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Zeichnung von August Dorfmüller - Ibbenbüren 1844
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Stadtgeschichte > Aufsätze zur Geschichte Ibbenbürens > Geschichten vom Glücksberg - Bergbau und Sandstein


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spacer Geschichten vom Glücksberg - Bergbau und Sandstein - Von Werner Suer


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Die heutige Bergsiedlung war um 1900 ein Kiefernkamp des Bergfiskus, er diente dem Bergbau für die Grubenholzversorgung. Als man zum modernen Ausbau der Gruben mit Stahlstempeln überging, wurde der Kiefernkamp zum Baugrund für die Bergleute. Die alte Bezeichnung für dieses Gebiet heißt Glücksberg. Der Bereich unterhalb des Glücksbergs hat eine bewegte Geschichte des Bergbaus und der Gewinnung von Sandstein erlebt. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren die Verhältnisse der Grube Dickenberg durch weitgehenden Abbau und durch gestörte Lagerungsverhältnisse des gleichnamigen Flözes nicht besonders gut, so dass das Ibbenbürener Bergamt auf Anordnung des preußischen Ministers Graf Reden 1803 begann, das Flöz zwischen dem Dickenberg und Ibbenbüren in Angriff zu nehmen. Dabei wurde mit dem Glücksburger Oberstollen ein Flöz von 36 Zoll (94 cm) Mächtigkeit aufgefahren. Die Freude über das Flöz und die ausgezeichnete Kohle war so groß, dass man den Berg "Glücksberg" nannte (Bereich der westlichen Bergsiedlung) und das Flöz und die Zeche bekam die Bezeichnung "Glücksburg".



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Die Zeche Glücksburg

Sie baute bis Mitte des 17. Jahrhunderts ab, zunächst im Ausgehenden des Flözes Glücksburg, elf söhlige Stollen, die u.a. folgende Namen trugen: Albrecht, August, Gottlieb und den Schacht Gute Hoffnung. Fünf Stollen waren in den Gärten der unteren Bergsiedlung, sie gingen alle Richtung Norden und sie hatten nach ca. 25 m jeweils ein Lichtloch. Das Flöz war hier 40 - 80 cm stark. Ein weiterer Stollen lag westlich der Siedlung und 5 Stollen lagen östlich der heutigen Talstraße. Außerdem gehörten zu Zeche Glücksburg noch der Oberstollen, der Mittelstollen und der Carl-Schacht. Im Jahre 1831 war Christian Schwabe Königlicher Geldempfänger und Kohlenmesser der Zeche Glücksburg. Seine Aufgabe war es, die Menge der geförderten Kohle im Auftrag des Königlichen Bergamtes zu messen, sie anzukaufen und sie an die Abnehmer weiterzugeben. Dazu musste er zunächst jährlich eine hohe Kaution leisten. Jedoch erwies er sich im Laufe der Jahre als so zuverlässig, dass ihm später diese regelmäßige Zahlungsverpflichtung erlassen wurde. Ein Hauptabnehmer der Kohle war die Eisenhütte in Gravenhorst. Um das Bergwerk erfolgreich zu betreiben und die Wasser zu lösen, wurde 1807 oberhalb von Bauer Overklaus (Witthake, Prozessionsweg) auf Rechnung der Eisenhütte der tiefer gelegene Glücksburger Mittelstollen aufgefahren. 1811 wurde das Flöz Glücksburg erreicht.



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Der Glücksburger Mittelstollen

Der Mittelstollen, auch Wasserstollen genannt, der Zeche Glücksburg von 1807 im Tal westlich der Bergsiedlung ist auf eine Länge von 272 m in Sandstein-Trockenmauerwerk ausgeführt. Er zeigt uns das hohe handwerkliche Geschick der Erbauer. Die Sandsteine stammen aus einem kleinen ehemaligen Steinbruch südlich vom Mundloch. Sie sind sehr sorgfältig bearbeitet und aufgesetzt, die Fugen sind so eng, dass keine Baumwurzel sie durchdringen kann. Über der Firste (Gewölbe) ist eine sandige Lehmschicht eingebaut, die gegen Oberflächenwasser und Wurzelwerk schützt. Der Stollen hat ein ganz leichtes Gefälle Richtung Mundloch und eine ca. 20 cm breite Rösche (Graben).

