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Zeichnung von August Dorfmüller - Ibbenbüren 1844
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Dickenberger Stollen - Werdegang der Voßschulten Mühle im Rehdiek


1771 - Der tiefe Dickenberger Stollen

Der tiefe Dickenberger Stollen ist ein Stollen im Ibbenbürener Steinkohlenrevier. Er liegt im Ibbenbürener Ortsteil Püsselbüren am Rande des Schafberges. Er diente der Grube Dickenberg und später der Zeche Westfeld zur Ableitung des Grubenwassers. Heute fließt das Grubenwasser des überfluteten Westfeldes noch aus dem Stollen, da dieser der tiefstgelegene im Westfeld ist. Da die Vorräte des höher gelegenen Dickenberger Stollens zur Neige gingen, wurde 1771 der tiefe Dickenberger Stollen zur Wasserableitung der Grube Dickenberg angelegt. Am westlichen Fuße des Berges wurde zwischen den Ortschaften Püsselbüren und Uffeln der Stollen begonnen.

Stollenmundloch
  Foto: Werner Suer - 2013
Stollenmundloch - Dickenberger Tiefenstollen
 

Nach 615. m durch Sand und Gesteinsschichten jüngeren Alters wurde der Sandstein des Kohlengebirges angefahren. Als erstes wurde das Flöz Franz angefahren. Nachdem der Stollen weitere 398 m in das Gebirge getrieben worden war, wurde das Flöz Dickenberg erreicht. Diese befand sich hier 59 m unter der Stollensohle des Dickenberger Stollens der nun Dickenberger Oberstollen genannt wurde.
Die Eingesessenen der Obergrafschaft Lingen wurden zu Hand- und Spanndiensten beim Vortrieb des Stollens eingesetzt. Sie erhielten als Entgelt 6 Stüber. Das Wasser dieses Stollens floss in unregelmäßigen Lauf ab, soweit es nicht versickerte floss es bei Gravenhorst in die Ibbenbürener Aa. Später nutzte es die Gravenhorster Eisenhütte zum Waschen der Erze und als Antrieb eines Wasserrades. Außer der Grube Dickenberg wurden die Grube Glücksburg später entwässert. Seinen Endpunkt erreichte der Dickenberger Stollen mit 7,5 km oberhalb Ibbenbürens am Von-der-Heydt-Schacht. Später wurde die Zeche Westfeld mit dem Dickenberger Stollen entwässert. Der Wilhelmschacht hob das Grubenwasser auf die Stollensohle von der es abfloss. Mit der Stilllegung des Westfeldes soff das Westfeld bis zur Dickenberger Stollensohle ab. Durch den Stollen wird heute das Wasser des Westfeldes abgeführt.


Quelle: Wikipedia - https://de.wikipedia.org/wiki/Dickenberger_tiefer_Stollen


1822 - "Voßschulten Mühle" war das Prachtstück unter 25 Mühlen in Ibbenbüren

Bis Anfang der 1960er Jahre war der imposante Mühlenkomplex Voßschulte, eine ehemalige Zichorien-Mühle, als Kornmahl-, Öl- und Sägemühle am Rehdiek in Betrieb. Sie wurde 1964 abgerissen Die beiden hintereinander liegenden Wasserräder mit einem Durchmesser von 3,25 Meter setzten das komplizierte Holzgetriebe in Gang. Um ein Gefälle von vier Metern für das oberschlächtige Rad einer Wassermühle zu schaffen, wurde der Graben des "Dickenberger tiefen Stollens" in einem etwa 300 Meter langem Dammbett bis zum Mühlenhaus Voßschulte geleitet. Hinter dem hölzernen Gerinne befand sich im Gebäude das Mühlrad. Bis Anfang der 1960er Jahre war am Stollenbach in Püsselbüren "Voßschulten Mühle" in Betrieb. Die ungewöhnliche, große Kornmahl-, Öl- und Sägemühle war erwiesenermaßen, was die Einrichtung anbelangt, ein Prachtstück unter den Wassermühlen im Amt Ibbenbüren. Ein mächtiger Kollergang und eine Ölpresse sorgten für die Gewinnung von Speise- und Lampenöl aus Raps- und Hanfsamen und Bucheckern. Was aber kaum noch einer weiß, diese Anlage war ursprünglich eine Zichorien-Mühle (Sie hatte 2 liegende Mahlsteine aber keinen Kollergang). Aus den getrockneten Wurzeln der Zichorie wurde Kaffee-Ersatz, das viel begehrte Produkt zum Aufgießen gewonnen und in stangenförmige Paketen verpackt. Der Zichorien-Fabrikant Richtering war in Lengerich bei Lingen, im Königreich Hannover "domiciliert", wie man in der Akte des Staatsarchivs Münster lesen kann.



