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Zeichnung von August Dorfmüller - Ibbenbüren 1844
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Vor 200 Jahren - Die Franzosenzeit in Ibbenbüren - Von Viktor Schneider

Auf der Säule, die der Verein für Ortsgeschichte Ibbenbüren e.V. (Historischer Verein) vor einigen Jahren an der Einmündung der Bahnhofstraße in die Oststraße aufgestellt hat, lesen wir bei der Darstellung der politischen Verhältnisse vor 200 Jahren: " 1806 - 1813 Kaiserreich Frankreich".
Diese aus Platzgründen gewählte etwas vereinfachende Formulierung bedarf einer Ergänzung.
In der Tat waren die Verhältnisse erheblich differenzierter.


Ibbenbüren gehörte damals seit 1702 zu Preußen

Säule des  Vereins  für Ortsgeschichte Ibbenbüren e.V.
  
Foto: Stadtmuseum

Ende des Jahres 1806 schlug Napoleon in der Schlacht von Jena und Auerstädt die Truppen Preußens und die der damit verbündeten Staaten. Damit war die Herrschaft Preußens auch in Westfalen zunächst beendet. Die preußischen Truppen hatten sich wegen des drohenden Krieges schon ab August 1806 kampflos zurückgezogen und überließen das Münsterland den vorrückenden Truppen, die unter Napoleons Oberhoheit standen.


Diese sogenannte französische Nordarmee wurde vom Bruder Napoleons, dem König Louis von Holland geführt. Dessen Divisionsgeneral Michaux, der die Vorhut der Besatzungsarmee geführt hatte, wurde vom Holländischen König zum Generalgouverneur der besetzten Gebiete ernannt. Etwas voreilig, denn schon wenige Tage später setzten seine Majestät der Kaiser von Frankreich seinen General Loison zum Chef des "ersten Generalgouvernements der eroberten Länder Münster, Osnabrück, Marck und Tecklenburg" ein.


Die alte preußische Verwaltung mit allen Beamten setzte ihre Arbeit fort. Die Generalgouverneure wechselten. Im
August 1807 war es General Canuel.

Die kriegerischen Handlungen zwischen Frankreich und Preußen wurden formell mit dem Frieden von Tilsit vom
9. Juli 1807 beendet.

Während Westfalen bis dahin als noch zu Preußen gehörendes französisches Besatzungsgebiet anzusehen war, wurde durch die Tilsiter Vereinbarungen nunmehr das Gebiet "abgetreten".

König Friedrich Wilhelm von Preußen entließ mit einem ‚Publicandum' vom 24. Juli 1807 seine Untertanen von den Pflichten Preußen gegenüber.


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Napoleon vermachte mit Vertrag vom 21. Januar 1808 unser Gebiet zusammen mit großen Teilen Westfalens an das Großherzogtum Berg. Zwar war auch dieses Großherzogtum ein Gebilde von Napoleons Gnaden aber formell - ebenso wie das Königreich Westfalen - ein selbstständiger Staat. Unsere ‚Hauptstadt' war Düsseldorf.

Die Trikolore

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Das Königreich Westfalen, zu dem Ibbenbüren entgegen der landläufigen Meinung nie gehörte, wurde von Kassel aus regiert. Zwar blieben die meisten der ehemaligen preussischen Beamten in ihren Ämtern. Die Verwaltungsstrukturen wurden aber nach französischem Muster in Departements, Arrondissiments und Kantone eingeteilt. Ibbenbüren gehörte zum ‚Departement der Ems' , dem Arrondissiment Lingen und war Kanton Ibbenbüren mit den umliegenden Gemeinden von Alstede bis Schierloh sowie Recke, Mettingen, Schapen, Schale, Hopsten mit den dazugehörigen Bauernschaften. Departementshauptstadt war Münster.


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Bekanntlich hatte Napoleon gegen England die sogenannte ‚Kontinentalsperre' - eine Art Wirtschaftsembargo verhängt. Um diese besser unter seine Kontrolle bringen zu können veranlasste er, daß zwischen der ,Einmündung der Lippe in den Rhein und Lübeck auf der Landkarte ein Strich gezogen wurde und alle nördlich davon liegenden Gebiete dem Kaiserreich Frankreich auch formell zugeordnet wurden. Das geschah mit dem Senatsconsult vom 13. Dezember 1810. Erst nun gehörten wir zu Frankreich. Administrativ gab es wieder einige Veränderungen. Da Münster beim Großherzogtum Berg verblieben war, wurde ein neues Departement gebildet. Wie im Mutterland Frankreich erhielt das neue Departement "Ems - supérieur" (Oberems) eine Nummer :130. Departementssitz war nun Osnabrück mit dem Präfekten Ritter der Ehrenlegion von Keverberg. Lingen und Ibbenbüren behielten ihre Funktionen und räumlichen Ausdehnungen. Der ehemalige preußische Domänenrat Mauve blieb in französischen Diensten als Unterpräfekt mit Sitz in Lingen.


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In Ibbenbüren wurde ein Friedensgericht nach französischem Vorbild eingerichtet. Es wurde nach dem "Code Napoleon" Recht gesprochen.

Der Kanton Ibbenbüren in seiner oben beschriebenen räumlichen Ausdehnung wird mit einer Bevölkerung von 11061 Seelen angegeben. Zu Zeiten der Zugehörigkeit zum Großherzogtum Berg waren es noch 12602.