Das Mundloch des Mittelstollens,

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Bildunterschrift: Das Mundloch des Mittelstollens, Winterquartier für etwa 40 Fledermäuse, hier beginnt der Wasserstollen, der in die Aa mündet


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Er ist in Richtung NNO aufgefahren und nach 272 m geht er im Hangenden bei Erreichen von Flöz Bentingsbank (Mächtigkeit ca. 70 cm) bis zum Flöz Glücksburg in gewachsenen Sandstein über, hier ist kein Ausbau erforderlich. 1811 - 1820 wurde das Flöz Glücksburg abgebaut, es hatte eine Mächtigkeit von 40 - 80 cm. Im Übergang von der Mauerung zum Sandstein wurde das Flöz Bentingsbank (50 - 60 cm stark) angetroffen. Dort wurden bei der Auffahrung des Stollens alte Grubenbaue von 1790 angetroffen, dieses Flöz wurde von 1820 - 1850 abgebaut. Namensgeber des hier angetroffenen Flözes war übrigens der damalige Freiherr von Bentinck vom Adligen Gut Langewiese, er war im 17. Jahrhundert ein Pächter des Ibbenbürener Bergwerks. Der Wasserstollen traf auf die Dickenberger Stollensohle.

Jetzt konnte das Grubenwasser zwischen dem Abendsternschacht und dem Carl-Schacht (im Garten von Elektro Schwabe, die Halde ist noch heute vorhanden) durch den Wasserstollen gelöst werden. Übrigens ist der Carls-Schacht Namensgeber für die heutige Straße "Am Karlschacht" und nicht die alte Kaue "Schacht Karl" am Wersborgweg, Ecke Offenbachstraße.

Etwa 1815 betrieb der Colon Kitten am Prozessionsweg eine Knochenmühle, zum Antrieb des Mühlrads diente ihm der Wasserstollen. Bei Dränagearbeiten vor ca. 20 Jahren wurde in der Wiese oberhalb der Mühle die alte Rösche (Graben in Trockenmauerwerk) des Wasserstollens angetroffen, in der Sohle war noch eine dicke Schicht Ocker, ein Brauneisenerz (damals wertvoller Rohstoff für die Farbenherstellung), das durch eindringendes Wasser aus den Mineralien des Berges gelöst wird und welches dann im Grubenwasser als Schwebstoff auftritt.



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Der Mittelstollen war bis ca. 1950 zugänglich. Er hat die erstaunliche Höhe von 2,20 m und eine Breite in der Sohle von 1,35 m und in Schulterhöhe von ca. 1,45 m. Ca. 70 m vom Mundloch entfernt ist in der Firste ein quadratisch gemauerter Kamin von 60 x 50 cm und ungefähr 3,5 m Höhe. Er endet dicht unter der Erdoberfläche mit einer Nische, deren Funktion unklar ist (Lichtloch, Windofen?).

Vom lange verschlossenen Mundloch aus floss das Wasser des Stollens im Tal in eine offene Rösche in Richtung SSW in Richtung Aa-Bach. Die Rösche war in Trockenmauerwerk in Kastenprofil-Form als 50 cm tiefer Graben ausgemauert. Josef Rötker und Franz Walterskötter erinnern sich, wie sie als Kinder den Stollen mit Kerzenbeleuchtung erforscht haben.

In der Firste ist ein Wetterkamin zur Bewetterung des Stollens durch Feuer auf der Stollensohle

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Bildunterschrift: In der Firste ist ein Wetterkamin zur Bewetterung des Stollens durch Feuer auf der Stollensohle


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Als sie ein gutes Stück gegangen waren, huschten die Fledermäuse, die die beiden in ihrem Winterquartier aufgeschreckt hatten, haarscharf an ihren Köpfen vorbei. Ein ganzes Stück weiter entdeckten sie im linken Stoß einen Sandstein mit einem Kreuz und der Jahreszahl 1808. Es handelt sich dabei wohl um einen Lachterstein, auf ihm ist die Länge bis zum alten Mundloch mit 40 ½ Lachter angegeben.Später ist Franz noch einmal in den Stollen hineingegangen, jedoch war er nur bis zum Ausbau-Ende bei Erreichen von Flöz Bentingsbank in Sandstein-Mauerwerk begehbar, dahinter lag auf der Stollensohle eine dicke Schicht Ocker-Schlamm, der ein weiteres Vordringen unmöglich machte. Während des 2. Weltkrieges wurde 1944 ein Luftschutzbunker unterhalb der westlichen Bergsiedlung in Angriff genommen.