Als er im Jahre 1822 den Antrag stellte, auf den Gründen des Colon Niermeyer in Püsselbüren eine oberschlächtige Zichorien-Mühle anzulegen, gab es einen Sturm im Wasserglas. Die Zichorien-Fabrikanten Joseph Brons aus Hopsten und Ch. Rohlmann aus Bevergern legten Widerspruch beim Landrat in Tecklenburg ein. Sie beriefen sich darauf, dass der Zweck der bestehenden Zollgesetzgebung in Preußen doch kein anderer sein soll, als inländische Fabriken und Gewerbe zu begünstigen. "Richtering als Ausländer erfüllt bestimmt nicht seine Pfichten gegen König und Vaterland!" Die Beschwerdeführer blitzten bei ihrem Landrat ab, denn einen Monat darauf wurde dem Bauantragsteller die Konzession erteilt. 1887 ging die Wassermühle am Stollenbach an Heinrich 1 Voßschulte über. Dessen Sohn Heinrich 2 übernahm sie 1911 und erweiterte sie durch einen Sägebetrieb und schuf ein umfangreiches Unternehmen. Heinrich 1 Voßschulte verstarb 1959. Seine beiden Söhne führten den Betrieb noch einige Jahre weiter. Bei einem Wirbelsturm stürzte das alte Dach des Mühlengebäudes ein und die Mühle stand nun still. Rektor Stake vom Heimatverein und Albert Schwabe vom Dickenberg bemühten sich um die Erhaltung, indem sie sich an die Denkmalbehörde in Münster wandten. Das Land Nordrhein-Westfalen übernahm die Mühleneinrichtung. Familie Voßschulte stellte die intakte Einrichtung zur Verfügung. 1964 erfolgte der Abriss der Mühle. Die Mühleneinrichtung wurde zuvor abgebaut und sollte daraufhin in einem Mühlengebäude des Westfälischen Freilichtmuseums Hagen wieder eingebaut werden. Das ist nicht geschehen! (Der Kollergang liegt immer noch in Hagen-Breckerfeld, das Museum gibt ihn aber nicht mehr an Arthur Voßschulte zurück). Dafür ist dort eine andere Mühle errichtet worden, sehr zur Enttäuschung der Familie Voßschulte und auch aller traditionsbewussten Heimatfreunde.


Quelle: Kaffeegeschichten aus Ibbenbüren, Artikel von 2008


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Voßschulten Mühle im Rehdiek

1823 - Werdegang der Voßschulten Mühle im Rehdiek

Unmittelbar an der Grenze der Bauerschaften Uffeln und Püsselbüren existierte einst die für frühere Zeiten imponierende Wassermühlenanlage von Voßschulte. Obgleich auf Püsselbürener Gebiet am Rehdiek gelegen, war diese Kornmahl- und Sägemühle im 19. und 20. Jahrhundert auch eine Uffelner Mühle, weil sie von fast allen Uffelnern aufgesucht wurde. Die Einwohner der weiten Bauerschaft Püsselbüren waren da schon wählerischer, weil für viele Püsselbürener die Mühlen von Gravenhorst und vom Dickenberg sowie auch die Werthmühle in näherer Entfernung lagen. Karte TK 25 - 1920 >

Voßschulten Mühle im Rehdiek

Dazu kam, dass die Familie Voßschulte zum Uffelner Pfarrbezirk zählte und sich in großer Treue der Bauerschaft Uffeln und ihrer Marienkirche stets verbunden fühlte. Die Gründung der Wassermühle geht auf das Jahr 1823 zurück. Der Kolon Johann Caspar Richtering erbaute hier am Dickenberger Stollenbach eine Zichorienmühle, wo aus den getrockneten Wurzeln der Wegwarte die braunen Zichorienstangen hergestellt wurden, ein viel begehrtes Produkt zum Aufgießen von Kaffee-Ersatz. Richtering, der sich Zichorien-Fabrikant nannte, stammte aus Gersten im Kreis Lingen, wo er den gleichen Betrieb in Form einer Roßmühle besaß. Außerdem hatte der unternehmungsfreudige Fabrikant im Jahr 1822 schon eine zweite Zichorienmühle in Gravenhorst gebaut. Schließlich errichtete er hier am Stollenbach mit einer weiteren Zichorienmühle ein Wunderwerk der Mühlenbaukunst.


