lassen, weil ich große Lust dazu hatte. Das wehrte meine Stiefmutter immer ab weil die viel Nutzen von mir im Hause hatte.
Seite 5 - Ich wollte gerne ein Handwerk lernen, daraus wurde nichts. Da traf es mal zu, dass ich ausgeschickt war in die Stadt, da begegnete mir ein Bauer. Der Mann fragte mich, ob ich wohl Lust hätte, bei ihm die Kühe zu hüten, ich sagte "ja" (ia). Er sollte mal mitkommen zu unserem Hause. Der Mann freute sich und ich noch mehr. Ich dachte, wenn ich erst vom Hause weg bin, dann habe ich es besser, erstens (Eßden), weil ich es zu Hause schlecht (Schlägt) hatte, aber leider, es wurde von meiner Stiefmutter abgeschlagen. Sie wollte es nicht haben,
Seite 6 - ich müßte zu Hause bleiben und ihr helfen. Das wollte ich nicht gerne, weil ich immer von morgens bis zum Abend Schläge von ihr bekam, so dass ich es nicht mehr aushalten konnte. Da kam es endlich, das ich mein 12tes Jahr erreichte (Erreigte), da wurde ich zur Konfirmation in der Petri - Kirche zu Soest feierlich aufgenommen und aus der Schule entlassen. Ich hatte aber leider Gottes davon wenig begriffen (Begrif), was das in sich hatte. Also, mit einem Wort, sie waren mich von der Schule los und ich hatte wenig oder gar nichts gelernt (gelärnd). Da war es
Seite 7 - eines Tages, das ich auch wieder tüchtig Schläge von meiner Stiefmutter bekommen hatte. Es war im Jahr 1801 im Monat Juni. Da schickte sie mich nach Planges auf die Wallburger Straße - in Soest-, um ein Pfund -Pfd- Schäl-Gerste (schellgerste) zu holen. Da traf es sich, das ich mehrere meiner Kameraden traf. Es war Vormittag und ich spielte damit. Da hatte ich mich vergessen, und nun war ich ängstlich vor den Schlägen, und es verzögerte ich von einem Augenblick zum anderen, bis es Mittag war. Da dachte (dagte) ich, nun darfst du gar nicht mehr nach Hause gehen, sonst schlägt
Seite 8 - sie mich tot (tohdt). Sie sagte mehrmals, sie wollte, das ich ihr von den Augen fort (vordt) bleiben sollte, denn sie hätte selbst Kinder, die ihre eigenen wären, darum wäre ich ihr über. Nun hatte ich das Geld für das Pfund Schälgerste, das war ein Guter Groschen oder 15 Pfennige. Da konnte ich nicht viel für kaufen. Ich ging den Tag über in der Stadt herum, weil mir die Zeit lang wurde, ich wäre gern wieder nach Hause gegangen, aber vor Angst konnte ich -es- nicht. Da verbrachte ich die Nacht auf den Bräutigamsplätzen - in Soest- . Da schlug ich mein Nachtlager auf, unter einer Bank auf der Straße und übernachtete unter Gottes freiem Himmel
Seite 9 - auf den Steinen. Des Morgens, als es Tag war, stand ich von meiner harten Lagerstätte auf und bat den lieben, allmächtigen Gott ganz inbrünstig, er solle mir doch in den Sinn geben, was ich machen soll, ob ich nach Hause gehen soll, oder nicht. Aber je mehr ich mit mir kämpfte, wieder nach Hause zu gehen, desto mehr Neigung kriegte ich , ich sollte in die Welt herein gehen. Ich tat, war mir der liebe, allmächtige Gott in den Sinn gab. Ich ging gegen 7 Uhr des Morgens aus der Stadt und weinte bitterlich auf dem ganzen Wege. Weinen und beten (Bähten), damit brachte
Seite 10 - ich den ganzen Tag zu. Am 1ten Tag ging ich bis nach Berwicke (Bärfike) - nordwestlich von Soest- und dort ging ich zu einem Bauern, da es Abend geworden war und hielt um ein Nachtlager an, das mir auch bereitwillig gewährt wurde. Geld hatte ich nicht, ich mußte mir helfen so gut ich konnte. Am 3ten Tag ging ich von Berwicke bis 2 oder 3 Stunden hinter Hamm. Als es wieder Abend geworden war, war ich vor einem Bauernhaus, da war eine alte Frau, die trieb die Kühe in den Stall. Da sah ich das sie damit