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Inschrift am Glücksburger Mittelstollen

Man wollte von der Westseite einen Stollen auffahren, der die Mauerung des Mittelstollens durchbrechen sollte. Das Vorhaben scheiterte, weil der Wasserstollen 9 m tiefer als das Mundloch des Bunkers lag, man erreichte lediglich die Lehmschicht oberhalb des Wasserstollens. In den Notzeiten nach dem Krieg wurden im Mittelstollen von der Weberei Biederlack aus Emsdetten Kohlen abgebaut.

Im Jahre 2001 konnte der Mittelstollen anhand von alten Unterlagen von einem Bergmann wieder aufgefunden werden, mit seiner Hilfe konnte er geöffnet und durch den Bergmann und den Autor erkundet werden. Nach Bekanntwerden der starken Fledermauspopulation wurde der Stollen dem Kreis Steinfurt gemeldet.


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Inschrift am Glücksburger Mittelstollen - Unmittelbar nach Gründung der Gravenhorster Eisenhütte im Jahre 1806 nahm die Hütte den Abbau von Steinkohle des Flözes Glücksburg am Fuße des Dickenbergs auf. Aus der Kohle wurde Koks für den Hochofen hergestellt. 1807 begann man mit der Auffahrung des Glücksburger Mittelstollens zur Wasserlösung des Bergwerkes. Der in Naturstein gemauerte Stollen ist 288 m lang, 2,20 m hoch und 1,35 m breit. Nach gut 100 m ist der Stollen verbrochen. Nach dem 2. Weltkrieg gab es im Bereich des Stollens noch geringen Pachtgrubenbergbau durch die Emsdettener Textilfirma Biederlack. Heute finden etwa 40 Fledermäuse im Stollen ihr Winterquartier.



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Der E- Schacht und der Schacht "Gute Hoffnung"

Bereits 1742 wurde in der Schlucht bei Weingarten nördlich vom Mittelstollen ein nach Norden einfallender Stollen aufgefahren, um die tieferen Flözschichten zu erschließen. Dieser Stollen wurde später nach Angaben von Herrn Weingarten bis auf die zweite (die tiefe) Dickenberger Stollensohle vorgetrieben und er diente als einziehender Wetterschacht oder E-Schacht. Etwas nördlich vom E-Schacht lag neben dem Glücksburger Oberstollen der seigere Schacht "Gute Hoffnung" von 1833, ein kleiner Versuchsschacht von geringer Tiefe. Die Dickenberger Stollensohle dient bis heute der Entwässerung des ehemaligen Westfelds. Im Bereich des "Dickenberger Tiefen Stollen-Mundlochs" unterhalb der Gastwirtschaft Wolters tritt der Stollenbach aus dem Berg an die Oberfläche. Der E-Schacht-Stollen war bis ca. 1957 zugänglich. Er ist auf 30 m Länge bis zum Verbruch in Sandstein Trockenmauerwerk ausgeführt in der gleichen meisterhaften Weise wie der Mittelstollen ausgebaut. Die Fugen im Mauerwerk sind mit lehmigem Sand gefüllt. Der Stollen ist im Vergleich zum Mittelstollen sehr niedrig mit einer Höhe von nur 95 cm und er hat ein starkes Einfallen von etwa 20 Grad (fast ein Gefälle wie ein flach geneigtes Dach). Er hat eine Breite von 1,45 m bei rechteckigem Querschnitt mit leichtem Gewölbe in der Firste. Nach dem Ausbau geht er im Hangenden in das feste Sandsteingebirge über. Nach dem 2. Weltkrieg wurden ab 1945 in diesem Bereich in den nach beiden Seiten abgehenden Strecken Restkohlen abgebaut. Nach Angaben von Herrn Weingarten brach der Stollen 1948 am Übergang von der Mauerung zum festen Sandstein im Lockergestein auf ca. 6 m Länge ein und es entstand die noch heute erkennbare kleine Pinge über dem Stollen, die teilweise mit Hausmüll aufgefüllt ist. Es gab mehrere Verschüttete, auch der Bruder von Helmut Weingarten wurde verschüttet, nach 2 ½ Stunden konnten die Bergleute geborgen werden, es wurde keiner tödlich verletzt. Nach Aufwältigung des Stollens wurde der gefährdete Bereich im sogenannter "Türstock-Ausbau" mit Holzstempeln gesichert. 1965 stürzte der Stollen an dieser Stelle erneut ein, weil die Stempel inzwischen vermodert waren.