Um ein Gefälle von vier Metern für das oberschlächtige Rad einer Wassermühle zu schaffen, wurde der erwähnte Bach in einem etwa 300 Meter langen Damm-Bett bis zum Mühlenhaus geleitet. Im Jahre 1839 erweiterte Richtering die Mühle um einen Kornmahlgang und eine Ölmühleneinrichtung. Das Wasser ergoss sich über ein Gerinne in den überdachten Tunnel des großen Gebäudes, wo zwei hintereinander liegende Wasserräder mit einem Durchmesser von 3,25 Metern komplizierte Holzgetriebe in Gang setzten. Im Zuge der umfangreichen Erweiterung entstand ein imposanter zweistöckiger Mühlenbau in ländlicher Umgebung, ohne Zweifel die größte Wassermühle des 19. Jahrhunderts im Mühlenort Ibbenbüren, wie es sich bei den Nachforschungen des Berichterstatters ergab. Im Jahr 1880 erwarb Kolon Heinrich Voßschulte sen. aus Emsdetten die Mühle und verpachtete sie zunächst. Im Jahre 1911 übernahm sein Sohn Heinrich Voßschulte die Anlage und machte sie mit großem Unternehmungsgeist und Tatkraft zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor einer weiten Region. Er brachte ein besonderes System in den Ablauf des Mahlgeschehens, indem er mittels zweier Pferdefuhrwerke das Mahlgut auf dem Lande abholte und in Mehl umtauschte. Die Mahlgebühr betrug in den dreißiger Jahren eine Mark pro Zentner. Zwei Kutscher und zwei Müller waren beschäftigt. Im Mühlenbau war auch ein Lebensmittelladen eingerichtet, der von der Haushälterin von Heinrich 2, Frau Marieschen geleitet wurde. Alteingesessene werden sich an sie erinnern, allgemein "Fräulein" genannt, die bis an ihr Lebensende der Familie Voßschulte treu diente. Das Lebensmittelgeschäft existierte bis zum Jahre 1922. Von da ab wurde ein solcher Laden bei Josef Köster eingerichtet.


Im Jahre 1929 erfolgte ein weiterer großräumiger Anbau für eine Sägemühle, die ebenfalls mit Wasserkraft arbeitete. Durch einen Dynamo zur Stromerzeugung wurde der Großbetrieb autark. Heinrich Voßschulte war eine anerkannte Persönlichkeit, seine Ehefrau Maria war die Seele des ganzen Unternehmens. Heinrich Voßschulte verstarb im Jahre 1959. Seine Söhne führten den Betrieb noch einige Jahre weiter. Bei einem Wirbelsturm stürzte das alte Dach des Mühlengebäudes ein und die Mühle stand nun still. Rektor Stake vom Heimatverein Ibbenbüren und Albert Schwabe vom Dickenberg bemühten sich um die Erhaltung der Anlage, indem sie sich an die Denkmalbehörde in Münster wandten. Das Land Nordrhein-Westfalen übernahm die Mühleneinrichtung. Familie Voßschulte stellte die intakte Einrichtung kostenlos zur Verfügung. 1964 erfolgte der Abriss der Mühle, die Mühleneinrichtung wurde zuvor ausgebaut und sollte daraufhin in einem Mühlengebäude des Westfälischen Freilicht-Museum Hagen wieder eingebaut werden, das ist nicht geschehen. Dafür ist dort eine andere alte Mühle errichtet worden, sehr zur Enttäuschung der Familie Voßschulte und auch aller traditionsbewussten Heimatfreunde.



1919 - Der Landrat schreibt an den Bürgermeister Der Mühlenbesitzer Heinrich Voßschulte in Püsselbüren, Gemeinde Ibbenbüren-Land, hat das Recht, das Wasser des Stollbaches bei Betriebsstörungen in seiner Mühle auf dem Grundstück Gemarkung Ibbenbüren-Land Flur 8 Nr. 498/279, 499/279 und 500/280 durch den östlich der Parzelle 501/260 vom Stollenbach abzweigenden und etwa unterhalb der Mühle ihn wieder einmündenden Umflutgraben abzuleiten. Die Ausübung des Rechtes während eines Zeitraumes von mehr als 10 Jahren vor dem 1. Januar 1912 ist glaubhaft dargetan. (Blatt 24 der Akten). Die gesamten Unterlangen befinden sich in Blatt 18 bis Blatt N der Akten. Auf die Eintragung im Wasserbuch, Abteilung A, Unterabteilung, lfd. Nr. 2 wird verwiesen. Eingetragen auf Grund des Antrages vom 26. April 1919. 1 Heft Projektstücke liegt bei.