Mit dem für Napoleon vernichtendem Ausgang der Völkerschlacht bei Leipzig vom 16. - 19. Oktober 1813 endete auch die "Franzosenzeit" in Ibbenbüren. Schon am 6. November rückten als Vorhut der alliierten Truppen Kosaken unter der Führung von Fürst Narischkin im hiesigen Raum ein und bereits am 14. November 1813 ernannte der preußische kommandierende General des 3. Armee-Corps von Bülow den ehemaligen Regierungspräsidenten in Potsdam Freiherr von Vincke zum Generalkommissar der wiederbesetzten preußisch - westfälischen Provinzen mit Sitz in Münster.

Unmittelbar nach Wiederaufnahme der preußischen Verwaltung arbeitete in Münster zunächst für einige Wochen eine "Provisorische Regierungskommission"


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1816 war dann die preussische Administration mit der Bildung der Landkreise und einer ordentlichen "Regierung" in Münster für Westfalen abgeschlossen.

Der ehemalige Preußische Domänenrat und spätere bergische und französische Unterpräfekt in Lingen Mauve wurde der erste Landrat des preußischen Landkreises Tecklenburg. Dieser bestand aus der alten Grafschaft Tecklenburg, der alten Obergrafschaft Lingen (Ibbenbüren, Mettingen, Recke, Brochterbeck) und Teilen des ehemaligen Hochstifts Münster (Hopsten, Hörstel, Bevergern) Lienen gehörte damals für ein paar Jahre noch zum Landkreis Warendorf.

Da Landrat Mauve in Ibbenbüren wohnte, war der Kreissitz bis zu seinem Tode 1821 in Ibbenbüren.
(Carl-Philipp Mauve (1754-1821)



spacerEhem. Haus Hoffschulte (Heute Feldmann) Unterer Markt - 1895


Von 1816 bis 1821 war im ehemaligen Haus Ferdinand Hoffschulte das
Landratsamt des Landkreises Tecklenburg untergebracht. Geheimrat
Mauve, der erste Landrat, hatte dort seinen Amtssitz.

<<< Ehem. Haus Hoffschulte (Heute Feldmann) Unterer Markt - 1895

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Foto: Sammlung Suer/Feldmann
 
 
Viktor Schneider, im August 2010






spacer Chronik ::
 1806 - Napoleon schlug in der Schlacht von Jena und Auerstädt die Truppen Preußens
 1807 - Die kriegerischen Handlungen zwischen Frankreich und Preußen wurden mit dem Frieden von Tilsit beendet.
 1807 - Mit einem ‚Publicandum' vom 24. Juli 1807 entließ König Friedrich Wilhelm von Preußen seine Untertanen
von den Pflichten Preußen gegenüber.
 1808 - Napoleon vermachte unser Gebiet zusammen mit großen Teilen Westfalens an das Großherzogtum Berg
  1808 Im 1808 gegründeten Königreich Westfalen unter Napoleons Bruder Jérôme Bonaparte war Osnabrück
Hauptstadt des Departements Weser-Ems und Sitz der Präfektur
 1813 - Mit dem vernichtendem Ausgang der Völkerschlacht (16. - 19. Oktober) bei Leipzig endete auch die
"Franzosenzeit" in Ibbenbüren.
 1816 war dann die preußische Administration mit der Bildung der Landkreise und einer ordentlichen "Regierung"
in Münster für Westfalen abgeschlossen.

spacer Links zum Thema ::
spacerLWL - Internet Portal "Westfälische Geschichte" - http://www.lwl.org/westfaelische-geschichte/portal/Internet/
 Napoleon Bonaparte - http://www.napoleon.historicum-archiv.net/themen/biographien/napoleon.html
 Wikipedia - Geschichte Frankreichs - http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Frankreichs
 Wikipedia - Preußen - http://de.wikipedia.org/wiki/Preu%C3%9Fen
 Wikipedia - Département de l'Ems-Supérieur - http://de.academic.ru/dic.nsf/dewiki/360518
 Wikipedia - Herzogtum Berg - http://de.wikipedia.org/wiki/Herzogtum_Berg

spacer Literatur zum Thema ::
spacerHelmut Stubbe-da Luz: „Franzosenzeit“ in Norddeutschland (1803–1814). Napoleons Hanseatische Departements. Bremen 2003 - . ISBN 3-86108-384-1.

Kerstin Theis / Jürgen Wilhelm (Hrsg.): Frankreich am Rhein. Die Spuren der „Franzosenzeit“ im Westen Deutschlands. - Köln 2008. ISBN 978-3-7743-0409


 


Ibbenbüren von der Vorzeit bis zur Gegenwart
Von Anton Rosen - 1969 - 119 Seiten, Gebunden
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IBBENBÜREN - Vom ländlichen Kirchspiel zur modernen Stadt
Von Friedrich Ernst Hunsche - Ibbenbüren 1974 - 256 Seiten, Gebunden
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Alt-Ibbenbüren - Bilder Berichte Geschichten - von Friedrich E Hunsche (Autor), Bernhard Holwitt
(Autor) 2. überarbeitete und erweiterte Auflage: Dezember 1980 - Gebundene Ausgabe: 272 Seiten
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Ibbenbüren. Einst und jetzt
Von Anton Rosen - Ibbenbürener Vereinsdruckerei, 1952 - 535 Seiten
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Foto Seite oben - Zeichnung von August Dorfmüller - Ibbenbüren 1844



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Aktualisiert/Update 02.09.2016
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