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Nach dem Krieg ist Otto Hoppe vom Püsselbürener Damm mit Alfons Bischof vom Ossenliet manchmal in den Stollen eingefahren bis auf die tiefe Stollensohle. Dort floss der Stollenbach Richtung Wolters. In der Rösche setzte sich das Ocker ab, es reichte manchmal bis zur Firste und es bestand die Gefahr, daß das Grubenwasser vom Westfeld nicht mehr abfließen konnte. Damit das Wasser ungehindert fließen konnte, mussten Otto und Alfons den Schlamm aufwirbeln bzw. aus der Rösche schaufeln. Um 1957 wurde vor dem Mundloch vom E-Schacht durch die Familie Weingarten ein Hühnerstall in Ziegelsteinmauerwerk gebaut, das Mundloch, es war inzwischen vergittert, diente dabei den Hühnern als Unterschlupf. Manchmal landete ein Ball im Hühnerstall und kullerte dann den Stollen herunter, wo er vielleicht noch heute liegt.



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Die Bergschmiede "Gute Hoffnung"

Unmittelbar östlich vom E-Schacht lag bis 1998 die Bergschmiede, Bergsiedlung 160. In ihr wohnte von 1957 bis 1975 die Familie Weingarten. Die Schmiede dürfte etwa 1745 nach Fertigstellung des E-Stollens erbaut worden sein. In den letzten Jahren diente die Schmiede der Familie Weingarten zur Kleintierhaltung. Das Gebäude wurde 1998 abgetragen, weil die Preußag aufgrund von Haldenerweiterungen Ausgleichsflächen zur Wiederaufforstung benötigte. Das Gebäude war massiv aus Bruchsteinen errichtet mit mächtigen Fenster- und Türgewänden, die glatt schariert waren. In den Fenstern waren starke eiserne Gitter mit einem geschmiedeten Ring mit Eisenkreuz in der Mitte. Im Bereich unter der heutigen Berghalde lag später der Steinbruch Apke. Während der Betriebsphase des Steinbruchs diente die Bergschmiede als Schlosserei zur Reparatur der Steinbruchgeräte und zum Schärfen der Werkzeuge. Das Gebäude wurde später aufgestockt, das Obergeschoss wurde in Kalksandstein ausgeführt, es diente italienischen Steinbrucharbeitern als Wohnung.


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Der Pachtgrubenbergbau nach 1919

Als nach dem verlorenen 1. Weltkrieg die von den Siegermächten geforderten Reparationsleistungen die Weltwirtschaftskrise auslösten und Rohstoffmangel herrschte, kam es 1919 zur Verleihung von Grubenfeldern durch den Bergfiskus. Damit sollte privaten Pächtern die Möglichkeit gegeben werden, Flözreste zu erschließen.

Im Bereich der Bergsiedlung galt das für die Flöze Glücksburg und Bentingsbank. Das Ausgehende von Flöz Glücksburg lag im Bereich am Ende der jeweiligen Gärten vom unteren und oberen Weg der Bergsiedlung. Im Bereich längs des unteren Weges strich das Flöz Bentingsbank aus.

 Die alte Bergschmiede am E-Schacht von 1742

spacerBildunterschrift: Die alte Bergschmiede am E-Schacht von 1742, einem Stollen auf die tiefe Stollensohle.