Quelle: Buch - Uffeln - Geschichte eines Ibbenbürener Ortsteils


An den Herrn Bürgermeister
des Amtes als
Wasser- Polizeibehörde in Ibbenbüren
Zur Niederlegung gemäß § 183 Absatz 3 des Wassergesetzes


1925 - Erläuterungen
zum Antrage des Mühlenbesitzers Vossschulte auf Eintragung eines Wasserbenutzungsrechts im Wasserbuch.

Die Wasserbenutzungsanlage des Antragsstellers liegt in Püsselbüren, Gemeinde Ibbenbürener Land. Sie erhält ihr Betriebswasser aus dem ca. 300 m oberhalb der Mühle zu Tage tretenden Dickenberger Stollenbach. Der Stollenbach liegt auf dieser ganzen Stecke bis zur Mühle im aufgetragenen Damm. Ein Aufstau des Wassers an der Benutzungsstelle tritt nicht ein, da das Wasser ungehindert abfließen muss.
Es sind lediglich zwei Einlass-Schleusen zum Antrieb des einen oder anderen Wasserrades angebracht von 0,75 u. 0,85 m lichte Weite für die vorhandenen zwei oberschlächtigen Wasserräder, die 3,70 u. 3,25 m Durchmesser aufweisen. Mit den Wasserrädern wird eine Kornmühle sowie eine Säge- u. Oelmühle betrieben. Im Fall eintretender Betriebsstörungen wird das Wasser durch den Umflutgraben vermittels eines einfachen Überfalls abgeleitet (vgl. Übersichtskarte) und etwa 500 m unterhalb der Mühle den Stollenbach wieder zugeführt.


Tecklenburg, den 2. Februar 1925.
Mengenroth
Kreiswiesenbaumeister


Quelle: Buch - Uffeln - Geschichte eines Ibbenbürener Ortsteils


 
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1927 - Mühle von Voßschulte, Püsselbüren bei Hörstel


1. Mühle noch ohne Schuppen
2. Mühle mit Gerinne
3. Mühle mit Schleppdach
 
 
1. Mühle noch ohne Schuppen
2. Mühle mit Gerinne - 1927
3. Mühle mit Schleppdach - 1927
 

Foto: 1 - Ostseite, Rückseite der Mühle, noch ohne Schuppen, das Gerinne geht unter einem Bogen in das Mühlengebäude, Heinrich 2 Voßschulte, geb. 1882 und 2 Müller, Foto um 1927
  Foto: 2 - Mühle mit Gerinne durch den Schuppen in die Mühle und links das alte Wohnhaus am Rehdiek, vor dem Pferdewagen der Brunnen, Foto um 1927  
  Foto: 3 - Mühle mit Schleppdach nach Westen zum Rehdiek, dahinter der Pferdestall Foto um 1927. In dem Stallgebäude war 1823 auch eine Wohnung. Links neben der Holztür verlässt der Stollenbach die Mühle.  


1927 - Die Mühle am Dickenberger Stollen
Mühle Voßschulte aus "Heimat und Leben" 1927, S. 939