Seite 11 - viel zu tun hatte. Da war ich ihr behilflich, damit sie das Vieh (fieh) in den Stall kriegte. Als sie die Kühe im Stall hatte, da fragte die liebe Frau mich: "Du kleiner Junge (iunge), wo kommst du her?" Ich sage ihr, ich käme von Hamm. Ich wagte nicht, ihr zu sagen, das ich von Soest fortgegangen (vordt..) war, weil ich ängstlich war, sie würden mich wieder nach Hause holen. Da fragte die liebe Frau mich weiter, "wo willst du denn hin ?"Ich sagte, ich will nach Ostindien (ostindigen), das ist mein Vorhaben.
Seite 12 - Da sagte die liebe Frau: "Lieber kleiner Junge, dann bleib diese Nacht bei uns, denn es ist Abend, dann gehe morgen weiter." Das Anerbieten nahm ich sehr freundlich an. Am anderen Morgen war es Sonntag. Da schlief ich morgens sehr lange. Da kam die liebe Frau und weckte mich. Ich war noch tief im Schlaf. Da stand ich auf und waschte mich und dann bedankte ich mich und wollte fortgehen. Da sagte die liebe
Seite 13 - Frau : " Mein liebes Kind, du sollst so nicht fortgehen, du sollst er Kaffee trinken". Ich dachte, das ist gut. Da kriegte ich erst Kaffee mit Stuten satt, dann gab die liebe Frau mir noch ein Butterbrot mit in die Tasche. Das sollte ich unterwegs (..wehgens) essen. Da dankte ich nochmals herzlich (Härtzlich) und ging in Gottes Namen weiter. Als es ungefähr Mittag war, kam ich zu einem Wirtshaus. Da war ein Reitpferd (Reitfärd) vor dem Haus angebunden. Es war ein Schimmel,
Seite 14 - ein schönes Pferd. Ich stand davor und besah das Pferd. Da sah der Kaufmann, dem das Pferd gehörte durch das Fenster. Er sagte :" Du, kleiner, wo willst du hin?" Ich sagte "Ich will nach Ostindien." Der Kaufmann fing an zu lachen. Dann sagte er "Dann will ich dir Reisegeld mitgeben, damit überreichte er mir einen Guten Groschen. Da tat (tahdt) ich mich freundlich bedanken. Dann fragte er ich auch ein Butterbrot haben wollte. Ich sagte ja,
Seite 15 - wenn er mir eins geben würde. Ja, sagte er, dann sollst du eins haben. Dann kriegte ich eins, dann ging ich in Gottes Namen weiter. Als ich allein in der Heide war, legte ich mich auf die Erde und betete inbrünstig zu meinem lieben, allmächtigen Gott und bat ihn, das er mich doch nicht verlassen möchte und mich leiten und führen möchte auf allen meinen Wegen und mich vor böser Gesellschaft, die mich verleiten und verführen könnte, bewahren möchte. Als ich mein Gebet verrichtet hatte, richtete ich mich auf und sah gen Himmel und betete nochmals
Seite 16 - zu meinem lieben Gott und ging dann weiter. Und als es Abend geworden war, hatte ich die Sorge das ich wieder ein Nachtquartier (....kwatier) kriegte. Ich ging zu einem Bauern und hielt darum an. Es wurde mir auch gleich zugesagt und ich war auch recht froh. An dem Tag hatte ich keine weite Reise gemacht. Ich hatte mich sehr lange bei einem Schäfer in der Heide aufgehalten. Als ich vor Münster war, begegneten mir zwei Herren. Sie fragten mich, ob ich nach
Seite 17 - Münster wollte. Ich sagte ja. Da fragte der eine, ob ich für ihn einen Sattel mitnehmen wollte zu einem Wirtshaus. Ich sagte ja, warum nicht. Da sagte der Herr: "Dann will ich darauf schreiben, das sie dir ein Butterbrot geben, dafür das du den dahin bringst." Und dann gab mir der Herr noch einen Groschen. Und ich machte es auch richtig. Als ich hinter Münster war, kam ich an den Kanal, da lag ein Schiff. Da meinte ich, das Schiff ginge nach Holland. Ich dachte, wenn das Schiff dahin geht, wollte ich mit. Aber ich erfuhr, das der Kanal nur 8 Stunden lang war. (Max-Clemens-Kanal ?) Da machte ich mich wieder auf
Seite 18 - und wanderte ich Gotte Namen weiter. Dann kam ich bis nach Neuenkirchen (Neikirgen) bei Rheine. Da kam ich zu einem Bauern, sein Name war Rohardt. Der fragte mich, ob ich bei ihm bleiben wollte. Ich war gleich damit zufrieden, ich war froh. Dort kam ich im Juni 1801 an. Es war dort alles katholisch. Ich war gerade ein Jahr dort, da wollten sie, ich müßte katholisch werden, oder er dürfte mich nicht mehr behalten, der Pastor wollte es so haben. Ich sagte, das
Seite 19 - machte ich nicht. Da sagte der Bauer, dann müßte ich fortgehen. Ich sagte: "Ja, dann will ich gehen." Verdient hatte ich in dem ganzen Jahr ein Paar Schuhe und Essen bekommen und sonst nichts. Ich hatte also weiter nichts, als was ich an hatte. Ich wanderte nun weiter. Ich ging in Richtung Ohne, Grafschaft Bentheim. Als ich nach Ohne kam, ging ich gerade durch den Flecken und kam hinter die Gärten. Da war ein Bürger aus dem Ort, der pflügte mit zwei Pferden. Ein Pferd war braun das andere war ein Schimmel. Der Mann konnte die Pferde nicht gut dirigieren (Regieren). Da stand ich
Seite 20 - bei ihm und sah mit an, wie er sich mit den Pferden plagte. Da fragte der Mann, ob ich Zeit hätte und ihm ein paar mal die Pferde da herum führen würde. Ich sagte ja, ich habe Zeit genug. Es dauerte ungefähr eine Stunde, da war es vorbei. Dann wollte ich fortgehen, da sagte der Mann : " Wo willst du hin, kleiner Junge ?" Ich sagte, "ich will nach Ostindien". Da lachte er und sagte, dann solle ich erst mit zu seinem Haus gehen und etwas mit ihm essen. Ich nahm das gerne an. Sie hatten trockene .....


Alle weiteren Seiten (Seite 21 - Seite 73) und Chronologie zur Lebensbeschreibung des Diederich Topp hier als
Word doc zum download.(92 kb)



Lebensbeschreibung des Diederich Topp
Lebensbeschreibung des Diederich Topp
Abb. Kladde Topp - Stadtmuseum Ibbenbüren 



Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Wilhelm Topp - © 2011






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Aktualisiert/Update 02.09.2016
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