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Der Pachtgrubenbergbau nach 1919

Als nach dem verlorenen 1. Weltkrieg die von den Siegermächten geforderten Reparationsleistungen die Weltwirtschaftskrise auslösten und Rohstoffmangel herrschte, kam es 1919 zur Verleihung von Grubenfeldern durch den Bergfiskus. Damit sollte privaten Pächtern die Möglichkeit gegeben werden, Flözreste zu erschließen. Im Bereich der Bergsiedlung galt das für die Flöze Glücksburg und Bentingsbank. Das Ausgehende von Flöz Glücksburg lag im Bereich am Ende der jeweiligen Gärten vom unteren und oberen Weg der Bergsiedlung. Im Bereich längs des unteren Weges strich das Flöz Bentingsbank aus. Der Pachtgrubenbereich wurde in einzelne Parzellen oder Grubenfelder aufgeteilt. Dieser Pachtgrubenbereich erstreckte sich in einem breiten Streifen von der westlichen Bergsiedlung bis zur Glücksburger Straße. Die Gruben hatten u.a. die Namen Hindenburg, Erika, Fuchs, Herbert, Luise, Wilhelmine, Hubertus, Paula und Johanna.
Die Grubenfelder wurden von der Grube Hindenburg aus erschlossen. In der Wiese unterhalb der Bergsiedlung steht noch heute ein grauer Betonsockel, der letzte Sachzeuge der Grube Hindenburg. Auf diesem Sockel stand der Haspel für den nach Norden einfallenden tonnlägigen (schräg einfallenden) Stollen der, das Mundloch lag etwa 30 m südlich vom unteren Weg der Bergsiedlung. Es wurde 1942 wieder aufgewältigt und die Grube diente der Bevölkerung als Luftschutzsbunker. Unterhalb des Betonsockels befand sich eine große Berghalde, die so genannte "Hexenhalde". Ca. 30 m östlich vom Mundloch des Mittelstollens betrieb der Busunternehmer Gronemann eine Pachtgrube. Etwa 80 m südlich von Veit, Windmühlenweg 93, entstand 1919 die Grube Theresia, ein Stollenbetrieb mit einer Berghalde mit angelehnter hölzerner Kipprampe. Am südlichen Haldenfuß führte eine Bremsbergbahn, im Volksmund "Trissel" genannt, bergab zur Verladerampe der Feldbahn des Steinbruch Schmitz nahe der Ostbahn bei Lammers, am Berghang 80.
Hier war die Feldbahn mit einer Weiche an die Ostbahn angeschlossen. Die Bremsbergbahn bestand aus zwei Schmalspurgleisen, die nebeneinander lagen. Die Förderwagen, die bergab fuhren, waren mit einem Stahlseil über eine Umlenk-Rolle mit Bremse, dem so genannten "Trissel" mit den bergauf fahrenden Loren verbunden wie eine Art schräg liegender Paternoster. Das Haus von Lammers war 1946 ein bescheidenes Gebäude, es diente als Wohnung für den Steinbrucharbeiter Bernhard Walterskötter, heute ist es ein mitten im Wald gelegenes schönes Wohnhaus. 50 m westlich von Schubert am Windmühlenweg 105, lag ein weiteres Mundloch der Grube Theresia und 30 m südöstlich Schubert wurde 1920 die Grube Weser betrieben.



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Pachtgruben nach 1945

Nach dem 2. Weltkrieg war der Mangel ähnlich groß wie nach der Weltwirtschaftskrise von 1929. Die alten Gruben, so weit sie noch zugänglich waren, wurden wieder in Betrieb genommen. Neben dem von der Preußag genehmigten Pachtgrubenbergbau gab es auch eine wilde Kohlengräberei, deren Spuren im Ausgehenden der Flöze noch heute erkennbar sind. Im Ausgehenden von Flöz Bentingsbank wurde 180 m östlich von Lammers ein wilder Tagebau betrieben, dessen Spuren als zahlreiche Pingen (Trichter) die Zeit überdauert haben.



spacerRest einer Verlade-Rampe am Grenzweg 

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Bildunterschrift. Rest einer Verlade-Rampe am Grenzweg, bestehend aus sorgfältig bearbeiteten Steinwürfeln, angefertigt um 1938 für einen Brückenbau der Reichs-Autobahn.