In Püsselbüren, nach dem Ems-Weser-Kanal und der Straßenkreuzung Osnabrück- Rheine mit Ibbenbüren- Hopsten befindet sich das Mundloch des 7,5 Kilometer langen, bis zum Oeynhausen-Schacht reichenden Dickenberger Stollens (von 1771). Man ist enttäuscht von der kleinen Mundlochöffnung dieses langen Stollens. Sie ist nur 80 Zentimeter breit und 1,2 Meter über Schienenoberkante hoch. (beim Bau des Stollens waren wohl Schienen verlegt worden) Diese geringen Abmessungen erklären sich damit, dass der Stollen nur zur Wasserableitung dienen sollte und diesen Zweck auch jetzt noch erfüllt. Viel Wasser, rostbraun gefärbt, entrinnt dauernd seinem Mundloch. Dieses hat Anlass zur Errichtung einer Mühlenanlage in etwa 300 Meter Entfernung vom Stollenmundloch anfangs der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts gegeben. Das für ein oberschlächtiges Mühlrad notwendige Gefälle wurde dadurch gewonnen, dass das dem Stollen entrinnende Wasser auf einem aufgeworfenen Damm einige hundert Meter weit waagerecht oder doch nur mit geringem Gefälle fortgeleitet wurde. Am Ende des Dammes beträgt das ausnutzbare Wassergefälle etwa 5 Meter, senkrecht gemessen. In dem massiv errichteten Mühlengebäude wird mit einem Wasserrad von 4,8 Meter Durchmesser eine Mahlmühle mit zwei Gängen betrieben. Das hölzerne Rädergetriebe ist alt und so eigenartig angeordnet, wie wir es bisher nicht gefunden haben. Auf der Achse des Wasserrades sitzt ein Holz-Rad von 2 Meter Durchmesser, das mit seitlicher Verzahnung eingreift in die Verzahnung eines Rades von 1,2 Meter Durchmesser, das unten auf der aufrecht stehenden Königspindel von 30 Zentimeter Stärke sitzt.



 
5. Rückseite der Mühle mit dem Gerinne, vom Schuppen kommend
 

Foto 5: Rückseite der Mühle mit dem Gerinne, vom Schuppen kommend, Türsturz der unteren Tür mit Jahreszahl, vermutlich 1887 - das dürfte das Baujahr der Mühle sein. Der Vorbesitzer vor Richtering ist nicht bekannt. Das Gerinne war ein Holzkasten-Graben oben auf dem Damm zum Mundloch, mit 40 cm Breite und 70 cm Tiefe


Die Königspindel reicht bis oben zum Deckenbalken, ist in diesem gelagert und trägt hier oben ein Stern-Rad von 2,50 Meter Durchmesser. Dieses greift rechts und links in Stabräder von 60 Zentimeter Durchmesser, die auf hölzernen Spindeln sitzen, die abwärts zu den beiden Mahlgängen geführt sind und mit starker, eiserner Gabel das Kreuz aus Eisen, das von unten in den oberen Mahlstein eingelassen ist, erfassen und dieses nebst Mahlstein in Umdrehung versetzt. Kreuz und Mahlstein werden getragen von der unteren Spindel, die auf einem auf und ab beweglichen Lagerbalken ruht. Auf der anderen Seite des Wasserrades, der Mahlmühle gegenüber im Kellergeschoß befindet sich eine alte Ölmühleneinrichtung. Besonders auffallend an dieser ist das mächtige, waagerecht liegende hölzerne Kammrad von 3,5 Meter Durchmesser, das von der senkrechten Spindel getragen wird, die die beiden Walzsteine bewegt. Die Keil-Ölpresses ist im 1. Weltkriege durch eine neuzeitliche Kolbenpresse ersetzt worden, die mit gewaltigem Druck das Öl dem zerquetschten Samen austreibt und 250 Atmosphären zu erzeugen vermag. In späterer Zeit ist ein zweites Wasserrad seitlich von dem ersten eingebaut worden, das mittelst Riemen und Riemenscheiben eine Transmission antreibt, von der aus andere Betriebe bewegt werden, zunächst ein dritter, neuzeitlicher Mahlgang.



Wasserrad in der Grube
Mühlrad beim Abbau
Ölmühle mit 2 Mühlsteinen vom Kollergang
 
7. Wasserrad in der Grube
9. Abbau Mühlrad
8. Ölmühle mit 2 Mühlsteinen vom Kollergang
 

  Foto: 7 - Im Mühlengebäude war das oberschlächtige Wasserrad in der Grube. Blick nach draußen auf den
Damm. Der Schuppen fehlt bereits
 
  Foto: 8 - Die Ölmühle mit den 2 Mühlsteinen vom Kollergang, wohl aus Ibbenb. Sandstein, Foto 1964 durch das
Freilichtmuseum Hagen. Auf dem Kollergang fuhren Voßschulten Kinder Karussell, das war gefährlich.
 