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Die Pachtgrube Biederlack

Diese Grube der gleichnamigen Weberei in Emsdetten unter Leitung des Betriebsführers Vorholt untersuchte den Glücksburger Mittelstollen. Als man feststellte, dass dieser nach ca. 80 m verbrochen war, nahm man eine Stelle oberhalb in Angriff. Man wollte die stehengebliebenen Kohlenpfeiler und Restvorkommen aus dem alten Bergbau der Zeche Glücksburg abbauen. Dazu trieb man einen Stollen von Westen her zum Mittelstollen und baute diesen ca. 8 m langen Stollen in Holz aus (Deutscher Türstock). Der westliche Stoß des alten Stollens wurde in ca. 6 m Tiefe aufgebrochen. Die Förderung von Restkohlen im westlichen Flügel von Flöz Bentingsbank erfolgte mit Fördergefäßen auf Schienen mit Seilförderung durch einen Haspel am Mundloch.

Die Signalgebung erfolgte mit einem Schlag gegen eine Eisenplatte. Diese Platte war an einer Buche in ca. 3 m Höhe befestigt und mit einem Schlaghammer mit Seilführung von unten zu bedienen. Dabei bedeutete 1 Schlag: "Halt", 2 Schläge: "Auf", 3 Schläge: "Hängen" (abwärts). Die Signalplatte an der Buche ist noch erhalten. Neben dem Mundloch stand eine hölzerne Kaue als Unterkunft und für Geräte. Auf der Pachtgrube Witthake unterhalb von Stork, Bergsiedlung 102, baute Bauer Witthake Restvorkommen vom Flöz Bentingsbank im unteren Bereich der Bergsiedlung ab. Man erkennt noch heute die Pinge (Trichter) des Stollenmundlochs und einen Damm Richtung Westen, der vor der alten Steinbruch-Feldbahn von Apke endet. Von einer hölzernen Rampe am Ende des Damms wurden die Kohlen in die Loren gekippt.



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Pachtgrube Alte Windmühle

In der Wiese östlich der alten Windmühle am Windmühlenweg befand sich ab 1945 der Notbergbau "Alte Windmühle" der Preußag. Man baute zunächst das Ausgehende von Flöz Buchholz ab, welches hier mit ca. 2 m Mächtigkeit ansteht. Zwischen der Kaue und dem Weg wurde die Kohle im Tagebau durch die Firma Tietmeyer aus Schlickelde mit Baggern abgebaut. Der Weitertransport der Kohle erfolgte durch die Firma Dunkel, Lengerich. Die Kohle hatte jedoch eine schlechte Qualität, weil sie so dicht unter der Oberfläche verwittert war und weil sie mit Bergemitteln versetzt war. Im Volksmund hieß diese Kohle deshalb "Blumenerde".

Dazu hieß es Anfang des 20. Jahrhunderts im Tecklenburger Heimatkalender treffend: "Natt Holt, ne stumpe Bielen un Bockheolter (Buchholzer) Küöhle, datt is en Unglück förn Husstand". Nachdem die Wiese ausgekohlt war, wurde ein Schrägstollen von ca. 25 Grad mit dem Einfallen von Flöz Buchholz nach Norden aufgefahren und eine hölzerne Verladebühne westlich der Kaue errichtet. Bei Veit führte ein Weg an der Kaue vorbei unter die Bühne. Von großen Trichtern rutschten die Kohlen dort in die Lastwagen.



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Die Sandsteingewinnung und der Transport der Bodenschätze

Der Steinbruch der Zeche Glücksburg - Das Mauerwerk des Mittelstollens Dieser Steinbruch diente bereits um 1740 zur Gewinnung von Sandsteinen zum Ausbau vom E-Schacht und dem Glücksburger Mittelstollens. Er lag nördlich Witthake, damals Overklaus, in der Wiese unter der Hochspannungsleitung am östlichen Talhang. Die Steine für die Firste des Mittelstollens wurden gebrochen und vor Ort sorgfältig und exakt in Keilform bearbeitet. Weil der Stollen zunächst wenig Überdeckung hatte, musste er in Mauerung gesetzt werden. Auf ca. 65 m wurde eine Rösche (tiefer Graben) angelegt, damit man leichter mauern kann. Am Ende war die Rösche bereits 5 m tief, so dass man die weitere Ausmauerung im Stollenbetrieb durchführen musste, eine Arbeit, die vom Maurer sehr viel Geschick erforderte. Dazu musste der Stollenquerschnitt etwas größer gemacht werden, um die Steine setzen zu können. Durch die Keilform der Firststeine entstand ein besonders tragfähiges Gewölbe. (Im E-Schacht-Stollen wurden quadratische Steine für die Firste verwendet und der Firstbogen ist sehr flach). Bevor man schließlich die Rösche des Mittelstollens verfüllte, wurde auf die Firste noch eine ca. 30 cm dicke Schicht sandigen Lehms aufgebracht zum Schutz gegen eindringendes Oberflächenwasser und Wurzelwerk. Der Steinbruch diente 1938 der Gewinnung und Bearbeitung von Werksteinen für eine geplante Marienkapelle. Sie sollte im Talgrund unterhalb des Bruchs im Wäldchen des Bauern Witthake zwischen den "Hülskrappen" (Stechpalmen oder Hedix) errichtet werden. Die Baugrube für das Fundament war ausgehoben und die ersten behauenen Steine lagen daneben, da musste der Plan aufgegeben werden.