  Foto: 9 - Foto vom Mühlrad beim Abbau 1964 durch das Freilichtmuseum Hagen  

Bei diesem ist die Einrichtung getroffen, dass er, um das Wasser auch nachts auszunutzen, ohne Aufsicht und Bedienung in Betrieb sein kann. Ein hochgelegtes Silo wird mit einer für den Nachtbetrieb ausreichenden Menge Getreide gefüllt, von dem durch eine genau einstellbare Öffnung das für den Mahlgang richtig bemessene Quantum dauernd abfließt. Das Mehl wird durch einen Elevator einem anderen Silo zugehoben, aus dem es am Tage in Säcke gefüllt wird. Als dritter Mühlenbetrieb ist eine Holzschneiderei mit Horizontalgatter vorhanden, das von der Transmission angetrieben wird. Auch elektrischer Strom für den eigenen Bedarf wird von einem Dynamo erzeugt. Die Mühle wurde 1823 von Richtering aus Lengerich bei Lingen erbaut und als Zichorien-Mühle errichtet. Nach der Mitte des vorigen Jahrhunderts wurde sie weiter aufgebaut, zunächst als Mahlmühle, später auch als Öl-, Bocke- und Knochenmühle. Anfangs der 60er Jahre erwarb Kolon Hemesch die Mühlenanlage. Von ihm übernahm sie 1882 der Hofbesitzer Voßschulte aus Emsdetten, der sie zunächst verpachtete und später, etwa seit Anfang dieses Jahrhunderts selbst betrieb.


Quelle: "Heimat und Leben" 1927, S. 939


Der Stollenbach
Der Damm
Rückseite der Mühle mit dem Gerinne
 
12. Der Stollenbach
13. Der Damm
14. Rückseite der Mühle mit dem Gerinne
 

  Foto: 12 - Der Stollenbach, nachdem er die Mühle nach Süden verlässt  
  Foto: 13 - Der Damm des ehem. Stollenbachs. Blick zum Mundloch des Dickenberger Stollens  
  Foto: 14 - Rückseite der Mühle mit dem Gerinne auf das Mühlrad im Mühlengebäude rechts..(5)  


 
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1963
Hypotheken- und Grundstücksmakler
B. Laakmann
Kanalhafen über Rheine


An den
Landeskonservator von Westfalen - Lippe
44 Münster
Salzstr. 38


Sehr geehrte Herren !
Betr.: Oelmühle Voßschulte

Von der Besitzerin habe ich den Alleinauftrag erhalten, die Oelmühle zu verkaufen und das Gebäude für eine Lagerhaltung zu verpachten. Da es sich meines Wissens um eine sehr alte, nur noch einmalig vorkommende, ganz aus Holz bestehende Oelmühle handelt und Sie Wert auf diese alte Mühle und deren Erhaltung legen, biete ich sie Ihnen als Erstem zum Kauf an. Ich erbitte Ihre Nachricht.

Hochachtungsvoll

Quelle: Karl Heuckmann



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1964
Übernahme-Vertrag
für die Übernahme der technischen Einrichtung und Konstruktionen der Ölmühle in Ibbenbüren-Püsselbüren, Inhaberin: Frau Maria Voßschulte. Zwischen Frau Maria Voßschulte 453 Ibbenbüren-Püsselbüren, Rehdiek 37 und dem Westfälischen Freilichtmuseum Techn. Kulturdenkmale in 58 Hagen, Bergstraße 81, wird folgender Übernahme-Vertrag vereinbart: Frau Maria Voßschulte überlässt dem Westfälischen Freilichtmuseum Technischer Kulturdenkmale in Hagen die technische Einrichtung und die Konstruktion der Mühle kostenlos. Das Westfälische Freilichtmuseum übernimmt den Ausbau und Abtransport der genannten Gegenstände.
Hagen, 16. Juli 1964

Westfälisches Freilichtmuseum Technischer Kulturdenkmale
5800 Hagen,
Bergstraße 81
i. V. Lütz Ibbenbüren-Püsselbüren, den 24. 7.1964
Frau Maria Voßschulte
Rehdiek 37

Quelle: Karl Heuckmann



1991
Westfälisches Freilichtmuseum Hagen
Hagen. den 23.10.1991
Landesmuseum für Handwerk und Technik
Auskunft erteilt: Herr Dr. Kleinert Tel.; 02331/7807-13 Fax: 02331/7807-20