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Die Marienkapelle

Was war der Anlass für den Bau der Marienkapelle? Agnes und Veronika Witthake waren Mitglieder der Schönstatt-Bewegung, einer Gemeinschaft der Mariengläubigkeit, die besonders die so genannte "Madonna von Schönstatt" verehrte. Es gab zwar schon eine Kapelle der Madonna in Holthausen, aber der Weg dorthin war doch ziemlich weit. Daher entstand der Gedanke, auf dem Grund von Overklaus eine zweite Kapelle zu bauen. Viele Förderer kamen aus Püsselbüren, der Pastor von St. Mauritius in Ibbenbüren setzte sich sehr dafür ein sowie einige Ibbenbürener Geschäftsleute, unter anderem auch Konrad Elfers. Letztlich scheiterte das Vorhaben jedoch, weil inzwischen der 2. Weltkrieg begann und die fleißigen Helfer an die Front mussten und weil kein Geld mehr vorhanden war.



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Der Steinbruchbetrieb und die Feldbahn von 1920

Die so genannte Schleppbahn ging vom Steinbruch Apke (heute Schwabe) am Grenzweg bis zum Verladegleis auf dem Gelände der Holzschuhfabrik Meyer in Esch. Sie verband die Betriebe am Südrand des Berges. Auf ihr wurden Steine und Kohlen befördert. Die Trasse der auch Ostbahn genannten Schmalspurbahn ist heute noch deutlich im Gelände erkennbar.



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Östlich von Kamp-Niermeyer trat die Bahn aus dem Wald und westlich davon überquerte sie den Prozessionsweg, folgte dem heutigen Weg nach Prein, bog dann nach Süden Richtung Bahnlinie, dabei folgte sie dem Busch an der Biärke und führte schließlich bei Meyer am Birkhof auf das Gelände der Holzschuhfabrik.


Westlich der Talstraße liegt der Steinbruch Jansen an der Ostbahn. Im Steinbruch findet man noch heute Relikte eines Derricks, eines großen Hebekrans aus Holz. Damit konnten die aus der Wand gebrochenen Steine mit Haspel und Stahlseil zum Kran gezogen und dort gehoben, geschwenkt und verladen werden.

Der Derrick im Steinbruch Frehe an der Recker Straße.

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Bildunterschrift: Der Derrick im Steinbruch Frehe an der Recker Straße.



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Brücke der Zechenbahn

Bevor 1928 die Zechenbahn gebaut wurde, führte aus dem Steinbruch Apke am Grenzweg eine weitere Feldbahn nach Südwesten zum Bahnhof Püsselbüren (Kohlenwäsche), dort erfolgte die Verladung des Sandsteins auf die Reichsbahn. Beim Bau der Zechenbahn wurde daher bei Richter am Grenzweg eine kleine Brücke über die Feldbahn gebaut

Dieses Bauwerk im Garten von Richter ist noch vorhanden. In den Steinbrüchen Apke und Kamp-Niermeyer wurden 1938 Steine für einen besonderen Auftrag für Berlin gebrochen. Es waren Sandsteine für die Fassade der chilenischen Botschaft. Sie wurden bei Apke sehr sorgfältig und auf Maß gearbeitet und in unterschiedlichen Formaten mit glatten Oberflächen versehen.


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Bildunterschrift: Unter der Brücke der Zechenbahn am Grenzweg verlief die Schleppbahn vom Steinbruch Apke (Schwabe) in Richtung Kohlenwäsche und zum Bahnhof Püsselbüren.