Herrn
Karl Heuckmann
Bertastr. 47
4530 Ibbenbüren

Sehr geehrter Herr Heuckmann, in Beantwortung Ihres Schreibens vom 15.10.1991 kann ich Ihnen mitteilen, dass unser Museum am 07.09.1964 die wenigen noch erhaltenen Teile der schon halb abgerissenen Mühle übernommen hat. Wie Sie den in Kopie beigefügten Bildern entnehmen können, befand sich die Mühle bereits in äußerst desolatem Zustand (nach einem Sturm stürzte das Dach ein), so dass die Bauordnungsbehörde den Abbruch des Gebäudes forderte. Nachdem das Museum später eine nahezu vollständig erhaltene Ölmühle aus Gielau übernehmen konnte, bestand für den Einbau der Teile aus der Ölmühle von Voßschulte kein Bedarf mehr. Diese Teile sind nach wie vor in unserem Magazin eingelagert.
Mit freundlichen Grüßen

i. V.
Dr. Ing. Christian Kleinert
(Oberkustos)

Quelle: Karl Heuckmann


 


1964 - Abriss der Mühle

 
Abriss der Mühle 1964. Rechts ist Maria Voßschulte geb. Droste aus Hopsten. Sie nimmt Abschied von
ihrer Mühle. Links ist Reckers Maria aus Dreierwalde.
 

Quelle: Buch - Uffeln - Geschichte eines Ibbenbürener Ortsteils


 
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Chronologie

1771 Bau des Dickenberger tiefen Stollens
1785 etwa - Der Türsturz im Hof über der Tür in die Mühle weist darauf hin, dass die Mühle vor Richtering
existierte
1823 Richtering hat eine Zichorienmühle
1834 Heinrich 1 Voßschulte. geboren
1862 neuer Mühlenbesitzer Hemesch
1882 Heinrich 1 Voßschulte kauft die Mühle von Hemesch
1882 Heinrich 2 Voßschulte, geboren
1893 kauft Heinrich 1 Voßschulte ein Grundstück an der Mühle
1905 Pächter Heinrich Meßmann u. Müller Bernhard Sanders
1911 Heinrich 2 Voßschulte betreibt die Mühle
1922 Das Lebensmittelgeschäft im alten Wohnhaus wird geschlossen
1928 wird das kleine Wohnhaus bis auf den Keller abgerissen und der Neubau entsteht dort
1929 Holz-Anbau der Sägemühle 1930 Heinrich 2 Voßschulte, Kaufmann u. Mühlenbesitzer
1939 Heinr. 2 Voßschulte, Mühlenbesitzer u. Müllergehilfe Echtermeyer u. Fuhrmann Johann Gosch, Elisabeth
Marischen hilft im Haushalt
1953 ist der Damm nördlich der Mühle zwischen dem Weg und der Mühle gebrochen und hat alles
überschwemmt, Ursache war wohl eine Unterhöhlung durch die vielen Ratten.
1953 hat die Preussag den Stollenbach parallel zum alten Damm ab dem nördlichen Weg verrohrt.
1959 Heinrich 2 ist verstorben
1962 Stillstand der Mühle nach Sturm u. Dach-Einsturz
1964 Abriss der Mühle



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Literatur zum Thema ::

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Uffeln - Geschichte eines Ibbenbürener Ortsteils

Rode, Helmut und Eßlage, Klemens
Herausgegeben von der Fastnacht Uffeln, 1994
Ibbenbürener Vereinsdruckerei, 1994
607 Seiten

ISBN 3-921290-78-3

Ibbenbürener Vereinsdruckerei GmbH - http://www.ivd.de

Stadtmuseum Ibbenbüren - Im Bestand
 
Uffeln - Geschichte eines Ibbenbürener Ortsteils
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Links zum Thema ::

Wikipedia - Dickenberger Stollen - https://de.wikipedia.org/wiki/Dickenberger_tiefer_Stollen
  Wikipedia - Uffeln - https://de.wikipedia.org/wiki/Uffeln_(Ibbenb%C3%BCren)  
  7grad.org - Dickenberger Tiefenstollen - http://www.7grad.org/Exkursionen/NRW/Ibbenbueren/  
  LWL - Freilichtmuseum Hagen - http://www.lwl.org/LWL/Kultur/LWL-Freilichtmuseum_Hagen/  



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Foto Seite oben - Zeichnung von August Dorfmüller - Ibbenbüren 1844



© Förderverein Stadtmuseum Ibbenbüren e. V.
Breite Straße 9 - 49477 Ibbenbüren
Stadtmuseum Ibbenbüren
Aktualisiert/Update 21.03.2017
www.stadtmuseum-ibbenbueren.de
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