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Sie sahen aus wie große Würfel. Gruppenweise nummeriert, wurden sie in einem großen Holzschuppen und auf dem Platz neben der Steinsäge gelagert. Einige der Werksteine, die nicht ganz den hohen Anforderungen des Auftraggebers genügten, wurden zum Bau einer Verladerampe von Apke am Grenzweg verwandt. An dieser Rampe erfolgte bis ca. 1965 die Verladung von Schieferton, der als Nebenprodukt im Steinbruch Apke gewonnen wurde, auf Lastwagen. Die Rampe mit den würfeligen Fassadensteinen ist noch heute gegenüber von Richter vorhanden. Bei Weingarten und Wellmeier unterhalb der Bergsiedlung (heute Bergehalde) lagen zwei weitere Steinbrüche von Bauer Apke. Dort machte die Schleppbahn einen Bogen nach Norden in die Schlucht und ging weiter bis in die Steinbrüche Büchters Kuhle und Kuxenloch. Die alte Trasse ist noch an der Südwestecke der Bergehalde auf halber Höhe erkennbar. In der Wiese bei Witthake war ein Abzweig zur Pachtgrube Hindenburg, die Strecke verlief unterhalb der heutigen Hochspannungsleitung nach Osten.



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Unterhalb Weingarten führte die Ostbahn nach Südwesten, ihre Trasse ist westlich des asphaltierten Wirtschaftswegs deutlich als Hohlweg bzw. Graben erkennbar. Anfangs war die Schleppbahn im Bereich der Zeche Glücksburg eine Pferdebahn, die Pferde wurden auch als Grubenpferde eingesetzt, denn nach Angaben von Otto Hoppe diente der Steinbruch Kuxenloch nördlich der Bergsiedlung um 1920 als Tränke für Grubenpferde. Die Bedeutung des Namens "Kuxenloch" konnte nirgends in Erfahrung gebracht werden -möglicherweise wurden die dort angetroffenen Kohleflöze abgebaut, dabei wurden an die einzelnen Teilhaber des Grubenbetriebs Anteilsscheine, so genannte "Kuxen" ausgegeben.


Verfasst von Werner Suer im April 2000



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Quelle/Literatur
 

Siehe Artikel von w. Suer im Buch "Püsselbüren 1150 bis 2000" - Seite 284 Im April 2002 wurde der Text des Buches nach einem Gespräch mit Helmut Weingarten, Morgensternstr. 170 in Westerkappeln erweitert und in vorliegender Form berichtigt. 2002 wurde der E-Schacht mit Hans Röhrs, Ewald Vorbrink, den Fledermaus-Experten Linnenschmidt aus Riesenbeck, Mescher und Sünkler aus Osnabrück und dem Autor besichtigt. Durch Herrn Vorbrink, Mettingen und Hans Röhrs wurde danach ein Film über den Mittelstollen gedreht, dabei konnten zwei Fledermäuse im Flug gefilmt werden, im Film wurden Bergleute in Uniform und bei der Arbeit gezeigt. Etwa 2005 wurde der Gücksburger Mittelstollen mit einem bedeutenden Vorkommen von Fledermäusen als versiegeltes Fledermausquartier durch den Kreis Steinfurt gegen Betreten gesichert.



Links zum Thema: spacer
spacerspacerspacer
spacerBergwerk Ibbenbüren - Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Bergwerk_Ibbenb%C3%BCrenspacer
spacerDas Westfeld - Ibbenbüren - Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Westfeld_%28Ibbenb%C3%BCren%29 
spacerAltbergbau in Ibbenbüren - http://www.7grad.org/Exkursionen/NRW/Ibbenbueren/ibbenbueren.htmlspacer
 Bergbauhistorischer Verein Buchholzer Forst im Recker Heimatverein - http://www.heimatverein-recke.de (PDF)  
 Ibbenbürener Sandstein - Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Ibbenb%C3%BCrener_Sandstein 



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Foto Seite oben - Zeichnung von August Dorfmüller - Ibbenbüren 1844



© Förderverein Stadtmuseum Ibbenbüren e. V.
Breite Straße 9 - 49477 Ibbenbüren
Stadtmuseum Ibbenbüren
Aktualisiert/Update 02.09.2016
www.stadtmuseum-ibbenbueren.de
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